Frank MacLachlan

http://www.maclachlan.de

Band 27: "Der Stab des Anubis"

Autor: Morgan deClerk

Vergangenheit: Jacques de Troyes ist mittlerweile alt geworden. Als er Freunde auf seiner Burg empfängt, ist auch Orka darunter. Dieser prophezeit dem Tempelritter eine ereignisreiche Zukunft.
Gegenwart: Jean-Pierre Montbard braucht Geld. Deshalb verkauft er Richard Hastings einen Teil vom Stab des Anubis. Hastings jedoch ist gar nicht gewillt, das Geld zu bezahlen und bringt Montbard um.
Währenddessen ist Jack in Jerusalem angekommen. Er und sein alter Freund Robert de Brus sollten eigentlich vom Flughafen abgeholt werden. Normalerweise ist der Roberts Bekannter pünktlich. Nachdem sie einige Zeit gewartet haben, fährt er und Jack zur Wohnung des Bekannten. Dort angekommen stellen sie fest, daß dieser ermordet worden ist.
Professor Emile Skarabäus ist in der Zwischenzeit mit Grabungen in der Wüste Israels beschäftigt. Dort hofft er seine These untermauern zu können, nach der schon vor den Sumerern eine Kultur im Sinai-Gebiet existiert hat. Der von ihm entdeckte Tempel scheint allerdings verflucht zu sein. Denn der Vorarbeiter kommt auf geheimnisvolle Weise ums Leben. Skarabäus verdächtigt drei seiner Arbeiter, seine Arbeit zu sabotieren. Was er nicht ahnt - diese drei sind Angehörige eines Geheimbundes, die den Professor beobachten sollen. Denn im Tempel wartet immer noch der Dämon auf seine Erweckung.
Nach und nach sammelt Hastings die Teile des Anubis-Stabs zusammen. Auch Roberts Freund besitzt ein Teilstück. Als Jack und Robert in die Wohnung des Freundes eindringen, begegnen sie Hastings. Dieser ist vollkommen überrascht und flieht. Auf der Polizeiwache identifiziert Jack Hastings als den Todesengel, einen gefährlichen Terroristen, der auf der ganzen Welt gesucht wird.
Kurze Zeit später treffen begeben sich Jack und Robert zur Ausgrabungsstätte des Professors Skarabäus. Robert hat Jack erzählt, daß sowohl der Templerorden als auch der der Assassinen noch existiert. Einige Angehörige sind Robert noch einige Gefallen schuldet, deswegen können beide unverzüglich zur Ausgrabungsstätte gelangen.
Hastings jedoch war schon vor ihnen beim Professor. Emile kann den Verlockungen Hastings nicht wiederstehen und schließt einen Pakt mit ihm. Arglos werden Robert und Jack von ihm in eine Falle gelockt. Nachdem Emile die Beiden betäubt hat, nimmt Hastings das letzte Stabstück Jack ab. Zwar schalten sich die drei Arbeiter ein, doch sie können die Erweckung des Dämons nicht verhindern. Auch Jack und Robert kommen zu spät.
Der Dämon hat sich in Emiles Körper transformiert. Hastings, der Todesengel, offenbart sich dem Dämon als ein nichtmenschliches Wesen, das nur eine Zeitlang Auftragskiller war. Wer den Dämon aber erweckt hat und was der Auftraggeber Hastings mit ihm vorhat, bleibt im Dunkeln.

Der Dämon ist also erweckt worden. Es gibt also einen neuen regelmäßigen Gegner für Frank und das Team. Da kann man nur hoffen, daß der Expo-Schreiber bei all den dauerhaften Gegnern nicht den Überblick verliert.
Manchmal fragt man sich ernsthaft, wer sich nur diese Namen ausdenkt. Wer den Film "Orka - der Killerwal" gesehen hat, wird bei der Nennung des Namens doch unwillkürlich lächeln. Und sprechende Namen ist der Rezensent eigentlich eher von Terry Pratchett gewöhnt - Emile Skarabäus verleiht dem Professor doch einen Touch ins Lächerliche. Und das ist garantiert nicht gewollt, gelle?
Okay, widmen wir uns nun dem Roman selbst. In der kurzen Eingangsszene wird nochmals auf das Mittelalter zurückgegriffen. Man fragt sich als Leser nur, warum? Vermutlich wird man noch von dem Tempelritter hören - so ist das vermutlich auch gemeint - aber mit dieser Szene wird eine Erwartungshaltung aufgebaut, die im Roman dann nicht eingelöst wird. Schließlich spielt der Rest ja in der Gegenwart. Nun ja.
Die Handlungsebene um Skarabäus - hmm, sollte der Name eine bewußte Anspielung auf das alte Äypten sein? - ist recht solide geschrieben und bietet angenehme Unterhaltung.
Dagegen hat man öfters den Eindruck, Jack und sein Freund Robert würden etwas überstürzt handeln. Gut, wenn ein sonst pünktlicher Bekannter nicht rechtzeitig auftaucht, ist das ein Grund, nachzusehen. Ob man da vorher noch mal telefonisch nachfragt, vermutlich Geschmackssache. Warum Robert den Weg zu der Wohnung kennt, wenn er noch nie in Jerusalem gewesen ist, wird wohl bewußt nicht erklärt. Jedenfalls antwortet Robert nicht darauf, als Jack genau dies fragt. Die Szene auf dem Revier lässt einen dann doch etwas schmunzeln. Hollywood lässt grüßen, wenn Hastings mit bombastischen Worten als Todessengel eingeführt wird.
Ob ein Porzellanmodell wirklich soviel wiegt wie das Original, sprich das Teilstück des Anubis-Stabs? Und es sieht auch täuschend echt aus? Hmmm.
Eine überraschende Pointe ist natürlich die Enthüllung, daß Hastings kein Mensch ist. Ein weiteres Rätsel, daß seiner Auflösung harrt, ist die Frage, wer den Todesengel beauftragt hat, den Dämon zu erwecken. McDonald? Oder jemand, der bisher noch nicht aufgetaucht ist?
Amüsant fand ich die Bemerkung des Leserbriefschreibers Martin Hoyer, daß "McDonald's und die Hölle nicht weit voneinander entfernt liegen können." Ob dann Burger-King die Vorhölle ist? Who knows...

