Mit "Sankt
Camber" ist bei Bastei nun der zweite Band des "frühen"
Deryni-Zyklus um die Zaubererrasse der Deryni im frühen
Mittelalter wieder neu aufgelegt worden. Nachdem im ersten Roman der
Kampf Cambers von Culdi und der Seinen um den Thron von Gwynedd (mit
Hilfe des letzten Überlebenden des haldanischen Geschlechts)
geschildert wurde, findet die Geschichte nun, ein halbes Jahr nach
der Thronbesteigung von Cinhil Haldane, ihre Fortsetzung.
Im Frühjahr des Jahres 905 hat sich das
Verhältnis zwischen dem König und seinen derynischen
Beratern leider nicht zum Besseren gewendet. Es hat eher den
Anschein, das Cinhil Haldane immer mehr seinem verlorenen
Mönchtum nachtrauert und die Schuld natürlich bei seinen
ehemaligen Entführern aus dem Schoß der Kirche findet. Die
McRories mit Camber und seinen Kindern Joram und Evaine sowie der
Heiler Rhys Thuryn und der Generalvikar des michaelitischen Ordens,
Alister Cullen, müssen darauf achten, daß sich des
Königs Zorn nicht ganz allgemein gegen das derynische Volk zu
richten beginnt. Aber seine Abneigung wird immer spürbarer,
woran wohl auch der Tod seines Erstgeborenen nicht ganz unschuldig zu
sein scheint - vor allem, da dieser durch die Hand eines derynischen
Attentäters umkam, der vom ehemaligen Herrscherhaus der Festils
gedungen wurde. Genauso grämt den König die schlechte
Gesundheit seiner neugeborenen Zwillingssöhne. Der eine ist
ziemlich kränklich und der andere gar mit einem Klumpfuß
gezeichnet. Dies stärkt natürlich Cinhils Ansicht,
daß es nicht Gottes Wille gewesen sein kann, ihn zum König
zu machen. Auch seine junge Frau leidet unter Cinhils immer
stärkerer Zurückweisung und hat sich noch nicht von der
Geburt der Zwillinge erholt.
Damit nicht genug, kommt es zu einem Attentat
derynischer Adeliger vom ehemaligen Hof des vierten Festils auf
König Cinhil. Wobei sich dieser in seinem Jähzorn
hinreißen läßt, den schon überwundenen
Angreifer durch seine magischen Kräfte zu töten. Camber
konnte den König gerade noch vor einem Messerstich retten, wurde
aber selbst schwer getroffen, doch durch Rhys Thuryns Heilkräfte
rasch wieder geheilt. Cambers Stand am Hof wurde durch dieses
Attentat jedoch wieder stärker geschädigt. Der König
sieht ihn immer mehr als Hauptübel für seine jetzige,
mißliche Lage an.
Doch nicht nur dieser interne Zwist könnte das
gerade erst wieder aufgestandene Geschlecht der Haldane entscheidend
schwächen. Auch von außen drohen Gefahren. Die mit ihrem
Sohn nach Torenth geflohene Schwester des getöteten festilschen
Königs Ariella plant die Wiedereroberung von Gwynedd für
ihr Geschlecht.
Und die folgende Schlacht sollte Auswirkungen für
das Königreich bringen, die noch in Jahren spürbar
waren.
Spürbar geht Katherine Kurtz darin auf, uns ihre
Kenntnisse über das christliche Mittelalter - mit der von ihr
hineingeflochtenen Geschichte der Deryni - darzustellen. Deutlich
treten die Einschränkungen und Zwänge auf die damaligen
Menschen hervor, die ihnen durch die Kirche auferlegt wurden.
Katherine Kurtz macht einen klaren Unterschied zwischen dem
christlichen Glauben und der Kirche, deren Handlungen, wie wir nur zu
gut wissen, sehr oft nicht gerade christlichen Gedanken entsprachen.
(* Das tun sie doch auch heute meist nicht!!! >:-((( Heike)
Durch ihre besonderen Fähigkeiten sind die Deryni nicht wie die
einfachen Menschen an die jeweilige Interpretation der Kirche zum
Glauben gebunden, sondern können durch ihre übersinnlichen
Kräfte die Macht Gottes direkt spüren. Aber was hat es
ihnen geholfen? Immer noch durch die Jahrhunderte an christliche
Regeln gebunden, die eben mit Zauberkräften und Magie nicht
unbedingt umgehen können, verdammen die Deryni sich fast selbst.
Wenn man an den vorherigen Herrscher Festil zurückdenkt, so hat
er sich nicht durch religiöses Gedankengut so einzwängen
lassen und die Macht seines Volksstammes voll ausgespielt - was
natürlich für die Menschen zu seiner Zeit ein Leben zweiter
Klasse unter derynischer Oberherrschaft bedeutete. Zu
verallgemeinern, daß ein nichtchristlicher derynischer
Herrscher sofort schlecht wäre, ist jedoch sicher genauso
falsch. Für das derynische Volk scheint das Christentum oder
eher die Intoleranz der Kirche jedenfalls den Untergang zu bedeuten.
Mit einer anderen Weltanschauung, die ja nicht unbedingt schlecht
sein muß, hätten die Deryni des Königreiches Gwynedd
bestimmt besser überlebt.
Wie auch in vielen anderen Fantasyerzählungen
bedeutet der Glaube an den Einen Gott nur den Untergang der Vielfalt
des Denkens, das Verschwinden der Magie und leider meist auch vieler
Lebewesen. (* Ja - vor allem Menschen! Hier besonders Frauen, die
der Kirche aus irgendwelchen Gründen nicht paßten, die
unbequem waren - oder viel Geld oder Grundbesitz hatten (am besten
beides)... das waren dann plötzlich Hexen. Heike)
Was ich aus Kurtz' Geschichten herauslese, ist der
Wunsch nach einer größeren christlichen Toleranz, die dem
Glauben auch bestimmt nicht widerspricht, die leider aber immer
wieder durch die Menschen, die Kirche und ihre eigenen Vorstellungen
von der Religion zunichte gemacht werden.
Zum Schluß noch etwas zum Umschlagsbild - was hat
Bastei sich nur dabei gedacht? Es ist vollkommen ohne Bezug zur
Geschichte; man hat sich einfach irgendein Fantasybild ausgesucht,
und das auch noch, ohne sich sonderlich Gedanken zu machen. Da sind
die bei Heyne erscheinenden Fortsetzungen (der Zyklus "Die Erben von
Camber" bildet den Anschluß zum auf den vorliegenden Band
folgenden Titel "Camber der Ketzer") zu den hier geschilderten
Abenteuern wirklich um Klassen besser.
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