Band 2049: "Morkheros Galaxis"

Autor: Robert Feldhoff

Wrehemo Seelenquell ist der Hüter eines großen Schatzes. Mächtige Waffen warten unter seinen wachsamen Augen darauf, daß die Ritter kommen, um von ihnen Gebrauch zu machen. Jahrhunderte verbringt der Seelenquell allein, nur von dem Traum beseelt, eines Tages vor einem Ritter zu stehen, der ihm für seine treue Arbeit dankt.
   Eines Tages jedoch merkt er, daß er sich bald nach einem Nachfolger umsehen muß, denn langsam, aber sicher, wird er alt.
   Mit einem Kurierschiff reist er dem wandernden Clan der Seelenquell hinterher und findet hier schließlich den jungen Techniker Morkhero, den er als Schüler aufnimmt.
   "Daheim" bringt der junge Seelenquell das Leben des Alten ganz schön durcheinander. Neugierig durchstöbert er die Schätze und würde gerne das eine oder andere ausprobieren, was Wrehemo ihm jedoch strikt verbietet. In einer Angelegenheit kann Morkhero sich jedoch durchsetzen. Immer wieder tauchen kleine Schädlinge auf, deren Spur sich in einem altem Hologramm verliert, das Morkhero kurzerhand abschaltet. Dahinter taucht eine offene Tür auf, durch die die beiden Seelenquell schreiten. Dahinter finden sie die kosmischen Arbeiter der Caranesen. Diese teilen den beiden mit, daß ihr "Schatz" schon vor über tausend Jahren geschlossen wurde und kein Ritter jemals kommen wird, um Wrehemo für seine Arbeit zu danken.
   Nun ist der alte Seelenquell aufs tiefste erschüttert. Gemeinsam zieht er sich mit Morkhero zurück und flieht mit seinen Raumschiff von dem Planeten.
   Zunächst reisen beide gemeinsam, doch bald stellt sich heraus, daß Morkhero gerne weiter hinaus möchte als Wrehemo. Und der junge Seelenquell hat keine Hemmungen, seinen Ziehvater kurzerhand auf einem Planeten zurückzulassen und dann über die Grenzen der Galaxis Dommrath zu verschwinden.
   Wrehemo bleibt mit einigen technischen Wunderdingen und einer gehörigen Portion Wut im Bauch zurück.
   Seine mächtigsten Waffen sind der Sepzon-Gürtel und die Wippe Ruhar - eine Art Materietransmitter - und die kleine Ausgabe der Heliotischen Bollwerke. Mit Hilfe dieser Gegenstände gelingt es ihm schließlich, den Aufenthaltsort von Morkhero ausfindig zu machen. Leider kann er ihn aber nicht zurückbringen, und so entschließt er sich, selbst in die fremde Galaxis zu reisen und dort Jagd auf den Abtrünnigen zu machen. Sein Zielpunkt ist eine Art Leuchtfeuer, das er benötigt, um einen einigermaßen genauen Landungspunkt zu haben. Es scheint, daß es dort eine Gruppe von psionisch begabten Lebewesen gibt, die es der Wippe ermöglichen, sie anzupeilen. Dieser Vorgang dauert eine Weile, doch schließlich gelingt ihm der Transfer, und auf einmal steht er in der Mitte von Para-City auf dem Planeten Erde - inmitten der Monochrom-Mutanten.
  
