Zum
Inhalt:
Bei der Katastrophe der Heliotischen Bollwerke hat es nicht nur
Alashan in die Ferne verschlagen, sondern auch Kalkutta-Nord, welches
bei den Nonggo herausgekommen ist.
Hier bemüht man sich nun, die Integration der Terraner in das
"Internet" der Nonggo voranzutreiben, und die Forschungen in dieser
Richtung sind auch schon recht weit fortgeschritten.
Doch es kommt immer häufiger zu Störungen in den
Sphärenrädern, Störungen, die dafür
verantwortlich sind, daß die Netze der Nonggo nicht mehr
erreichbar und auch die Nonggo selber nicht mehr ansprechbar sind.
Sie verfallen in eine Apathie und reagieren nicht mehr auf ihre
Umwelt.
Dies führt bei den Kalkuttani natürlich zu Irritationen,
und sie versuchen, die Ursache für die Störungen
herauszufinden. Gut, daß Perry gerade über die Brücke
kommt, um ihnen dabei zu helfen...
Nun ja, "Im Netz der Nonggo" war wohl ursprünglich als
Taschenbuch geplant, wurde jedoch durch die Einstellung derselben an
seiner Erscheinung gehindert. VPM bringt den Roman jetzt also erst
einmal exklusiv im eBook, um ihn dann in einem halben Jahr auch als
Printausgabe verfügbar zu machen.
Um eines gleich vorwegzunehmen: Die Anschaffung eines Rocket-eBooks
lohnt sich für diesen Roman sicherlich nicht. Arndt Ellmer
beschreibt hier zwar eine recht interessante Geschichte, doch bleibt
diese eher farblos und reiht sich ins Mittelfeld der Planetenromane
ein. Aufregend ist dieser Roman jedenfalls nicht.
Im Stil der 1900er Heftomane beschreibt Arndt Ellmer hier die
Geschichte um Kalkutta-Nord, das bei den Nonggo gestrandet ist. Das
ganze bleibt recht flach, und auch das Auftauchen Rhodans, der dann
auch in der Handlung eine zentrale Rolle einnimmt, ist eher
uninteressant geschildert. Hier bleibt beim Leser eigentlich kaum
etwas hängen - ich selber muß bereits drei Tage nach der
Lektüre erst einmal wieder hineinschauen, um mir die Handlung
wieder in Erinnerung zu rufen...
Hinzu kommen einige Seltsamkeiten, die den Leser doch ein wenig
stutzig werden lassen.
Das fängt damit an, daß man in Kalkutta-Nord noch nicht
einmal bemerkt, daß man versetzt wurde. Da erscheint
plötzlich ein Pilzdom-Gebilde mitten im Stadtteil - aber keiner
weiß, was los ist. Statt dessen wundert man sich darüber,
daß die Verbindungen zum Rest-Terra nicht mehr funktionieren.
Offensichtlich sind hier noch nicht einmal die Syntrons auf die Idee
gekommen, einmal um sich herum zu orten, denn sonst hätten sie
die Faktordampfbarriere feststellen und die entsprechenden
Schlüsse ziehen müssen. Naja, aber noch nicht einmal im
Gleiter kann man so etwas bemerken, wie Gisolf eindrucksvoll unter
Beweis stellt. Sorry - das hätte man sehen müssen... Aber
es dauert erstaunlich lange, bis man bemerkt, daß man sich
nicht mehr auf Terra befindet. Das ist doch ziemlich
unglaubwürdig...
Recht seltsam ist auch, daß hier offensichtlich ein Kind locker
mal zwei Monate allein in der Wohnung ihrer Eltern war und nur von
einem Daniel-Roboter beaufsichtigt wurde. Daß dieser niemand
anderen informiert hat, daß die Eltern überfällig
sind, ist doch sehr unwahrscheinlich. Aber wenigstens wird das Kind
im letzten Moment gerettet, als das Haus in sich zusammenbricht...
Juchhu...
Interessant ist auch, daß sich Menschen offensichtlich unter
dem Einfluß von 6 Gravos zwar nicht leichtfüßig,
jedoch immerhin zielgerichtet bewegen können. Wenn ich daran
denke, welche Probleme Perry bei den 3,8 (oder so) Gravos auf Ertrus
hatte (die m.E. sowieso in der Schilderung eher lächerlich
waren)... Da hätte ich doch mehr Probleme angesichts der
wechselnden Schwerkraft erwartet...
