Band 2045: "Aufruhr im INSHARAM"

Autor: Horst Hoffmann

Die Evoesa sind ein Volk, das in der Psi-Materie des INSHARAM lebt und sich als Bewacher dieses Raums betrachtet. Immer, wenn Gegenstände eindringen, kommen sie und laden diese mit Hyperenergie auf, bis sie in den Hyperraum abgestrahlt werden.
Eine der Evoesa ist Ruyde Kerima Bassa. Nach ihrer Geburt treibt sie viele Jahre lang allein durch die Materie des INSHARAM, bis endlich die anderen der Schwärme Kontakt zu ihr aufnehmen. Ihr erster Kontakt mit einem Artgenossen wird auch gleich ihr intensivster, denn Karja Menem Siganter wird wenig später auch ihr Partner und Gefährte. Gemeinsam suchen sie den alten weisen Swado Taya Devior auf, der ihnen die Geschichte des INSHARAM und seine Bedeutung erzählt.
Angeblich ist es einst von einem Wesen namens Taurec erbaut worden und soll ein Ort sein, an dem Wesen aus dem Universum sich in aller Ruhe und Abgeschiedenheit zu einer Superintelligenz entwickeln können. Dabei ist es nicht immer leicht zu entscheiden, was positiv und negativ ist. Die Entität, die diesen Schritt tat, nannte sich K'UHGAR. Im Nachhinein erwies sich das als schwerer Fehler, denn sie tötete nach ihrer Entstehung mehr als ein Drittel aller Evoesa.
Mit diesem Wissen durchstreifen die beiden das INSHARAM auf der Suche nach jemandem, der sich derzeit in der Entwicklung befindet. Eines Tages finden sie drei Wesen, die hier genau jene Fortentwicklung vollziehen wollen. Aber nur eines von ihnen hat die Reise hierher überlebt. Es zeigt sich, daß es trotz der Abgeschiedenheit immer noch große Hürden zu überwinden gilt, wenn man sich hierhin begibt.
Hunderte von Jahren vergehen, und Ruyde und Karja leben wie in einem Paradies. Doch eines Tages taucht ein seltsamer Würfel auf, der auf die Versuche, ihn zu vernichten, mit einem schrecklichen Massaker reagiert. Unzählige Evoesa müssen sterben, bis sie ihn endlich in einer großen Schlacht besiegt haben. Wie es scheint, hat er sich an seltsamen Objekten zu schaffen gemacht, die in der Wand des INSHARAM liegen. Worum es sich aber dabei handelt, vermag keiner der Bewohner zu sagen.
Unzählige Jahre später dringt erneut ein Raumschiff in den Lebensraum der Evoesa ein: die SOL.
Die hat aber derzeit schon genug eigene Probleme, als das Wächtervolk auf sie aufmerksam wird. Zum einen warten sie immer noch sehnlichst auf die Rückkehr von Atlan, zum anderen hat sich an Bord herausgestellt, daß Delorian Rhodan kurz vor dem Tod steht. Wie es scheint, ist seine Existenz von höherer Stelle nur für eine bestimmte Aufgabe gedacht gewesen, und die ist nun zuende, denn die Genetiker an Bord haben herausgefunden, daß er am Ende seiner Entwicklung steht - genetisch gesehen sein Leben also zu Ende ist.
Davon wissen die Evoesa aber nichts, und so versuchen sie, gegen die fremden Eindringlinge vorzugehen, aber zunächst kann das Carit des Schiffes eine Aufladung verhindern.
Erst Atlan bringt die Rettung. Er steigt kurzerhand aus und nimmt persönlichen Kontakt mit Ruyde auf. Ihr kann er verständlich machen, daß es sich bei ihnen um friedliche Wesen handelt, die hier nichts Böses wollen.
So ist die Situation erst einmal geklärt, als eine geheimnisvolle Nachricht die SOL erreicht.

