Joanne Bertin:

"Das Lied des Phönix"

(Dritter Roman von den letzten Drachenlords)
OT: Dragon and Phoenix, Part II
Ü: Regina Winter
USA 1999
(448 Seiten, Paperback, Knaur 70188, ISBN 3-426-70188-X, DM 24,-)
- erschienen: August 2000 -

Nach etlichen Strapazen erreichen die Drachenlords das ferne Reich Jehanglan und geraten scheinbar unvermeidlich in die Falle des machthungrigen Kanzlers Jhanun. Doch dieser hat nicht damit gerechnet, daß es im Reich noch ein paar andere gibt, die nach der Macht streben und bereit sind, noch ganz andere Mittel einzusetzen als er.
So geraten die Drachenlords auf ihrer Reise durch ein faszinierendes, unbekanntes Land schneller, als ihnen lieb ist, in die Situation, Menschen vertrauen zu müssen, die sie nicht kennen. Und schneller, als ihnen lieb ist, muß Maurynna sich von ihnen trennen und gemeinsam mit dem eifersüchtigen Raven allein den Weg beschreiten, der dem alten gefangenen Drachen die Rettung bringen soll.
Und schließlich ist es der Kaiser selbst, der mit seinen unberechenbaren Plänen alles ins Wanken bringt...

Das, was sich schon im letzten Band angedeutet hat, ist nun auch wirklich eingetreten. Gab es im Vorgänger quasi nichts anderes als eine lange Einleitung und Vorgeschichte zu lesen, so folgt nun die eigentliche Handlung. Hier hat man nun genau das, was dem "Drachenherz" gefehlt hat.
Auf vielen Ebenen läuft eine konsequent vorangetriebene Handlung ab, die zu keinem Zeitpunkt unübersichtlich wirkt, sondern sehr wohlproportioniert und gut dosiert daherkommt. Die verschiedenen Ebenen sind deutlich voneinander getrennt. So hat der Leser keinerlei Probleme, sich im Roman zurechtzufinden. Lediglich die Spannung hätte ein wenig kontinuierlicher sein können. Ich denke, die Auflösung mit der Falle kommt ein wenig früh, was dazu führt, daß der Spannungsverlauf ein wenig einknickt und eine Weile benötigt, bis er wieder in Schwung kommt. Das macht den Roman allerdings nicht langweilig; statt dessen werden hier einige sehr interessante Charaktere eingeführt, die sehr viel Spaß machen.
Schade ist aber, daß das eigentliche Element der Drachenlords bis auf das Ende fast komplett wegfällt und erst zum Schluß wieder ausgegraben wird. Hier allerdings darf man wieder Drachen fliegen sehen. Äußerst zwiespältig kann man auch mit Raven umgehen. War der kleine Kerl im letzten Roman einfach nur nervig, so wird er hier weiterhin derart kontinuierlich als Antipathieträger aufgebaut, daß mir das schon wieder deutliche Bewunderung abringt. Raven wird mit einer derartigen inneren Logik aufgebaut, daß es den Leser schier in den Wahnsinn treibt. Man möchte den Kerl am liebsten mit eigenen Händen erwürgen oder anderes mit ihm tun, und ich bin mir absolut sicher, daß das von der Autorin mit voller Absicht so geschrieben wurde. So muß also jeder selbst entscheiden, ob Raven eher ein Plus- oder ein Minuspunkt ist. Ich für meinen Teil werte ihn aufgrund seiner perfekten Darstellung eher als Pluspunkt, trägt er doch ganz immens dazu bei, daß man den Roman nicht aus der Hand legen will, weil man unbedingt wissen muß, was er als nächstes wieder anstellt.
Der Seite von Maurynne gegenüber steht dann noch die mit den anderen Drachenlords. Die wirken fast bis zum Ende doch etwas verloren und überflüssig. Ihre einzige Existenzberechtigung scheint es zu sein, am Ende wieder ins Finale eingreifen zu dürfen. So faszinierend und polarisierend die eine Ebene ist, so langweilig ist die andere.
Man liest also einen (zumeist) wirklich schönen und faszinierenden Roman, bis man das Ende erreicht. Hier zeigt sich mal wieder, was ein schlechtes Ende alles kaputtmachen kann. Dabei ist die Handlung an sich gar nicht mal schlecht. Allerdings wird nur die Hälfte zu Ende gebracht. Alles andere bleibt so irgendwie halbfertig liegen. Darunter sind dann auch Handlungsstränge, die mit den nächsten Romanen (die wohl noch kommen werden) absolut nichts zu tun haben werden.
Auf diese Weise legt man das Buch doch recht unbefriedigt aus der Hand, zumal mir die Auflösung um den zu befreienden Drachen auch nicht gut gefallen hat. Schade eigentlich. Was bleibt, ist, der Dinge zu harren, die noch kommen und von denen ich nicht zu sagen vermag, in welcher Umgebung sie spielen werden.

Fazit:
Eigentlich ein sehr schöner Roman, der aber ein schwaches Ende mit sich herumträgt. Ansonsten gibt's eine Menge tolle Charaktere, auch wenn ein paar nicht wirklich viel zu tun haben.
Zudem empfehle ich dringendst, "Drachenherz" und "Das Lied des Phönix" zusammen zu lesen, denn beide Romane wirken als Ganzes wahrscheinlich um einiges besser als die auseinandergerissenen Hälften.
11 Punkte

Alexander Haas


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