Hari Seldon
ist ein begnadeter Mathematiker - und die Gerüchte um seine
Theorie der Psychohistorik machen ihn auch begehrt. Vor allem Cleon,
der Kaiser des Imperiums, will ihn unbedingt auf den Kanzlerposten
setzen. Das gefällt Hari nicht sonderlich; schließlich
widmet er sich viel lieber seiner Theorie. Betan Lamurk dagegen will
den Kanzlerposten unbedingt für sich selbst und ist bereit,
dafür über Leichen zu gehen.
Unterdessen sind auf Sark, einem Planeten, der die Gesetze des
Imperiums bisweilen laxer als gewöhnlich auslegt, Simulationen
aus der präimperialen Zeit gefunden worden. Die Wissenschaftler
Marq und Sysbyl stürzen sich mit Feuereifer in die Arbeit. Die
Simulationen sollen in einem großen Rededuell die Diskussion
führen, ob der Glaube oder der Verstand besser sei. Daß es
sich bei den Sims um Voltaire und Johanna von Orleans handelt, gibt
der Sache einen pikanten Beigeschmack. Die Wissenschaftler haben aber
nicht damit gerechnet, daß Voltaire sich allmählich
weiterentwickelt. Er erkennt sich selbst als Simulation - und flieht
mit Johanna in den Datenraum, als die Diskussion ein Fehlschlag
wird.
Unterdessen werden mehrere Anschläge auf Hari ausgeführt.
Er kommt zwar mit dem Schrecken davon, wird aber vorsichtshalber auf
eine idyllische Naturwelt gebracht. Auch dort ist er vor Lamurk nicht
sicher. Während Hari sich bemüht, Lamurks Schergen zu
entkommen und am Leben zu bleiben, nimmt etwas mit Voltaire und
Johanna Kontakt auf. Etwas, das nur ein Ziel im Sinn hat -
Rache...
Die Foundation-Trilogie ist sicherlich das berühmteste Werk von
Isaac Asimov. Selbst derjenige, der keine SF liest, hat mit
Sicherheit von diesen Romanen gehört.
Jetzt gibt es also den ersten Band eines Prequels, in dem die
Vorgeschichte der Trilogie erzählt wird, verfaßt von
Gregory Benford.
Dieser erste von insgesamt drei Romanen hat zweifellos seine
Stärken und seine Schwächen. Seine Stärken liegen
merkwürdigerweise in der Nebenhandlung und nicht beim
eigentlichen Helden. Voltaire und Johanna liefern sich ein
intelligentes und witziges Wortgefecht. Hier läßt Benford
seine Kenntnisse aus der Physik einfließen und vermittelt
Einsichten, die nachdenklich machen. Obwohl in dieser Nebenhandlung
nicht viel passiert, fesselt Benford den Leser durch seine glaubhafte
Darstellung Voltaires und Johannas. Und es gelingt ihm auch, den
Datenraum, in dem sich die beiden Simulationen bewegen, mit vielen
Metaphern anschaulich zu vermitteln.
Das, was die Charaktere der Nebenhandlung auszeichnet - glaubhafte
Darstellung, intelligente Dialoge - fehlt in der Haupthandlung leider
völlig. Gewiß, Hari Seldon ist ein Mathematiker. Und er
entwickelt sich im Lauf des Romans auch spürbar. Doch als Held
ist er nur eine reine Schablone. Benford läßt den Leser
zwar an Seldons Gefühlen teilhaben, doch eine wirkliche
Identifizierung findet nicht statt. Das mag daran liegen, daß
der Held mehr oder weniger über den ganzen Roman auf der Flucht
ist. Das "Kimble-auf-der-Flucht"-Motiv bietet Raum für rasante
Actionszenen, aber wenn der Held nicht interessant ist, können
diese Szenen auch nicht besonders fesseln.
Zudem sind die Dialoge, die Hari mit seiner androiden Ehefrau und
seinen Mitarbeitern führt, langweilig und gestelzt. Der
Rezensent hat des öfteren aufgeseufzt und sich gewünscht,
die Handlung möge schnell an ihm vorüberziehen. Nein, die
Haupthandlung ist ganz und gar nicht prickelnd. Leider. Denn Seldon
ist ganz gewiß eine sehr interessante Figur.
Fazit:
Über weite Strecken hinweg ist dieser Roman offen gestanden
todlangweilig. Hari Seldon vermag als Hauptcharaker nicht zu
überzeugen. Allein die Nebenhandlung vermag zu fesseln; hier
brilliert der Autor regelrecht, und an diesen Stellen macht der Roman
Spaß.
6 Punkte