Michael Fritzsche:

"future save"

D 2000
(104 Seiten, Taschenbuch, books on demand, ISBN 3-8311-0269-4, DM 19,90)
- erschienen: 2000 -

Zum Inhalt:
Dem Team um den Physiker Pier Cyynt gelingt es, Elementarteilchen durch Beschuß in die Vergangenheit zu versetzen. Nach diesem Erfolg gönnt sich Pier einen ausgedehnten Urlaub, und da er bei einer Besprechung die Biologin Magna kennengelernt hat, beschließt er, diesen auf Titan zu verbringen, wo Magna ihre Forschungen durchführt. Die Biologin stößt schließlich zum Team, als sie vorschlägt, die Versuche auf größere Objekte auszudehnen. Doch sie schleppt ein Gespenst aus ihrer Vergangenheit mit sich herum...

Immerhin: "future save" basiert auf einer recht interessanten Grundidee, die durchaus ausbauwürdig ist - denn auf den vorliegenden 104 Seiten gelingt es dem Autor kaum, diese dem Leser auch wirklich näherzubringen.
Die Handlung wirkt abgehackt und kann nur in seltenen Augenblicken wirklich überzeugen. Vielzuviel geschieht viel zu schnell und wird nicht entsprechend geschildert. Zwar kann man dem Autor eine deutliche stilistische Entwicklung seit der Kurzgeschichte "Der Kampf um den Mind-Chip" anmerken, doch sind auch hier noch starke Schwächen in der Handlungsführung vorhanden. So widmet der Autor rund die Hälfte des Romans dem Urlaub Pier Cyynts, übergeht die wissenschaftlichen Forschungen jedoch teilweise mit einzelnen kurzen Sätzen.
Gerade dies ist eigentlich schade, denn in diesen Teilen stecken noch die besten und faszinierendsten Ideen des Romans (besonders die Art der Unveränderlichkeit der Vergangenheit und die Idee, mit der die Zeitsprünge hervorgerufen werden, haben es mir hier angetan - auch wenn diese teilweise nicht wirklich neu sind - etwas mehr Beschreibung in diesem Teil wäre sicherlich nicht falsch gewesen...), hier zeigt der Autor seine größten Stärken. Eine entsprechende umfangsmäßige Würdigung dieser Stellen wäre sicherlich angebracht gewesen.
Ebenso wie man den kompletten Roman sicherlich problemlos auf drei- oder vierhundert Seiten hätte ausdehnen können - einfach nur, indem man an manchen Stellen etwas ausführlicher zu Werke geht und vor allem eine ausgeprägtere Charakterisierung der agierenden Figuren vornimmt. Denn hier steckt der wohl größte Schwachpunkt dieses Romans.
Man merkt deutlich, daß der Autor mehr mit technischen Texten als mit Prosa arbeitet - denn als technischer Text kann dies problemlos durchgehen. Bei einem Roman sollte man jedoch den Leser auch mit stilistischen Mitteln fesseln, sonst wird dieser den Roman schnell gelangweilt zur Seite legen.
Noch eine Anmerkung: Der recht happige Preis der Novelle (ein Roman ist es sicherlich vom Umfang her noch nicht...) resultiert wieder einmal größtenteils aus der Preisgestaltung von bod. Solange sich hier nichts ändert, werden die auf diese Art hergestellten Bücher sicherlich nicht zu Verkaufsrennern werden.

Fazit:
Ein Roman mit einer recht interessanten Grundhandlung, der sich stilistisch jedoch etwa gerade mal auf dem Niveau der 50er Jahre-Heftchen-SF bewegt. Allerdings ist die stilistische Entwicklung seit der Erzählung "Der Kampf um den Mind-Chip" deutlich sichtbar. Aus diesem Autor könnte wirklich noch etwas werden - denn Talent ist bei Michael Fritzsche unzweifelhaft vorhanden.
4 Punkte.

Winfried Brand


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