   Na also, es gibt doch noch kosmische Dinge in der Perry Rhodan-Serie, die man begreifen kann. Sehr schön!
   Es sieht so aus, als ob hier einmal wieder die guten alten Ritter der Tiefe in der Serie einen kurzen Auftritt hätten, auch wenn sie (noch) nicht in Erscheinung treten. Wem sonst kann wohl der technologische Speicher zur Verfügung stehen? Glaubt man jetzt noch den Ankündigungen der kommenden Bände, dann dürfte man auch noch ein ganze Menge aus dem Lande zu hören bekommen, und vielleicht gibt's da ja auch noch den einen oder anderen Ritter - auch wenn ich glaubte, daß die mittlerweile alle ausgestorben oder ausgetreten seien. Man darf also gespannt sein.
   Auf der anderen Seite hat sich die Sache um die Herkunft Morkheros ganz anders aufgelöst, als sich die meisten das vorgestellt haben dürften. Das mag hauptsächlich daran liegen, daß Morkhero bisher eher als Kleinkind denn als ausgebildetes Individuum dargestellt wurde. Vielleicht ein kleiner Unfall auf der großen Reise?
   Generell muß ich aber sagen, daß mir diese Entwicklung der Ereignisse recht gut gefällt. Gerade in Dommrath dürfte hier noch eine Menge Potential liegen.
   Aber auch in der Milchstraße scheint ja bald mächtig der Seelenquell zu steppen. Die Mutanten bekommen Hilfe, um gegen Morkhero vorzugehen, und Wrehemo dürfte sich die Macht der Mutanten auch kaum entgehen lassen. Die Frage ist, wer hier wem hilft, bzw. wer hier wen benutzt. Das dürfte sich als noch sehr spannend erweisen.
   Aber soviel Positives hieraus noch erwachsen kann, so viel gibt es auch zu bemängeln. Zwar herrscht im Roman an sich eine recht gute Stimmung, und doch haben wir hier eine Situation, wie sie wohl schon zum 1000. Mal in der Serie vorgekommen ist: Ein Wächter der großen kosmischem Mächte wird vergessen, bzw. man kümmert sich einfach nicht mehr um ihn. Also macht der sich irgendwann selbständig, und die Atmosphäre, die hier vorliegt, war auch schon zum 1000.Mal da.
   Alles in allem gut geschrieben und dargestellt; es ist auch schwierig, immer wieder etwas Neues zu machen, aber das macht das dann auch nicht interessanter.
   Also beschränken sich die wirklich interessanten Dinge auf die Schilderungen der Seelenquell und die Suche nach dem Nachfolger von Wrehemo. Hier allerdings kann Robert Feldhoff eine wirklich gute Ebene einlegen. Sowohl die eigentliche Suche als auch die Verzweiflung des alleingelassenen Seelenquell läßt sich gut lesen und nachvollziehen. Also eine gute Vorbereitung auf die Kämpfe der beiden Seelenquell in der Milchstraße.
   Eine ziemliche Überraschung bekommt man nach der Lektüre, wenn man sich einmal in Erinnerung ruft, welche Nummer der Roman trägt - wie ein Abschluß klingt das nämlich gar nicht. Eigentlich liest sich das eher wie ein Auftaktroman für einen Zyklus. Das ist doch etwas seltsam - da kann man nur abwarten, was die Zukunft so alles bringen wird.
  
   Fazit:
   Ein Roman mit Höhen und Tiefen und einem ziemlichen Versprechen in die Zukunft.
   10 Punkte

Alexander Haas

"Morkheros Galaxis" - wer hinter diesem Titel die Übernahme der Milchstraße durch einen gewissen Seelenquell vermutet hat (u.a. gehört der Rezensent zu dieser Gruppe), wird sicherlich überrascht sein. Denn mit Band 2049 liegt einer der sicherlich ungewöhnlichsten "Teilzyklus-Abschlußbände" der gesamten Serie vor.
   Statt daß man hier begonnene Handlungsstränge abschließt (einiges in dieser Richtung wurde ja schon in den vergangenen Heften erledigt), widmet man sich der Lebensgeschichte Morkhero Seelenquells, oder vielmehr eher der seines Meisters Wrehemo Seelenquell. Das war in dieser Hinsicht so sicherlich nicht zu erwarten.
