Rosemarie Peil:

"Aurania"

D 2000
(403 Seiten, Paperback, book on demand, ISBN 3-8311-0403-4, DM 34,50)
- erschienen: November 2000 -

Zum Inhalt:
Verheerende Naturkatastrophen haben die Welt heimgesucht und ihr Antlitz verändert. Im Jahr 2199 ist die Menschheit auf ein mittelalterliches Niveau zurückgefallen. Der Fischer Sam wird von Piraten und Sklavenhändlern überfallen, die ihn verschleppen und auf dem Sklavenmarkt verkaufen wollen. Dort gelingt ihm jedoch die Flucht. Er erreicht den Hof von Flo, deren Vater vor kurzem gestorben ist. Dieser hat ihr Papiere hinterlassen, die das Antlitz der Welt noch einmal verändern könnten - technische Konstruktionsunterlagen, zwar wild durcheinander, doch durchaus brauchbar. Mit ihrer Hilfe könnte man das technische Niveau der Welt wieder anheben. Sam und Flo nähern sich aneinander an, doch als sie die Papiere Flos Onkel überbringen wollen, der den Widerstand gegen die Herrscherin anführt, tauchen Sams Verfolgerinnen auf und können eines der Papiere in ihren Besitz bringen. Wenig später hetzt man die beiden, denn auch die herrschsüchtige Pia ist scharf auf die Dokumente, die sie zur Herrscherin der Welt machen würden. Und so schickt sie Tamara und ein paar ihrer Frauen hinter den beiden her - wobei Tamara einen unbändigem Haß auf Sam hegt, der sie gedemütigt hat und den sie brechen will...

