Peter David:

"Captain Calhoun"

(Star Trek: Die neue Grenze - Band 1)
  
   1) "Kartenhaus"
   OT: Star Trek - New Frontier 1: House of Cards
  
   2) "Ins Leere"
   OT: Star Trek - New Frontier 2: Into the Void
  
   Ü: Bernhard Kempen
   USA 1997
   (328 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/6551, ISBN 3-453-17930-7, DM 15,-)
   - erschienen: November 2000 -

1) Kartenhaus
   Jahrhundertelang haben die Danteri die Xenexianer unterdrückt. Als sich diese unter der Führung des jungen M'k'n'zy erheben, schaltet sich die Föderation ein. Kurz zuvor hat M'k'n'zy in der Ödnis seines Planeten mehrere Visionen gehabt - darunter eine, die ihm als kahlköpfiger Mann in einer seltsamen Uniform erschien. Seine Überraschung ist groß, als dieser Mann als Abgesandter der Föderation vor ihm steht. Es ist Picard, der die Stargoozer befehligt.
   Auf Thallion führt die Halbvulkanierin Soleta Untersuchungen durch. Sie wird von den Thalloniern geschnappt, und nur durch Spocks Hilfe kann sie entkommen. Dabei lernen beide den Fürsten Si Cwan kennen.
   Etliche Jahre später hat M'k'n'zy eine blendende Karriere bei Starfleet hinter sich. Doch nachdem sein Schiff, die Grissom, unter seinem Kommando zerstört wurde, setzt die Föderation ihn eher als Undercoveragent ein. Nachdem das thallonische Imperium zusammengebrochen ist, steht Starfleet vor einem Problem. Denn weder sollen die ehemaligen Machthaber, zu denen Si Cwan gehört, mit Waffen unterstützt werden, noch soll die notwendige Erste Hilfe verweigert werden. Die Lösung: Man schickt die USS Excalibur unter der Leitung eines fähigen Captains in das Krisengebiet. Und der beste Kandidat ist M'k'n'zy - der jetzt Mackenzie heißt. Dieser nimmt den Auftrag an. Soleta wird jedoch von Si Cwan gezwungen, diesen an Bord der Excalibur zu schmuggeln...
  
   2) Ins Leere
   Allmählich findet die Mannschaft des Schiffes zueinander. Es gibt natürlich auch einige Exzentriker unter ihnen, doch im Großen und Ganzen verträgt man sich. Pikant ist nur, daß Mackenzie als ersten Offizier seine ehemalige Geliebte Elizabeth Shelby eingestellt hat.
   Die Excalibur stößt also allmählich in die große Leere vor und kann auch prompt einem gestrandeten Händler zu Hilfe kommen, der eine große Anzahl von Flüchtlingen transportiert.
   Währenddessen ist Si Cwan an Bord gekommen - was er nicht weiß, ist, daß Mackenzie davon Kenntnis hat. Er kennt die Mentalität des Thalloniers nur zu gut. Si Cwan wird "entdeckt" und als Botschafter von Mackenzie akzeptiert, da niemand die Verhältnisse im Sektor besser kennt als er. Zudem scheint Si Cwan während seiner Amtszeit etlichen Bittstellern geholfen zu haben.
   Ein neuer Notruf erreicht die Excalibur - ein Forschungsraumschiff, das Si Cwans Schwester an Bord hat. Mit einem Runabout macht sich der Botschafter zusammen mit dem Sicherheitsbeauftragten auf den Weg. Sie ahnen nicht, daß sie in eine Falle laufen...
  
   Zugegeben, der Rezensent ist hier etwas voreingenommen, hat er doch zumindest den ersten Roman im Original gelesen - und war von ihm begeistert. Und er kann in diesem Fall auch etwas zur Übersetzung sagen. Doch dazu später.
   Okay, es ist Star Trek - da ist ein Raumschiff nicht allzu fern. Und die Ausgangssituation ist auch alles andere als originell. Ein Raumschiff mit einer Mission in einem fremden Quadranten - da denkt man doch unwillkürlich an die Voyager. Doch damit sind die Ähnlichkeiten zwischen den Serien auch schon erschöpft.
   Peter David gelingt es, inmitten des Star Trek-Universums eine eigene Handlungsebene zu entwickeln, vollkommen losgelöst von den bisherigen Serien. Die Gastauftritte von Spock und Picard sind dabei schon Tradition - der Rezensent erinnert an die Pilotfolge von DS9 oder an einige NG-Episoden. Dabei trifft der Autor sowohl Spock als auch Picard sehr genau. Sie verhalten sich genauso, wie man es von ihnen gewohnt ist. Äußerst lebensecht treten sie vor die Augen des Lesers - so und nicht anders sollten die Figuren eigentlich in jedem Roman sein.
   Auch der eigentliche Protagonist, Mackenzie - wie man die andere Form des Namens ausspricht, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen - ist exzellent geschildert. Dabei hat er sowohl Licht- als auch Schattenseiten; das wird vor allem bei seinem Verhalten gegenüber Shelby deutlich. Die Vergangenheit hat ihm übel mitgespielt.
   Die Handlung ist sehr actionlastig, mit ruhigen Momenten, aber doch zielstrebig und überaus flott und temperamentvoll erzählt. Hier macht das Lesen einfach Spaß.
   Daß die Romane allesamt mit einem Cliffhanger enden, liegt einfach daran, daß sie in den USA nach und nach als Einzelbände erschienen sind. Vier Einzelbände ergeben einen gesamten Roman - und auch Heyne hat sich daran gehalten, folgt doch ein zweiter Teil nach.
   Ein Lob an den Übersetzer - im Gegensatz zu den Potter-Bänden hat er hier eine Glanzleistung abgeliefert. Na ja, wenigstens beim ersten Teil. ;-) Aber auch sonst macht die Übersetzung einen guten und gelungen Eindruck.
  
   Fazit:
   So macht Star Trek Spaß - ein sympathischer Captain, eine interessante Crew. Und wenn man beim zweiten Cliffhanger angelangt ist, ahnt man, daß die Handlung weit mehr zu bieten hat als nur die üblichen Raumschlachten.
   12 Punkte

Christian Spließ


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