Katherine Kurtz:

"Sankt Camber"

(Zweiter Band des Camber-Zyklus)
   OT: Saint Camber
   Ü: Horst Pukallus
   USA 1978
   (607 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20393, ISBN 3-404-20393-3, DM 16,90)
   - erschienen: September 2000 -

Mit "Sankt Camber" ist bei Bastei nun der zweite Band des "frühen" Deryni-Zyklus um die Zaubererrasse der Deryni im frühen Mittelalter wieder neu aufgelegt worden. Nachdem im ersten Roman der Kampf Cambers von Culdi und der Seinen um den Thron von Gwynedd (mit Hilfe des letzten Überlebenden des haldanischen Geschlechts) geschildert wurde, findet die Geschichte nun, ein halbes Jahr nach der Thronbesteigung von Cinhil Haldane, ihre Fortsetzung.
   Im Frühjahr des Jahres 905 hat sich das Verhältnis zwischen dem König und seinen derynischen Beratern leider nicht zum Besseren gewendet. Es hat eher den Anschein, das Cinhil Haldane immer mehr seinem verlorenen Mönchtum nachtrauert und die Schuld natürlich bei seinen ehemaligen Entführern aus dem Schoß der Kirche findet. Die McRories mit Camber und seinen Kindern Joram und Evaine sowie der Heiler Rhys Thuryn und der Generalvikar des michaelitischen Ordens, Alister Cullen, müssen darauf achten, daß sich des Königs Zorn nicht ganz allgemein gegen das derynische Volk zu richten beginnt. Aber seine Abneigung wird immer spürbarer, woran wohl auch der Tod seines Erstgeborenen nicht ganz unschuldig zu sein scheint - vor allem, da dieser durch die Hand eines derynischen Attentäters umkam, der vom ehemaligen Herrscherhaus der Festils gedungen wurde. Genauso grämt den König die schlechte Gesundheit seiner neugeborenen Zwillingssöhne. Der eine ist ziemlich kränklich und der andere gar mit einem Klumpfuß gezeichnet. Dies stärkt natürlich Cinhils Ansicht, daß es nicht Gottes Wille gewesen sein kann, ihn zum König zu machen. Auch seine junge Frau leidet unter Cinhils immer stärkerer Zurückweisung und hat sich noch nicht von der Geburt der Zwillinge erholt.
   Damit nicht genug, kommt es zu einem Attentat derynischer Adeliger vom ehemaligen Hof des vierten Festils auf König Cinhil. Wobei sich dieser in seinem Jähzorn hinreißen läßt, den schon überwundenen Angreifer durch seine magischen Kräfte zu töten. Camber konnte den König gerade noch vor einem Messerstich retten, wurde aber selbst schwer getroffen, doch durch Rhys Thuryns Heilkräfte rasch wieder geheilt. Cambers Stand am Hof wurde durch dieses Attentat jedoch wieder stärker geschädigt. Der König sieht ihn immer mehr als Hauptübel für seine jetzige, mißliche Lage an.
   Doch nicht nur dieser interne Zwist könnte das gerade erst wieder aufgestandene Geschlecht der Haldane entscheidend schwächen. Auch von außen drohen Gefahren. Die mit ihrem Sohn nach Torenth geflohene Schwester des getöteten festilschen Königs Ariella plant die Wiedereroberung von Gwynedd für ihr Geschlecht.
   Und die folgende Schlacht sollte Auswirkungen für das Königreich bringen, die noch in Jahren spürbar waren.
  
   Spürbar geht Katherine Kurtz darin auf, uns ihre Kenntnisse über das christliche Mittelalter - mit der von ihr hineingeflochtenen Geschichte der Deryni - darzustellen. Deutlich treten die Einschränkungen und Zwänge auf die damaligen Menschen hervor, die ihnen durch die Kirche auferlegt wurden. Katherine Kurtz macht einen klaren Unterschied zwischen dem christlichen Glauben und der Kirche, deren Handlungen, wie wir nur zu gut wissen, sehr oft nicht gerade christlichen Gedanken entsprachen. (* Das tun sie doch auch heute meist nicht!!! >:-((( Heike) Durch ihre besonderen Fähigkeiten sind die Deryni nicht wie die einfachen Menschen an die jeweilige Interpretation der Kirche zum Glauben gebunden, sondern können durch ihre übersinnlichen Kräfte die Macht Gottes direkt spüren. Aber was hat es ihnen geholfen? Immer noch durch die Jahrhunderte an christliche Regeln gebunden, die eben mit Zauberkräften und Magie nicht unbedingt umgehen können, verdammen die Deryni sich fast selbst. Wenn man an den vorherigen Herrscher Festil zurückdenkt, so hat er sich nicht durch religiöses Gedankengut so einzwängen lassen und die Macht seines Volksstammes voll ausgespielt - was natürlich für die Menschen zu seiner Zeit ein Leben zweiter Klasse unter derynischer Oberherrschaft bedeutete. Zu verallgemeinern, daß ein nichtchristlicher derynischer Herrscher sofort schlecht wäre, ist jedoch sicher genauso falsch. Für das derynische Volk scheint das Christentum oder eher die Intoleranz der Kirche jedenfalls den Untergang zu bedeuten. Mit einer anderen Weltanschauung, die ja nicht unbedingt schlecht sein muß, hätten die Deryni des Königreiches Gwynedd bestimmt besser überlebt.
   Wie auch in vielen anderen Fantasyerzählungen bedeutet der Glaube an den Einen Gott nur den Untergang der Vielfalt des Denkens, das Verschwinden der Magie und leider meist auch vieler Lebewesen. (* Ja - vor allem Menschen! Hier besonders Frauen, die der Kirche aus irgendwelchen Gründen nicht paßten, die unbequem waren - oder viel Geld oder Grundbesitz hatten (am besten beides)... das waren dann plötzlich Hexen. Heike)
   Was ich aus Kurtz' Geschichten herauslese, ist der Wunsch nach einer größeren christlichen Toleranz, die dem Glauben auch bestimmt nicht widerspricht, die leider aber immer wieder durch die Menschen, die Kirche und ihre eigenen Vorstellungen von der Religion zunichte gemacht werden.
  
   Zum Schluß noch etwas zum Umschlagsbild - was hat Bastei sich nur dabei gedacht? Es ist vollkommen ohne Bezug zur Geschichte; man hat sich einfach irgendein Fantasybild ausgesucht, und das auch noch, ohne sich sonderlich Gedanken zu machen. Da sind die bei Heyne erscheinenden Fortsetzungen (der Zyklus "Die Erben von Camber" bildet den Anschluß zum auf den vorliegenden Band folgenden Titel "Camber der Ketzer") zu den hier geschilderten Abenteuern wirklich um Klassen besser.
   10 Punkte

Bernd Krosta


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