Elloran,
der Sohn des Salvoter Fürsten Movak, ist sich schon früh
bewußt, daß er etwas Besonderes ist. Er ist ein T'svera -
weder Mann noch Frau. Da sich weder seine Mutter noch sein Vater
Morak besonders um ihn kümmern, sucht sich Elloran in Nikal, dem
Kommandanten der Wache, einen Ersatzvater. Und auch Julian, der
Magier, leitet Elloran behutsam im Gebrauch seiner magischen
Fähigkeiten an.
Ellorans heile Welt zerbricht jedoch bald - Nikal, krank und dem
Wahnsinn nahe, schlägt einen Soldaten der Wache nieder. Das kann
Morak, der Herr von Salvot, natürlich nicht ungestraft lassen;
er wirft den Kommandanten in den Kerker. Elloran verhilft Nikal zur
Flucht - eine Entscheidung, die Folgen haben wird.
Ellorans harte Strafe bestärkt ihn im Beschluß, Salvot zu
verlassen. Zudem hat er unangenehme Träume, die von einer
Schwester handeln, die eigentlich nicht existiert. Sie drängt
ihn ebenfalls dazu, die Burg zu verlassen. Da kommen ihm die alten
Kameraden von Nikal, der fahrende Sänger Tom und der Heiler
Akim, gerade recht. Außerdem lebt Ellorans Großmutter in
der Kronenstadt, dem Regierungszentrum des Landes. So macht er sich
mit ihnen auf den Weg.
Doch die Reise verläuft nicht so friedlich, wie sich Elloran das
vorgestellt hat. Movak sucht nach ihm - und er muß sich von
Tom, den er liebt, trennen. Auch die Ankunft in der Kronenstadt
verläuft nicht gerade nach seinen Erwartungen. Nach einigen
Zwischenstationen landet er zwar beim Hof, aber nur als kleiner
Kanzleischreiber. Doch je länger sein Aufenthalt bei Hof dauert,
desto mehr hat er das Gefühl, daß er längst in Dinge
hineingezogen worden ist, über die er keinerlei Kontrolle mehr
hat - und er begreift erst, als es fast schon zu spät ist, auf
welche Seite er sich stellen muß...
Mit ihrem ersten Fantasyroman bietet die deutsche Autorin Frances G.
Hill eine sehr komplexe, aber überaus ansprechende Lektüre
dar. Der Rezensent war zuerst etwas verwirrt - hatte der Heyne-Verlag
den Roman doch eindeutig der Fantasy-Abteilung zugeordnet, doch fand
sich auf der ersten Seite des Buches der Vermerk "Science-fiction".
Dieser Widerspruch ist eigentlich gar keiner, aber um das zu
verstehen, muß man den Roman gelesen haben. Und das kann ich
dem Leser der Rezension ja wohl zumuten. ;-)
Was positiv an dem Roman auffällt, ist der äußerst
sensible Umgang mit homoerotischen bzw. lesbischen Liebesszenen -
ganz natürlich und ungezwungen werden sie in die Handlung
eingebunden. Da Elloran weder Mann noch Frau ist, wirken weder die
erotischen Szenen mit Tom noch später die mit der Leibgardistin
Jenka gekünstelt.
Auch die Charakterisierung der Hauptpersonen ist exzellent. Wobei
Elloran nicht der typische Fantasyheld ist, sondern einfach eine
Person, die entgegen ihren Willen in Dinge hineingezogen wird, die
sie manchmal nur schwer versteht. Natürlich geht es hierbei um
weitaus mehr, und Elloran ist mehr oder weniger nur eine Figur auf
einem Spielbrett, die von den Spielern nach Belieben hin- und
hergezogen wird. Aber das wird ihm und dem Leser erst relativ
spät klar.
Das alles ist sehr flüssig erzählt und angenehm zu lesen,
wobei die Autorin manchmal etwas zuviel des Guten tut, wenn sie die
Umgebung und das Aussehen der Charaktere detailliert beschreibt. Im
Roman selber überwiegen eher die ruhigeren Momente, vor allem im
Mittelteil, wenn Elloran als Schreiber in der Kronenburg anwesend
ist. Gegen Ende gewinnt der Roman dann schon wieder mehr an Elan und
mündet in ein sehr überraschendes Ende. Zugegeben, hier
hätte die Autorin sich doch etwas kürzer fassen
können. Der Ausklang des Romans zieht sich unerwartet in die
Länge. Der Schluß erklärt dann allerdings, warum der
Heyne-Verlag den Roman dann doch in die SF-Reihe gepackt hat. Da in
diesem Roman die Fantasy-Anteile überwiegen, ist das "F" auf dem
Buchrücken gerechtfertigt.
Fazit:
Ein angenehm zu lesender Roman mit einer gekonnt erzählten
Handlung. Fans von komplex aufgebauten Fantasy-Welten werden ihre
Freude daran haben. Trotz mancher Längen ein gelungener
Erstlingsroman.
12 Punkte
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