Band 2051: "Flucht aus Thantur-Lok"

Autorin: Susan Schwartz

Nach der Entstehung von SEELENQUELL macht sich Perry Rhodan mit dem Ara-Mediziner Zheobitt und dem Rest seiner Besatzung schnellstens auf den Weg nach Hause. Allerdings haben die Arkoniden da eine Menge einzuwenden und wollen die Flüchtlinge um jeden Preis aufhalten. Es gelingt der ZENTRIFUGE gerade noch, dem Feuer der Abwehrforts zu entgehen und in den Hyperraum zu flüchten.
Weit werden sie aber nicht kommen, da der Antrieb schweren Schaden genommen hat. Zudem schicken die Arkoniden den karrieresüchtigen Vere'athor Ols Kuniom hinter Rhodan her. Für Kuniom wäre die Gefangennahme Rhodans ein gigantischer Anschub für seine berufliche Zukunft.
Die ZENTRIFUGE kommt in einem System heraus, in dem sich ein kleiner abgelegener Planet des arkonidischen Reiches befindet. Hier müssen sie feststellen, daß das Schiff keine Zukunft mehr hat und daß man schnellstmöglich von Bord muß. Allerdings sind während der kurzen Flucht jede Menge Schäden entstanden, und so wird es ein abenteuerlicher Kampf, bis man endlich ein Beiboot fluchttauglich gemacht hat.
Zwei der Zentralbesatzungsmitglieder, tödlich verletzt, bleiben an Bord und sorgen dafür, daß die nachfolgenden Arkoniden noch etwas zu tun bekommen. Sie warten, bis einer der verfolgenden Kreuzer ganz nahe ist, und jagen sodann die Zentrifuge in die Luft bzw. in den Raum. Vere'athor Kuniom tobt - ahnt er doch, was ihm droht, wenn er daheim den Totalverlust eines Kreuzers melden muß. Zudem kann er keine Spur von Rhodan entdecken. Also kontaktiert er die Regierung des Planeten, und die läßt ihn ziemlich eiskalt abblitzen. So hat er keine andere Wahl, als unter unfreundlichen Worten das Weite zu suchen.
Die Flüchtlinge sind inzwischen auf dem Planeten gelandet und werden bald von Regierungstruppen aufgebracht. Zunächst wollte man die Fremden in die Sklaverei verkaufen, aber als man sieht, welche Prominenz da angekommen ist, sieht das alles schon ganz anders aus.
Der Planet ist vor sieben Jahren von den Arkoniden annektiert worden und seitdem fast völlig verarmt - man hat also für die arkonidischen Machthaber nicht viel übrig. Umso mehr Sympathien können Perry Rhodan und Zheobitt verbuchen. Das wiederum paßt der arkontreuen Innenministerin überhaupt nicht. Um das Schlimmste zu verhindern, verübt sie einen Anschlag auf die Baronin des Planeten, doch sie hat nicht mit den Fähigkeiten des Aras gerechnet. Zheobitt rettet die Herrscherin, und die Attentäterin wird entlarvt.
Nun geht es weiter mit den Vorbereitungen für die Flucht nach Traversan, wo Perry Rhodan einen NUSO-Stützpunkt weiß.
Kaum ist das Fluchtschiff aber gestartet, taucht auch Vere'athor Ols Kuniom wieder auf und untersucht jeden nur erdenklichen Winkel des Schiffes. Als er erfolglos aufgeben muß, ist er mehr als zerknirscht, denn er war sich so sicher - und seine Karriere scheint jetzt auch einen Knick bekommen zu haben.
Allerdings weiß er nicht, daß er die Flüchtlinge nicht hat finden können, denn diese waren nicht auf dem Schiff, sondern in einem geheimen Asteroiden versteckt. Sie gelangen schließlich per Transmitter zurück.

