Band 2047: "Finale für die NACHT"

Autor: Horst Hoffmann

Drei Tage hat die SOL Zeit, über den Dom in der Nacht den Heimweg in die 18 Mio. Jahre entfernte Gegenwart anzutreten. Dabei wissen die Zeit-Reisenden ganz genau, was sie erwartet: Mundänen-Krieger in nicht abschätzbarer Anzahl.
Dennoch hat man keine Wahl, und so tritt man vorsichtig den Heimweg an. Den Tunnel zurück zur Auroch-Maxo-Dunkelwolke übersteht man dann auch noch ganz gut, aber hinter dem Ausgang warten auch schon die Mundänen, die die SOL ohne Zögern unter Feuer nehmen.
Die Rettung kommt in Form einer Inzaila Onda. Sie ist von einer Aura des Friedens umgeben, in der anscheinend kein Lebewesen zu kämpfen imstande ist. In diesem Windschatten flieht die SOL aus den Resten der Dunkelwolke, hat dabei aber schon große Schwierigkeiten, da die Inzaila ein flottes Tempo an den Tag legt.
Auf der anderen Seite erhalten die Flüchtlinge hierdurch die nötige Endgeschwindigkeit, um später schnell in den Hyperraum zu gelangen, bevor sie zum Opfer der Mundänen werden.
31 Stunden vor Ablauf der Zeit gelangt die SOL in Ortungsreichweite der Nacht. Hier wird die Wachflotte der Mundänen entdeckt, die eine Stärke von 10.000 Einheiten hat. Hier durchzubrechen, erscheint ausweglos, also entscheidet man sich zu einem Notfall-Plan. Man fliegt einen nahegelegenen Stützpunkt der Mundänen an und ballert drauflos, was das Zeug hält. Die Verteidiger wissen gar nicht, wie ihnen geschieht, und fangen an, wie wild um Hilfe zu rufen. Der Kommandant der Wachflotte hat natürlich nichts anderes zu tun, als mit dem größten Teil seiner Flotte dem Ruf nachzueilen, sieht er doch das goldene Schiff vor Augen, das ihm eine sichere Beförderung einbringen wird. Als er jedoch am Ort des Geschehens eintrifft ist, sein "Opfer" schon wieder weg.
Die SOL taucht an einem fein berechneten Punkt in den Normalraum zurück und ist in der Nacht verschwunden, bevor die Mundänen sich auf sie einschießen können.
In der Nacht werden Atlan und seine Gefährten vor eine extreme Situation gestellt. Seit geraumer Zeit hat die Nacht begonnen, sich zu verkleinern, und ihre Bewohner haben das Ende ihrer Existenz vor Augen. Die Mom'Serimer haben sich in Anbetracht dessen in zwei Lager gespalten: die Optimisten, die an die Rettung durch ESTARTU glauben, und ihnen gegenüber die Zyniker, die glauben, daß ESTARTU sie verlassen hat und ihre weitere Existenz keinen Sinn mehr macht. Aufgrund dessen wollen sie die lebenserhaltenden Systeme abschalten. Als die SOL erscheint, ist dieser Machtkampf auf dem Höhepunkt. Jedoch sind die Optimisten durch die Informationen von Atlan am Ende.
Atlan bietet allen Mom'Serimern an, an Bord des Generationenraumschiffes in die Gegenwart zu fliehen. Es machen jedoch nur knapp 100.000 Flüchtlinge von dieser Gelegenheit Gebrauch. Der Rest harrt an Ort und Stelle auf das nahe Ende.
Während sich die SOL also auf die Reise durch den Dom macht, beobachtet der mundänische Heerführer Shriftenz die Situation. Im ersten Moment sah es noch danach aus, daß seine Karriere an einem kritischen Punkt angelangt war, nachdem er es war, der das goldenen Schiff entkommen ließ, doch nun beobachtet er, wie sich die Nacht in einem gigantischen Inferno vernichtet. Und er ist es, daß die endgültige Vernichtung ESTARTUs an sein Oberkommando melden darf!
Für Atlan und seine Gefährten verläuft dieser Augenblick nicht ganz so angenehm, denn wie jeder an Bord der SOL mitbekommt, läuft auf der Reise irgend etwas verdammt schief...