Nun, ich muß zugeben, von diesem Roman habe ich nur die ersten ca. 150 großformatigen und sehr eng beschriebenen Seiten gelesen, dann konnte ich einfach nicht mehr weiterlesen... (Vielleicht hätte ich mich bei einem Rezensionsexemplar noch irgendwie durch den Rest gequält, doch bei einem selbstgekauften Buch nehme ich mir jetzt einfach mal das Recht heraus, dieses vorzeitig für beendet zu erklären.)
Rosemarie Peil entwickelt hier zwar ein interessantes Szenario - aber bei der Ausführung hapert es dann doch deutlich. Dies fängt schon damit an, daß die Autorin die deutsche Zeichensetzung nicht beherrscht (Wörtliche Rede erfolgt grundsätzlich in der Form: ""Halt!", rief sie.") und der Leser hierdurch erst gar nicht in einen Lesefluß kommen kann, da er jedesmal ins Stocken gerät, wenn er über derartiges stolpert. Und auch stilistisch bekommt der Leser eher altbackene Hausmannskost vorgesetzt als ausgefeilte Formulierungen.
Vom Inhaltlichen her ist der Roman ebenfalls nicht gerade das, was man wirklich interessant nennen könnte. Wilde Verfolgungsjagden folgen auf wilde Verfolgungsjagden (nun gut, das konnte man vom Thema her erwarten, aber nervend ist es dann irgendwann doch ein wenig), die auch einiges an inhaltlicher Logik vermissen lassen - wie auch die Haupthandlung des Romans selber.
Und der Held dürfte wohl eher felider denn menschlicher Natur sein - zumindest besitzt er offensichtlich neun Leben... Man kann vielleicht noch darüber hinweggehen, daß er zu Anfang des Romans grün und blau geschlagen wird, mehr oder weniger ins Koma fällt und seine einzige Versorgung darin besteht, daß ein Mitgefangener ihm manchmal mit Wasser die Wunden auswäscht. So richtig unwahrscheinlich (und ungewollt lustig) wird es jedoch, wenn er nach dem Erwachen drei Tage ohne Wasser und Brot auskommen muß, er dann an den Mast des Schiffes gebunden und heftig ausgepeitscht wird. Doch nicht, daß man ihn danach vielleicht versorgen würde - nein, er wird in einen kleinen Käfig gesperrt, in dem er sich kaum bewegen kann, am Mast in die Höhe gezogen und in der prallen Sonne hängengelassen. Die nachfolgenden drei (oder so) Tage überlebt er nur, weil ihm eine mitfühlende Sklavenhändlerin heimlich noch eine Tüte Wasser und einen Laib Brot zugesteckt hat. Ja, da ist dann wohl (je nach Sichtweise) das zweite, mindestens jedoch das erste Leben schon mal verwirkt...
Dann entkommt er den Häscherinnen auf Flos Hof so gerade mal, bekommt aber noch einen Pfeil durch die Seite geschossen, der steckenbleibt. (Ob dieser, wie später beschrieben, wirklich keine inneren Verletzungen hervorrufen konnte, möchte ich jetzt erst einmal offenlassen; hierzu sind meine Anatomiekenntnisse zugegebenermaßen dann doch ein wenig zu gering...) Was macht unser Held natürlich? Na klar, als er außer Reichweite ist, packt er sich den Pfeil, bricht ihn durch und zieht die beiden Teile heraus. Daraufhin blutet er recht heftig (war ja zu erwarten), also verbindet er das ganze recht notdürftig. Dann reitet er zurück zum Hof und wartet eine Gelegenheit ab, seine Freundin zu befreien. Nach geglückter Befreiungsaktion reiten die beiden noch stundenlang durch die Weltgeschichte, bis sie in den Bergen eine Hütte als Versteck erreicht haben. Hier bricht Sam dann zusammen... Hat sich irgendjemand bei diesen Sätzen gewundert, weshalb ich nicht erwähnt habe, daß man die stark blutende Wunde verarztet hätte? Ja? Gut, ich habe mich bei der Lektüre nämlich auch darüber gewundert. Nach menschlichem Ermessen dürfte die Kombination einer stark blutenden Wunde, einem mehr schlechten als rechten Verband und stundenlangem Reiten Sams Gesundheit wohl nicht allzu zuträglich gewesen sein... (Leben Nr. 2 oder 3 - je nach Zählweise...)
Womit wir beim Thema "Pfeile" wären. Laut Autorin werden diese in ihrem Roman mit "Armbrüsten" abgeschossen - auch so ein dicker Patzer. Der Druck, der in einer Armbrust steckt, wird einen gewöhnlichen Pfeil jedenfalls in sämtliche Bestandteile zerlegen, sobald er abgeschossen wird. Der richtige Ausdruck für die Munition dieser Waffe lautet jedenfalls "Bolzen" und ist normalerweise aus Metall (* Edelstahl? Waffenexperten, belehrt uns! Heike) oder metallverstärktem Hartholz gefertigt. Und diese Bolzen kann man auch nicht einfach so zerbrechen...
Ich könnte jetzt noch stundenlang weiterschreiben, doch dürfte ich in diesem Fall den Umfang des Flash bei weitem sprengen. Eines will ich dem geneigten Leser jedoch nicht vorenthalten, nämlich den "schönsten" Fehler des Teils des Buches, den ich gelesen habe.
Hier will die Autorin unbedingt einen modernen Menschen schildern (Flos Vater), der ihre Farm mit einem fortschrittlichen Detail ausgestattet hat: Einer Toilette innerhalb des Hauses. Nun, angesichts fehlender Kanalisation und dem Nichtvorhandensein von fließendem Wasser kann man sich das Ergebnis schon denken - bzw. vermuten, daß bei all den Katastrophen auch der Geruchssinn des Menschen auf der Strecke geblieben ist. Ich schätze mal, ich kann glaubhaft versichern, daß alle anderen schon genau wußten, weshalb sie ihren Abort (* ...mit anderen Worten: das Plumpsklo... Heike) so weit weg wie möglich und nur so nah wie gerade noch halbwegs komfortabel von ihren Behausungen aus erreichbar angelegt haben - und ihn spätestens alle paar Monate um ein paar Meter verschoben haben, je nach Füllgrad der Sickergrube...
Ach ja - "Einen hab' ich noch!" Hat schon mal jemand was von einem "erektierten Glied" gehört?!?
Diese Katastrophe an uninteressantem und teilweise schlechtem Stil und planloser Handlung kann man wohl erklären, wenn man die Danksagungen der Autorin gelesen hat. Unter anderem ist hier ihre Schwester erwähnt, der die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, "zusammen mit mir (bei einem leckeren Weizenbier), die ganzen Seiten Korrektur zu lesen!" Dies erklärt dann einiges...
Die einzige offene Frage ist, weshalb die Mayersche Buchhandlung in Köln von diesem Werk gleich vier oder fünf Exemplare in den Regalen liegen hatte. Fast möchte man meinen, die Autorin sei eine Bekannte einer oder eines der Angestellten, denn bods hat diese Buchhandlung normalerweise überhaupt nicht im Angebot - und schon gar nicht in dieser Menge...

Fazit:
Vor "Aurania" kann man eigentlich nur warnen. Hier paart sich teilweises Unvermögen mit Planlosigkeit in der Handlungsführung und unsinnigen Ideen, die "einfach nur gut klingen sollen". Auch ein Kurs in Sachen Zeichensetzung wäre angebracht, da dann der Leser wenigstens nicht alle paar Zeilen aus dem gerade beginnenden Lesefluß herausgerissen wird.
0 Punkte

Winfried Brand


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