Band 21: "Aufbruch in die 'Neue Welt'"

Autor: Jo Zybell

Das Schäferstündchen mit der Hauptfrau des Kapitäns hätte sich der Steuermann Fylladschio gut überlegen sollen. Denn er ahnt nicht, daß Nuela ihm eine Falle gestellt hat. Kurze Zeit später läßt der Kapitän den Steuermann hinrichten und erfährt bald darauf, daß er noch einen Matrosen verloren hat. Damit scheint die Abfahrt der Santanna, mit der Colomb über den großen Teich segeln möchte, erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben.
Matt und Aruula kommen mit den anderen Sklaven in Plymeth an. Während der Ruhepause, die Emroc seinen Sklaven gönnt, versucht Matt, diesen in seine Gewalt zu bekommen. Doch da die Wachen Aruula haben, steht Matt von vornherein auf verlorenem Posten. Als der Tag des Marktes gekommen ist, müssen Matt und ihr Drogen eingeflößt werden, um sie voneinander zu trennen.
Nuela gefällt es überhaupt nicht, daß Colomb erneut in See stechen will. Sie hatte gehofft, Plymeth würde ihn seßhaft werden lassen. Als sie den Oberaufseher über die Sklaven, Raspun, zusammen mit dem Koch Shann beim Sex erwischt, hat sie diesen in der Hand. Sie befiehlt Raspun, alles über den neuen Steuermann, einen Doyzländer namens Jochim, in Erfahrung zu bringen. Andernfalls würde sie ihn an Colomb verraten.
Da Emroc damit prahlt, daß Matt seemännische Erfahrung hat, wird er an Colomb verkauft. Dieser hat Probleme mit seinem Geldgeber, denn sein Konkurrent Delleray rüstet ebenfalls ein Schiff aus und will noch vor der Santanna ablegen. Colomb gelingt es jedoch, seinen Geldgeber erneut auf seine Seite zu ziehen.
Neugierig mustert Matt die Santanna, einen Katamaran, der aus Holz, Metall und Kunststoffteilen zusammengebaut worden ist. Neugierig mustert er die Karten in der Kabine des Kapitäns, und ihm fällt ein altes Buch auf, das sorgfältig in Leder eingebunden ist.
Kurz nachdem Jochim auf der Santanna eingetroffen ist, erhält er von Nuela ein eindeutiges Angebot. Doch Jochim weist sie ab. Als sie dann noch von Colomb erfährt, daß er eine seiner Nebenfrauen auf die Seereise mitnehmen will, setzt sie ihre Intrigen in Gang. Dabei spielt Matt eine nicht unbedeutende Rolle, soll er doch die Dampfmaschine, die das Schiff antreibt, zerstören und die Nebenfrau umbringen. Zum Schein geht Matt auf das Angebot ein; es gelingt ihm jedoch, sich zu befreien. Bei seiner Flucht betritt Matt zuerst die Zimmer der Nebenfrau und landet dann in Colombs Kajüte. Dort nimmt Matt das Buch in der Kabine des Kapitäns unter die Lupe - und stellt verblüfft fest, daß es eine Ausgabe des Logbuchs der "Santa Maria" von Christopher Columbus ist. Doch ihm bleibt keine Zeit; er macht sich auf Suche nach Aruula. Und tappt in die Falle, die ihn von Colombs Leuten gestellt worden ist.
Zusammen mit dem Koch Shann, der die Schlüssel von Matts Fesseln besaß, und der Nebenfrau erwartet Matt den Tod. Erst als Shann in höchster Todesangst Nuela beschuldigt und überraschend von Jochim Schützenhilfe erhält, klärt sich die Intrige auf, die die Hauptfrau gesponnen hat. Zusammen mit der Santanna bricht Matt nach Amerika auf, hoffend, daß er und Aruula sich wiedersehen werden...

Nun ist also das passiert, was schon in den letzten beiden Romanen angedeutet wurde: Matt und Aruula werden voneinander getrennt. Mit viel Wärme und Herz schildert Jo die intimen Szenen, die der Trennung vorangehen, Szenen, in denen sich Matt und Aruula so nahe sind wie nie zuvor.
Mit dem Rest des Romans hat sich der Rezensent jedoch schwergetan. Einerseits ist die Atmosphäre der Hafenstadt Plymouth mit ihren betrunkenen Seeleuten und Hafenkneipen ausgezeichnet eingefangen. Auch die Szenenbeschreibungen innerhalb von Kapitän Colombs Haus sind sehr gelungen und plastisch.
Andererseits ist die eigentliche Handlung nicht besonders ansprechend; stellenweise plätschert sie nur angenehm dahin. Nuelas Haß auf die anstehende Fahrt der Santanna ist nicht recht nachvollziehbar - und auch nicht ihre Abneigung gegen Raspun. Als Handlungselement mag dieser Haß durchaus seine Wirkung tun. Es wäre jedoch besser gewesen, wenn man da mehr Hintergrundinformationen gehabt hätte.
Auch die anderen Charaktere bleiben diesmal ein wenig im Dunkeln. Vielleicht liegt das daran, daß die Seeleute ein behagliches bürgerliches Leben nicht gewohnt sind. Einzig der Geldgeber Colombs und Jochim bilden hier eine Ausnahme. Die Szene, in denen Jochim den Wakuda-Knochen an den Schädel des Tuurk wirft, ist einfach nur köstlich. Von diesem Steuermann darf man noch so einiges erwarten. Zumal Colomb ihn nicht sehr zu mögen scheint.
Warten wir ab, was die nächsten Romane bringen werden. Einfach wird die Überfahrt nun gewiß nicht sein.

Fazit:
Die Handlung selbst vermag diesmal nicht so ganz zu überzeugen; dagegen sind die Szenenbeschreibungen sehr gelungen.
8 Punkte

Christian Spließ

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