Unter welchem Motto könnte dieser Perry Rhodan-Roman wohl gestanden haben? Eine Frage, die wahrlich nicht einfach zu beantworten ist. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob wir hier eine Geschichte vorliegen haben, die gar nichts zum eigentlichen Zyklus beiträgt. Perry Rhodan bekommt mächtig was auf den Hintern, kann aber gerade noch so entkommen. Er kommt bei Leuten unter, die Arkon auch nicht richtig mögen, und so gelingt es ihm, den sicheren Weg nach Hause zu finden - zumindest sieht es danach aus. Ich gehe aber mal davon aus, daß Rhodan im nächsten Roman wieder in seiner Rolle als terranischer Resident auftreten kann, und es ist ebenfalls anzunehmen, daß sich spätestens dann das Verhältnis zwischen Arkon und Terra ganz radikal verschlechtern wird.
Für was könnte dieser Roman aber noch gestanden haben? Dafür, daß Zheobitt nun doch nicht mehr unentgeltlich die restlichen Monochrom-Mutanten retten will? Immerhin hat er mit dem Verlust seines Schiffes ziemlich Federn lassen müssen. Es scheint sich aber auch eine ganz überraschende Wende in Punkto Mutanten anzubahnen - könnte man glauben. Zumindest war Zheobitts Schluß doch ein wenig seltsam: "Ich habe ein wenig über die Sache nachgedacht, und ich glaube, ich weiß jetzt, wie ich die Mutanten retten kann!" Ich kann mich noch daran erinnern, daß den beiden Mutanten in Alashan mitgeteilt worden ist, daß die Lösung in den Archiven der Aras versteckt wäre, aber daß die auch gleich noch im Kopf von Zheobitt steckt, wäre doch ein wenig zu einfach. Besonders, da die Andeutung mit den Archiven ja auch auf eine Verbindung zwischen Aras und Monos hinwies. Hieraus könnte man also noch die eine oder andere gute Geschichte machen. Na ja, noch ist nicht aller Mutanten-Tage Abend; für uns Leser gibt es also noch ein wenig Hoffnung, und bis zum Ende des Zyklus' ist jetzt ja auch noch ein wenig Zeit.
Was sich hier als weiterer Schlüssel ergeben könnte, ist die Tatsache, daß Perry Rhodan zum erstenmal Arkoniden gefunden hat, die sich nicht mit dem Göttlichen Imperium von Bostich (bzw. SEELENQUELL) anfreunden können. Wäre doch gelacht, wenn der gute alte Perry Rhodan hiervon nicht irgendwann profitieren könnte. Zudem haben die Kolonialarkoniden sicher auch noch ein paar weitere Geheimnisse im Ärmel. Die geheime Transmitterstation war ja nach eigenen Angaben noch nicht alles, was sie zu bieten haben.
Auf der Grundlage dieser Gegebenheiten könnte man hier doch wunderbar einen kleinen Stützpunkt mitten im arkonidischen Reich aufbauen. Ich denke, so eine Chance sollte man sich nicht entgehen lassen, besonders dann nicht, wenn man versuchen will, dem großen militärischen Machtapparat entgegenzuwirken.

Verpackt werden diese recht hoffnungsvollen Ansätze in das Leid einer großen Flucht. Susan Schwartz versucht sich als Expertin für Fremdwesen und Emotionen. Allerdings muß ich gestehen, daß ich die Szenen in der Zentrale der ZENTRIFUGE, als die beiden Feinde auf Lebenszeit ihren Frieden miteinander machen und gemeinsam in den Tod gehen, doch ein bißchen übertrieben fand, während die Schilderung des karrieregeilen arkonidischen Offiziers schon eher mein Metier war. Hier kam sehr gut zum Vorschein, auf welchen Prinzipien die arkonidische Gesellschaft aufgebaut ist und was dort derzeit zählt und was nicht - dabei war die Ebene doch so klein. Aber so zeigt sich halt, was man mit wenig Aufwand alles erzählen kann.
Sehr abwechslungsreich war auch die Episode auf dem Planeten. Ein Riesenlacher war z.B. die Szene, als Perry Rhodan sich zu erkennen gibt, weil er glaubt, daß alle Welt ihm auf den Fersen ist - und dann der Prinz vor Zheobitts Füßen niedersinkt. In dieser Situation hätte ich eine Menge dafür gegeben, Rhodans Gesicht sehen zu dürfen. Aber immerhin denkt die Baronin des Planten ja glücklicherweise etwas anders und beschimpft erst einmal ihren Sohn aufs schärfste, weil er Perry Rhodan einfach so links liegenläßt.
Doch so nett dieses Spiel war, so oberflächlich war dann wiederum das Attentat auf die Baronin. Vom ersten Augenblick an ist klar, wer der Täter sein MUSS; der sich an die Heilung anschließende kleine Kriminalfall ist also absolut durchsichtig und überflüssig. Hier hätte ich mir doch noch ein wenig mehr Einfallsreichtum gewünscht.

