Arndt Ellmer:

"Im Netz der Nonggo"

D 2000
eBook
(201 kB, DM 11,50)

Zum Inhalt:
Bei der Katastrophe der Heliotischen Bollwerke hat es nicht nur Alashan in die Ferne verschlagen, sondern auch Kalkutta-Nord, welches bei den Nonggo herausgekommen ist.
Hier bemüht man sich nun, die Integration der Terraner in das "Internet" der Nonggo voranzutreiben, und die Forschungen in dieser Richtung sind auch schon recht weit fortgeschritten.
Doch es kommt immer häufiger zu Störungen in den Sphärenrädern, Störungen, die dafür verantwortlich sind, daß die Netze der Nonggo nicht mehr erreichbar und auch die Nonggo selber nicht mehr ansprechbar sind. Sie verfallen in eine Apathie und reagieren nicht mehr auf ihre Umwelt.
Dies führt bei den Kalkuttani natürlich zu Irritationen, und sie versuchen, die Ursache für die Störungen herauszufinden. Gut, daß Perry gerade über die Brücke kommt, um ihnen dabei zu helfen...

Nun ja, "Im Netz der Nonggo" war wohl ursprünglich als Taschenbuch geplant, wurde jedoch durch die Einstellung derselben an seiner Erscheinung gehindert. VPM bringt den Roman jetzt also erst einmal exklusiv im eBook, um ihn dann in einem halben Jahr auch als Printausgabe verfügbar zu machen.
Um eines gleich vorwegzunehmen: Die Anschaffung eines Rocket-eBooks lohnt sich für diesen Roman sicherlich nicht. Arndt Ellmer beschreibt hier zwar eine recht interessante Geschichte, doch bleibt diese eher farblos und reiht sich ins Mittelfeld der Planetenromane ein. Aufregend ist dieser Roman jedenfalls nicht.
Im Stil der 1900er Heftomane beschreibt Arndt Ellmer hier die Geschichte um Kalkutta-Nord, das bei den Nonggo gestrandet ist. Das ganze bleibt recht flach, und auch das Auftauchen Rhodans, der dann auch in der Handlung eine zentrale Rolle einnimmt, ist eher uninteressant geschildert. Hier bleibt beim Leser eigentlich kaum etwas hängen - ich selber muß bereits drei Tage nach der Lektüre erst einmal wieder hineinschauen, um mir die Handlung wieder in Erinnerung zu rufen...
Hinzu kommen einige Seltsamkeiten, die den Leser doch ein wenig stutzig werden lassen.
Das fängt damit an, daß man in Kalkutta-Nord noch nicht einmal bemerkt, daß man versetzt wurde. Da erscheint plötzlich ein Pilzdom-Gebilde mitten im Stadtteil - aber keiner weiß, was los ist. Statt dessen wundert man sich darüber, daß die Verbindungen zum Rest-Terra nicht mehr funktionieren. Offensichtlich sind hier noch nicht einmal die Syntrons auf die Idee gekommen, einmal um sich herum zu orten, denn sonst hätten sie die Faktordampfbarriere feststellen und die entsprechenden Schlüsse ziehen müssen. Naja, aber noch nicht einmal im Gleiter kann man so etwas bemerken, wie Gisolf eindrucksvoll unter Beweis stellt. Sorry - das hätte man sehen müssen... Aber es dauert erstaunlich lange, bis man bemerkt, daß man sich nicht mehr auf Terra befindet. Das ist doch ziemlich unglaubwürdig...
Recht seltsam ist auch, daß hier offensichtlich ein Kind locker mal zwei Monate allein in der Wohnung ihrer Eltern war und nur von einem Daniel-Roboter beaufsichtigt wurde. Daß dieser niemand anderen informiert hat, daß die Eltern überfällig sind, ist doch sehr unwahrscheinlich. Aber wenigstens wird das Kind im letzten Moment gerettet, als das Haus in sich zusammenbricht... Juchhu...
Interessant ist auch, daß sich Menschen offensichtlich unter dem Einfluß von 6 Gravos zwar nicht leichtfüßig, jedoch immerhin zielgerichtet bewegen können. Wenn ich daran denke, welche Probleme Perry bei den 3,8 (oder so) Gravos auf Ertrus hatte (die m.E. sowieso in der Schilderung eher lächerlich waren)... Da hätte ich doch mehr Probleme angesichts der wechselnden Schwerkraft erwartet...
