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Inhalt:
Die Aldebaraner erreichen die Erde, und nach vorsichtiger
Kontaktaufnahme verplappert sich ein Erdling und erzählt von
einem Chip, der in der Lage ist, die Leistung des menschlichen
Gehirns nachzuahmen. Zwar sind die Aldebaraner den Menschen technisch
haushoch überlegen, doch einen solchen Chip haben sie nicht,
weshalb sich ein aldebaranischer Verbrecher mit 50 Kampfschiffen auf
den Weg macht, den Chip für sich allein zu sichern und die Erde
plattzumachen...
Oh je - es steht wieder einmal eine dieser wirklich unangenehmen
Rezensionen an, die ich nun gar nicht mag. Immerhin wurde mir dieses
mehr als nur dünne Teil (fast schon sollte man es "Heftchen"
nennen) auf dem BuchmesseCon persönlich vom Autor in die Hand
gedrückt - hoffnungsvoll und voller Tatendrang. Hinzu kommt,
daß das Flash u.a. auch eine Plattform für unbekannte
Autoren bilden soll, um diese einem gewissen Bekanntheitsgrad
zuzuführen. Für das Folgende hasse ich mich ja schon fast
selber - aber das Flash steht nun mal auch für schonungslose
Ehrlichkeit und ist Euch, den Lesern, verpflichtet - dementsprechend
kann ich wohl nicht anders und hoffe nur, daß der Autor dies
als konstruktive Kritik annimmt, anstatt sich verärgert in ein
Schneckenhaus zurückzuziehen...:
Da haben wir also den Erstkontakt mit einer nichtmenschlichen Rasse,
die sich eigentlich recht friedlich gibt (und auch ist)... Dieser
Erstkontakt verläuft dann auch noch recht vergnüglich, doch
das Verplappern eines der irdischen Delegationsmitglieder bringt
einen aldebaranischen Verbrecher auf die Idee, mit 50 voll
ausgerüsteten Kampfschiffen loszudüsen. Da stellt sich dem
Leser doch direkt die erste Frage, weshalb zwar die gelandeten
Wissenschaftler sich gegen die Schiffe stellen, Aldebaran selber
jedoch keinerlei Anstrengungen unternimmt, seine eigenen
Bösewichte irgendwie aufzuhalten (z.B. durch Schiffe, die man
hinterherschickt)...
Wenn man das Ganze jedoch weiter betrachtet, kommt man unweigerlich
zu weiteren Fehlern in der internen Logik.
Da ist also diese absolute Neuentwicklung des "Mind-Chips" - und um
die Erde vor der Vernichtung durch die verbrecherischen Aliens zu
retten, schickt man den Prototyp in einen Kometen, der (welch ein
Zufall!) gerade das Sonnensystem durchquert. Man gräbt das
Alien-Schiff möglichst unauffällig ein und ist der Meinung,
daß, wenn der Prototyp nicht mehr auf der Erde ist, diese auch
verschont werden wird. Selten so gelacht... Welche Motivation sollten
die Aldebarener wohl haben, die Erde in Ruhe zu lassen (Abgesehen
davon: Welche Motivation haben sie eigentlich, "die Erde in die
Steinzeit zurückzubomben", wenn sie den Chip erbeutet haben???),
nur weil der Prototyp nicht mehr hier ist?!?
Und überhaupt: Offensichtlich gibt es niemanden, der den Chip
anhand der aufgezeichneten Daten rekonstruieren kann. Die
aldebaranischen Verbrecher müssen unbedingt den Prototyp haben -
schade eigentlich, daß es offensichtlich keine Aufzeichnungen
gibt, die Menschen den Chip also auch wohl nicht in Serie herstellen
können...
Geradezu lächerlich wirken dann auch die Verstecksequenzen
innerhalb des Kometen, Asteroiden oder was auch immer... Wir graben
uns ein, schmelzen eine Eisschicht darüber und sind der Meinung,
daß uns wohl keiner finden wird, wobei wir hoffen, daß
wir nicht in die Sonne fallen. Und über das Ende der Story
möchte ich jetzt erst gar nichts mehr sagen - sollte es jemanden
geben, der sich das Teil zulegen möchte, möchte ich diesem
wenigstens darüber nichts verraten - außer, daß es
ziemlich haarsträubend ist...