Fazit:
Was bleibt, ist ein netter Roman. Bestimmt nicht der wichtigste dieses Zyklus', aber mit ein paar Aussichten in die Zukunft. Nun bleibt es der Redaktion überlassen, wie die hier aufgeworfenen Fäden in die Handlung verknüpft werden können.
9 Punkte

Alexander Haas

Perry Kimble auf der Flucht, Teil 2. Diesmal nicht von Halut, sondern: siehe Titel.
Susan Schwartz' Roman hat dann auch deutlich Probleme damit, dem Leser ein wirkliches Interesse zu entlocken. Zu oft ist dieses Motiv in der laufenden Handlung seit Band 2000 schon vorgekommen, da weckt es jetzt im dritten oder vierten Aufguß eher Langeweile denn Spannung.
Zwar ist Susan ein stilistisch guter Roman gelungen, der vor allem in den Charakteren punkten kann, die ihr teilweise hervorragend gelungen sind; aber beim Leser bleibt ob des Handlungsmotivs doch eher ein recht unbeteiligter Eindruck zurück. Sicherlich, wir erfahren jetzt auch einmal direkt geschildert, daß Bostich selbst im eigenen Imperium nicht gerade nur Sympathisanten hat, daß sogar ganze Planetenbevölkerungen mit seinem Tun zumindest nicht ganz einverstanden sind, aber dies war eigentlich sowieso zu erwarten und ist in einem Imperium von derartigen Ausmaßen schon kaum anders möglich.
Im Gegensatz zum vorhergehenden Roman hat dieser dann auch gar keinen kosmischen Anspruch mehr vorzuweisen. Der gerade entstandene SEELENQUELL scheint sich erst einmal sammeln zu müssen, und so bleibt es einem ehrgeizigen Lakan-Kommandanten vorbehalten, Jagd auf die ZENTRIFUGE zu machen, deren überlebende Insassen sich auf einen Planeten gerettet haben, der nicht gerade arkonfreundliche Bewohner aufweist.
Man entkommt mittels eines alten Tricks in Richtung Traversan - und das war's dann auch schon.
Damit gehört der Roman dann wohl eher zur Gattung "nett, aber überflüssig" - seine Handlung hätte man auch innerhalb eines Zehntels der Seiten zusammenfassen können, ohne auch nur im Geringsten am serienrelevanten Teil kürzen zu müssen.
Viel mehr bleibt über diesen Roman eigentlich nicht zu sagen. Inhaltlich bringt er die Serie nicht besonders viel weiter - und auch ansonsten bietet der Roman zwar schöne und interessante Charakterisierungen und Beschreibungen, jedoch leider verpackt in eine eher uninteressante Handlung. Da geht es diesem "Einser" nicht viel anders als all den anderen Folgebänden eines Jubi-Bandes. Vielleicht liegt es auch an dieser Gegebenheit, daß der Roman nicht so richtig punkten kann. Nach einem "runden" Band hat es der nächste naturgemäß ziemlich schwer, da er den Leser im Normalfall auf die unterste Handlungsebene zurückführen muß, um von dort einen Neuaufbau in Richtung großartiger und wichtiger Geschehnisse zu beginnen. In einer Rangliste der belanglosesten Romane der Serie würden sich diese "Einser"-Bände wohl die Klinke regelrecht in die Hand geben...

Fazit:
Ein netter Roman, der, obwohl gut geschrieben, dem Leser wohl nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Gute Charakterisierungen helfen nicht über die Tatsache hinweg, daß die Grundhandlung selber nicht besonders viel hergibt. Was bei einer Fernsehserie (die etwa im gleichen Alter ist wie die PR-Serie) noch ungestraft in rund 170facher ständiger Wiederholung klappte, wirkt hier dann doch eher wie bei sich selber abgeschrieben...
7 Punkte.

