Nach
etlichen Strapazen erreichen die Drachenlords das ferne Reich
Jehanglan und geraten scheinbar unvermeidlich in die Falle des
machthungrigen Kanzlers Jhanun. Doch dieser hat nicht damit
gerechnet, daß es im Reich noch ein paar andere gibt, die nach
der Macht streben und bereit sind, noch ganz andere Mittel
einzusetzen als er.
So geraten die Drachenlords auf ihrer Reise durch ein faszinierendes,
unbekanntes Land schneller, als ihnen lieb ist, in die Situation,
Menschen vertrauen zu müssen, die sie nicht kennen. Und
schneller, als ihnen lieb ist, muß Maurynna sich von ihnen
trennen und gemeinsam mit dem eifersüchtigen Raven allein den
Weg beschreiten, der dem alten gefangenen Drachen die Rettung bringen
soll.
Und schließlich ist es der Kaiser selbst, der mit seinen
unberechenbaren Plänen alles ins Wanken bringt...
Das, was sich schon im letzten Band angedeutet hat, ist nun auch
wirklich eingetreten. Gab es im Vorgänger quasi nichts anderes
als eine lange Einleitung und Vorgeschichte zu lesen, so folgt nun
die eigentliche Handlung. Hier hat man nun genau das, was dem
"Drachenherz" gefehlt hat.
Auf vielen Ebenen läuft eine konsequent vorangetriebene Handlung
ab, die zu keinem Zeitpunkt unübersichtlich wirkt, sondern sehr
wohlproportioniert und gut dosiert daherkommt. Die verschiedenen
Ebenen sind deutlich voneinander getrennt. So hat der Leser keinerlei
Probleme, sich im Roman zurechtzufinden. Lediglich die Spannung
hätte ein wenig kontinuierlicher sein können. Ich denke,
die Auflösung mit der Falle kommt ein wenig früh, was dazu
führt, daß der Spannungsverlauf ein wenig einknickt und
eine Weile benötigt, bis er wieder in Schwung kommt. Das macht
den Roman allerdings nicht langweilig; statt dessen werden hier
einige sehr interessante Charaktere eingeführt, die sehr viel
Spaß machen.
Schade ist aber, daß das eigentliche Element der Drachenlords
bis auf das Ende fast komplett wegfällt und erst zum
Schluß wieder ausgegraben wird. Hier allerdings darf man wieder
Drachen fliegen sehen. Äußerst zwiespältig kann man
auch mit Raven umgehen. War der kleine Kerl im letzten Roman einfach
nur nervig, so wird er hier weiterhin derart kontinuierlich als
Antipathieträger aufgebaut, daß mir das schon wieder
deutliche Bewunderung abringt. Raven wird mit einer derartigen
inneren Logik aufgebaut, daß es den Leser schier in den
Wahnsinn treibt. Man möchte den Kerl am liebsten mit eigenen
Händen erwürgen oder anderes mit ihm tun, und ich bin mir
absolut sicher, daß das von der Autorin mit voller Absicht so
geschrieben wurde. So muß also jeder selbst entscheiden, ob
Raven eher ein Plus- oder ein Minuspunkt ist. Ich für meinen
Teil werte ihn aufgrund seiner perfekten Darstellung eher als
Pluspunkt, trägt er doch ganz immens dazu bei, daß man den
Roman nicht aus der Hand legen will, weil man unbedingt wissen
muß, was er als nächstes wieder anstellt.
Der Seite von Maurynne gegenüber steht dann noch die mit den
anderen Drachenlords. Die wirken fast bis zum Ende doch etwas
verloren und überflüssig. Ihre einzige Existenzberechtigung
scheint es zu sein, am Ende wieder ins Finale eingreifen zu
dürfen. So faszinierend und polarisierend die eine Ebene ist, so
langweilig ist die andere.
Man liest also einen (zumeist) wirklich schönen und
faszinierenden Roman, bis man das Ende erreicht. Hier zeigt sich mal
wieder, was ein schlechtes Ende alles kaputtmachen kann. Dabei ist
die Handlung an sich gar nicht mal schlecht. Allerdings wird nur die
Hälfte zu Ende gebracht. Alles andere bleibt so irgendwie
halbfertig liegen. Darunter sind dann auch Handlungsstränge, die
mit den nächsten Romanen (die wohl noch kommen werden) absolut
nichts zu tun haben werden.
Auf diese Weise legt man das Buch doch recht unbefriedigt aus der
Hand, zumal mir die Auflösung um den zu befreienden Drachen auch
nicht gut gefallen hat. Schade eigentlich. Was bleibt, ist, der Dinge
zu harren, die noch kommen und von denen ich nicht zu sagen vermag,
in welcher Umgebung sie spielen werden.
Fazit:
Eigentlich ein sehr schöner Roman, der aber ein schwaches Ende
mit sich herumträgt. Ansonsten gibt's eine Menge tolle
Charaktere, auch wenn ein paar nicht wirklich viel zu tun haben.
Zudem empfehle ich dringendst, "Drachenherz" und "Das Lied des
Phönix" zusammen zu lesen, denn beide Romane wirken als Ganzes
wahrscheinlich um einiges besser als die auseinandergerissenen
Hälften.
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