Zum
Inhalt:
Mutter, eine Vernaerin, wurde von Vater auf die Erde geschmuggelt -
doch Vater hat nicht mit der Fruchtbarkeit einer Vernaerin gerechnet,
denn nach kurzer Zeit ist er Vater von Neunlingen, durch die Bank
Mädchen. Diese sind allesamt auf ihren Spezialgebieten
hochbegabt, und nur ihre Vorsicht verhindert, daß die
Menschheit auf sie aufmerksam wird, obwohl sie auf ihren Gebieten
Hervorragendes leisten.
Aber sie haben auch etwas von Mutter geerbt: Die
Gebärfreudigkeit (wenn auch nicht in gleichem Umfang, so
bekommen sie durchschnittlich doch rund drei Kinder, allesamt
Mädchen, pro Schwangerschaft). Dementsprechend dauert es nicht
lange, bis rund 6.000 ihrer Töchter, Enkelinnen, Ur-Enkelinnen
usw. die Erde bevölkern, und es steht zu befürchten,
daß sie so langsam doch auffallen. Und so fassen sie den Plan,
die Erde zu verlassen - einen entsprechenden Planeten haben sie sich
bereits ausgesucht - doch deren Machthaber wollen sie angesichts des
drohenden "Brain drains" nicht gehen lassen...
Puha... Du meine Güte - was ist denn das jetzt? Laut Klappentext
handelt es sich bei den "Töchtern der Morgenröte" um
"...eine witzige, spannende, phantasievolle und sinnliche Odyssee,
die Suche nach einem lesbischen Utopia." Bereits hieran sieht man, in
welche Richtung sich K.V. Forrests Roman dreht - an sich nicht
uninteressant, und mit ziemlichen Entwicklungsmöglichkeiten.
Dabei fängt die Autorin auch durchaus hervorragend an, doch
bereits nach wenigen Seiten deutet sich an, daß diverse
Attribute, die dem Roman im Klappentext zugemutet werden, im
Innenteil einfach nicht vorhanden sind.
Dabei verabschieden sie sich in Reihenfolge der Nennung, d.h. der
Anfang ist durchaus noch witzig, doch der Humor macht bereits nach
wenigen Seiten eine Kehrtwende und wendet sich von dem Text ab,
verschwindet in den Tiefen der Handlung und ward fortan nur noch sehr
selten gelesen.
Spätestens nach der gelungenen Flucht von der Erde verabschiedet
sich dann auch die Spannung, die zwar noch einmal einen Versuch
macht, in die Handlung zurückzukehren, doch zu diesem Zeitpunkt
ist der Leser bereits so stark eingelullt, daß er hiervon nicht
mehr viel bemerkt.
Und auch die Phantasie hält nicht viel weiter als bis zur
Beschreibung der neuen Welt der lesbischen Gemeinschaft. Ist diese
erst einmal halbwegs erkundet, bleibt als einziges noch die
Sinnlichkeit übrig, die sich bis zum Ende des Romans hinzieht
und dem Leser Seite für Seite lesbische Beziehungsprobleme
präsentiert, die dummerweise ohne wirklich interessante
Charakterschilderung und vor allem ohne eine interessante
dahinterstehende Handlung ablaufen.
Dabei ist die Grundidee des Romans gar nicht mal so schlecht, und
nach den ersten paar Seiten hatte ich durchaus noch eine zweistellige
Notengebung im Kopf, eine Idee, die mir mit zunehmender Seitenzahl
jedoch schnell wieder ausgetrieben wurde. Spätestens, wenn sich
die Damen auf ihrem neuen Planeten festgesetzt haben, ist die
Handlung durchtränkt von irgendwelchen lesbischen
Beziehungsproblemen, die noch nicht einmal annehmbar geschildert
sind, sondern sich statt dessen in einfachen Klischees homosexueller
Beziehungen unter Frauen widmen. Also, entweder stimmen diese
Klischees bis ins Kleinste (was ich persönlich nicht glauben
kann, kenne ich doch eine Reihe homosexueller Menschen, unter denen
auch ein paar gute Freunde sind), oder Frau Forrester hat hier
einfach nur Mist geschrieben.
