Band 22: "Die wandelnde Tote"

Autor: Brian Frost

Im Tal des Todes tickt die tödliche Mine vor sich hin. Navok weiß, daß ihm nur wenig Zeit bleibt, um sich zu retten. Es gelingt ihm mittels seiner telepathischen Fähigkeiten ganz knapp. Navok nimmt die Spur Emrocs auf - er hat mit dem Sklavenhändler noch ein Hühnchen zu rupfen.
   Währenddessen wird Aruula in Plymeth auf dem Frauenmarkt feilgeboten. Plötzlich entdeckt sie Navok in der Menge - er hat ihr Schwert. Der Nosfera startet einen Überraschungsangriff, und es gelingt ihm, Aruula zu befreien. Gemeinsam verschwinden sie in den Seitenstraßen Plymeths.
   Solan, ein Mitglied der Plymether Community, erkundet unterdessen mit einem sogenannten Trabanten die Stadt. Bei den Trabanten handelt es sich um Menschen, die durch einen Helm gelenkt werden - sie entsprechen somit den Kolkraben der Londoner Community. Der Trabant wird jedoch in ein Handgemenge verwickelt. Als Navok und Aruula sich einmischen, wird er getötet. Und Aruula ist von dem Helm so fasziniert, daß sie ihn aufsetzt. Nun steht sie unter der Kontrolle Solans und greift Navok an. Halb betäubt bleibt der Nosfera in einer Straßenecke liegen.
   Aruulas Begabung ermöglicht ihr einen Kontakt zu Solan. Er erklärt ihr, daß er unbedingt in ein zerstörtes Labor der Community muß. Was genau dort passiert ist, weiß er nicht. So schickt er Aruula in das Labor. Dort wird sie von einer Taratze angegriffen. Es gelingt ihr, diese zu töten. Die Erkenntnisse, die Solan von dem Rechner des Labors in seinen eigenen überspielt, versetzen ihn in Erstaunen.
   Offenbar hat die Professorin Pendragon versucht, den Verstand von Menschen auf Taratzenkörper zu übertragen. Allerdings scheint dabei etwas schiefgegangen zu sein. Solan holt Aruula zu sich in die Community. Gerade, als diese sich den dortigen Mitgliedern vorgestellt hat, gibt es Alarm. Die Taratze, die Aruula getötet hat, war nämlich nicht die Professorin Pendragon, sondern deren Lebensgefährte Mark.
   Sie sinnt nun auf Rache. Navok, der sich unterdessen erholt hat, ist Aruulas Spuren gefolgt und trifft auf Pendragon. Es gelingt dem Mischwesen, die Community zu betreten - sie verseucht die Luft mit Viren. Die Communitybewohner schicken Aruula in den Kampf gegen die Taratze, haben jedoch keine Chance. Navok schließlich kann die Taratze töten, doch nur Solan überlebt das Massaker. Da er keine Chance mehr hat, entscheidet er sich, an der Oberfläche zu sterben. Aruulas und Navoks Wege trennen sich.
  
   Allmählich findet Brian Frost zu seinem Stil. Das merkt man bei diesem Aruula-Soloabenteuer recht deutlich - vor allem, wenn man ihn mit dem letzten Frost-Roman vergleicht.
   Daß der Roman zu Beginn in die Vergangenheit blendet und nochmals die Handlungsfäden vom Tal des Todes aufgenommen werden, ist eine angenehme Überraschung. Auf dem Bucon hat Brian ja seine Vorliebe für eher graue Gestalten bekundet - da ist das Überleben des Nosfera Narvok eigentlich keine Überraschung.
   Man merkt auch ziemlich schnell, wo Brians Sympathien liegen.
   Obwohl es ein Aruula-Soloabenteuer ist - hmm, warum fällt dem Rezensenten bei diesem Begriff immer nur ein altbekanntes Rollenspiel ein? - tritt Aruula selbst nicht besonders in Erscheinung. Gut, sie ist zwar immer präsent, aber so richtig plastisch ist sie nicht. Es ist, als würde sie im Schatten der Nebenfiguren stehen.
   Dafür jedoch sind die Schilderungen der Schauplätze exzellent, und vor allem, als Aruula im zerstörten Labor auf Mark trifft, läuft einem eine Gänsehaut über den Rücken.
   Zudem sind auch die einleitenden Absätze zu der Plymeth-Handlung plastisch geschrieben und lassen die Stadt vor dem inneren Auge richtig aufleben.
   Schon die letzten Romane ließen erkennen, daß der rote Faden allmählich immer dichter wird. Da es nur noch drei Hefte bis zu einem Mini-Zyklus sind - den der Rezensent hier mal Meeraka-Zyklus taufen möchte, ein wenig vorschnell vielleicht, aber da Matt und Aruula in Meeraka landen, eigentlich nur logisch ;-) - werden die nächsten Romane wohl der Überfahrt gewidmet sein. Mal abwarten, was uns Lesern da noch blüht.
  
   Fazit:
   So langsam findet Brian zu seinem Stil. Pluspunkte gibt es für die Stadt- und Szenenbeschreibungen und für die flüssig erzählte Handlung. Leider tritt Aruula für einen Soloroman etwas zu sehr in den Hintergrund.
   9 Punkte

Christian Spließ

Startseite