Gegenwart:
In einer Sommernacht des Jahres 2011 wollen sich Marc Christopher und
Archer Floyd eigentlich nur mit ihren Freundinnen den Saturn ansehen.
Doch das, was sie zuerst für einen Reflex eines hellen Sterns
halten, entpuppt sich als ein Komet.
Matthew Drax, Commander der US Air-Force, ist zwar auf Urlaub in
Europa, doch in seinen Gedanken ständig bei seiner Frau Liz. Vor
kurzem haben sich die zwei getrennt, und die Scheidung ist
unausweichlich. Schließlich bricht er den Urlaub ab und kehrt
zu seiner Einheit zurück.
Währenddessen hat der Komet Christopher-Floyd die Aufmerksamkeit
der Wissenschaftler auf sich gelenkt. Es scheint, als würde er
der Erde sehr nahe kommen. Zudem verhält sich der Komet sehr
exzentrisch, er ändert willkürlich seinen
Neigungswinkel.
Herbert Fuchs hat andere Probleme. Nach seiner abgesessenen Strafe
wird er in eine ihm fremde Welt entlassen. Seine Freundin hat
längst einen Anderen, und mit dem wenigen Geld in der Tasche
wird er wohl keine große Zukunft vor sich haben.
Auch Burt Cassidy ist zuallererst mit sich selbst und seiner Karriere
beschäftigt. Ein Slumgebiet in New York soll dem Bau von
modernen Wohnungen weichen. Verständlich, daß sich die
Bewohner dagegen wehren.
Für Timothy Hayes dagegen ist der Komet ein gefundenes Fressen:
Seine Talkshow, die ohnehin Quotenführer ist, bekommt durch
dieses Thema neuen Zulauf.
Als klar wird, daß der Komet vermutlich die Erde treffen wird,
überschlagen sich die Ereignisse. Matt wird zu einer
Sondereinheit der Air-Force nach Berlin abkommandiert. Fuchs
überfällt eine Bank und reist nach New York, während
die Regierung dort offensichtlich Bunker baut, um die Admistration zu
retten. Und das wird von den Slumbewohnern nun nicht gerade gern
gesehen...
Zukunft: Aruula ist als Kind von den dreizehn Inseln entführt
worden. Was sie zuerst für reinen Zufall hält, entpuppt
sich als von langer Hand geplanter Feldzug, der nur ein Ziel hatte:
Sie. Aruula versteht die Kunst des Lauschens, sie ist eine
Telepathin. Und für Sorban und seine Horde ist sie damit die
ideale Kundschafterin. Aruula wandert mit der Horde durch
Eureè, immer mit der Prophezeiung im Kopf, daß dereinst
ein mächtiger Krieger kommen wird, um sie zu begleiten.
Daß man Heftserien im Taschenbuch - wie im Fall des "Hexers" -
oder im Hardcover - wie bei "Vampira" - wiederbegegnet, ist
längst keine Seltenheit mehr. Wenn jedoch in einem Hardcover die
Vorgeschichte zu einer laufenden Serie erzählt wird - das hat
dann doch den Hauch einer Sensation. Mit "Apokalypse" legt Jo Zybell
die Vorgeschichte zur Serie "Maddrax" vor. Jo fächert die
Handlung auf mehrere Ebenen auf.
Zuerst einmal erhält der Leser Einblick in die Geschichte
Aruulas, Matts zukünftige Gefährtin. Wer bisher geglaubt
hat, die dreizehn Inseln seien eher in der Karibik angesiedelt, der
wird hier eines besseren belehrt. (* Etwa Nordsee und so?
Heike) Jo gelingt es, die Entwicklung Aruulas vom Kind zur Frau
ansprechend und glaubhaft zu schildern. An manchen Stellen zuckt man
als Leser vielleicht doch etwas zurück - die versuchte
Vergewaltigung und die anschließende Hinrichtung des
Täters durch Aruula ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack
(* Geschmack vielleicht nicht, aber doch auf jeden Fall
nachvollziehbar, oder? Heike) - doch im Großen und Ganzen
ist die Charakterisierung von Aruula gelungen.
In der Gegenwart läßt Jo nicht nur Matthew agieren,
sondern breitet ein farbiges Panorama aus. Der Matt des Romans wird
den Leser der Serie jedenfalls überraschen. Matt ist hier ein
niedergeschlagener und zuweilen sehr depressiver Mensch, der nur in
seinem Job die Scheidung von seiner Frau vergessen kann.
Mit Herbert Fuchs (* H. Fux??? ;-) Heike) ist Jo die
Charakterisierung eines sympathischen Losers gelungen. Irgendwie kann
man ihm den Banküberfall gar nicht übel nehmen, und obwohl
man weiß, daß es Unrecht ist, gönnt man ihm das
anschließende Luxusleben in Paris und New York.
Unwillkürlich muß man beim Moderator Hayes an den
"grünen" Talkshow-Gastgeber des "Fünften Elements" denken.
Und auch Jerry Springer mag da Pate gestanden haben. Exzentrisch,
überdreht, egoistisch und nur auf seinen eigenen Vorteil
bedacht, ist Hayes das Bindeglied zwischen den einzelnen
Episodenhandlungen des Romans. Er taucht immer wieder auf - entweder
auf dem Fernsehschirm oder als reale Persönlichkeit.
Mag Herbert Fuchs der sympathische Loser sein, ist Burt Cassidy,
Matts Freund, dessen Gegenpart. Ein karrieresüchtiger
Geschäftsmann, der die Sorgen der Slumbewohner nicht verstehen
kann oder nicht verstehen will.
Jo setzt aus den einzelnen Handlungen ein Panorama der Gesellschaft
im Jahr 2011 zusammen. Fast filmreif gelingt ihm der Wechsel von
einer Handlung zur nächsten; er benutzt dazu eine Art
sprachliche Überblendung.
Eine dritte Ebene mag den Leser zuerst etwas ratlos
zurückzulassen - bis schließlich klar wird, daß sich
offensichtlich zwei Lebewesen im Innern des Kometen unterhalten. Was
sie jedoch beabsichtigen, bleibt unklar. Da bleibt dem Leser nichts
anderes, als auf den Fortgang der Serie zu hoffen.
Die einzelnen Ebenen werden sehr souverän und routiniert
erzählt. Zu Beginn des Romans braucht man einige Seiten, um sich
in den Roman hineinzufinden. Je mehr man sich aber in den Roman
einliest, desto mehr wird man an ihm Gefallen finden, mag man auch
bisweilen den Eindruck haben, daß die einzelnen
Erzählebenen manchmal zu lose miteinander verbunden sind.
Fazit:
Die Vorgeschichte zur Maddrax-Serie verrät nicht zuviel, bringt
dem Leser aber einige Einblicke in altbekannte Figuren. Ein
angenehmer Lesegenuß.
11 Punkte