Wie es aussieht, handelt es sich bei dem INSHARAM um einen sehr geheimnisvollen Raum, aber nicht minder interessant. Wie schon beim letzten Mal herrscht besonders in der Evoesa-Ebene eine ganz faszinierende Atmosphäre, und ich zumindest habe an Ruyde und Karja einen ziemlichen Narren gefressen. Zwar habe ich keine Ahnung, was die die ganzen Jahre da immer gemacht haben, aber die Art, in der sie von Horst Hoffmann geschildert wurden, war extrem liebenswürdig. So hat sich gerade diese Ebene zu einem wirklichen Glanzlicht dieses Romans entwickelt. Das zieht sich von den ersten Erfahrungen der jungen Ruyde bis hin zu den schrecklichen Erlebnissen im Kampf gegen den fremden Eindringling.
Dagegen sieht die SOL-Ebene wieder ein wenig blaß aus. Ohne Atlan herrscht hier die Atmosphäre eines Ameisenhaufens, in dem keiner weiß, was Sache ist; und als der Unsterbliche wieder nach "Hause" kommt, läuft es nach der Masche: "Er kam, sah und siegte" (ich erspare den werten Lesern jetzt die lateinische Version des Originals). Atlan kommt, sieht sich die Sache an und steigt einfach aus, um mit den Damen und Herren dort draußen zu reden. Ich kann mich im Moment nicht daran erinnern, wann eine ähnliche Situation des letzte Mal stattgefunden hat, aber das muß schon eine ganze Weile her sein. Vielleicht läuft das unter dem Motto: "Ungewöhnliche Orte erfordern ungewöhnliche Maßnahmen." Dennoch mutet diese Aktion etwas seltsam an.
Aber zurück zur SOL. Das einzige, das die Handlung hier etwas auf Trab bringt, sind die Entdeckungen um Delorian Rhodan und seinen etwas zu kurz geratenen genetischen Kode.
Ich für meinen Teil mag kaum glauben, daß man den Kurzen jetzt schon wieder aus der Serie entfernen wird. Da ist in der Vergangenheit viel zu viel Wind drum gemacht worden. Zwar würden sich damit wieder ein paar extrem dramatische Momente daheim in der Milchstraße ergeben (wenn Papa davon erfährt), aber an so eine Planung mag ich auch wieder nicht glauben. Ich hoffe jedoch ganz stark, daß man Rhodans Sohn nicht zu stark in die Entstehungsprozesse einbinden wird, die ich hier mit jedem Roman erwarte. Aber vielleicht hat man ja vor, der Familie Rhodan ihre eigene Superintelligenz zu geben? Delorian Rhodan als SI und damit Nachfolger von ES über die lokale Gruppe. Da Delorian aber noch minderjährig ist, muß natürlich der Papa als Erziehungsberechtigter die ganzen Geschäfte verwalten (und wäre damit quasi endlich in seiner Funktion als Erbe des Universums). Damit wäre dann ja auch schon fast der Auftrag von ES erledigt, in der lokalen Gruppe für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Was für ein genialer Plan. Allerdings müßte dann auch die Serie umbenannt werden - in: "Perry Rhodan, der Vater des Erben des Universums".

Fazit:
Der Roman paßt sich recht gut an seinen Vorgänger an. Zwar wiederholt er ein paar kosmische Dinge, aber das liegt auch in der Natur der Sache. Ich für meinen Teil fand die Evoesa ganz toll, die SOL-Ebene eher etwas chaotisch. Dennoch reichts bei mir noch allemal für
11 Punkte.

