Das
Schäferstündchen mit der Hauptfrau des Kapitäns
hätte sich der Steuermann Fylladschio gut überlegen sollen.
Denn er ahnt nicht, daß Nuela ihm eine Falle gestellt hat.
Kurze Zeit später läßt der Kapitän den
Steuermann hinrichten und erfährt bald darauf, daß er noch
einen Matrosen verloren hat. Damit scheint die Abfahrt der Santanna,
mit der Colomb über den großen Teich segeln möchte,
erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben.
Matt und Aruula kommen mit den anderen Sklaven in Plymeth an.
Während der Ruhepause, die Emroc seinen Sklaven gönnt,
versucht Matt, diesen in seine Gewalt zu bekommen. Doch da die Wachen
Aruula haben, steht Matt von vornherein auf verlorenem Posten. Als
der Tag des Marktes gekommen ist, müssen Matt und ihr Drogen
eingeflößt werden, um sie voneinander zu trennen.
Nuela gefällt es überhaupt nicht, daß Colomb erneut
in See stechen will. Sie hatte gehofft, Plymeth würde ihn
seßhaft werden lassen. Als sie den Oberaufseher über die
Sklaven, Raspun, zusammen mit dem Koch Shann beim Sex erwischt, hat
sie diesen in der Hand. Sie befiehlt Raspun, alles über den
neuen Steuermann, einen Doyzländer namens Jochim, in Erfahrung
zu bringen. Andernfalls würde sie ihn an Colomb verraten.
Da Emroc damit prahlt, daß Matt seemännische Erfahrung
hat, wird er an Colomb verkauft. Dieser hat Probleme mit seinem
Geldgeber, denn sein Konkurrent Delleray rüstet ebenfalls ein
Schiff aus und will noch vor der Santanna ablegen. Colomb gelingt es
jedoch, seinen Geldgeber erneut auf seine Seite zu ziehen.
Neugierig mustert Matt die Santanna, einen Katamaran, der aus Holz,
Metall und Kunststoffteilen zusammengebaut worden ist. Neugierig
mustert er die Karten in der Kabine des Kapitäns, und ihm
fällt ein altes Buch auf, das sorgfältig in Leder
eingebunden ist.
Kurz nachdem Jochim auf der Santanna eingetroffen ist, erhält er
von Nuela ein eindeutiges Angebot. Doch Jochim weist sie ab. Als sie
dann noch von Colomb erfährt, daß er eine seiner
Nebenfrauen auf die Seereise mitnehmen will, setzt sie ihre Intrigen
in Gang. Dabei spielt Matt eine nicht unbedeutende Rolle, soll er
doch die Dampfmaschine, die das Schiff antreibt, zerstören und
die Nebenfrau umbringen. Zum Schein geht Matt auf das Angebot ein; es
gelingt ihm jedoch, sich zu befreien. Bei seiner Flucht betritt Matt
zuerst die Zimmer der Nebenfrau und landet dann in Colombs
Kajüte. Dort nimmt Matt das Buch in der Kabine des Kapitäns
unter die Lupe - und stellt verblüfft fest, daß es eine
Ausgabe des Logbuchs der "Santa Maria" von Christopher Columbus ist.
Doch ihm bleibt keine Zeit; er macht sich auf Suche nach Aruula. Und
tappt in die Falle, die ihn von Colombs Leuten gestellt worden
ist.
Zusammen mit dem Koch Shann, der die Schlüssel von Matts Fesseln
besaß, und der Nebenfrau erwartet Matt den Tod. Erst als Shann
in höchster Todesangst Nuela beschuldigt und überraschend
von Jochim Schützenhilfe erhält, klärt sich die
Intrige auf, die die Hauptfrau gesponnen hat. Zusammen mit der
Santanna bricht Matt nach Amerika auf, hoffend, daß er und
Aruula sich wiedersehen werden...
Nun ist also das passiert, was schon in den letzten beiden Romanen
angedeutet wurde: Matt und Aruula werden voneinander getrennt. Mit
viel Wärme und Herz schildert Jo die intimen Szenen, die der
Trennung vorangehen, Szenen, in denen sich Matt und Aruula so nahe
sind wie nie zuvor.
Mit dem Rest des Romans hat sich der Rezensent jedoch schwergetan.
Einerseits ist die Atmosphäre der Hafenstadt Plymouth mit ihren
betrunkenen Seeleuten und Hafenkneipen ausgezeichnet eingefangen.
Auch die Szenenbeschreibungen innerhalb von Kapitän Colombs Haus
sind sehr gelungen und plastisch.
Andererseits ist die eigentliche Handlung nicht besonders
ansprechend; stellenweise plätschert sie nur angenehm dahin.
Nuelas Haß auf die anstehende Fahrt der Santanna ist nicht
recht nachvollziehbar - und auch nicht ihre Abneigung gegen Raspun.
Als Handlungselement mag dieser Haß durchaus seine Wirkung tun.
Es wäre jedoch besser gewesen, wenn man da mehr
Hintergrundinformationen gehabt hätte.
Auch die anderen Charaktere bleiben diesmal ein wenig im Dunkeln.
Vielleicht liegt das daran, daß die Seeleute ein behagliches
bürgerliches Leben nicht gewohnt sind. Einzig der Geldgeber
Colombs und Jochim bilden hier eine Ausnahme. Die Szene, in denen
Jochim den Wakuda-Knochen an den Schädel des Tuurk wirft, ist
einfach nur köstlich. Von diesem Steuermann darf man noch so
einiges erwarten. Zumal Colomb ihn nicht sehr zu mögen
scheint.
Warten wir ab, was die nächsten Romane bringen werden. Einfach
wird die Überfahrt nun gewiß nicht sein.
Fazit:
Die Handlung selbst vermag diesmal nicht so ganz zu überzeugen;
dagegen sind die Szenenbeschreibungen sehr gelungen.
8 Punkte