Die Odyssee der SOL ist noch nicht zu Ende. Zwar hat sie nun endgültig das Ende ihrer kosmischen Bestimmung erlangt und darf eigentlich nach Hause reisen, aber Odysseus hat nach dem Krieg gegen Troja auch noch eine ganze Weile gebraucht, bis er endlich daheim war. (* Laß mich raten: Odysseus hatte keinen Navigator? Oder zumindest keinen besonders guten? >;-) Heike) Nach dem Ende dieses Romans darf also bezweifelt werden, daß die SOL wirklich auf der Gegenseite in DaGlausch erscheinen und dann den Weg in die heimatliche Milchstraße antreten können wird.
Im großen hat mir der Rahmen der SOL-Ebene besser gefallen als derjenige der Milchstraßenhandlung (mal von ihrem Ende abgesehen), deswegen wäre es eigentlich zu wünschen, daß hier noch ein paar Episoden anfallen, bis Atlan wieder die Milchstraße erreicht.
Hier darf ja erwartet werden, daß der kosmische Rahmen in Zukunft etwas stärker vertreten werden wird. Morkheros Herkunft wird hier ihren Einfluß wohl kaum verwehren. Es ist aber genau jener kosmische Rahmen, der im vorliegenden Band kaum vorhanden ist und dessen Gegensatz zu seinem Vorgänger damit wohl kaum extremer sein könnte. Genau deswegen ist er aber auch recht angenehm zu lesen, denn wenigstens hat er kaum größere Enttäuschungen zu enthüllen. Vielmehr kann am Ende jeder der Beteiligten sagen, daß er seinen eigenen kleinen Triumph erhalten hat: Die SOL macht sich endlich auf den Heimweg, die Mom'Serimer sind entweder an Bord oder erwarten ihr Schicksal, und die Mundänen sind die verhaßte ESTARTU endlich los.
Das sind dann aber auch schon die Höhepunkte des Romans, der für sich gesehen nicht viel besonders bietet, außer daß er halt alles aufräumen darf, was auf dieser Ebene noch übriggeblieben ist.
Die eigentliche Handlung bleibt im großen und ganzen recht spannungsfrei. Die Anspannung an Bord der SOL ist den Charakteren nicht besonders gut abzunehmen. Die große Gefahr durch die Mundänen wird recht kurz und schmerzlos abgehandelt, und auch der "kleine" Trick zum Erreichen der Nacht ist zwar ganz nett, aber wenig spektakulär. Aber wenigstens hat man sich diesmal eine halbwegs brauchbare Lösung einfallen lassen, indem man die Schiffe der Mundänen von ihrem Ziel weggelockt hat.
Dazu paßt die Situation in der Nacht recht gut. Irgendwie fragt man sich manchmal, worüber die sich eigentlich so den Kopf zerbrechen. Den Großteil der Bevölkerung scheint die Entwicklung kaum zu interessieren. Dargestellt werden nur die politisch aktiven Querköpfe, die sich langsam, aber sicher, in einen Terrorismus hineinsteigern. Auf dieser Ebene hätte man sich besser auf eine atmosphärische Schilderung verlassen; statt dessen artet sie am Ende noch in eine Terroristen/Verschwörungs-Geschichte, und das paßt für mich eher weniger zur Situation.
Am Ende weiß man dann nicht so richtig, was eigentlich geschieht und was in den Mom'Serimern vorgeht, und so war ich für meinen Teil doch sehr überrascht, als "nur" 95.000 Bewohner der Nacht die Flucht vor dem Tod antreten.

Fazit:
Alles nicht schlecht, aber auch nicht gut.
Dennoch bleibt die fehlende Spektakularität eine wahre Wohltat im Gegensatz zum Vorgänger.
7 Punkte

Alexander Haas

Nachdem ja bereits im letzten Band so ziemlich alles Wichtige dieser Handlungsebene erledigt wurde, geht es in diesem Roman nun "nur" noch darum, die SOL zurück in die NACHT und von dort in die eigene Zeit zu bringen. Um dies zu erreichen, muß man an einer Horde Mundänen vorbei - aber dafür hat man ja eine zufälligerweise des Weges kommende Inzaila Onda, die die Mundänen befriedet...
Irgendwie vermag in diesem Teil der Handlung die Spannung nun nicht so richtig einzusetzen - da hilft auch keine Drei-Tage-Frist. Dem Roman gelingt es nicht, mehr als nur ein klein wenig Aufmerksamkeit vom Leser zu fordern - was hauptsächlich in der mehr oder weniger uninteressanten Handlung liegt.
Und dies setzt sich auch in der NACHT selber fort. Auch hier entwickelt sich kaum eine atmosphärische Handlung. Dies mag durchaus zum Teil daran liegen, daß der Leser sich bereits an den Fingern einer Hand abzählen konnte, daß die NACHT nach diesem Roman nicht mehr existiert - eine Spannung aufgrund der Frage, wie es ausgeht, kann dabei nicht aufkommen. Zum anderen liegt das Desinteresse des Lesers wohl auch daran, daß der ganze Roman eher routiniert heruntergeschrieben, aber nicht mit Leben erfüllt ist. Doch auch die vorhersehbare Handlung ist nicht gerade spannungs- oder atmosphärefördernd.
Da kann auch die Frage, ob es der SOL denn gelingen wird, in ihre relative Gegenwart zurückzukommen, niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken, ist doch auch hier das Ergebnis bereits bekannt. So steht in der PR-Kommunikation in Band 2046 zum Handlungsabschnitt "SEELENQUELL": "Das Hantelraumschiff ist nach wie vor in Raum und Zeit verschollen. Und nicht einmal der Bote der Superintelligenz ES kann mit Rat und Tat weiterhelfen..." Demnach ist sie nach Band 2050 nicht mehr in Segafrendo und auch nicht mehr in der Zeit vor 18 Millionen Jahren; dementsprechend muß sie wohl in den Transfer gehen (sonst wüßte zumindest Lotho Keraete, wo und wann sie sich befindet). Dieser kann jedoch nicht richtig gelungen sein, sonst wäre sie ja wieder in der relativen Gegenwart zurück und nicht verschollen...

