Manfred Weinland:

"Das Volk der Nacht"

(Das Volk der Nacht Classics - Band 1)
D 2000
(479 Seiten, Hardcover, Zaubermond, ISBN 3-931407-23-3, DM 39,80)
- erschienen: Oktober 2000 -

Zum Inhalt:

1279: Ein seltsamer Reiter taucht unter seltsamen Begleitumständen in der Stadt auf - und nicht viel später breitet sich des Mitternachts ein seltsames Licht über die Stadt aus...
1284: Der Fremde ist wieder da - und in der Zwischenzeit sind 130 Kinder geboren worden, die über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügen. Anscheinend hat der Fremde mit ihnen etwas Besonderes vor...
1994: Auf dem Friedhof wacht sie auf und wird kurz danach von einem Vampir angefallen, den sie jedoch besiegen kann. Bei ihm findet sie einen Zettel mit einer Adresse. Kurzerhand, da sie keinerlei Ahnung hat, wer, was, wann, wo oder warum sie ist, fährt sie mit einem Taxi zu dieser Adresse. Dort findet sie ein seltsames Grundstück mit einem noch seltsameren Haus... (was folgt, sollte Vampira-Lesern bekannt sein...)

Mit "Das Volk der Nacht" liegt nun der erste Band der Vampira-Heftroman-Nachdruckreihe vor - garniert mit einem neuen Text in der Länge von etwa einem halben Heftroman.
Dieser neue Text dürfte wohl auch den größten Anreiz darstellen, sich dieses Hardcover zuzulegen (jedenfalls solange man die Heftroman-Reihe sein eigen nennt). Um den Unentschlossenen die Entscheidung leicht zu machen: Der Text ist hervorragend und paßt sich gut in den Vampira-Kosmos ein. Landrus Versuch, eine neue Rasse von Vampiren zu züchten, hat eindeutig etwas für sich, und auch die Auflösung nach knapp fünfzig Seiten ist Manfred Weinland sehr gut gelungen.
Danach folgen dann die ersten fünf Heftromane - leider liegen meine Hefte noch in einem Umzugskarton verschlossen, daher kann ich dummerweise die Inhalte nicht direkt vergleichen. Es scheint jedoch so, als ob die Heftromane - wenn überhaupt - nur mit geringer Bearbeitung in das Hardcover übernommen wurden. Das ist sicherlich für diejenigen interessant, die die Heftromane selber nicht ihr eigen nennen, bietet aber auch Kritikpunkte.
So wäre es m.E. wünschenswert gewesen, evtl. ein paar überleitende Zwischentexte einzufügen (obwohl die Wechsel zwischen den Heftromanen hier zumindest erstaunlich wenig auffallen) sowie ein paar Wiederholungen zu streichen, die zwar im Heftroman Sinn machen (schließlich hat man das vorhergehende Heft bereits vor rund zwei Wochen gelesen), im Hardcover aber etwas unnötig erscheinen (immerhin hat man die entsprechenden Passagen und Erklärungen gerade erst gelesen). Womit auch Raum für die Überleitungstexte geschaffen wäre - und man muß an solche Bearbeitungen ja auch nicht gleich mit der Motorsäge herangehen wie z.B. bei den Perry Rhodan- oder Ren Dhark-Buchausgaben...
Auch wäre es sicher wünschenswert, wenn man die leichten Inhaltsfehler der Heftromane ein wenig ausbügeln würde. So bleiben hier ein paar Unstimmigkeiten erhalten, die man problemlos aus der Welt hätte schaffen können. Z.B. im zweiten Kapitel die Szene, in der Lilith in einem Anflug von "Erinnerung" einen Spiegel von der Wand reißt, der folgerichtig zerspringt. Im Lauf des Romans kehrt sie jedoch in das Zimmer zurück und stellt fest, daß die Scherben des "Bildes" nicht mehr vorhanden sind. Noch später im Roman ist dann die Rede davon, daß die Scherben des "Spiegels" wieder vorhanden sind. Bei aller Liebe zur Originalgetreuigkeit - das hätte man wohl problemlos ändern können, ohne gleich Proteststürme der Leser erwarten zu müssen.
Oder auch der Übergang zwischen Roman vier und fünf. In ersterem kommt Lilith noch problemlos bis in die Anfänge der 300er Nummern der Paddington Street, bevor sie von den Polizisten ernsthaft aufgehalten wird. Im nachfolgenden Band ist bereits kurz nach Haus Nr. 200 Schluß, und der Protagonist wohnt im letzten Haus vor der evakuierten Zone. Also, irgendwie paßt dies auch nicht so ganz zusammen...
Bis auf solche Kleinigkeiten liegt hier jedoch ein Buch vor, das ich dem interessierten Horror- (ach, nee - bei Zaubermond heißt dies ja trendgerecht "Dark Fantasy", 'tschuldigung...) Leser empfehlen kann.

Fazit:
Ein schönes Buch, das sowieso in jede Bibliothek eines Vampira-Lesers gehört. Zwar hätte man hier noch das eine oder andere aus dem Original verbessern können, doch bringt dieses Hardcover den Lesern immerhin den Beginn einer richtungsweisenden Horror-Serie näher, die diese bisher (aus welchen Gründen auch immer) verpaßt haben. Intelligenter Horror auf (für den ursprünglichen Heftroman-Bereich) inhaltlich und sprachlich ungewohnt hohem Niveau.
13 Punkte.

Winfried Brand


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


Startseite