Band 25: "New York, New York"

Autor: Claudia Kern

Die Santanna kommt ihrem Ziel, dem sagenhaften Meeraka, immer näher. Als Matt das Schiff zu einer Art Schlitten umfunktioniert, um es sicher über die Eisschicht zu bringen, wird er von Colomb mehr und mehr respektiert.
Schließlich erreicht die Santanna den Hafen von New York. Ein Teil der Stadt liegt unter einer dichten Eisdecke begraben. Colomb, der wie sein historisches Vorbild eher Barbaren oder Wilde erwartet hat, ist von der doch sehr modernen Zivilisation überrascht. Er und Matt werden zum Maa'or der Stadt geführt. Dieser verkündet freudestrahlend, daß die Santanna genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen sei. Schließlich hat sich die alte Legende als wahr erwiesen: Ein Sonnenkorn ist gefunden worden. Dieses soll der Stadt die Wärme wiederbringen. Als Matt dieses Korn genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt er entsetzt, daß es sich um einen Atomsprengkopf handelt - komplett mit Bedienungsanleitung. Sollte der Sprengkopf gezündet werden, ist alles Leben in der Stadt in Gefahr.
Pieroo hat währenddessen eine apathisch dasitzende Frau auf einer Eisscholle entdeckt und sie ohne Zögern an Bord der Santanna geholt. Als Colomb bei seiner Rückkehr davon hört, befiehlt er, die Fremde unverzüglich von Bord zu schaffen. Doch es ist zu spät: Die Soldaten der Stadt stürmen die Santanna. Sie befürchten eine Seuchengefahr und bringen die Mannschaft in die Freiheitsstatue, die jetzt als Quarantäne-Zone dient. Matt und der kranken Frau gelingt die Flucht. Er folgt ihr in die unterirdischen Gänge und erkennt zu spät, daß er in eine Falle gelockt wurde. Weiße Fäden dringen in seinen Körper ein.
Kurz nach Matts Flucht kann sich auch Pieroo den Soldaten entziehen. Er durchstreift die Stadt auf der Suche nach Matt.
Matt ist für kurze Zeit Teil eines gewaltigen Organismus geworden. Für diesen ist Wärme gleichbedeutend mit Tod, und da der Sprengkopf auch das Ende des Organismus wäre, entläßt er Matt aus seinem Bann und unterstützt ihn vorläufig bei seinen Bemühungen. Von Samtha (die mit ihm geflohene Frau) geführt, steuert Matt die Kathedrale an, in der der Sprengkopf aufbewahrt wird. Auch Pieroo ist es gelungen, dort einzudringen. Doch es ist zu spät - der Sprengkopf ist schon gezündet. Es bleibt nur eine Chance: Matt muß ihn so weit wie möglich außer Reichweite schaffen. Durch einen Geheimgang gelangt er in den Hafen, befördert den Kopf auf die Santanna und bringt diese außer Reichweite.
Der Maa'or ist natürlich nicht besonders erbaut von dieser Aktion und will Matt nach dessen Rückkehr hängen lassen. Als er aber den gewaltigen Atompilz zu Gesicht bekommt, versteht er Matts Handeln. Matt kann auch die Krankheit erklären, doch der Maa'or ist vorsichtig und steckt ihn zu der restlichen Mannschaft der Santanna. Matt gelingt es, Samtha von den Parasiten zu befreien. Er ahnt jedoch nicht, daß der Organismus schon abwartend in den Katakomben der Stadt steht.

Kann man eigentlich schon von einem Jubiläum reden, wenn der 25. Band einer Serie erschienen ist? Man kann durchaus, zumal mit diesem Roman der lange angekündigte Meeraka-Zyklus beginnt.
Zum Auftakt serviert Claudia Kern einen gelungenen Roman. Wie immer ist die Romanhandlung mit kleinen Gageinlagen gespickt. Wenn ein Atomsprengkopf als Sonnenkorn verehrt wird, wird dem Leser gewiß die "Rückkehr zum Planet der Affen" einfallen. Und die Begrüßung des Bürgermeisters, ein nettes "Fackju", hinterläßt bei Matt eine gewisse Fassunglosigkeit.
Gewiß, die Handlung ist ab und an doch sehr voraussehbar - oder steht es außer Zweifel, daß Matt den Sprengkopf schließlich doch irgendwie aus dem Weg schafft? Allerdings ist sie, wie immer bei Claudia, spannend und gefällig erzählt; es kommt keine Langeweile auf. Ein gekonnter Kniff sind dabei die ersten Seiten des Romans, die ausschließlich als Logbucheinträge von Colomb daherkommen. (Hmm, wo Claudia wohl die Inspiration dafür herhat? ;-))
Die Charaktere bleiben diesmal ein wenig auf der Strecke. Vielleicht liegt das daran, daß sie den Leser schon einige Zeit begleiten und er mittlerweile weiß, wie sie reagieren. Und allzugroße Überraschungen gibt es da auch nicht. Die Feindschaft zwischen Matt und Jochim vertieft sich halt mehr und mehr.
Tja, Jochim - da er von den Parasiten befallen ist, scheint es fast so, als würde er im zweiten Teil abserviert werden. Das wäre sehr schade, hat die Figur an sich doch noch enormes Konfliktpotential, wie es so schön auf neudeutsch heißt. Andererseits gibt es ja eine Heilung für die Befallenen. Und wenn Claudia das so nett am Ende des Romans beschreibt, besteht doch noch Hoffnung.

Fazit:
Der Auftakt des Meeraka-Zyklus ist vielversprechend. Die Handlung vermag wohl an einigen Stellen nicht so ganz zu überzeugen, ist aber spannend und gekonnt erzählt.
10 Punkte

Christian Spließ