Jo Zybell:

"Apokalypse"

D 2000
(311 Seiten, Hardcover, Zaubermond, ISBN 3-931407-44-6, DM 29,80)
- erschienen: Oktober 2000 -

Gegenwart: In einer Sommernacht des Jahres 2011 wollen sich Marc Christopher und Archer Floyd eigentlich nur mit ihren Freundinnen den Saturn ansehen. Doch das, was sie zuerst für einen Reflex eines hellen Sterns halten, entpuppt sich als ein Komet.
Matthew Drax, Commander der US Air-Force, ist zwar auf Urlaub in Europa, doch in seinen Gedanken ständig bei seiner Frau Liz. Vor kurzem haben sich die zwei getrennt, und die Scheidung ist unausweichlich. Schließlich bricht er den Urlaub ab und kehrt zu seiner Einheit zurück.
Währenddessen hat der Komet Christopher-Floyd die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler auf sich gelenkt. Es scheint, als würde er der Erde sehr nahe kommen. Zudem verhält sich der Komet sehr exzentrisch, er ändert willkürlich seinen Neigungswinkel.
Herbert Fuchs hat andere Probleme. Nach seiner abgesessenen Strafe wird er in eine ihm fremde Welt entlassen. Seine Freundin hat längst einen Anderen, und mit dem wenigen Geld in der Tasche wird er wohl keine große Zukunft vor sich haben.
Auch Burt Cassidy ist zuallererst mit sich selbst und seiner Karriere beschäftigt. Ein Slumgebiet in New York soll dem Bau von modernen Wohnungen weichen. Verständlich, daß sich die Bewohner dagegen wehren.
Für Timothy Hayes dagegen ist der Komet ein gefundenes Fressen: Seine Talkshow, die ohnehin Quotenführer ist, bekommt durch dieses Thema neuen Zulauf.
Als klar wird, daß der Komet vermutlich die Erde treffen wird, überschlagen sich die Ereignisse. Matt wird zu einer Sondereinheit der Air-Force nach Berlin abkommandiert. Fuchs überfällt eine Bank und reist nach New York, während die Regierung dort offensichtlich Bunker baut, um die Admistration zu retten. Und das wird von den Slumbewohnern nun nicht gerade gern gesehen...
Zukunft: Aruula ist als Kind von den dreizehn Inseln entführt worden. Was sie zuerst für reinen Zufall hält, entpuppt sich als von langer Hand geplanter Feldzug, der nur ein Ziel hatte: Sie. Aruula versteht die Kunst des Lauschens, sie ist eine Telepathin. Und für Sorban und seine Horde ist sie damit die ideale Kundschafterin. Aruula wandert mit der Horde durch Eureè, immer mit der Prophezeiung im Kopf, daß dereinst ein mächtiger Krieger kommen wird, um sie zu begleiten.

Daß man Heftserien im Taschenbuch - wie im Fall des "Hexers" - oder im Hardcover - wie bei "Vampira" - wiederbegegnet, ist längst keine Seltenheit mehr. Wenn jedoch in einem Hardcover die Vorgeschichte zu einer laufenden Serie erzählt wird - das hat dann doch den Hauch einer Sensation. Mit "Apokalypse" legt Jo Zybell die Vorgeschichte zur Serie "Maddrax" vor. Jo fächert die Handlung auf mehrere Ebenen auf.
Zuerst einmal erhält der Leser Einblick in die Geschichte Aruulas, Matts zukünftige Gefährtin. Wer bisher geglaubt hat, die dreizehn Inseln seien eher in der Karibik angesiedelt, der wird hier eines besseren belehrt. (* Etwa Nordsee und so? Heike) Jo gelingt es, die Entwicklung Aruulas vom Kind zur Frau ansprechend und glaubhaft zu schildern. An manchen Stellen zuckt man als Leser vielleicht doch etwas zurück - die versuchte Vergewaltigung und die anschließende Hinrichtung des Täters durch Aruula ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack (* Geschmack vielleicht nicht, aber doch auf jeden Fall nachvollziehbar, oder? Heike) - doch im Großen und Ganzen ist die Charakterisierung von Aruula gelungen.
In der Gegenwart läßt Jo nicht nur Matthew agieren, sondern breitet ein farbiges Panorama aus. Der Matt des Romans wird den Leser der Serie jedenfalls überraschen. Matt ist hier ein niedergeschlagener und zuweilen sehr depressiver Mensch, der nur in seinem Job die Scheidung von seiner Frau vergessen kann.
Mit Herbert Fuchs (* H. Fux??? ;-) Heike) ist Jo die Charakterisierung eines sympathischen Losers gelungen. Irgendwie kann man ihm den Banküberfall gar nicht übel nehmen, und obwohl man weiß, daß es Unrecht ist, gönnt man ihm das anschließende Luxusleben in Paris und New York.
Unwillkürlich muß man beim Moderator Hayes an den "grünen" Talkshow-Gastgeber des "Fünften Elements" denken. Und auch Jerry Springer mag da Pate gestanden haben. Exzentrisch, überdreht, egoistisch und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, ist Hayes das Bindeglied zwischen den einzelnen Episodenhandlungen des Romans. Er taucht immer wieder auf - entweder auf dem Fernsehschirm oder als reale Persönlichkeit.
Mag Herbert Fuchs der sympathische Loser sein, ist Burt Cassidy, Matts Freund, dessen Gegenpart. Ein karrieresüchtiger Geschäftsmann, der die Sorgen der Slumbewohner nicht verstehen kann oder nicht verstehen will.
Jo setzt aus den einzelnen Handlungen ein Panorama der Gesellschaft im Jahr 2011 zusammen. Fast filmreif gelingt ihm der Wechsel von einer Handlung zur nächsten; er benutzt dazu eine Art sprachliche Überblendung.
Eine dritte Ebene mag den Leser zuerst etwas ratlos zurückzulassen - bis schließlich klar wird, daß sich offensichtlich zwei Lebewesen im Innern des Kometen unterhalten. Was sie jedoch beabsichtigen, bleibt unklar. Da bleibt dem Leser nichts anderes, als auf den Fortgang der Serie zu hoffen.
Die einzelnen Ebenen werden sehr souverän und routiniert erzählt. Zu Beginn des Romans braucht man einige Seiten, um sich in den Roman hineinzufinden. Je mehr man sich aber in den Roman einliest, desto mehr wird man an ihm Gefallen finden, mag man auch bisweilen den Eindruck haben, daß die einzelnen Erzählebenen manchmal zu lose miteinander verbunden sind.

Fazit:
Die Vorgeschichte zur Maddrax-Serie verrät nicht zuviel, bringt dem Leser aber einige Einblicke in altbekannte Figuren. Ein angenehmer Lesegenuß.
11 Punkte

Christian Spließ

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