Band 20: "Zug der Verlorenen"

Autor: Michael J. Parrish

Emroc, der Sklavenhändler, ist mit seiner Karawane auf dem Weg nach Plymouth. Bald dringen schlechte Nachrichten an seine Ohren: Offenbar ist die Stammesfehde zwischen den Walac und den Estaru neu entflammt, die geplante Route somit nicht begehbar.
Allerdings - die Route an der Küste entlang ist auch nicht besser, treiben doch dort die grauenvollen Fishmanta'kan ihr Unwesen. Doch Emroc möchte nicht zwischen die Walac und Estaru geraten. So wählt er den Weg die Küste entlang.
Eine Entscheidung, die unter den Gefangenen Furcht und Schrecken auslöst. Und bald darauf sollen sich die Schauergeschichten, die Matt und Aruula von den anderen hören, bestätigen: Zuerst sind es nur seltsam bemalte Totenschädel, offenbar deutliche Warnungen, das Gebiet schleunigst zu verlassen. Am Abend darauf jedoch verschwinden mehrere Sklaven zunächst spurlos.
In der folgenden Nacht versuchen Crane und eine der Taratzen die Flucht. Es gelingt ihnen zwar, doch die Wächter hetzen ihnen nach. Kurze Zeit später werden grauenhaft zerstückelte Leichen gefunden; offenbar hat man ihnen das Herz herausgerissen. Panik breitet sich unter den Gefangenen aus.
Matt und Aruula entschließen sich trotz der seltsamen Geschehnisse zur Flucht. Der Wulfane Arzak, die Taratzen Chip und Dale (* Aaaarrrgh! Heike) sowie Grath und Nerk stoßen zu ihnen. Nachdem die Taratzen die Fesseln durchgebissen haben, täuscht Matt einen Angriff der Fishmanta'kan vor. Es gelingt ihnen, sich ins Unterholz zu schlagen.
Bald bemerken die Fliehenden, daß sie verfolgt werden. Nachdem Nerk und Dale spurlos verschwunden sind, wächst die Nervosität der Gruppe.
Kurz darauf stehen sie tatsächlich den Fishmanta'kan gegenüber - und Matt wird durch einen Pfeil betäubt und von ihnen verschleppt. Aruula und die anderen können ihnen entkommen. Am nächsten Tag machen sie sich auf, um Matt zu suchen. Aruula empfängt keine geistigen Signale mehr von ihm, und als sie an die Stelle kommen, an der die Fishmanta'kan sie angegriffen haben, deutet sie die Spuren falsch und hält Matt für tot. Als Grath versucht, Aruula von einer Klippe zu stoßen, greift Arzak ein, und Grath stürzt selbst die Klippe hinunter.
Matt jedoch erwacht in einer Unterwasserstation und erfährt von dem alten Wissenschaftler Quart'ol, daß die Hydriten, wie sich selbst nennen, die Sklaven eigentlich gerettet haben. Jemand anders hat die unmenschlichen Morde begangen. Matt erfährt weiterhin: Die Hydriten leben seit Jahrhunderten Seite an Seite mit den Menschen, haben aber bislang keinen Kontakt zu ihnen gesucht. Damit das Geheimnis des Verstecks gewahrt bleibt, darf keiner der Menschen die Station mehr verlassen.
Grath hat den Sturz überlebt und bekommt mit, wie die Fishmanta'kan aus einer Höhle an die Oberfläche kommen. Eine Neuigkeit, die er Emroc mitteilt - als Gegenleistung fordert Grath die Freiheit. Emroc willigt in den Handel ein.
Arzak wird durch eine mörderische Falle getötet. Crane taucht aus dem Dickicht auf, und Aruula erkennt, daß Crane die Morde begangen hat. Fast gelingt es ihm, Aruula zu ermorden. Doch die Fishmanta'kan kommen gerade rechtzeitig, um Aruula zu befreien. Crane, dem die Fischmenschen gewaltige Angst einjagen, richtet sich selbst blutig zugrunde. (Drama? Aber sicher. ;-))
Die Fischmenschen bringen Aruula in die Unterwasserstation; freudestrahlend nimmt Matt sie in die Arme. Quart'ol faßt allmählich Vertrauen zu Matt. Gemeinsam mit ihm will er einen Kontaktversuch wagen. Als sie an die Oberfläche kommen, laufen sie Emrocs Waffen direkt in die Arme. Quart'ol wird von ihnen getötet. Der Zugang zur Station jedoch ist Emroc versperrt - und Aruula und Matt sind erneut seine Gefangenen.