   Es ist also ein zweiter Seelenquell im Spiel, und dieser hat sich im Austausch gegen Trim Marath und Startac Schroeder nach Terra versetzen lassen. Das ist durchaus interessant, doch hoffe ich hier nur, daß dies jetzt nicht schon wieder eine "Kaninchen"-Nummer ist und Wrehemo innerhalb der nächsten drei bis vier Bände wieder abserviert wird, nachdem er den Leser überrascht und einige Erklärungen für offene Fragen der laufenden Handlung gegeben hat.
   Überraschend ist der Roman zumindest in der Hinsicht, daß hier ein Morkhero geschildert wird, der so ganz und gar nicht in das Bild passen will, das man sich bisher von ihm gemacht hat. Dieser Morkhero ist stellenweise gar sympathisch und einfach nur ein ganz normales Lebewesen, das seine Stellung in der Welt sucht. Wrehemo nimmt ihn als Lehrling - und dann wird die Sache erst wirklich interessant. Mit den erwähnten Rittern dürften eigentlich nur die Ritter der Tiefe gemeint sein - auch wenn diese ihren Auftritt in diesem Roman noch nicht gehabt haben. Doch da sich hier in der nächsten Zeit noch ein ganze Ebene anschließt, könnte sich das noch ändern.
   Überhaupt verspricht dieser Roman für die kommende Handlungebene mit Trim Marath und Startac Schroeder so einiges. Hier könnte sich eine der besten Handlungsebenen der letzten Jahre herauskristallisieren, und ich bin mehr als nur gespannt, wie die Autoren diese Vorgabe von Robert Feldhoff umzusetzen in der Lage sind. Das Potential ist jedenfalls - wie allerdings auch seit Band 1800 insgesamt - sehr groß!
   Leider hat es sich die Expo-Reda nicht nehmen lassen, auch dieses Arsenal direkt bei Bekanntwerden zu vernichten - schade eigentlich, denn das hatten wir doch schonmal mit Kummerog... Naja, dafür war dies ja auch nur eine Art "technologisches Museum" - was sonst noch hier herumkreucht, wäre noch herauszufinden. Und schließlich geht es ja noch mit den zwei Mutanten weiter, die sich hier in dieser Galaxis herumtreiben werden. Es steht wohl zu vermuten, daß diese bis Band 2099 einen Weg hierhin finden und über diese Station in die Milchstraße zurückfinden werden - aber dies ist erstens Spekulation und zweitens Zukunftsmusik.
   Wenden wir uns wieder der jetzigen PR-Handlung zu.
   In "Morkheros Welt" gelingt Robert Feldhoff eine sehr schöne und vor allem lebensechte Charakterstudie der Diener einer höheren Macht, die sich selbst überlassen und mehr oder weniger vergessen werden. Dies ist zwar ein beliebtes Motiv innerhalb der PR-Serie, doch gibt die Story im Fall der Seelenquells durchaus einiges her.
   Beide sind wohl von dem Anzug dermaßen besessen, daß sie nicht umhin können, ihn an sich zu bringen. Da ist es nur konsequent, daß Morkhero mit diesem später abhaut und sich so weit absetzt, daß Wrehemo ihm vermeintlich nicht folgen kann. Darüber hinaus erfährt man auch, daß Morkhero den Anzug angelegt hat - und hierin dürfte sich wohl auch die Erklärung dafür finden, daß der bekannte Seelenquell von Trim Marath als "Kleinkind" beschrieben wurde. Denn mit dem Anlegen des Anzugs dürfte er eine neue Persönlichkeit geworden sein. Schließlich verfügen die Anzüge bekanntlich über eine Art eigenes Bewußtsein... Trim Marath dürfte hier wohl die "Geburt" der Doppel-Wesenheit gespürt haben, die erst noch zu ihrer wahren Stärke heranwachsen muß - und wenn man die bisherigen Äußerungen in Betracht zieht, kann diese "wahre Stärke" eigentlich nur in einer Art Evolutionssprung liegen. Dies könnte (wie bereits vermutet) auch darauf hinauslaufen, daß sich Seelenquell zu einer Art Superintelligenz entwickelt. Vielleicht werden wir im nächsten Heft Näheres hierzu zu lesen bekommen...
  