Fazit:
Ein sehr solider Roman mit sehr vielen Absätzen. Der bessere Teil des Zeiteilers.
9 Punkte

Christian Spließ

Auch dieser Band der Serie beginnt, wie so viele zuvor, in der Vergangenheit, nämlich im Jahr 1140. Jacques de Troyes, ein greiser Templer, erwartet den Tod, doch ein Besuch alter Kampfgefährten belehrt ihn eines Besseren - eine große Aufgabe soll er noch vor sich haben, und diese steht im Zusammenhang mit dem Teil eines uralten Artefaktes, welcher sich in seinem Besitz befindet. Einen gewaltigen Zeitsprung später befinden wir uns in der Gegenwart, wo ein verschuldeter Nachkomme der Familie eben dieses Objekt an einen mysteriösen Mr. Hastings verscherbeln will, welcher sich jedoch als Kreatur des Bösen entpuppt. Die nächsten Szenenblenden macht uns deutlich, daß uns diesmal ein Soloabenteuer von Jack Claim erwartet, der mit de Brus, einem alten Bekannten, in geheimnisvoller Mission in das Heilige Land aufbricht. Auch ein weiterer potentieller Gegenspieler, der ehrgeizige Archäologieprofessor Emile Skarabäus, welcher vor Ort die Ausgrabung eines alten Tempels betreibt, wird dem Leser vorgestellt. Unterdessen setzt Hastings seine Suche nach Teilen des Stabes des Anubis fort; da sich eines davon im Besitz des Mannes befindet, der Jack und de Brus vom Bahnhof abholen wollte, kommen die Charaktere allmählich zusammen. Hastings schließt einen Pakt mit Professor Skarabäus. Der Pakt geht auf; dem ahnungslosen Jack wird das letzte zur Komplettierung des Artefakts fehlende Teil entwendet. Weder er noch de Brus oder einige Assassinen können Hastings und Skarabäus daran hindern, den Dämon zu befreien, der daraufhin vom Professor Besitz ergreift.
Eine, hm... "extravagante" Zeichensetzung, die zahlreichen Szenenwechsel und plötzlich auftauchenden Charaktere machen das Lesen dieses Bandes im ersten Moment nicht gerade zu einem Genuß. Viele offensichtliche Logikfehler tun ihr Übriges, um die 27. Ausgabe ähnlich konfus erscheinen zu lassen wie die Nummer 26. Kann mir mal jemand erklären, wie jemand die Professorenwürde verliehen bekommen kann, der laut Beschreibung in Fachkreisen nicht anerkannt ist? Und warum habe ich noch immer das Gefühl, einen ganz bestimmten Horrorfilm nacherzählt zu bekommen? Warum grinst jemand, der gerade einen Bekannten verloren hat, angesichts eines eher verkrampften Witzes? Wo in der Nähe von Jerusalem kann man abgeschieden graben, selbst wenn man den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern mal außen vor läßt?
Man möchte schon verzweifeln, aber wie so häufig erschließen sich die Qualitäten beim Weiterlesen: Der Stil wird bereits zur Mitte hin ungleich flüssiger, und es kommt die gewohnte Spannung auf. Die Verknüpfung einer Horror- und Krimihandlung klappt - wie schon zuvor in der Geschichte der Serie - auch dieses Mal. Richtig albern wird es jedoch noch einmal zum Schluß, als der Dämon Besitz vom Professor ergreift: Seit McDonald ist "Dr. Diabolo" der wohl abwegigste Name, der mir je für einen neuen Gegner untergekommen ist. Erwähnte ich schon, daß während der ganzen Handlung auf die große Aufgabe von de Troyes mit keinem Wort weiter eingegangen wurde? Hier wird meiner Ansicht nach zu optimistisch davon ausgegangen, daß alle Leser sich durch den nicht minder konfusen ersten Band dieses Zweiteilers, durch die Nummer 26, hindurchgefunden haben und nun ihre Rückschlüsse ziehen können.

Fazit:
Insgesamt mal wieder ein eher durchwachsener, wenn auch nicht schlechter Band, der lediglich daran krankt, daß zuviele Elemente auf einmal eingebracht werden wollten. Das ergibt zwar einen sehr farbenfrohen Zweiteiler, dennoch ist mein Gesamteindruck eher negativ. Es wird meiner Meinung nach wieder Zeit für einen MacLachlan ohne bitteren Beigeschmack.
6 Punkte

Martin Hoyer