Terry Pratchett:

"The Truth"

GB 2000
(319 Seiten, Hardcover, Doubleday, ISBN 0-385-60102-6, £ 16,99 / $ 24,-)
- erschienen: November 2000 -

William de Worde hat es als Schreiber in Ankh-Morpork zwar nicht gerade zu Reichtum und Ansehen gebracht. Durch die monatlichen Newsletter jedoch, in denen er für die Könige der ferneren Königreiche von den Neuigkeiten berichtet, die in der Stadt passiert sind, hat er ein hübsches Zubrot.
Durch einen unglücklichen Zufall gerät er unter eine Druckerpresse, die von Zwergen in die Stadt eingeschmuggelt wurde. Das Drucken mit beweglichen Lettern ist den Gilden und auch dem Patrizier etwas suspekt - schließlich weiß man ja nicht, ob die Lettern sich an die gedruckten Werke erinnern können. William ist von dem technischen Fortschritt jedoch außerordentlich fasziniert.
Mr. Tulip und Mr. Pin indes haben andere Sorgen. Eine Menge sogenannter besorgter Bürger - sprich: etliche Verschwörer - möchte Vetinari aus dem Amt drängen. Dazu sind Mr. Tulip und Mr. Pin angeheuert worden, denn die Assassinen sollen nicht in die Sache verwickelt werden.
Nachdem Lord Vetinari die Druckerpresse offiziell erlaubt hat, schart William nach und nach eine Mitarbeiterschar um sich, und ehe er sich versieht, ist er der Herausgeber der "Ankh Morporkh Times". Worauf die Gilde der Engravers prompt ein Konkurrenzprodukt auf den Markt wirft. Das "Inquierer" im Namen läßt schon ahnen, daß diese alles andere als seriös ist. Doch William gibt nicht auf, auch nicht, als die Gilde sämtliches Papier der Stadt aufkauft. Gegen alle Widerstände hält er die "Times" am Laufen.
Als Lord Vetinari des Mordes bezichtigt wird - die Beweise sprechen in der Tat gegen ihn - erregt das sowohl die Aufmerksamkeit der Wache als auch die von William. Sowohl Vimes als auch William merken bald, daß etwas faul an dieser Sache ist. Wuffel, der Terrier des Patriziers, könnte vielleicht Aufschluß über die Tat geben, doch der Terrier ist verschwunden. Und nicht nur William und Vimes sind auf der Suche nach ihm; auch Tulip und Pin versuchen alles, um den Hund in ihre Hände zu bekommen.
Erst als sich Gaspode, der Wunderhund, in die Jagd einschaltet, scheint die Lösung des Rätsels nahe. Doch William ahnt noch nicht, daß er am Ende zwar die Wahrheit finden wird, doch diese alles andere als angenehm ist...

Gegenüber dem "Fünften Elefanten" ist dieser Pratchett-Roman wieder etwas leichter - jedenfalls zu Beginn. Wenn der Roman sein furioses Finale erreicht, ist diese Leichtigkeit verflogen, und ein tiefer Ernst hat sich über die Szenen gelegt.
In gewohnter Manier erzählt Pratchett zu Beginn zwei Handlungen, die erst in der Mitte des Romanes zusammenlaufen. Besondere Aufmerksamkeit widmet er diesmal der Gruppe um Foul Old Ron, zu der sich diesmal auch der sprechende Hund Gaspode gesellt hat. Sicher spielen auch Vimes und die Wache eine Rolle; der eigentliche Held des Romans jedoch ist ohne Zweifel William. Er stößt nur zufällig mit den Zwergen zusammen - und genauso zufällig kommt anschließend eins zum anderen. Wobei William am Ende des Romans erkennt, daß er die ganze Zeit nach etwas wie der "Times" gesucht hat, nach etwas, das seinem Leben Sinn gibt. Deswegen nimmt er den Kampf gegen die Engravers-Guilde und gegen alle anderen Widerstände auf.
Natürlich hat Pratchett auch in diesen Roman wieder Gags und Anspielungen eingestreut, die sich im Gegensatz zu "Heiße Hüpfer" harmonisch in die Handlung eingliedern. Bei Namen wie Worde und Boddony wird der Benutzer eines gewissen Schreibprogramms hellhörig. Natürlich muß man wissen, daß der "National Inquirer" in den Staaten eine sehr reißerisch aufgemachte Boulevardzeitung ist, und wenn Gaspode sich William gegenüber als "Deep Bone" ausgibt und sich auch wie sein Vorbild verhält, werden Akte-X-Fans leicht schmunzeln.
Besonders amüsant sind jedoch die Szenen um Mr. Tulip und Mr. Pin. Vielleicht hätten sie besser das Traktat "Willkommningt in Ankh-Morporkh" lesen sollen - vielleicht hätten sie dann gewußt, daß die Stadt durchaus ihre Besonderheiten hat.

Fazit:
Wie gewohnt bietet Pratchett einen Witz aus Komik und Weisheit dar, mit allen gewohnten Attributen, die die Fans an seinen Romanen lieben. Auch der ideale Einstiegsband für diejenigen, die bisher keinen Pratchett-Roman gelesen haben.
15 Punkte

Christian Spließ

(* Zur Zeit - Ende November 2000 - sollte man sich überlegen, ob man bei amazon.de die US-Version des Buches bestellt - oder vielleicht doch lieber bei amazon.co.uk die GB-Version, denn letzterer bietet das Hardcover zum halben empfohlenen Preis an - eine Ersparnis von £ 8,50, die die entstehenden Versandkosten von £ 3,49 (bei Bestellung eines einzelnen Buches per Standard-Luftpost) locker aufwiegt. Immerhin zahlt man so für die GB-Ausgabe knapp 40 Mark, während amazon.de für die US-Ausgabe fast schon 60 Mark haben möchte - knappe 20 Mark Ersparnis also, wenn man eine Wartezeit von drei bis fünf Tagen (lt. amazon.co.uk) in Kauf nimmt. Ich schätze, das lohnt sich. Allerdings sollte man sich wahrscheinlich mit der Bestellung beeilen, denn es ist natürlich nicht klar, wie lange der englische amazon-Ableger den Sonderpreis aufrechterhalten wird. Ein Blick lohnt sich aber auf jeden Fall... Winy)


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