Winfried Brand

Die großen kosmischen Ereignisse der Bände 2048 bis 2050 sind vorbei. Jetzt geht es erst einmal gemächlich weiter.
Daß PR nicht sterben darf, ist klar. So gelingt der schwer beschädigten ZENTRIFUGE die Flucht aus dem Arkon-System. Immerhin zehn Superschlachtschiffe des Göttlichen Imperiums nehmen die Verfolgung auf. Jetzt wollen wir es nicht komplizierter machen, als es ist, aber: Wurde da nicht zwischenzeitlich der "Kristallschirm" um das Arkon-System aktiviert?
Jedenfalls gelingt es einigen Überlebenden, die ZENTRIFUGE noch mittels einer Space-Jet zu verlassen, bevor das Schiff endgültig explodiert. Die Jet, auch schon schwer angeschlagen, muß auf einem arkonidischen Kolonialplaneten notlanden. Dort finden Rhodan und seine Begleiter unerwartete Hilfe. Die Herrscherin des Ammh-Riconah-Systems, Nert Jharien, ist ebenfalls nicht gut auf die "richtigen" Arkoniden zu sprechen. Das verwundert nicht weiter, war das System doch noch vor einigen Jahren eigenständig, wurde dann aber zwangsweise in das Kristallimperium eingegliedert. Das reichte aber nicht: Seither produzieren die Fabriken Rüstungsgüter für die arkonidische Flotte, die Bevölkerung verarmt zusehends, und mit dem politischen Einfluß der Herrscherin ist es auch nicht mehr weit her. Hier kommt wieder einmal sehr schön heraus, daß das Arkon-Imperium nicht mehr ist als eine Diktatur, deren Ziele weitgehend auf die Beherrschung der Milchstraße ausgerichtet sind. Da muß die Bevölkerung - und gerade die der wieder eingegliederten Kolonialwelten - erst einmal deutlich zurückstehen. (Aber in welcher Diktatur kümmern sich die Mächtigen schon um das gemeine Volk?)
Daß Jharien den Flüchtlingen hilft, geht in Ordnung. Die Motive der Arkonidin für dieses Verhalten sind überzeugend, und davon gibt es schließlich genug. Daß sich das Arkon-Imperium aber wieder einmal so einfach irreführen läßt, ist enttäuschend. Der Befehlshaber der Verfolger-Flotille hat immerhin vom Oberkommando selbst den Befehl erhalten, Perry Rhodan um jeden Preis in seine Gewalt zu bringen. Schließlich zieht er mit seinen Einheiten ohne größere Suchaktionen sang- und klanglos aus dem System ab. Wenn Rhodan schon wieder einmal auf der Flucht vor seinen Verfolgern ist, hätte sich hier die Möglichkeit zu einer dramatischen Hetzjagd geboten; und das hätte dem Roman sicher nicht geschadet. Die Streitkräfte des Imperiums durchsuchen die abfliegenden Schiffe (natürlich ist PR da NICHT an Bord), aber daß es Transmitter gibt, darauf kommen die Arkoniden nicht. Bei einem Flüchtling von Rhodans Format hätte man eigentlich erwartet, daß das Kristallimperium jedes nur denkbare Sonnensystem, in dem man diesen Mann vermutet, mit riesigen Flottenverbänden abriegelt und dann die einzelnen Planeten mit ganzen Divisionen absucht. Schade, Gelegenheit vertan.
Dafür glänzt Susan Schwartz mit einigen humoristischen Einlagen. Zheobitt, der große Mediker, wird von den Kolonial-Arkoniden sofort erkannt, während man auf Perry Rhodan nicht achtet. Den "pangalaktischen Donnergurgler" hat man von "Per Anhalter durch die Galaxis" noch bestens in Erinnerung - es muß ja nicht überall in der Milchstraße Vurguzz getrunken werden. Und es gibt noch einige andere nette Sprüche, die den Roman angenehm auflockern. Besonders die von trockenem Humor geprägten Dialoge zwischen PR und dem Ara Zheobitt lockern das Heft deutlich auf.
Allerdings sucht man die im "Hauptpersonen-Kästchen" aufgeführten Morkhero Seelenquell und Bré Tsinga in diesem Heft vergeblich. Die waren wohl für den folgenden Band geplant ...

Fazit:
Die Autorin hat in der letzten Zeit schon deutlich schlechtere Romane geschrieben. Für einen Roman ohne große Ereignisse ganz beachtlich.
9 Punkte

Hans-Joachim Kleimann