Auch die Entwicklungsgeschwindigkeit, mit der die Produktion der Chips für den Zugang zum Nonggo-Netz vollzogen wird, ist m.E. ein wenig unglaubwürdig. Innerhalb von anderthalb Jahren hat man es zum 226. Prototypen gebracht, was einem Prototyp innerhalb von rund 2,5 Tagen entspricht. Das halte ich dann doch auch für ein wenig unwahrscheinlich - immerhin muß erst einmal eine Fabrik für die Herstellung eines Prototypen umgerüstet werden - und dies für jeden einzelnen... Abgesehen davon: Die Wissenschaftler bringen alle zweieinhalb Tage einen neuen Prototyp zum Vorschein? Das sieht so aus, als ob man jeglichen neuen Versuch direkt einfließen lassen möchte, ohne ihn wirklich zu testen... Alle ein bis zwei Wochen kann ich ja noch verstehen - aber dieser kurze Zeitraum... Merkwürdig...
Und dann wird der Chip endlich mal getestet - und was erreicht man? Die Angabe von "Drei Trillionen Datensätzen", die pro Sekunde ins menschliche Gehirn abgeliefert werden. Eine wirklich beeindruckende Zahl - doch leider auch ziemlich nichtssagend... Denn: Über die Größe bzw. den Umfang eines Datensatzes wird hier nichts ausgesagt. Dieser kann bei einem Bit anfangen und bis zu einer nach oben offenen Skala gehen. Das relativiert das Ganze doch schon recht heftig...
Ebenfalls recht seltsam ist, daß man sich nach wenig mehr als der Hälfte des Romans so einfach den Antigravschächten anvertraut, die vorher recht fehlerhaft arbeiteten (S. 223 des eBooks). Hier scheint jetzt wohl alles zur Normalität zurückgekehrt zu sein. Dummerweise herrschen die fatalen Einflüsse jedoch weiter - nur: Es interessiert wohl keinen...
Aber dafür weiß Perry Rhodan bereits weit vor der Handlung von Heftroman 2000 (im Jahr 1291 NGZ), daß das Verschwinden von ES ein Machtvakuuum hinterlassen hat, in das andere SIs einzudringen versuchen (S. 366 des eBooks). Das schlägt dem Faß dann doch den Boden aus... Ein bißchen mehr Serienkontinuität sollte man doch zu erreichen versuchen...
Eine weitere Bemerkung: Arndt Ellmer kündigte auf der LKS ja schon an, daß man schleichend auf die neue deutsche Schlechtschreibung umstellen wolle - hier sind die ersten Ergebnisse bereits lesbar. Da gibt es z.B. "Skelettteile" oder auch diverse Auseinanderschreibungen, die eindeutig dieser Regel folgen - oder manchmal auch nicht, vor allem bei der Trennung von Worten. Aber solches ist man ja schon gewohnt. Gerade in der Frage, was den nun zusammen- oder auseinandergeschrieben wird, werden die neuen Regelungen noch nicht einmal von den Deutschlehrern wirklich verstanden. Es wird Zeit, daß das Volk sich der FAZ anschließt und zur alten Rechschreibung zurückgeht...
Noch ein positives Wort: Hier erfährt man dann endlich einmal ein wenig mehr über das Schicksal der anderen Thoregon-Völker - weit mehr, als man dies aus der Heftserie erfahren konnte. Immerhin gibt Perry hier einmal einen kurzen Bericht von einer Reise durch die Galaxien - etwas, das man in der Heftserie bisher schmerzlich vermißt hat...

Fazit:
Dieser erste "exklusiv" als eBook erschienene Roman der Serie (in einem halben Jahr erscheint er als gedruckte Version - von "Exklusivität" kann hier also keine Rede sein...) reiht sich ein ins Mittelmaß der Serie. Es ist schön, auch einmal etwas von den anderen Thoregon-Völkern zu erfahren, doch weder handlungsmäßig noch stilistisch will hier wirklich Spannung und Interesse aufkommen. Zudem beweist Arndt Ellmer einmal wieder, daß er sich in der Serie selber nicht so besonders auskennt, und baut diverse (auch serieninterne) Logikfehler in seinen Roman ein. Die letzten Heftromane des Autors waren jedenfalls besser...
5 Punkte.

Winfried Brand

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