Zum
Inhalt:
Verheerende Naturkatastrophen haben die Welt heimgesucht und ihr
Antlitz verändert. Im Jahr 2199 ist die Menschheit auf ein
mittelalterliches Niveau zurückgefallen. Der Fischer Sam wird
von Piraten und Sklavenhändlern überfallen, die ihn
verschleppen und auf dem Sklavenmarkt verkaufen wollen. Dort gelingt
ihm jedoch die Flucht. Er erreicht den Hof von Flo, deren Vater vor
kurzem gestorben ist. Dieser hat ihr Papiere hinterlassen, die das
Antlitz der Welt noch einmal verändern könnten - technische
Konstruktionsunterlagen, zwar wild durcheinander, doch durchaus
brauchbar. Mit ihrer Hilfe könnte man das technische Niveau der
Welt wieder anheben. Sam und Flo nähern sich aneinander an, doch
als sie die Papiere Flos Onkel überbringen wollen, der den
Widerstand gegen die Herrscherin anführt, tauchen Sams
Verfolgerinnen auf und können eines der Papiere in ihren Besitz
bringen. Wenig später hetzt man die beiden, denn auch die
herrschsüchtige Pia ist scharf auf die Dokumente, die sie zur
Herrscherin der Welt machen würden. Und so schickt sie Tamara
und ein paar ihrer Frauen hinter den beiden her - wobei Tamara einen
unbändigem Haß auf Sam hegt, der sie gedemütigt hat
und den sie brechen will...
Nun, ich muß zugeben, von diesem Roman habe ich nur die ersten
ca. 150 großformatigen und sehr eng beschriebenen Seiten
gelesen, dann konnte ich einfach nicht mehr weiterlesen...
(Vielleicht hätte ich mich bei einem Rezensionsexemplar noch
irgendwie durch den Rest gequält, doch bei einem selbstgekauften
Buch nehme ich mir jetzt einfach mal das Recht heraus, dieses
vorzeitig für beendet zu erklären.)
Rosemarie Peil entwickelt hier zwar ein interessantes Szenario - aber
bei der Ausführung hapert es dann doch deutlich. Dies fängt
schon damit an, daß die Autorin die deutsche Zeichensetzung
nicht beherrscht (Wörtliche Rede erfolgt grundsätzlich in
der Form: ""Halt!", rief sie.") und der Leser hierdurch erst gar
nicht in einen Lesefluß kommen kann, da er jedesmal ins Stocken
gerät, wenn er über derartiges stolpert. Und auch
stilistisch bekommt der Leser eher altbackene Hausmannskost
vorgesetzt als ausgefeilte Formulierungen.
Vom Inhaltlichen her ist der Roman ebenfalls nicht gerade das, was
man wirklich interessant nennen könnte. Wilde Verfolgungsjagden
folgen auf wilde Verfolgungsjagden (nun gut, das konnte man vom Thema
her erwarten, aber nervend ist es dann irgendwann doch ein wenig),
die auch einiges an inhaltlicher Logik vermissen lassen - wie auch
die Haupthandlung des Romans selber.
Und der Held dürfte wohl eher felider denn menschlicher Natur
sein - zumindest besitzt er offensichtlich neun Leben... Man kann
vielleicht noch darüber hinweggehen, daß er zu Anfang des
Romans grün und blau geschlagen wird, mehr oder weniger ins Koma
fällt und seine einzige Versorgung darin besteht, daß ein
Mitgefangener ihm manchmal mit Wasser die Wunden auswäscht. So
richtig unwahrscheinlich (und ungewollt lustig) wird es jedoch, wenn
er nach dem Erwachen drei Tage ohne Wasser und Brot auskommen
muß, er dann an den Mast des Schiffes gebunden und heftig
ausgepeitscht wird. Doch nicht, daß man ihn danach vielleicht
versorgen würde - nein, er wird in einen kleinen Käfig
gesperrt, in dem er sich kaum bewegen kann, am Mast in die Höhe
gezogen und in der prallen Sonne hängengelassen. Die
nachfolgenden drei (oder so) Tage überlebt er nur, weil ihm eine
mitfühlende Sklavenhändlerin heimlich noch eine Tüte
Wasser und einen Laib Brot zugesteckt hat. Ja, da ist dann wohl (je
nach Sichtweise) das zweite, mindestens jedoch das erste Leben schon
mal verwirkt...
