Frances G. Hill:

"Ellorans Traum"

D 2000
(750 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9088, ISBN 3-453-17230-2, DM 19,90)
- erschienen: September 2000 -

Elloran, der Sohn des Salvoter Fürsten Movak, ist sich schon früh bewußt, daß er etwas Besonderes ist. Er ist ein T'svera - weder Mann noch Frau. Da sich weder seine Mutter noch sein Vater Morak besonders um ihn kümmern, sucht sich Elloran in Nikal, dem Kommandanten der Wache, einen Ersatzvater. Und auch Julian, der Magier, leitet Elloran behutsam im Gebrauch seiner magischen Fähigkeiten an.
Ellorans heile Welt zerbricht jedoch bald - Nikal, krank und dem Wahnsinn nahe, schlägt einen Soldaten der Wache nieder. Das kann Morak, der Herr von Salvot, natürlich nicht ungestraft lassen; er wirft den Kommandanten in den Kerker. Elloran verhilft Nikal zur Flucht - eine Entscheidung, die Folgen haben wird.
Ellorans harte Strafe bestärkt ihn im Beschluß, Salvot zu verlassen. Zudem hat er unangenehme Träume, die von einer Schwester handeln, die eigentlich nicht existiert. Sie drängt ihn ebenfalls dazu, die Burg zu verlassen. Da kommen ihm die alten Kameraden von Nikal, der fahrende Sänger Tom und der Heiler Akim, gerade recht. Außerdem lebt Ellorans Großmutter in der Kronenstadt, dem Regierungszentrum des Landes. So macht er sich mit ihnen auf den Weg.
Doch die Reise verläuft nicht so friedlich, wie sich Elloran das vorgestellt hat. Movak sucht nach ihm - und er muß sich von Tom, den er liebt, trennen. Auch die Ankunft in der Kronenstadt verläuft nicht gerade nach seinen Erwartungen. Nach einigen Zwischenstationen landet er zwar beim Hof, aber nur als kleiner Kanzleischreiber. Doch je länger sein Aufenthalt bei Hof dauert, desto mehr hat er das Gefühl, daß er längst in Dinge hineingezogen worden ist, über die er keinerlei Kontrolle mehr hat - und er begreift erst, als es fast schon zu spät ist, auf welche Seite er sich stellen muß...

Mit ihrem ersten Fantasyroman bietet die deutsche Autorin Frances G. Hill eine sehr komplexe, aber überaus ansprechende Lektüre dar. Der Rezensent war zuerst etwas verwirrt - hatte der Heyne-Verlag den Roman doch eindeutig der Fantasy-Abteilung zugeordnet, doch fand sich auf der ersten Seite des Buches der Vermerk "Science-fiction". Dieser Widerspruch ist eigentlich gar keiner, aber um das zu verstehen, muß man den Roman gelesen haben. Und das kann ich dem Leser der Rezension ja wohl zumuten. ;-)
Was positiv an dem Roman auffällt, ist der äußerst sensible Umgang mit homoerotischen bzw. lesbischen Liebesszenen - ganz natürlich und ungezwungen werden sie in die Handlung eingebunden. Da Elloran weder Mann noch Frau ist, wirken weder die erotischen Szenen mit Tom noch später die mit der Leibgardistin Jenka gekünstelt.
Auch die Charakterisierung der Hauptpersonen ist exzellent. Wobei Elloran nicht der typische Fantasyheld ist, sondern einfach eine Person, die entgegen ihren Willen in Dinge hineingezogen wird, die sie manchmal nur schwer versteht. Natürlich geht es hierbei um weitaus mehr, und Elloran ist mehr oder weniger nur eine Figur auf einem Spielbrett, die von den Spielern nach Belieben hin- und hergezogen wird. Aber das wird ihm und dem Leser erst relativ spät klar.
Das alles ist sehr flüssig erzählt und angenehm zu lesen, wobei die Autorin manchmal etwas zuviel des Guten tut, wenn sie die Umgebung und das Aussehen der Charaktere detailliert beschreibt. Im Roman selber überwiegen eher die ruhigeren Momente, vor allem im Mittelteil, wenn Elloran als Schreiber in der Kronenburg anwesend ist. Gegen Ende gewinnt der Roman dann schon wieder mehr an Elan und mündet in ein sehr überraschendes Ende. Zugegeben, hier hätte die Autorin sich doch etwas kürzer fassen können. Der Ausklang des Romans zieht sich unerwartet in die Länge. Der Schluß erklärt dann allerdings, warum der Heyne-Verlag den Roman dann doch in die SF-Reihe gepackt hat. Da in diesem Roman die Fantasy-Anteile überwiegen, ist das "F" auf dem Buchrücken gerechtfertigt.

Fazit:
Ein angenehm zu lesender Roman mit einer gekonnt erzählten Handlung. Fans von komplex aufgebauten Fantasy-Welten werden ihre Freude daran haben. Trotz mancher Längen ein gelungener Erstlingsroman.
12 Punkte

Christian Spließ


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