Alexander Haas

Weiter geht es im INSHARAM - und soweit vorweg: Es gelingt Horst Hoffmann, das Niveau des Vorgängerbandes fast schon zu übertreffen. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt hierbei natürlich die Tatsache, daß wir uns hier endlich einmal auf einem "kosmischen" Handlungsstrang befinden - ich mag diese nun mal immer noch am liebsten...
Taurec war es also, der das INSHARAM erschaffen bzw. die Evoesa als Wächter eingesetzt hat - ein bekannter Name... Ich tippe ja mal darauf, daß Taurec dies in seiner Eigenschaft als Kosmokrat tat und nicht bei seiner SI-Werdung. Immerhin geht es dann doch nicht so "schnell"; sich innerhalb von "nur" 18 Millionen Jahren von einer SI über eine Materiequelle zu einem Kosmokraten zu entwickeln, sollte so ziemlich unmöglich sein. Gehen wir also davon aus, daß er schon Kosmokrat war...
Überhaupt, die Evoesa... Horst Hoffmann hat in den vergangenen 250 Bänden ja schon viele Völker vorgestellt - erinnern wir uns nur an den großartigen Mönch-Doppelband und andere - meistens mit großem Erfolg. Und auch hier ist ihm wieder ein sehr ansprechender und faszinierender Roman um die Evoesa gelungen, dem man sich kaum entziehen kann. Hier wirkt wieder der "sense of wonder", der die ganze Serie durchzieht: Ein Wächtervolk im INSHARAM, das dafür sorgen soll, daß nur die positiven Kandidaten hier zu Superintelligenzen werden - das hat was für sich (und paßt auch zu Taurec).
Interessant ist hierbei auch, daß gerade das Mittagessen, ähm, sorry... K'UHGAR, der erste Fehler ist, den die Evoesa begehen. Eine negative SI, die von ihnen nicht bekämpft wird. Wenn wir einmal annehmen, daß auch ES im INSHARAM seine "Geburt" erlebte, macht das die beiden ja fast schon zu sowas wie Brüdern... ;-)
Was mir sehr gut gefällt, ist jedoch auch, daß hier nicht einfach nur das Volk vorgestellt wird, sondern auch eine gleichwertige Handlungsebene um die SOL dazukommt - und dazu noch eine Handlungsebene, die es in sich hat.
Delorian Rhodan im Koma, noch dazu mit einem Gen-Code, der eine weitere Entwicklung des Säuglings gar nicht mehr vorsieht - das kommt dann doch ein wenig heftig daher. Es sieht also ganz so aus, als ob das Auto ;-))) (* Hey, der Name muß Programm sein: "Zurück in die Zukunft"...? Heike) im übernächsten Heft zusammen mit den überlebenden Inzaila Onda und dem Ableger Arystes in Richtung SI verschwindet - nicht ganz unerwartet; wie der geneigte Flash-Leser weiß, wurde diese Spekulations-Variante schon geäußert. Damit wäre Perry dann der Großvater von ES - das hat was!
Immerhin bleibt für Delorian jetzt eigentlich nur noch dieser Weg - oder er stirbt ganz einfach den Tod der Monochrom-Mutanten. Letzteres wäre jedoch ein wenig zu banal für einen Sohn Rhodans, der in einem solchen Fall dann einfach abgeschafft wird, weil man mit ihm nichts mehr anfangen kann. Eine solch unnötige Handlung traue ich der Expo-Reda, sprich: Robert Feldhoff, dann doch nicht zu.
Nun gut, sicherlich sind auch noch andere Varianten denkbar, doch daß z.B. die neugewonnene SI (wahrscheinlich ES) ihn von seinem Gen-Defekt heilt, kann ich einfach nicht glauben. Das würde dann heißen, daß Delorian mit der SOL fliegen sollte, um weiterleben zu können - eine mehr als seltsame Möglichkeit...
Aber zurück zum Roman:
Dessen Ende ist ja schon recht seltsam. Man kann wohl davon ausgehen, daß der Grund für seinen abrupten Abgang in Richtung SOL darin besteht, daß der Kokon von ES sich wieder einmal gemeldet und neue Anweisungen von sich gegeben hat. Allerdings sind hier keinerlei Hinweise enthalten, worum es sich denn nun handeln könnte. Und auch die Titel der beiden nächsten Romane deuten nur darauf hin, daß es eine weitere Aufgabe gibt - jedoch nicht auf deren Inhalt. Endlich einmal wird hier nicht zu viel verraten - das hatten wir in diesem Zyklus auch schon mehrfach anders. Gut gemacht...
So langsam habe ich das Gefühl, daß sich hier der erste Viererblock entwickelt, der keinen einzigen Durchhänger hat. Aber immerhin, das Teilzyklus-Ende ist nicht mehr weit, und es deutet sich an, daß sowohl die beiden folgenden Romane um die SOL als auch die danach noch kommenden ersten zwei Milchstraßenromane des nächsten Viererblocks Ereignisse bieten werden, die sich überschlagen. Freuen wir uns darauf!

Fazit:
Horst Hoffmann gelingt es, an Uwe Antons Vorgängerroman anzuknüpfen. Der "sense of wonder" lebt weiter. Die Zusammenhänge klären sich so langsam, und die Spannung auf die nächsten beiden Romane wächst...
12 Punkte.