Das ganze wäre ja noch eine halbwegs vergnügliche
Geschichte, der man einiges verzeihen könnte, würde
Fritzsche wenigstens stilistisch über das übelste
Heftroman-Niveau der 50er Jahre hinauskommen. Doch das, was er hier
bietet, ist bestenfalls Fanzine-Niveau - im schlechteren Sinne des
Wortes. Seine Sprache wirkt abgehackt und auf das absolut Wesentliche
verkürzt. Dabei vergißt er durchgehend, auch nur halbwegs
irgendwelche Charaktere zu schildern, und versteift sich auf absolute
Stereotypen - obwohl auch dies falsch ist: Stereotypen haben noch
mehr Leben in sich als die "Figuren" dieser Kurzgeschichte...
Das ganze erinnert doch stark an die ersten Gehversuche eines
Fan-Autoren - ähnliches ist normalerweise von 12-15jährigen
als Erst-Stories in Fanzines zu lesen. Eine kompakte Handlung ohne
jegliche Identifikationsfiguren oder auch nur annähernde
Charakterschilderungen. Die Handlung wird in einem mörderischen
Tempo abgespult, das seinesgleichen sucht - eine Entwicklung und vor
allem Motivation der Handlungsträger ist nicht erkennbar.
Für jemanden, der sich selber auf dem Klappentext als "Diplom
Ingenieur, Technischer Redakteur und Science Fiction-Autor"
bezeichnet und knapp 50 Jahre alt ist, sollte und kann man sicherlich
mehr erwarten als eine schlechte 50er Jahre-Kurzgeschichte, die ihre
Handlung komprimiert zum besten gibt. Aus der Idee hätte man,
die schriftstellerischen Fähigkeiten vorausgesetzt, problemlos
einen guten 200-Seiten-Roman machen können. Diese
40-Seiten-Kurzgeschichte ist jedoch leider wieder einmal ein Beispiel
dafür, daß Libri mit den Books on Demand eine Lücke
für die Leute geschaffen hat, die es wirklich nicht verdient
haben, in der Buchhandlung zu stehen.
Dabei möchte ich Michael Fritzsche gar nicht herabwürdigen
- jedweder Schreibversuch ist mehr als nur positiv - denn bei ihm ist
Talent erkennbar. Mit ein wenig mehr Übung ist der Autor
sicherlich noch in der Lage, sehr ansprechende Romane verfassen. Doch
diese Kurzgeschichte gehört wohl eher zu den literarischen
Versuchen, die am besten ungelesen in der Versenkung verschwinden und
nie wiederentdeckt werden.
Ich möchte nicht anzweifeln, daß Michael Fritzsche sehr
gute technische Texte zu verfassen in der Lage ist, doch der knappe
und prägnante technische Stil paßt einfach nicht zur einer
prosaischen Geschichte. Hier sind Charaktere gefragt, die zu liefern
der Autor zumindest in dieser Kurzgeschichte nicht in der Lage
ist...
Fast schon unwichtig ist hierbei, daß dieses Teil als Book on
Demand erschienen ist. Der Preis von DM 8,90 ist für 40 Seiten
mehr als nur unverschämt, doch liegt dies hauptsächlich an
der Preisgestaltung von Libri; hier kann der Autor nun wirklich
nichts dafür. Wohl jedoch kann er etwas dafür, daß er
eine Geschichte veröffentlicht, die Libri an den Rand des
technisch möglichen bringt - sprich: Noch weniger Seiten
wären wohl kaum möglich gewesen, weshalb die Seitenzahl
hier auch noch künstlich durch willkürliche Leerzeilen und
Seitenwechsel aufgebläht wird. Das Problem der "Hurenkinder" und
"Schusterjungen" umgeht der Autor sehr unelegant, indem er einfach
jeglichen Absatzumbruch auf die nächste Seite unterbindet, was
den optischen Eindruck (zusätzlich zu den seltsamen Leerzeilen)
ziemlich nach unten drückt. Hier drängt sich der Eindruck
auf, daß Michael Fritzsche einfach nur Seiten schindet - bei
einem dermaßen umfanglosen Produkt sicherlich nicht das beste,
das man machen kann...
Ups - ich merke gerade, daß ich Gefahr laufe, diese Rezension
länger als die Story zu gestalten; das Ende naht also mit
schnellen Schritten.
Fazit:
Das Talent ist erkennbar - doch diese Story kann leider weder in der
Ausführung noch hinsichtlich der Handlung überzeugen.
Charaktere sind erst gar nicht vorhanden, geschweige denn eine
Beschreibung ihrer Gedankenwelt. Geboten wird hier Fanzine-Niveau zu
mehr als nur Profi-Preis. Ein entwicklungsfähiger Autor bei
seinen ersten Gehversuchen - aber dies ist wohl der Durchschnitt, den
uns Libri mit den "Book on Demand" serviert hat...
0 Punkte.
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