Gregory Benford:

"Der Aufstieg der Foundation"

(Die zweite Foundation-Trilogie - 1)
OT: Foundation's Fear
Ü: Irene Holicki
USA 1997
(667 Seiten, Paperback, Heyne 06/8301, ISBN 3-453-17926-9, DM 24,-)
- erschienen: November 2000 -

Hari Seldon ist ein begnadeter Mathematiker - und die Gerüchte um seine Theorie der Psychohistorik machen ihn auch begehrt. Vor allem Cleon, der Kaiser des Imperiums, will ihn unbedingt auf den Kanzlerposten setzen. Das gefällt Hari nicht sonderlich; schließlich widmet er sich viel lieber seiner Theorie. Betan Lamurk dagegen will den Kanzlerposten unbedingt für sich selbst und ist bereit, dafür über Leichen zu gehen.
Unterdessen sind auf Sark, einem Planeten, der die Gesetze des Imperiums bisweilen laxer als gewöhnlich auslegt, Simulationen aus der präimperialen Zeit gefunden worden. Die Wissenschaftler Marq und Sysbyl stürzen sich mit Feuereifer in die Arbeit. Die Simulationen sollen in einem großen Rededuell die Diskussion führen, ob der Glaube oder der Verstand besser sei. Daß es sich bei den Sims um Voltaire und Johanna von Orleans handelt, gibt der Sache einen pikanten Beigeschmack. Die Wissenschaftler haben aber nicht damit gerechnet, daß Voltaire sich allmählich weiterentwickelt. Er erkennt sich selbst als Simulation - und flieht mit Johanna in den Datenraum, als die Diskussion ein Fehlschlag wird.
Unterdessen werden mehrere Anschläge auf Hari ausgeführt. Er kommt zwar mit dem Schrecken davon, wird aber vorsichtshalber auf eine idyllische Naturwelt gebracht. Auch dort ist er vor Lamurk nicht sicher. Während Hari sich bemüht, Lamurks Schergen zu entkommen und am Leben zu bleiben, nimmt etwas mit Voltaire und Johanna Kontakt auf. Etwas, das nur ein Ziel im Sinn hat - Rache...

Die Foundation-Trilogie ist sicherlich das berühmteste Werk von Isaac Asimov. Selbst derjenige, der keine SF liest, hat mit Sicherheit von diesen Romanen gehört.
Jetzt gibt es also den ersten Band eines Prequels, in dem die Vorgeschichte der Trilogie erzählt wird, verfaßt von Gregory Benford.
Dieser erste von insgesamt drei Romanen hat zweifellos seine Stärken und seine Schwächen. Seine Stärken liegen merkwürdigerweise in der Nebenhandlung und nicht beim eigentlichen Helden. Voltaire und Johanna liefern sich ein intelligentes und witziges Wortgefecht. Hier läßt Benford seine Kenntnisse aus der Physik einfließen und vermittelt Einsichten, die nachdenklich machen. Obwohl in dieser Nebenhandlung nicht viel passiert, fesselt Benford den Leser durch seine glaubhafte Darstellung Voltaires und Johannas. Und es gelingt ihm auch, den Datenraum, in dem sich die beiden Simulationen bewegen, mit vielen Metaphern anschaulich zu vermitteln.
Das, was die Charaktere der Nebenhandlung auszeichnet - glaubhafte Darstellung, intelligente Dialoge - fehlt in der Haupthandlung leider völlig. Gewiß, Hari Seldon ist ein Mathematiker. Und er entwickelt sich im Lauf des Romans auch spürbar. Doch als Held ist er nur eine reine Schablone. Benford läßt den Leser zwar an Seldons Gefühlen teilhaben, doch eine wirkliche Identifizierung findet nicht statt. Das mag daran liegen, daß der Held mehr oder weniger über den ganzen Roman auf der Flucht ist. Das "Kimble-auf-der-Flucht"-Motiv bietet Raum für rasante Actionszenen, aber wenn der Held nicht interessant ist, können diese Szenen auch nicht besonders fesseln.
Zudem sind die Dialoge, die Hari mit seiner androiden Ehefrau und seinen Mitarbeitern führt, langweilig und gestelzt. Der Rezensent hat des öfteren aufgeseufzt und sich gewünscht, die Handlung möge schnell an ihm vorüberziehen. Nein, die Haupthandlung ist ganz und gar nicht prickelnd. Leider. Denn Seldon ist ganz gewiß eine sehr interessante Figur.

Fazit:
Über weite Strecken hinweg ist dieser Roman offen gestanden todlangweilig. Hari Seldon vermag als Hauptcharaker nicht zu überzeugen. Allein die Nebenhandlung vermag zu fesseln; hier brilliert der Autor regelrecht, und an diesen Stellen macht der Roman Spaß.
6 Punkte

Christian Spließ


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