Winfried Brand

Jetzt wird es wirklich kosmisch.
Mit den Evoesa werden die Wächter des INSHARAM vorgestellt, und zwar in klassischer Manier anhand eines Einzelschicksals. Diese Wesen sehen sich als Kinder einer Wesenheit namens TAUREC.
Taurec (der bereits genügend bekannte Kosmokrat) hat wohl das INSHARAM erschaffen und die Evoesa als Wächter eingesetzt. Ihre Hauptaufgabe ist es, negative Entitäten am Evolutionssprung zur Superintelligenz zu hindern. Das klappt jedoch nicht immer, wie das Beispiel K'UHGAR zeigt. Zum wiederholten Mal taucht diese Superintelligenz auf, die eigentlich zunächst nur die Funktion eines Gegners von ESTARTU hatte.
Man muß davon ausgehen, daß das PR-Team mit K'UHGAR noch etwas Wichtiges vorhat. Dafür wurde diese Entität zu oft erwähnt. Außerdem scheint K'UHGAR im Vergleich zu den bisher bekannten Superintelligenzen ziemlich mächtig zu sein. Dabei ist K'UHGAR nicht ohne weiteres als "positiv" oder "negativ" einzustufen. Nach den Kriterien der Evoesa handelt es sich wohl um eine negative Superintelligenz, die sich selbst aber sehr wohl als "positiv" einstuft.
Nachdem die SOL mit Heft 2047 wohl Segafrendo durch den Mega-Dom in der NACHT verlassen dürfte, wäre da noch Platz für eine komplette Story - mit K'UHGAR als Gegner. Da jener in dieser fernen Vergangenheit ein Gegner ESTARTUs ist, dürfte er auch später etwas gegen ES haben. Die großen kosmischen Zusammenhänge werden jedenfalls wieder geschickt geknüpft.
Seit K'UHGARs Abgang sind auch keine weiteren Superintelligenzen mehr im INSHARAM entstanden. K'UHGAR hat das möglicherweise durch eine Sabotage des INSHARAM verhindert - das wird noch nicht ganz klar. Entstehende Superintelligenzen wären aber positiv und stünden somit auch auf Seiten der Kosmokraten! Irgend etwas läuft da schief. So bleibt Raum für eine Menge weiterer Spekulationen (wenn dieser Strang weiter verfolgt wird... hoffentlich!).
Warten wir es ab.
Delorian Rhodan fällt ins Koma. Na gut, das Kind ist ein Monochrom-Mutant. Aber das Todesprogramm greift doch reichlich früh. Selbst wenn Delorian das multiple Organversagen überleben sollte, wird er nie mehr als ein Säugling sein.
Was hat das PR-Team mit Delorian vor? Es sieht beinahe so aus, als ob der gerade vier Wochen alte Säugling schon bald wieder abserviert wird. Das wirkt zunächst vielleicht tragisch, ist aber letztlich konsequent.
Irgendwie war Delorian von Anfang an mysteriös, fast schon ein Überwesen. Daraus einen "Normal-Charakter" aufzubauen, mit dem man sich auch nur annähernd identifizieren kann, wäre überaus schwierig gewesen - jedenfalls wäre den Lesern das nach den Ereignissen auf der SOL nur schwer zu vermitteln gewesen.
So war der Gen-Tod wahrscheinlich von Anfang des Zyklus an geplant. Das würde auch erklären, weshalb ES die Mission der SOL von Beginn an unter einen solchen Zeitdruck gestellt hat. Das war bekanntlich schon mehrfach kritisiert worden, aber immerhin wird hier eine plausible Begründung dafür geliefert. Beachtlich: Diesen Plot hätte wohl kaum jemand vorhergesagt. Zudem dürfte der Säugling eine wichtige Rolle bei der Entstehung von ES spielen. Das hieße, daß ES der Enkel von Perry Rhodan ist. Irgendwie ist das doch recht spaßig...
Interessant ist auch die Erwähnung des Absantha-Tunnels, gibt es doch in der späteren (der "neuen") Mächtigkeitsballung ESTARTUs die Galaxien Absantha-Gom und Absantha-Shad. Beide Galaxien überlappen sich, und im Zentrum dieser Überlappungszone befindet sich der spätere Sitz ESTARTUs.

Fazit:
Insgesamt ein überaus gelungener Roman. Die Evoesa wurden gut beschrieben; es gibt eine Menge neuer Informationen, die zu Spekulation Anlaß geben, und mit dem Komplex "Delorian" eine unerwartete Entwicklung.
12 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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