Auch die Entwicklungsgeschwindigkeit, mit der die Produktion der
Chips für den Zugang zum Nonggo-Netz vollzogen wird, ist m.E.
ein wenig unglaubwürdig. Innerhalb von anderthalb Jahren hat man
es zum 226. Prototypen gebracht, was einem Prototyp innerhalb von
rund 2,5 Tagen entspricht. Das halte ich dann doch auch für ein
wenig unwahrscheinlich - immerhin muß erst einmal eine Fabrik
für die Herstellung eines Prototypen umgerüstet werden -
und dies für jeden einzelnen... Abgesehen davon: Die
Wissenschaftler bringen alle zweieinhalb Tage einen neuen Prototyp
zum Vorschein? Das sieht so aus, als ob man jeglichen neuen Versuch
direkt einfließen lassen möchte, ohne ihn wirklich zu
testen... Alle ein bis zwei Wochen kann ich ja noch verstehen - aber
dieser kurze Zeitraum... Merkwürdig...
Und dann wird der Chip endlich mal getestet - und was erreicht man?
Die Angabe von "Drei Trillionen Datensätzen", die pro Sekunde
ins menschliche Gehirn abgeliefert werden. Eine wirklich
beeindruckende Zahl - doch leider auch ziemlich nichtssagend... Denn:
Über die Größe bzw. den Umfang eines Datensatzes wird
hier nichts ausgesagt. Dieser kann bei einem Bit anfangen und bis zu
einer nach oben offenen Skala gehen. Das relativiert das Ganze doch
schon recht heftig...
Ebenfalls recht seltsam ist, daß man sich nach wenig mehr als
der Hälfte des Romans so einfach den Antigravschächten
anvertraut, die vorher recht fehlerhaft arbeiteten (S. 223 des
eBooks). Hier scheint jetzt wohl alles zur Normalität
zurückgekehrt zu sein. Dummerweise herrschen die fatalen
Einflüsse jedoch weiter - nur: Es interessiert wohl
keinen...
Aber dafür weiß Perry Rhodan bereits weit vor der Handlung
von Heftroman 2000 (im Jahr 1291 NGZ), daß das Verschwinden von
ES ein Machtvakuuum hinterlassen hat, in das andere SIs einzudringen
versuchen (S. 366 des eBooks). Das schlägt dem Faß dann
doch den Boden aus... Ein bißchen mehr Serienkontinuität
sollte man doch zu erreichen versuchen...
Eine weitere Bemerkung: Arndt Ellmer kündigte auf der LKS ja
schon an, daß man schleichend auf die neue deutsche
Schlechtschreibung umstellen wolle - hier sind die ersten Ergebnisse
bereits lesbar. Da gibt es z.B. "Skelettteile" oder auch diverse
Auseinanderschreibungen, die eindeutig dieser Regel folgen - oder
manchmal auch nicht, vor allem bei der Trennung von Worten. Aber
solches ist man ja schon gewohnt. Gerade in der Frage, was den nun
zusammen- oder auseinandergeschrieben wird, werden die neuen
Regelungen noch nicht einmal von den Deutschlehrern wirklich
verstanden. Es wird Zeit, daß das Volk sich der FAZ
anschließt und zur alten Rechschreibung zurückgeht...
Noch ein positives Wort: Hier erfährt man dann endlich einmal
ein wenig mehr über das Schicksal der anderen
Thoregon-Völker - weit mehr, als man dies aus der Heftserie
erfahren konnte. Immerhin gibt Perry hier einmal einen kurzen Bericht
von einer Reise durch die Galaxien - etwas, das man in der Heftserie
bisher schmerzlich vermißt hat...
Fazit:
Dieser erste "exklusiv" als eBook erschienene Roman der Serie (in
einem halben Jahr erscheint er als gedruckte Version - von
"Exklusivität" kann hier also keine Rede sein...) reiht sich ein
ins Mittelmaß der Serie. Es ist schön, auch einmal etwas
von den anderen Thoregon-Völkern zu erfahren, doch weder
handlungsmäßig noch stilistisch will hier wirklich
Spannung und Interesse aufkommen. Zudem beweist Arndt Ellmer einmal
wieder, daß er sich in der Serie selber nicht so besonders
auskennt, und baut diverse (auch serieninterne) Logikfehler in seinen
Roman ein. Die letzten Heftromane des Autors waren jedenfalls
besser...
5 Punkte.