Matt ist
mit der Santanna auf dem Weg nach Meeraka. Zufällig hört er
ein Gespräch zwischen Clegg und einem Menschen mit, den Matt
nicht erkennen kann. Offenbar hat sich auf der Santanna ein
Verräter eingeschlichen - jemand, der im Auftrag des
Kapitäns der Krahac, Delleray, arbeitet. Matt läuft Gefahr,
entdeckt zu werden, und flüchtet ausgerechnet in die Arme der
Bordschwalbe (* Ääääähm - eigentlich
hieße das ja wohl "BordSTEINschwalbe" - aber in diesem Fall...
(grins) Heike) Yuli. Dort wird er vom ersten Lytnant Jochim
entdeckt, dem er das zuvor Gehörte anvertraut. Doch irgendwie
wird Matt den Verdacht nicht los, daß der Doyzländer mit
den Verschwörern unter einer Decke steckt.
Nachdem Matt sich eher unfreiwillig den Respekt der Mannschaft
erkämpft hat, indem er den Großmast kappte, der sonst auf
das Schiff gefallen wäre, verbringt er seine freien Tage mit
Cosimus. Der Neffe von Colombs Geldgeber freundet sich mit Matt an.
Er erfährt vom Schiffskoch Kuki, daß Clegg vor Jahren mit
der gefürchteten Schwarzen Natter, einem Piratenkapitän,
gefahren ist. Auch Kuki hat einst zu dessen Mannschaft
gehört.
Als die Dampfmaschine ausfällt, tippt Matt auf Sabotage. Beim
Suchen nach dem Maschinisten wird er von Clegg angegriffen und
tötet ihn. Leider legen die Matrosen Matts Verhalten zu dessen
Ungunsten aus. Erst der Kapitaan und Jochim bewahren ihn gerade noch
rechtzeitig vor der Peitsche.
Pieroo ist währenddessen auf der Krahac als Leibwache Dellerays
tätig. Eine Aufgabe, die ihm nicht gefällt, denn der
Kapitaan ist sehr gefährlich. Er will unbedingt vor der Santanna
in Meeraka ankommen. Und dazu ist ihm jedes Mittel recht.
Eine Insel mit zwei Bergen (* Lummerland! Heike) ist am
Horizont aufgetaucht und wird von der Santanna angesteuert. Sie ist
nicht auf den Seekarten vermerkt - Colomb ist jedoch neugierig und
geht mit einem kleinen Trupp an Land. Auch Matt ist dabei.
Der Trupp entdeckt die Hinterlassenschaften von ehemaligen Touristen,
die mit der Queen Elizabeth II auf der Insel gestrandet sind. Kuki
verhält sich mehr und mehr nervös - kein Wunder, denn er
kennt die Insel. Zudem befindet sich der Vulkan auf diesem Eiland
kurz vor einem Ausbruch.
Delleray plant, die Santanna zu entern und die Mannschaft
abzuschlachten. Ein Plan, den Pieroo nicht unbedingt gutheißt,
aber er kann nichts dagegen tun. Und so treffen Dellerays Leute auf
die Leute von der Santanna. Diese verschanzen sich in der Festung der
Touristen und treten die Flucht nach vorn an. Eile ist angesagt, denn
mittlerweile ist der Vulkan unmittelbar vor dem Ausbruch. Die
Santanna wurde inzwischen von der Besatzung der Krahac geentert.
Colomb bleibt nun nichts anderes übrig, als die Krahac zu
übernehmen und zu versuchen, sein Schiff zu befreien. Mit dem
Beistand Pieroos gelingt es ihnen. Delleray, niemand anders als die
Schwarze Natter, wird von ihm getötet.
Von einem brennenden Lavabrocken getroffen, geht die Krahac kurze
Zeit später in die Luft - sie hatte einen großen Vorrat
Schwarzpulver für ihre Kanonen geladen. Dellerays Mannschaft
gibt auf, und Colomb ist wieder Kapitän auf seinem Schiff. Als
Dank für Matts Dienste wird dieser zum ersten Lytnant
befördert.
Dieser Roman hätte auch ohne weiteres "Unter der Piratenflagge"
heißen können. Wobei Matt allerdings nicht wie seinerzeit
Errol Flynn elegant mit dem Degen in der Hand über das Deck
tänzelt.
Ronald M. Hahn hat sich in diesem Band mit seinem Humor deutlich
zurückgehalten. Im Gegensatz zum Zürich-Band sind nur ein,
zwei Gags in den Roman eingearbeitet. Ist das die Reaktion auf das
zwiespältige Leservotum? Man könnte es beinahe annehmen.
Denn die Handlung wird ansonsten sehr stringent und fast sachlich
erzählt. Und durchaus sehr gefällig.
Nun gut - daß Delleray und die Schwarze Natter ein und dieselbe
Person sind, kommt für den Leser vielleicht ein wenig zu
plötzlich, aber die Hinweise sind schon sehr früh im Roman
vorhanden, und man kann sich seinen Teil denken.
Womit der Rezensent auch schon bei den Charakteren wäre. Hier
ist eine sehr deutliche Distanz spürbar. Sicher, Matt flucht und
stöhnt und ächzt - aber er wirkt dennoch unnahbar. Es ist,
als sei eine große Fensterscheibe zwischen den Leser und die
Romanhandlung geschoben worden. Man merkt die Mühe Hahns, die
Charaktere zu beleben, aber so ganz ist man von ihnen nicht
gefesselt. Ein Beispiel dafür ist Cosimus. Eine Figur mit
Potential, sicherlich. Aus den vorherigen Romanen geht auch deutlich
hervor, daß Cosimus etwas sonderbar ist. Hahn führt den
Charakter mit dem Lied "Wir lagen vor Madagaskar" ein, verleiht ihm
auch einen Hauch von Exzentrik. Doch seine Dialoge mit Matt wirken
matt und träge, und im weiteren Verlauf des Romans hat er zwar
die eine oder andere gute Idee, aber er bleibt im Hintergrund.
Für eine Nebenfigur ist das in Ordnung - aber nicht für
Matt. Und leider agiert Matt wie Cosimus.
Fazit:
Piraten und eine Insel - fast ist man geneigt, an die "Schatzinsel"
zu denken. Von der Handlung her paßt der Vergleich auch sehr
gut. Leider ist es Hahn nicht gelungen, die Charaktere zum Leben zu
erwecken. Passabler Roman.
7 Punkte