Im
Spätherbst 2001 erwacht Landru aus seiner magischen Starre, von
Nona und Jadon - dem Zwillingsbruder Jesu - geweckt. In einer Art
magischem Kino läßt er Nona die Geschehnisse miterleben,
die seit seinem Verschwinden passiert sind.
Vergangenheit: Zusammen mit Seth erreicht Landru den Ararat - und
stellt erstaunt fest, daß jemand den alten Dom wiedererschaffen
hat. Selbst die Plätze, die ehemals die Hüter
ausgefüllt haben, sind belegt. Als Seth gegen das Kraftfeld
anrennt, das eine der Gestalten umgibt, übernimmt deren Geist
den Körper des Neovampirs. Kurze Zeit später, als Seth
wieder Herr seiner selbst ist, vernichtet er die Körper der
Gestalten und erklärt dem verdutzten Landru, daß dies
Engel seien. Landru glaubt ihm nicht. Die Vernichtung der Engel
löst allerdings eine Reaktion des Doms aus. Seth und Landru
werden in die Vergangenheit geschleudert.
Dort angekommen enthüllt Seth Landru, daß Gott einen Plan
hatte, in dem die Engel eine besondere Rolle spielten. Offenbar
sollten diese in die Vergangenheit gehen, um den Zwillingsbruder Jesu
an dessen Stelle kreuzigen zu lassen. Im Gegenzug sollte Jesus in die
Gegenwart gebracht werden, um die Finsternis aufzuhalten, die
Australien bedroht. Nach diesem Bericht bricht Landru Seth das
Genick, denn die Geister der Engel sind noch in dessen Körper,
und Landru will kein Risiko eingehen.
In dieser Zeit ist Ischtar die Kelchhüterin. Landru ist ihr
schon einmal begegnet, aber das liegt in Ischtars Zukunft. Von ihr
hat er das Amt des Kelchhüters übernommen. So wendet sich
Landru mit einem gekaperten Schiff nach Palästina, wo Ischtar im
Palast des Herodes residiert.
Auf dem Schiff hat sich jedoch ein weiblicher Dämon eingenistet,
der gleich erkennt, daß Landru etwas Besonderes ist. Der
Dämon nimmt Landrus Energie in sich auf, schwächt ihn
derart, daß dieser nicht entkommen kann, und verschleppt ihn
nach Alexandria. Es sieht nicht so aus, als würde er diesmal
entkommen können...
Nachdem sein Erscheinen schon mehrmals angekündigt und immer
wieder nach hinten verschoben wurde, was natürlich die Neugier
und die Erwartung auf den Roman deutlich in die Höhe treibt, ist
der Roman endlich ausgeliefert worden.
Das ist natürlich nicht sehr optimal; schließlich ist der
Abstand zum vorherigen Band mittlerweile so groß, daß
sich wohl kaum jemand an dessen Handlung erinnern wird. Wer also
diesen Band lesen möchte, sollte zumindest die letzten Kapitel
von Band 4 nochmals nachlesen.
Und damit haben wir schon ein wesentliches Dilemma des Romans. Denn
aus den letzten Kapiteln des vorherigen Bandes weiß der Leser
schon, daß Landru unversehrt wieder auftauchen wird. Sprich:
Wie im epischen Theater liegt die Spannung diesmal nicht auf der
Handlung selbst, sondern eher auf den Gang der Handlung. Das mag ja
ganz nett sein, aber so richtig vermag der Roman auf diese Weise
nicht zu unterhalten. Wie eben beim epischen Theater. (Nichts gegen
Brecht und Konsorten. ;-))
Martin Kay hat nun die schwere Aufgabe, Timothy Stahl zu vertreten -
schon seit längerem war klar, daß dieser aus dem Team
aussteigen würde. Es lag nahe, einen erfahrenen Autor
heranzuziehen; schließlich ist Martin ja beim
"Dämonenkiller" dabei. Daß er Timothy nicht ersetzen kann,
ist klar.
Aber die Lücke, die Stahl hinterläßt, ist doch sehr
deutlich. Obwohl die Handlung des Romans durchaus spannend und solide
erzählt wird, fehlt eindeutig das Flair, das Landru bisher
umgeben hat. War der ehemalige Kelchhüter bisher eine Gestalt,
die nicht so leicht zu durchschauen war, ist er diesmal sehr
blaß und kaum greifbar. Seine Absichten sind diesmal zu schnell
zu erahnen.
Man fragt sich, warum die Episode mit der Dämonin eingeflochten
wurde. So wichtig für den roten Faden erscheint einem diese
nicht. Der Alt-Leser fühlt sich an einen Roman erinnert, in dem
das Haus in der Paddington Street schon mal von schwarzen Fäden
durchdrungen worden war. (Leider ist mir der Titel jetzt entfallen,
es war aber noch in der Heftromanserie.) Ich glaube nicht, daß
da bewußt an alte Themen angeknüpft wurde. Diese
Handlungsebene scheint eher auf das Konto von Martin Kay zu
gehen.
Gut, es gibt zwischendurch dann doch einige Überraschungen. Dazu
gehört der Gral, der durch Landrus Bestrebungen wieder eine Art
Lilien-Kelch geworden ist, und der Plan Gottes, Jesus in die
Gegenwart zu bringen. Hier wagt sich die Serie wie schon des
öfteren auf den heiligen Boden der Bibel. Religiöse
Fundamentalisten würden die Serie deswegen in Grund und Boden
verdammen. Es macht allerdings schon ein wahnwitziges Vergnügen,
diese Stellen zu lesen. Leider ist dieses nur von kurzer Dauer.
Was nach dem Lesen bleibt, ist ein merkwürdiges Gefühl.
Einerseits hat man zwar nicht gerade viel Neues erfahren - wenn man
mal von den letzten Romankapiteln absieht - aber andererseits hat man
nicht das Empfinden, seine Zeit verschwendet zu haben. Landru wird
sich jetzt verstärkt gegen die Neo-Vampire wenden. Die Frage ist
nur, ob Jadon sich ihm willig unterwerfen wird. So ganz glaube ich
das nämlich nicht. Nun ja, abwarten und Vampira lesen. ;-)
Fazit:
Ein eher durchwachsener Roman, der durchaus seine guten Stellen hat,
aber so ganz vermag er nicht zu überzeugen.
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