Gut, vielleicht habe ich ja auch die Aussage des Romans nicht
verstanden (immerhin fehlt mir zur wirklichen Zielgruppe das eine
oder andere Attribut...), und Lesben wollen unbedingt Klischees in
Utopie-Phantasien eingebunden lesen. Aber - vorstellen kann ich mir
dies nicht unbedingt. (Mist, damit hätte ich jetzt das
nächste Klischee erfüllt...)
Vielleicht mal ein paar Klischee-Beispiele? Na gut:
Da hätten wir z.B. die jährlichen "Festspiele" (man
könnte "Olympische Spiele" dazu sagen), bei denen die
Athletinnen natürlich nackt auftreten, damit sich die
Zuschauerinnen an ihren Körpern erfreuen können... (Gewisse
Degenerationserscheinungen lassen sich aus dieser Beschreibungen der
Gesellschaft hochintelligenter Lesben nicht nur hier
herauslesen...)
Anscheinend ist das erste, was man auf einer neuen Welt aufbaut, eine
Fabrik, die Chaiselongues herstellt - denn die Frauen sitzen
buchstäblich die ganze Zeit nur auf solchen (Wie gesagt: Ein
wenig Dekadenz läßt sich hier überall herauslesen -
die alten Römer lassen grüßen...), und dort haben sie
kaum etwas anderes im Kopf, als sich mit anderen Frauen zu
vergnügen. (Wären diese Beschreibungen ein wenig
deutlicher, wäre dies ein Hardcore-Porno-Roman...)
Die notgelandete Raumschiffsbesatzung (bestehend aus drei
Männern und einer Frau) hat natürlich auch nur das "Eine"
im Sinn. Die Männer schließt man ein, nachdem einer von
ihnen seine Crew-Kollegin angefallen hat (komisch, daß er
solcherart beim vorhergehenden Raumflug zwar gedacht, aber nie getan
hat...), während die Frau sich natürlich relativ schnell
von den Vorteilen der lesbischen Liebe überzeugen
läßt. (Jajaja, alle Frauen haben eine lesbische Ader...
Klischee Nr. 08/15...) Netterweise läßt man die drei
Männer zwar irgendwann wieder starten, vernichtet dann aber das
Raumschiff. (Die Männer hätten ja schließlich die
Kolonie der Frauen verraten können - und natürlich hatten
sie auch gar nichts besseres im Kopf, schließlich sind
Männer ja nur blöde...)
Ich glaube, das reicht jetzt wahrscheinlich. Man mag mir zwar
vorwerfen, all dies zu sehr mit den Augen eines Mannes (erschwerend
kommt auch noch eine Heterosexualität hinzu) zu sehen;
sicherlich keine falsche Einstellung. Allerdings gibt es
genügend Beispiele für gelungene Lesben- (und auch
Schwulen-)Romane, die mir sehr gut gefallen haben. Der Unterschied zu
diesem Roman besteht einfach darin, daß diese keine reine
klischeelastige Halbwegs-Geschichte mit stereotypen Charakteren
geschildert haben, sondern wirklich interessant aufgebaut waren und
die Sexualität der Charaktere in einem notwendigen
Verhältnis zur Handlung stand. Abgesehen davon, daß die
gleichgeschlechtlichen Beziehungen in anderen Romanen auch schon
wesentlich gefühlvoller aufgebaut worden sind...
Fazit:
Schade, die interessante Idee eines lesbischen Utopia wird durch
massive Klischee-Verwendung zwar nicht zur Lachnummer (das wäre
dann ja noch irgendwo interessant), sondern einfach nur langweilig
und uninteressant. Vielleicht mögen Lesben dies anders sehen,
doch steht zu bezweifeln, daß sie diesem Ausbund an
Handlungsarmut etwas abgewinnen können, das lesenswert ist.
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