Brian Lumley:

"Necroscope - Kreaturen der Nacht"

(Necroscope -Band 3)
OT: Necroscope II
(176 Seiten, Paperback, Blitz-Verlag 2803, ISBN 3-89840-022-0, DM 19,80)
- erschienen: November 2000 -

Die Handlung im dritten Teil (obwohl es natürlich der erste Teil des zweiten Bandes ist) der Vampir-Saga von Brian Lumley nimmt den Faden an der Stelle auf, wo der zweite Teil endete: Um Schloß Bronnitsy, Standort des sowjetischen Psi-Dezernats, ist eine Schlacht geschlagen worden. Harry Keogh, der Necroscope, hat mit Hilfe von (1579 von russischen Truppen massakrierten) Tataren das Schloß gestürmt. Dem Ansturm der Untoten hatte die Verteidigung wenig entgegenzusetzen, denn was nützen Maschinengewehre gegen Zombies, deren geringfügig in Einzelteile zerschossene Gliedmaßen ohne den Rest des Körpers weiter angreifen?
Harry ist es gelungen, seinen Feind Boris Dragosani, den Nekromanten, zu töten. Doch auch Keogh wird von Dragosani tödlich verwundet, und er kann nur als Geistwesen überleben. Harrys Geist findet seinen Bezugspunkt im Körper seines gerade geborenen Sohnes, kann aber auch als ätherisches Wesen durch die Welt streifen und so Kontakt zum neuen Leiter des britischen Psi-Dezernats finden, zu Alec Kyle.
In der Nähe Moskaus versucht nun einer der wenigen Überlebenden des Massakers in Schloß Bronnitsy, Felix Krakovic, das russische Dezernat wieder aufzubauen - mit der Segnung von Leonid Breschnev persönlich. Der große Parteivorsitzende hat ihm dazu jede Hilfe garantiert. Aber Krakovic bleibt nur ein Jahr, um herauszufinden, wie es zu der Katastrophe im Schloß kommen konnte.
Bei einem Kontakt zwischen Harry und Alec Kyle beginnt Harry, die Geschichte von Thibor Ferenzy zu erzählen, die Geschichte des Vampirs in der rumänischen Erde, der Boris Dragosani die Fähigkeit des Nekromantismus gab und ihm schließlich sein Ei einpflanzte. So erfahren wir, wie aus einem ehemaligen Bauern und Krieger aus der Walachei ein Vampir wurde. Diese Handlung nimmt auch den Großteil dieses Buches ein. Die Geschichte ist zwar fast perfekt bei Dracula abgekupfert, kommt aber immer noch gut rüber und gibt einen Einblick in die Entstehung des Wesens, das von Dragosani getötet wurde; aber bei Lumley kann man sich dessen nicht unbedingt sicher sein. Schließlich heißt es auf dem Umschlag ja immer so schön: "denn der Tod ist nur der Anfang". Doch mit der Geschichte von Thibor Ferenzy lernen wir auch einen neuen, zukünftigen Gegner von Harry Keogh kennen, Yulian Bodescu, der als Halbvampir geboren wurde.
Yulians Eltern hatten einen schweren Skiunfall in unmittelbarer Nähe des Grabes, das die wartenden Überreste des Thibor Ferenzy enthielt. Vom Blut des Vaters nährte sich der Vampir; in den Körper der Mutter aber, in das ungeborene Kind, pflanzte er seinen Samen. Dies alles spielte sich in der Zeit des Aufwachsens von Boris Dragosani ab und nährte zu dem Zeitpunkt noch die Hoffnungen des untoten Wesens in der Erde, die schließlich von Dragosani beendet wurden(?).

Der Band "NECROSCOPE - Kreaturen der Nacht" bildet wohl wieder die Aufbaugeschichte für den Folgeband. Brian Lumley erzählt nicht gerade etwas, das man noch nirgendwo anders gelesen hat, aber die Verwebung seiner Geschichte aus Kaltem Krieg mit gegenseitiger Psi-Spionage, dem Vampirthema und einer Reihe von Horror- und Splatterelementen machen die Reihe durchaus lesenswert. Lumley beginnt, sich sein eigenes, komplexes Universum aufzubauen, mit einer Reihe bekannter Versatzstücke, aber hervorragend neu arrangiert. Ich hoffe dabei nur, daß Brian Lumley Yulian Bodescu ein bißchen länger leben läßt als Boris Dragosani. Für mich hat er nach dem langen Aufbau die doch komplexe Gestalt des Boris Dragosani etwas zu schnell abserviert. Leider habe ich das Gefühl, daß Lumley sich im Lauf des Zyklus immer größere Gegner für Harry Keogh sucht. Das ist zwar der eher übliche Weg; ob mir das aber so gefällt, da bin ich mir nicht so sicher. Doch lassen wir uns weiter überraschen.
13 Punkte

Bernd Krosta