Band 23: "Reise ohne Wiederkehr"

Autor: Ronald M. Hahn

Matt ist mit der Santanna auf dem Weg nach Meeraka. Zufällig hört er ein Gespräch zwischen Clegg und einem Menschen mit, den Matt nicht erkennen kann. Offenbar hat sich auf der Santanna ein Verräter eingeschlichen - jemand, der im Auftrag des Kapitäns der Krahac, Delleray, arbeitet. Matt läuft Gefahr, entdeckt zu werden, und flüchtet ausgerechnet in die Arme der Bordschwalbe (* Ääääähm - eigentlich hieße das ja wohl "BordSTEINschwalbe" - aber in diesem Fall... (grins) Heike) Yuli. Dort wird er vom ersten Lytnant Jochim entdeckt, dem er das zuvor Gehörte anvertraut. Doch irgendwie wird Matt den Verdacht nicht los, daß der Doyzländer mit den Verschwörern unter einer Decke steckt.
Nachdem Matt sich eher unfreiwillig den Respekt der Mannschaft erkämpft hat, indem er den Großmast kappte, der sonst auf das Schiff gefallen wäre, verbringt er seine freien Tage mit Cosimus. Der Neffe von Colombs Geldgeber freundet sich mit Matt an. Er erfährt vom Schiffskoch Kuki, daß Clegg vor Jahren mit der gefürchteten Schwarzen Natter, einem Piratenkapitän, gefahren ist. Auch Kuki hat einst zu dessen Mannschaft gehört.
Als die Dampfmaschine ausfällt, tippt Matt auf Sabotage. Beim Suchen nach dem Maschinisten wird er von Clegg angegriffen und tötet ihn. Leider legen die Matrosen Matts Verhalten zu dessen Ungunsten aus. Erst der Kapitaan und Jochim bewahren ihn gerade noch rechtzeitig vor der Peitsche.
Pieroo ist währenddessen auf der Krahac als Leibwache Dellerays tätig. Eine Aufgabe, die ihm nicht gefällt, denn der Kapitaan ist sehr gefährlich. Er will unbedingt vor der Santanna in Meeraka ankommen. Und dazu ist ihm jedes Mittel recht.
Eine Insel mit zwei Bergen (* Lummerland! Heike) ist am Horizont aufgetaucht und wird von der Santanna angesteuert. Sie ist nicht auf den Seekarten vermerkt - Colomb ist jedoch neugierig und geht mit einem kleinen Trupp an Land. Auch Matt ist dabei.
Der Trupp entdeckt die Hinterlassenschaften von ehemaligen Touristen, die mit der Queen Elizabeth II auf der Insel gestrandet sind. Kuki verhält sich mehr und mehr nervös - kein Wunder, denn er kennt die Insel. Zudem befindet sich der Vulkan auf diesem Eiland kurz vor einem Ausbruch.
Delleray plant, die Santanna zu entern und die Mannschaft abzuschlachten. Ein Plan, den Pieroo nicht unbedingt gutheißt, aber er kann nichts dagegen tun. Und so treffen Dellerays Leute auf die Leute von der Santanna. Diese verschanzen sich in der Festung der Touristen und treten die Flucht nach vorn an. Eile ist angesagt, denn mittlerweile ist der Vulkan unmittelbar vor dem Ausbruch. Die Santanna wurde inzwischen von der Besatzung der Krahac geentert. Colomb bleibt nun nichts anderes übrig, als die Krahac zu übernehmen und zu versuchen, sein Schiff zu befreien. Mit dem Beistand Pieroos gelingt es ihnen. Delleray, niemand anders als die Schwarze Natter, wird von ihm getötet.
Von einem brennenden Lavabrocken getroffen, geht die Krahac kurze Zeit später in die Luft - sie hatte einen großen Vorrat Schwarzpulver für ihre Kanonen geladen. Dellerays Mannschaft gibt auf, und Colomb ist wieder Kapitän auf seinem Schiff. Als Dank für Matts Dienste wird dieser zum ersten Lytnant befördert.

Dieser Roman hätte auch ohne weiteres "Unter der Piratenflagge" heißen können. Wobei Matt allerdings nicht wie seinerzeit Errol Flynn elegant mit dem Degen in der Hand über das Deck tänzelt.
Ronald M. Hahn hat sich in diesem Band mit seinem Humor deutlich zurückgehalten. Im Gegensatz zum Zürich-Band sind nur ein, zwei Gags in den Roman eingearbeitet. Ist das die Reaktion auf das zwiespältige Leservotum? Man könnte es beinahe annehmen. Denn die Handlung wird ansonsten sehr stringent und fast sachlich erzählt. Und durchaus sehr gefällig.
Nun gut - daß Delleray und die Schwarze Natter ein und dieselbe Person sind, kommt für den Leser vielleicht ein wenig zu plötzlich, aber die Hinweise sind schon sehr früh im Roman vorhanden, und man kann sich seinen Teil denken.
Womit der Rezensent auch schon bei den Charakteren wäre. Hier ist eine sehr deutliche Distanz spürbar. Sicher, Matt flucht und stöhnt und ächzt - aber er wirkt dennoch unnahbar. Es ist, als sei eine große Fensterscheibe zwischen den Leser und die Romanhandlung geschoben worden. Man merkt die Mühe Hahns, die Charaktere zu beleben, aber so ganz ist man von ihnen nicht gefesselt. Ein Beispiel dafür ist Cosimus. Eine Figur mit Potential, sicherlich. Aus den vorherigen Romanen geht auch deutlich hervor, daß Cosimus etwas sonderbar ist. Hahn führt den Charakter mit dem Lied "Wir lagen vor Madagaskar" ein, verleiht ihm auch einen Hauch von Exzentrik. Doch seine Dialoge mit Matt wirken matt und träge, und im weiteren Verlauf des Romans hat er zwar die eine oder andere gute Idee, aber er bleibt im Hintergrund. Für eine Nebenfigur ist das in Ordnung - aber nicht für Matt. Und leider agiert Matt wie Cosimus.

Fazit:
Piraten und eine Insel - fast ist man geneigt, an die "Schatzinsel" zu denken. Von der Handlung her paßt der Vergleich auch sehr gut. Leider ist es Hahn nicht gelungen, die Charaktere zum Leben zu erwecken. Passabler Roman.
7 Punkte

Christian Spließ