Die
Handlung im dritten Teil (obwohl es natürlich der erste Teil des
zweiten Bandes ist) der Vampir-Saga von Brian Lumley nimmt den Faden
an der Stelle auf, wo der zweite Teil endete: Um Schloß
Bronnitsy, Standort des sowjetischen Psi-Dezernats, ist eine Schlacht
geschlagen worden. Harry Keogh, der Necroscope, hat mit Hilfe von
(1579 von russischen Truppen massakrierten) Tataren das Schloß
gestürmt. Dem Ansturm der Untoten hatte die Verteidigung wenig
entgegenzusetzen, denn was nützen Maschinengewehre gegen
Zombies, deren geringfügig in Einzelteile zerschossene
Gliedmaßen ohne den Rest des Körpers weiter angreifen?
Harry ist es gelungen, seinen Feind Boris Dragosani, den Nekromanten,
zu töten. Doch auch Keogh wird von Dragosani tödlich
verwundet, und er kann nur als Geistwesen überleben. Harrys
Geist findet seinen Bezugspunkt im Körper seines gerade
geborenen Sohnes, kann aber auch als ätherisches Wesen durch die
Welt streifen und so Kontakt zum neuen Leiter des britischen
Psi-Dezernats finden, zu Alec Kyle.
In der Nähe Moskaus versucht nun einer der wenigen
Überlebenden des Massakers in Schloß Bronnitsy, Felix
Krakovic, das russische Dezernat wieder aufzubauen - mit der Segnung
von Leonid Breschnev persönlich. Der große
Parteivorsitzende hat ihm dazu jede Hilfe garantiert. Aber Krakovic
bleibt nur ein Jahr, um herauszufinden, wie es zu der Katastrophe im
Schloß kommen konnte.
Bei einem Kontakt zwischen Harry und Alec Kyle beginnt Harry, die
Geschichte von Thibor Ferenzy zu erzählen, die Geschichte des
Vampirs in der rumänischen Erde, der Boris Dragosani die
Fähigkeit des Nekromantismus gab und ihm schließlich sein
Ei einpflanzte. So erfahren wir, wie aus einem ehemaligen Bauern und
Krieger aus der Walachei ein Vampir wurde. Diese Handlung nimmt auch
den Großteil dieses Buches ein. Die Geschichte ist zwar fast
perfekt bei Dracula abgekupfert, kommt aber immer noch gut rüber
und gibt einen Einblick in die Entstehung des Wesens, das von
Dragosani getötet wurde; aber bei Lumley kann man sich dessen
nicht unbedingt sicher sein. Schließlich heißt es auf dem
Umschlag ja immer so schön: "denn der Tod ist nur der Anfang".
Doch mit der Geschichte von Thibor Ferenzy lernen wir auch einen
neuen, zukünftigen Gegner von Harry Keogh kennen, Yulian
Bodescu, der als Halbvampir geboren wurde.
Yulians Eltern hatten einen schweren Skiunfall in unmittelbarer
Nähe des Grabes, das die wartenden Überreste des Thibor
Ferenzy enthielt. Vom Blut des Vaters nährte sich der Vampir; in
den Körper der Mutter aber, in das ungeborene Kind, pflanzte er
seinen Samen. Dies alles spielte sich in der Zeit des Aufwachsens von
Boris Dragosani ab und nährte zu dem Zeitpunkt noch die
Hoffnungen des untoten Wesens in der Erde, die schließlich von
Dragosani beendet wurden(?).
Der Band "NECROSCOPE - Kreaturen der Nacht" bildet wohl wieder die
Aufbaugeschichte für den Folgeband. Brian Lumley erzählt
nicht gerade etwas, das man noch nirgendwo anders gelesen hat, aber
die Verwebung seiner Geschichte aus Kaltem Krieg mit gegenseitiger
Psi-Spionage, dem Vampirthema und einer Reihe von Horror- und
Splatterelementen machen die Reihe durchaus lesenswert. Lumley
beginnt, sich sein eigenes, komplexes Universum aufzubauen, mit einer
Reihe bekannter Versatzstücke, aber hervorragend neu arrangiert.
Ich hoffe dabei nur, daß Brian Lumley Yulian Bodescu ein
bißchen länger leben läßt als Boris Dragosani.
Für mich hat er nach dem langen Aufbau die doch komplexe Gestalt
des Boris Dragosani etwas zu schnell abserviert. Leider habe ich das
Gefühl, daß Lumley sich im Lauf des Zyklus immer
größere Gegner für Harry Keogh sucht. Das ist zwar
der eher übliche Weg; ob mir das aber so gefällt, da bin
ich mir nicht so sicher. Doch lassen wir uns weiter
überraschen.
13 Punkte