Zum
Inhalt:
1279: Ein seltsamer Reiter taucht unter seltsamen
Begleitumständen in der Stadt auf - und nicht viel später
breitet sich des Mitternachts ein seltsames Licht über die Stadt
aus...
1284: Der Fremde ist wieder da - und in der Zwischenzeit sind 130
Kinder geboren worden, die über ungewöhnliche
Fähigkeiten verfügen. Anscheinend hat der Fremde mit ihnen
etwas Besonderes vor...
1994: Auf dem Friedhof wacht sie auf und wird kurz danach von einem
Vampir angefallen, den sie jedoch besiegen kann. Bei ihm findet sie
einen Zettel mit einer Adresse. Kurzerhand, da sie keinerlei Ahnung
hat, wer, was, wann, wo oder warum sie ist, fährt sie mit einem
Taxi zu dieser Adresse. Dort findet sie ein seltsames Grundstück
mit einem noch seltsameren Haus... (was folgt, sollte Vampira-Lesern
bekannt sein...)
Mit "Das Volk der Nacht" liegt nun der erste Band der
Vampira-Heftroman-Nachdruckreihe vor - garniert mit einem neuen Text
in der Länge von etwa einem halben Heftroman.
Dieser neue Text dürfte wohl auch den größten Anreiz
darstellen, sich dieses Hardcover zuzulegen (jedenfalls solange man
die Heftroman-Reihe sein eigen nennt). Um den Unentschlossenen die
Entscheidung leicht zu machen: Der Text ist hervorragend und
paßt sich gut in den Vampira-Kosmos ein. Landrus Versuch, eine
neue Rasse von Vampiren zu züchten, hat eindeutig etwas für
sich, und auch die Auflösung nach knapp fünfzig Seiten ist
Manfred Weinland sehr gut gelungen.
Danach folgen dann die ersten fünf Heftromane - leider liegen
meine Hefte noch in einem Umzugskarton verschlossen, daher kann ich
dummerweise die Inhalte nicht direkt vergleichen. Es scheint jedoch
so, als ob die Heftromane - wenn überhaupt - nur mit geringer
Bearbeitung in das Hardcover übernommen wurden. Das ist
sicherlich für diejenigen interessant, die die Heftromane selber
nicht ihr eigen nennen, bietet aber auch Kritikpunkte.
So wäre es m.E. wünschenswert gewesen, evtl. ein paar
überleitende Zwischentexte einzufügen (obwohl die Wechsel
zwischen den Heftromanen hier zumindest erstaunlich wenig auffallen)
sowie ein paar Wiederholungen zu streichen, die zwar im Heftroman
Sinn machen (schließlich hat man das vorhergehende Heft bereits
vor rund zwei Wochen gelesen), im Hardcover aber etwas unnötig
erscheinen (immerhin hat man die entsprechenden Passagen und
Erklärungen gerade erst gelesen). Womit auch Raum für die
Überleitungstexte geschaffen wäre - und man muß an
solche Bearbeitungen ja auch nicht gleich mit der Motorsäge
herangehen wie z.B. bei den Perry Rhodan- oder Ren
Dhark-Buchausgaben...
Auch wäre es sicher wünschenswert, wenn man die leichten
Inhaltsfehler der Heftromane ein wenig ausbügeln würde. So
bleiben hier ein paar Unstimmigkeiten erhalten, die man problemlos
aus der Welt hätte schaffen können. Z.B. im zweiten Kapitel
die Szene, in der Lilith in einem Anflug von "Erinnerung" einen
Spiegel von der Wand reißt, der folgerichtig zerspringt. Im
Lauf des Romans kehrt sie jedoch in das Zimmer zurück und stellt
fest, daß die Scherben des "Bildes" nicht mehr vorhanden sind.
Noch später im Roman ist dann die Rede davon, daß die
Scherben des "Spiegels" wieder vorhanden sind. Bei aller Liebe zur
Originalgetreuigkeit - das hätte man wohl problemlos ändern
können, ohne gleich Proteststürme der Leser erwarten zu
müssen.
Oder auch der Übergang zwischen Roman vier und fünf. In
ersterem kommt Lilith noch problemlos bis in die Anfänge der
300er Nummern der Paddington Street, bevor sie von den Polizisten
ernsthaft aufgehalten wird. Im nachfolgenden Band ist bereits kurz
nach Haus Nr. 200 Schluß, und der Protagonist wohnt im letzten
Haus vor der evakuierten Zone. Also, irgendwie paßt dies auch
nicht so ganz zusammen...
Bis auf solche Kleinigkeiten liegt hier jedoch ein Buch vor, das ich
dem interessierten Horror- (ach, nee - bei Zaubermond heißt
dies ja trendgerecht "Dark Fantasy", 'tschuldigung...) Leser
empfehlen kann.
Fazit:
Ein schönes Buch, das sowieso in jede Bibliothek eines
Vampira-Lesers gehört. Zwar hätte man hier noch das eine
oder andere aus dem Original verbessern können, doch bringt
dieses Hardcover den Lesern immerhin den Beginn einer
richtungsweisenden Horror-Serie näher, die diese bisher (aus
welchen Gründen auch immer) verpaßt haben. Intelligenter
Horror auf (für den ursprünglichen Heftroman-Bereich)
inhaltlich und sprachlich ungewohnt hohem Niveau.
13 Punkte.
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