Ein
Raumschiff der "Engel" wird im Kampf gegen die Dämonen in ein
fremdes Universum versetzt. Schwer angeschlagen kann die Besatzung
gerade noch auf einem Planeten notlanden. Es verschlägt sie auf
eine Hochebene auf dem Kontinent Candar. Da der Planet für ihre
Verhältnisse sehr warm ist, machen sie keinerlei Anstalten, von
der Ebene zu verschwinden; vielmehr wollen sie sich hier
häuslich niederlassen. Jedoch haben sie die Rechnung ohne die
ansässigen Fürsten gemacht, denn die wollen verhindern,
daß sich die Fremden einfach auf ihrem Territorium breitmachen
- auch wenn niemand mit dieser Gegend wirklich etwas anfangen kann.
Noch viel schlimmer scheint aber zu sein, daß es sich bei den
Fremden zumeist um Frauen handelt, die hier einen Staat gründen
wollen, der auf der weiblichen Autorität beruht. Die zentrale
Kraft ihrer Aufbaubemühungen ist jedoch der Ingenieur Nylan, der
bald bemerkt, daß er auf dem Planeten magische Fähigkeiten
entwickelt und dessen Erfindungsreichtum aus dem
Flüchtlingslager ein Heim und eine Festung machen. Dies ist auch
bitter nötig, denn es gibt eine Menge Männer, die in dem
enstehenden Matriarchat auf dem Dach der Welt eine große Gefahr
für ihre eigene Welt sehen...
L.E. Modesitt jr. schließt das halbe Dutzend ab und beginnt
damit gleichzeitig einen neuen Teil der Geschichte.
Die Insel Recluce verschwindet zunächst aus dem Blick -
stattdessen gehen wir noch viel weiter in die Vergangenheit und
kümmern uns um die Entstehung der Legende, von der so oft die
Rede war, und um die Entstehung von Westwind, aus dem dereinst
Creslin (der Gründer von Recluce) kommen wird.
Stilistisch bleibt beim "Sturz der Engel" alles beim alten. Die
Hauptgeschichte ist in der Vergangenheit geschrieben, die
Nebenhandlung in der Gegenwart. Das liest sich zwar dann und wann
etwas seltsam, führt aber dazu, daß man immer genau
weiß, wo man sich befindet. Ich denke, jeder muß für
sich entscheiden, ob ihm diese Erzählweise gefällt oder
nicht - ich find's auf alle Fälle sehr faszinierend.
Für diejenigen, die sich mit den letzten Bänden sehr
gequält haben, wäre jetzt der ideale Zeitpunkt gekommen, um
aus der Geschichte auszusteigen, denn dieser Roman schlägt ein
neues Kapitel auf und hat so mit seinen Vorgängern sehr wenig
gemeinsam. Vielmehr baut er weitere Hintergründe auf, in denen
die Handlungen der Romane 1 bis 5 angesiedelt sind. Lediglich die
Welt ist die gleiche, und so hört man viele bekannte
Länder- und Städtenamen.
Gleichzeitig ist es auch ein fast idealer Einstiegsband für
Leser, die diesen Band als ersten der Serie in die Finger bekommen.
Da er eine neue Geschichte erzählt, sollte man keine Probleme
haben, sich in den Roman einzulesen. Über die geographischen
Fragen gibt eine detaillerte Karte Auskunft, und auf Figuren aus den
anderen Romanen trifft man auch nicht.
Für die "Gesamt-Leser" kann ich hier nur sagen, daß der
"Sturz der Engel" sicher das Niveau seiner Vorgänger hält.
Allerdings gibt es eine ganz entscheidende Veränderung. Zwar
haben wir hier wieder einen Schmied/Ingenieur/Zauberer, der die Dinge
richtet und fast allein die bösen weißen Magier in Schach
hält. Diesmal ist nicht er der Haupthandlungsträger,
sondern lediglich eine Figur unter vielen, die die Handlung tragen.
Es ist auch weniger die Geschichte von Einzelpersonen, sondern eher
die gesammelten Erlebnisse einer Flüchtlingsgruppe, die sich in
einer fremden Umgebung zurechtfinden muß. Ihnen gegenüber
steht ein tragischer Herrscher, der sich durch seine Umwelt in eine
Rolle gedrängt sieht, die er eigentlich überhaupt nicht
ausfüllen will - aber er hat keine Wahl.
Es gibt also nicht mehr das klassische Gut gegen Böse, sondern
vielmehr Unfreiwillig gegen Unfreiwillig. (* Hm - ist das bei
Untergebenen (um nicht zu sagen "Soldaten"...) nicht (fast) immer so?
Wie kann man eigentlich überhaupt zwischen Gut und Böse
unterscheiden? Sind für die eine Seite nicht immer die anderen
"die Bösen"? Sieht man sich nicht grundsätzlich selbst als
"den Guten" an? Heike)
Auf diese Weise kommt es weniger zu einer den ganzen Roman
übergreifenden Spannung, sondern durch den starken
Episodencharakter zu einem ständigen Auf und Ab.
Wiederum erscheint das recht ungewöhnlich, und doch war ein
Bruch in der bisherigen Handlungsstruktur sehr nötig, um eine
aufkommende Langeweile zu verhindern. So dürfte der abrupte
Wechsel der Handlungs- und Spannungsführung der Aufmerksamkeit
der Leser ganz guttun.
Fazit:
Weiterhin freue ich mich auf jeden Band aus der Welt von Recluce,
denn auch dieser hier war absolut keine Enttäuschung, sondern
eine schöne Weiterentwicklung. L.E. Modesitt schlägt ein
neues Kapitel auf, auf dessen Fortsetzung ich mit viel Spannung
blicke. Man hat hier zum einen eine schöne Ergänzung
für eine Welt, die man bereits kennt, aber auch einen guten
Einstieg für alle, die sich bisher noch nicht entschließen
konnten, sich nach Recluce zu trauen.
11 Punkte.
Interesse? Hier
kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und
das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.
