Rüdiger Schäfer:

"Algain"

(Atlan Fanzine Serie - Band 22)
(60 Seiten, DIN A5, Perry Rhodan Fan-Zentrale, DM 6,-)
Bezug über den Spaceshop der Perry Rhodan Fan-Zentrale und andere Händler (z.B. Romantruhe).

Atlan trifft an der Sonnenbarriere auf einen Verband aus fünf Schiffen der Wynger. Kommandant der Einheit ist Algain, und bei den Schiffen handelt es sich um Kugelraumer. Dem Arkoniden fällt auf, daß Algain ihn sofort erkennt und sich vor ihm zu fürchten scheint. Der Wynger hält, das steht fest, Atlan für dessen Doppelgänger.
Die Wynger um Algain entstammen dem in der Vergangenheit eher unbedeutenden Nebenstamm der Baitrer. Diese haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren in ungewöhnlich großem Tempo zu einer bedeutenden Militärmacht in der Galaxis Algstogermaht entwickelt.
Atlan fliegt mit der MORAHT-THEM das Woltrien-System an. Große Flottenverbände von Kugelraumschiffen sichern das baitrische Zentralsystem ab. Auf dem Mond Raigerbold entdeckt die MORAHT-THEM eine Station des Doppelgängers. Der Arkonide begibt sich dorthin. In der Station wird er durch ein Nervengas ausgeschaltet, das auch der Zellaktivator nicht rechtzeitig neutralisieren kann. Als er drei Tage später wieder aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht, muß er zu seinem Entsetzen feststellen, daß sein Zellaktivator fehlt. Offensichtlich wurde das Gerät von Algain gestohlen.
Mittlerweile hat ein rapider Alterungsprozeß eingesetzt. Atlan muß erkennen, daß er nur noch kurze Zeit zu leben hat. Außerdem wurde der Selbstzerstörungs-Mechanismus der Station ausgelöst.
Bei seiner Flucht aus der Station stößt der Arkonide erneut auf den mysteriösen Insektoiden Vhypon. Dieser weist ihm den Weg. Atlan stößt auf eine Apparatur, die dem Physiotron auf Wanderer gleicht. Durch ein Zellbad wird sein weiterer Alterungsprozeß gestoppt. Über einen Transmitter entkommt er schließlich aus der Station, bevor diese in einer Explosion vergeht.
Er findet sich auf dem Dunkelplaneten im Zentrum der Sonnenbarriere wieder, wo ihn die MORAHT-THEM nach kurzer Zeit wieder an Bord nimmt.
Atlan macht sich mit dem Kosmokratenschiff an die Verfolgung des Aktivatordiebes. Ziel ist die Galaxis Novhonaai, auf die es in der Station des Doppelgängers deutliche Hinweise gegeben hat.
In einer zweiten Handlungsebene wird der Aufstieg des Wyngers Algain zu einem der mächtigsten Männer seines Volkes geschildert.
Die Baitrer unternehmen eine Expedition in die 1,3 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxis Vennersoon, um Kontakt zu den Tashketen aufzunehmen. Während des Fluges kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung: Man entdeckt Atlan II, ohne Raumanzug im All treibend. Die Wynger nehmen ihn an Bord.
Atlan II bietet Algain seine Unterstützung an. In den folgenden Jahrzehnten baut der Doppelgänger die Baitrer aus dem Hintergrund, ohne selbst in Erscheinung zu treten, zur führenden Militärmacht unter den Wyngern auf. Er "leiht" Algain sogar gelegentlich seinen Zellaktivator und unterrichtet den Wynger auch darüber, daß er nur 62 Stunden ohne das Gerät leben kann. Algain erkennt die Vorherrschaft des Doppelgängers zunächst vorbehaltlos an. Dies ändert sich jedoch, als dieser mit einem Flottenverband von 4.000 Kugelraumschiffe nach Vennersoon fliegt und dort den Planeten Gynecc vernichten läßt. Algain beginnt Atlan II zu hassen; der Wynger faßt schließlich den Plan, ihn zu töten.

Betrachtet man die Zeitabstände, in denen die Hefte dieser Serie veröffentlicht wurden, so ist dieser Roman beinahe planmäßig erschienen.
Wie dem Vorwort zu entnehmen ist, hatte der Autor ursprünglich vor, in diesem Heft ausschließlich den Wynger Algain zu schildern, kam jedoch wieder davon ab, da bei maximal vier pro Jahr erscheinenden Romanen der Platz für eine ausführliche Charakterisierung von Nebenfiguren nicht ausreicht. So weit, so gut.
Trotzdem wird die Hälfte des Romans dazu verwendet, Algains Lebensgeschichte zu schildern. Hier hätte es durchaus gereicht, den Titelhelden kurz einzuführen. Seine komplette Geschichte ist zwar für diejenigen Leser von Interesse, die wissen wollen, was nach dem PAN-THAU-RA-Zyklus aus den Wyngern geworden ist. Gerade dies sollte aber wohl nicht der Schwerpunkt sein. Dieser Teil des Romans gerät daher viel zu lang. Es ist zwar für PR-Altleser durchaus interessant, wieder einmal etwas über ein altes Volk der Serie etwas zu erfahren, aber die Hauptstory um Atlan leidet deutlich darunter.
Hier wirkt vieles überhastet. Ich hätte mir eine deutlich stärkere Gewichtung im Verhältnis zur zweiten Handlungsebene gewünscht, die doch eher eine Nebenhandlung ist. Zudem ist der Schluß des Romans schon arg konstruiert. Die Idee, dem Arkoniden seinen Zellaktivator zu stehlen, ist zwar anzuerkennen (aus diesem Plot kann man schließlich eine Menge herausholen). Aber wie praktisch: Nachdem Algain Atlans Zellaktivator gestohlen hat, stolpert dieser in der Station seines Doppelgängers über ein Physiotron und erhält dort eine Zelldusche, die seinen weiteren Alterungsprozeß stoppt.
Was soll dieses Physiotron dort, in der Geheimstation eines Zellaktivatorträgers? Jedenfalls wurde kein einziges Mal erwähnt, daß der Doppelgänger einem Wynger eine Zelldusche gewährt hätte. Stattdessen "verleiht" Atlan II seinen Zellaktivator und liefert sich dadurch Algain quasi völlig aus. Das ist schon ziemlich weit hergeholt. Der Doppelgänger operiert schließlich allein, und daß ihm dann irgendwann einmal jemand den Aktivator stehlen wird, kann man als sicher voraussetzen. Atlan II stellt sich also zumindest in dieser Hinsicht als völliger Depp dar.
Zudem leidet der Roman unter einigen sprachlichen Unebenheiten: Algain wird in jedem dritten Satz als "der ehemalige Priesterschüler" bezeichnet, Atlan II ist immer wieder "der Weißhaarige".
Dafür hat sich die Qualität der Innen-Illustrationen jedoch deutlich verbessert.

Fazit:
Vom Unterhaltungswert her ganz passabel, aber einige deutliche Schwächen in der Handlung.
7 Punkte

Hans-Joachim Kleimann