Wer den ersten Teil des Romans durchgelesen hat, kann sich des heimlichen Gefühls nicht erwehren, daß er die Handlung irgendwo schon mal gesehen oder gelesen hat. Hmm, eine Gruppe wird im Urwald von jemanden gejagt, der sie der Reihe nach ins Jenseits befördert - richtig, das kann nur "Predator" sein.
Daß Parrish sich hier von diesem Film inspirieren ließ, merkt man als Leser deutlich. Was ja an sich nichts Schlechtes ist. Und die Art, wie Parrish in gekonnter Art und Weise eine Atmosphäre des Grauens aufbaut, läßt durchaus Spannung aufkommen. Zuerst sind es, wie beim "Blair Witch Projekt", nur Zeichen und Symbole, danach jedoch steigert er die Atmosphäre gekonnt, bis sie schließlich mit den Funden der Leichen und der Flucht Cranes ihren Höhepunkt erreicht.
Bis hierhin liefert Parrish gewohnt routinierte Action. Dann jedoch schägt die Handlung um - und dieser Wechsel paßt nicht so recht zum ersten Teil des Romans.
Parrish versucht hier, eine philosophische, ruhige Stimmung aufkommen zu lassen und dennoch die actionreiche Handlung des ersten Teils fortzuführen - und das geht leider schief. Es gelingt Parrish nicht, die beiden Ebenen sinnvoll zusammenzubringen. So schleppt sich der zweite Teil des Romans dahin - und bekommt durch das überraschende Ende dann doch wieder Pfiff. Schließlich hat der Rezensent ja vermutet, daß Matt und Aruula wirklich frei sind. Doch weit gefehlt - sie geraten wieder in die Hände von Emroc. Jetzt steht also die große Überfahrt nach Amerika an - und nachdem mehrere Aruula-Soloabenteuer angekündigt wurden, kann man ahnen, daß Matt nicht zusammen mit Aruula verkauft werden wird.
Interessant ist jedoch die Tatsache, daß Quart'ol - hmm, eine Quartole ist ein in der Musik gebräuchlicher Ausdruck, hat sich da Parrish inspirieren lassen? - bemerkt, daß die Fischmenschen schon seit den Zeiten der Alten auf der Erde leben. Lovecraftkenner horchen da natürlich sofort auf und müssen an die Tiefen denken sowie an den Fischgott Dagon. Die Beschreibungen der Fishmanta'kan würden ungefähr passen...
Kurze Notiz noch am Rande: Laut dem Roman "Sklavenspiel" nennt Matt die Taratzen nach Figuren von Walt Disney - wobei bei der Disney-Serie "Rettungstruppe" (Rescue Rangers) die beiden Chipmunks Chip und Chap heißen, aber vielleicht hat Disney die Namen geändert. (* Du bist zu jung! Schau dir mal ältere Disney-Zeichentrickfilme an. Speziell einen, wo die beiden Streifenhörnchen sich verlieben - da heißen sie sogar im Deutschen Chip und Dale, und geschrieben wurde das im Englischen, wenn ich mich recht entsinne, IMMER Chip 'n' Dale... Voila! Heike) Wenn man allerdings die beiden Namen nach amerikanischer Art mit einem "n" in der Mitte schreibt, kommt Chip 'n' Dale dabei heraus. Man lasse sich den Namen mal auf der Zunge zergehen - und wird entweder an einen gewissen Chippendale erinnert, bekannt für kostbare Stühle, oder an eine gewisse Manstripband. ;-) (* Pfergel, Du! ;-) Streifenhörnchen sind Nagetiere, und woraus bestehen diese kostbaren Stühle nun mal? Na, aus Holz! Die Strippertruppe dürfte es zu Zeiten Disneys auch noch nicht gegeben haben... Heike)

Fazit:
Bietet die erste Hälfte des Romans noch solide Actionunterhaltung, fällt der zweite Teil doch etwas ab.
7 Punkte

Christian Spließ

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