   Fazit:
   Robert Feldhoff ist ein ungewöhnlicher "Abschluß" eines Teilzyklus gelungen - ungewöhnlich, aber sicherlich nicht unreizvoll. Die Geschichte der beiden Seelenquells ist mehr als nur interessant und spannend - sie entwickelt auch einige vielversprechende Ansätze für die weitergehende Handlung. Eher ein Anfangs- denn ein Abschlußband eines Zyklus - und vor allem sehr gelungen. Eine wirklich gute Unterhaltung für den PR-Fan.
   14 Punkte.

Winfried Brand

So kann man sich täuschen. Nachdem Morkhero Seelenquell scheinbar(!!!) in PR 2043 auf Terra aufgetaucht war, konnte man erwarten, daß er in den Bänden 2048/49 die Milchstraße unter seine Kontrolle bringen würde. Die "Vorarbeiten" zur Übernahme Arkons und der Eastside waren bereits abgeschlossen. Aber damit wird es nun nichts. Das grandiose Ende der ersten 50 Hefte nach 2000 ist ausgeblieben. Doch die Enttäuschung hält sich deutlich in Grenzen. Denn mit den Bänden 2048 und 2049 dreht die Redaktion nach langer Zeit wieder einmal richtig auf.
   Die Story ist erstklassig:
   Der Roman erzählt die Geschichte Wrehemo Seelenquells. Dieser ist der Hüter der Sternenkammer, eines Arsenals (wie sich später herausstellt, eher eines Technik-Museums) der Ritter von Dommrath. Dommrath ist eine Galaxis, in der die Raumfahrt verboten ist, die dafür aber über ein riesiges Transmitter-Netz verfügt. Die Zentralwelt dieser Galaxis heißt Crozeiro! Torr Samaho läßt grüßen (PR 1987/88). Da werden die ersten kosmischen Zusammenhänge für die weitere Handlung geknüpft. In einem Teil der Galaxis Dommrath beginnt die "Astronautische Revolution" - ein Aufstand gegen die mysteriösen Ritter. Der Arbeitstitel für PR 2059 (Autor: Leo Lukas) lautet: "Die Astronautische Revolution", vgl. PR-Homepage. (Aha!)
   Anhand der Sternenkammer führt Robert Feldhoff die Leser in die Vergangenheit: Er verknüpft viele bereits erwähnte Dinge mit neuem Stoff und präsentiert die Überleitung in eine neue Handlungsebene: "Dommrath". Hier werden die Monochrom-Mutanten Trim Marath und Startac Schroeder nach ihrer Versetzung in PR 2043 auftauchen. Auch wie und weshalb das geschieht, wird später im Roman erklärt.
   Zunächst hat man eine Galaxis mit einem Ritterorden vor sich, der wahrscheinlich das Pendant zu den "Rittern der Tiefe" darstellt. Es gibt einen Dom, außerdem mit der Sternenkammer ein Arsenal, ähnlich wie unter dem Dom Kesdschan (die hier gelagerte Übertechnik wurde ebenfalls von den Baolin-Nda hergestellt). In dieser Sternenkammer sind neben Hochtechnologie-Waffen solche Gegenstände zu bewundern wie der Kombistrahler eines Zweitkonditionierten (wie kommt DER hierher? Das zu erfahren dürfte äußerst interessant sein.) und ein versteinerter Ableger des Pflanzenwesens PAUMYR. (Wieder ein "Aha!" im Sinne von "äußerst interessant".)
   Existiert dieser Ritterorden überhaupt noch? Wrehemo Seelenquell hat trotz seiner hohen Lebenserwartung (1.900 Jahre, Seite 7) niemals einen Ritter gesehen.
   Die ORDEO MYN, das Schiff Morkhero Seelenquells, entpuppt sich als simples Kurierschiff.
   Wieder einmal (wie bereits bei den Sieben Mächtigen und den Dienern der Materie) werden Helfer der Ordnungsmächte sich selbst überlassen. Das Resultat verwundert nicht. Die Seelenquells setzen ihre eigenen Vorstellungen in die Tat um.
   Leider vernichten die beiden dabei das Wunderarsenal. Morkhero birgt lediglich einige Dinge, deren Funktion zunächst unbegreiflich ist. Später experimentieren sie damit. Zauberlehrlinge am Werk. Dann bestiehlt der eine noch den anderen.
   Mit der weiteren Handlung werden etliche Rätsel aus der bisherigen Handlung erklärt: Der Unbekannte, der den Monochrom-Mutanten Rettung verspricht, entpuppt sich als Wrehemo Seelenquell, die auf Terra aufgetauchten Dunkelfelder werden enträtselt, und es ist NICHT Morkhero, sondern Wrehemo Seelenquell, der auf Terra erscheint. Da hat PR dann passenderweise jemanden, der Morkhero bereits kennt und etwas gegen ihn hat.
   Die Geschichte wird nur aus Wrehemo Seelenquells Sicht berichtet. Da bleibt noch genug für die folgenden 50 Bände offen. Morkhero in der bisher bekannten Form als brabbelndes Kleinkind paßt nicht ins Bild. Da ist noch ein anderer Faktor im Spiel. Irgendwer (oder -was) muß den M. Seelenquell, der hier noch als durchschnittliches Intelligenzwesen dargestellt wird, schließlich mit psionischen Fähigkeiten massiv aufgepeppt und auf die Milchstraße, insbesondere die Terraner, angesetzt haben. Und das könnte Torr Samaho gewesen sein.
   Robert Feldhoff gelingt es, den Leser von der ersten bis zur letzten Seite ausgezeichnet zu unterhalten. Man erfährt viele Dinge über die Seelenquells, über ihre Herkunft und ihren bisherigen Lebensraum, und auch in Nebensätzen verbirgt sich eine große Zahl von Andeutungen. Schade, daß dieser Autor nicht mehr Romane schreibt.
   Nach dem Abschluß dieses Romans kommt der Leser dann arg ins Grübeln. Die bisherige Story ab Band 2000 ist doch deutlich langatmig angelegt. Keines der angerissenen Probleme wurde bisher auch nur ansatzweise gelöst. Wagen wir wieder einmal eine Vorhersage: Diese 50 Hefte sind der, wie es so schön im Neudeutschen heißt, "Warm-up" für einen Großzyklus von 200 Romanen. Morkhero wird uns noch bis schätzungsweise PR 2099 beschäftigen, doch in Dommrath liegen noch genug Rätsel herum. Auf die müßte man eigentlich nicht näher eingehen, da die beiden Seelenquells sich bekanntlich derzeit in der Milchstraße tummeln. Doch immerhin widmet man Dommrath jetzt eine eigene Handlungsebene. Da haben wir dann auch noch die ungelösten Hintergründe Thoregons, wie etwa die Brücke in die Unendlichkeit, die Helioten und was der Dinge mehr sind. Außerdem lauert in der Milchstraße noch Imperator Bostich mit seinem Kristallimperium...
  
   Fazit:
   Eine tolle Story mit einer überraschenden Lösung, was die Herkunft des/der Seelenquells angeht, und eine äußerst gelungene Einführung in die neue Handlungsebene.
   13 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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