Dann entkommt er den Häscherinnen auf Flos Hof so gerade mal,
bekommt aber noch einen Pfeil durch die Seite geschossen, der
steckenbleibt. (Ob dieser, wie später beschrieben, wirklich
keine inneren Verletzungen hervorrufen konnte, möchte ich jetzt
erst einmal offenlassen; hierzu sind meine Anatomiekenntnisse
zugegebenermaßen dann doch ein wenig zu gering...) Was macht
unser Held natürlich? Na klar, als er außer Reichweite
ist, packt er sich den Pfeil, bricht ihn durch und zieht die beiden
Teile heraus. Daraufhin blutet er recht heftig (war ja zu erwarten),
also verbindet er das ganze recht notdürftig. Dann reitet er
zurück zum Hof und wartet eine Gelegenheit ab, seine Freundin zu
befreien. Nach geglückter Befreiungsaktion reiten die beiden
noch stundenlang durch die Weltgeschichte, bis sie in den Bergen eine
Hütte als Versteck erreicht haben. Hier bricht Sam dann
zusammen... Hat sich irgendjemand bei diesen Sätzen gewundert,
weshalb ich nicht erwähnt habe, daß man die stark blutende
Wunde verarztet hätte? Ja? Gut, ich habe mich bei der
Lektüre nämlich auch darüber gewundert. Nach
menschlichem Ermessen dürfte die Kombination einer stark
blutenden Wunde, einem mehr schlechten als rechten Verband und
stundenlangem Reiten Sams Gesundheit wohl nicht allzu zuträglich
gewesen sein... (Leben Nr. 2 oder 3 - je nach Zählweise...)
Womit wir beim Thema "Pfeile" wären. Laut Autorin werden diese
in ihrem Roman mit "Armbrüsten" abgeschossen - auch so ein
dicker Patzer. Der Druck, der in einer Armbrust steckt, wird einen
gewöhnlichen Pfeil jedenfalls in sämtliche Bestandteile
zerlegen, sobald er abgeschossen wird. Der richtige Ausdruck für
die Munition dieser Waffe lautet jedenfalls "Bolzen" und ist
normalerweise aus Metall (* Edelstahl? Waffenexperten, belehrt uns!
Heike) oder metallverstärktem Hartholz gefertigt. Und diese
Bolzen kann man auch nicht einfach so zerbrechen...
Ich könnte jetzt noch stundenlang weiterschreiben, doch
dürfte ich in diesem Fall den Umfang des Flash bei weitem
sprengen. Eines will ich dem geneigten Leser jedoch nicht
vorenthalten, nämlich den "schönsten" Fehler des Teils des
Buches, den ich gelesen habe.
Hier will die Autorin unbedingt einen modernen Menschen schildern
(Flos Vater), der ihre Farm mit einem fortschrittlichen Detail
ausgestattet hat: Einer Toilette innerhalb des Hauses. Nun,
angesichts fehlender Kanalisation und dem Nichtvorhandensein von
fließendem Wasser kann man sich das Ergebnis schon denken -
bzw. vermuten, daß bei all den Katastrophen auch der
Geruchssinn des Menschen auf der Strecke geblieben ist. Ich
schätze mal, ich kann glaubhaft versichern, daß alle
anderen schon genau wußten, weshalb sie ihren Abort (*
...mit anderen Worten: das Plumpsklo... Heike) so weit weg wie
möglich und nur so nah wie gerade noch halbwegs komfortabel von
ihren Behausungen aus erreichbar angelegt haben - und ihn
spätestens alle paar Monate um ein paar Meter verschoben haben,
je nach Füllgrad der Sickergrube...
Ach ja - "Einen hab' ich noch!" Hat schon mal jemand was von einem
"erektierten Glied" gehört?!?
Diese Katastrophe an uninteressantem und teilweise schlechtem Stil
und planloser Handlung kann man wohl erklären, wenn man die
Danksagungen der Autorin gelesen hat. Unter anderem ist hier ihre
Schwester erwähnt, der die zweifelhafte Ehre zuteil wurde,
"zusammen mit mir (bei einem leckeren Weizenbier), die ganzen Seiten
Korrektur zu lesen!" Dies erklärt dann einiges...
Die einzige offene Frage ist, weshalb die Mayersche Buchhandlung in
Köln von diesem Werk gleich vier oder fünf Exemplare in den
Regalen liegen hatte. Fast möchte man meinen, die Autorin sei
eine Bekannte einer oder eines der Angestellten, denn bods hat diese
Buchhandlung normalerweise überhaupt nicht im Angebot - und
schon gar nicht in dieser Menge...
Fazit:
Vor "Aurania" kann man eigentlich nur warnen. Hier paart sich
teilweises Unvermögen mit Planlosigkeit in der
Handlungsführung und unsinnigen Ideen, die "einfach nur gut
klingen sollen". Auch ein Kurs in Sachen Zeichensetzung wäre
angebracht, da dann der Leser wenigstens nicht alle paar Zeilen aus
dem gerade beginnenden Lesefluß herausgerissen wird.
0 Punkte