Fazit:
Nach Beendigung der wichtigen Handlungsstränge fällt Horst Hoffmann die undankbare Aufgabe zu, die Reste wegzuräumen. Dies erledigt er routiniert, jedoch kommt aufgrund der vorhersehbaren Handlung kaum so etwas wie Spannung auf, und das Interesse des Lesers hält sich in Grenzen.
7 Punkte.

Winfried Brand

Die eigentliche Mission der SOL ist abgeschlossen. Damit geht es letztlich nur noch darum, das Schiff in die NACHT zurückzubringen, von wo aus der Rücksprung in die Relativ-Gegenwart erfolgen soll. Obwohl das Schiff wieder einmal (künstlich) unter großem Zeitdruck operiert, vermag keine richtige Spannung aufzukommen. Schließlich hat man letztlich am Ende des Heftes noch ein Drittel dieser Frist übrig.
Die SOL entkommt gerade noch aus dem INSHARAM. Um die NACHT zu erreichen, muß sie durch Segafrendo. Am Ausgang des Dimensionstunnels lauern (einmal mehr) riesige Flotten der Mundänen. Das wird fast schon zur Gewohnheit, so daß man da keine Gefahr mehr sieht.
Eine (zufällig vorbeifliegende, ach wie schön) Inzaila Onda wird zum Retter der SOL. Auch vor der "Stromschnelle", der Schleuse in die NACHT, wartet wieder eine riesige Mundänenflotte. Gähn. Noch einmal mehr wäre kaum zu ertragen. Klar, daß auch diese Mundänen die SOL nicht aufhalten können - dieser Teil des Zyklus geht mit dem vorliegenden Heft dem Ende zu. So wird die Wachflotte mit einem simplen Trick fortgelockt. Die Mundänen stellen sich angesichts ihrer fortgeschrittenen Technik und ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit einmal mehr ziemlich blöd an. (* Naja, die besten Krieger im Rollenspiel sind meist auch nicht gerade die größten Intelligenzbolzen... >;-) Heike)
Die NACHT bricht derweil zusammen. Wie konnte es dazu kommen, und weshalb geschieht das ausgerechnet jetzt? Die Antwort folgt sogleich. ESTARTU hat die NACHT stabilisiert, woraus folgt: ESTARTU ist fort (besser gesagt, existiert nicht mehr, da in ES aufgegangen). Wenn man aber eine Superintelligenz braucht, um die Zone um einen Megadom zu stabilisieren, dann grübelt man sofort nach: Wer hat eigentlich den Kessel von DaGlausch vor der Gründung Thoregons stabilisiert??? Oder ist mir da etwas entgangen?
Der Rest der Handlung wird routiniert abgehandelt: Die Mom'Serimer sehen sich vor dem Untergang. Machtkämpfe sind die Folge. Die eine Fraktion macht die SOL dafür verantwortlich. Die anderen warten auf die Rückkehr der SOL oder ESTARTUs.
Dann geht alles recht schnell. Es folgt die Rettung der dem Tode geweihten Mom'Serimer (wenigstens derer, die sich retten lassen wollen). Damit gelangen 95.000 Mom'Serimer an Bord der SOL - und (wenn es nach Plan verläuft) mit in die Zukunft. Bahnt sich da nach dem letzten Heft NOCH ein Paradoxon an? Immerhin sind die Geretteten eigentlich seit 18 Millionen Jahren tot...
Das eigentlich Wichtige ereignet sich auf der letzten halben Seite: Während des Transfers in die Zukunft (?) passiert dann - irgendetwas. Die SOL wird wohl nicht planmäßig dort auftauchen, wo sie sollte.
Mit diesem Roman werden alle Überreste des ehemaligen Thoregon beseitigt. Darum braucht man sich in der Expo-Redaktion nicht mehr zu kümmern. (Oder ist der Megadom doch unzerstörbar? Man muß sich hier eventuell ein Hintertürchen offen lassen...)

Fazit:
Business as usual. Nicht besonders aufregend.
8 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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