Die
Santanna kommt ihrem Ziel, dem sagenhaften Meeraka, immer näher.
Als Matt das Schiff zu einer Art Schlitten umfunktioniert, um es
sicher über die Eisschicht zu bringen, wird er von Colomb mehr
und mehr respektiert.
Schließlich erreicht die Santanna den Hafen von New York. Ein
Teil der Stadt liegt unter einer dichten Eisdecke begraben. Colomb,
der wie sein historisches Vorbild eher Barbaren oder Wilde erwartet
hat, ist von der doch sehr modernen Zivilisation überrascht. Er
und Matt werden zum Maa'or der Stadt geführt. Dieser
verkündet freudestrahlend, daß die Santanna genau zum
richtigen Zeitpunkt gekommen sei. Schließlich hat sich die alte
Legende als wahr erwiesen: Ein Sonnenkorn ist gefunden worden. Dieses
soll der Stadt die Wärme wiederbringen. Als Matt dieses Korn
genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt er entsetzt, daß es sich
um einen Atomsprengkopf handelt - komplett mit Bedienungsanleitung.
Sollte der Sprengkopf gezündet werden, ist alles Leben in der
Stadt in Gefahr.
Pieroo hat währenddessen eine apathisch dasitzende Frau auf
einer Eisscholle entdeckt und sie ohne Zögern an Bord der
Santanna geholt. Als Colomb bei seiner Rückkehr davon hört,
befiehlt er, die Fremde unverzüglich von Bord zu schaffen. Doch
es ist zu spät: Die Soldaten der Stadt stürmen die
Santanna. Sie befürchten eine Seuchengefahr und bringen die
Mannschaft in die Freiheitsstatue, die jetzt als Quarantäne-Zone
dient. Matt und der kranken Frau gelingt die Flucht. Er folgt ihr in
die unterirdischen Gänge und erkennt zu spät, daß er
in eine Falle gelockt wurde. Weiße Fäden dringen in seinen
Körper ein.
Kurz nach Matts Flucht kann sich auch Pieroo den Soldaten entziehen.
Er durchstreift die Stadt auf der Suche nach Matt.
Matt ist für kurze Zeit Teil eines gewaltigen Organismus
geworden. Für diesen ist Wärme gleichbedeutend mit Tod, und
da der Sprengkopf auch das Ende des Organismus wäre,
entläßt er Matt aus seinem Bann und unterstützt ihn
vorläufig bei seinen Bemühungen. Von Samtha (die mit ihm
geflohene Frau) geführt, steuert Matt die Kathedrale an, in der
der Sprengkopf aufbewahrt wird. Auch Pieroo ist es gelungen, dort
einzudringen. Doch es ist zu spät - der Sprengkopf ist schon
gezündet. Es bleibt nur eine Chance: Matt muß ihn so weit
wie möglich außer Reichweite schaffen. Durch einen
Geheimgang gelangt er in den Hafen, befördert den Kopf auf die
Santanna und bringt diese außer Reichweite.
Der Maa'or ist natürlich nicht besonders erbaut von dieser
Aktion und will Matt nach dessen Rückkehr hängen lassen.
Als er aber den gewaltigen Atompilz zu Gesicht bekommt, versteht er
Matts Handeln. Matt kann auch die Krankheit erklären, doch der
Maa'or ist vorsichtig und steckt ihn zu der restlichen Mannschaft der
Santanna. Matt gelingt es, Samtha von den Parasiten zu befreien. Er
ahnt jedoch nicht, daß der Organismus schon abwartend in den
Katakomben der Stadt steht.
Kann man eigentlich schon von einem Jubiläum reden, wenn der 25.
Band einer Serie erschienen ist? Man kann durchaus, zumal mit diesem
Roman der lange angekündigte Meeraka-Zyklus beginnt.
Zum Auftakt serviert Claudia Kern einen gelungenen Roman. Wie immer
ist die Romanhandlung mit kleinen Gageinlagen gespickt. Wenn ein
Atomsprengkopf als Sonnenkorn verehrt wird, wird dem Leser
gewiß die "Rückkehr zum Planet der Affen" einfallen. Und
die Begrüßung des Bürgermeisters, ein nettes
"Fackju", hinterläßt bei Matt eine gewisse
Fassunglosigkeit.
Gewiß, die Handlung ist ab und an doch sehr voraussehbar - oder
steht es außer Zweifel, daß Matt den Sprengkopf
schließlich doch irgendwie aus dem Weg schafft? Allerdings ist
sie, wie immer bei Claudia, spannend und gefällig erzählt;
es kommt keine Langeweile auf. Ein gekonnter Kniff sind dabei die
ersten Seiten des Romans, die ausschließlich als
Logbucheinträge von Colomb daherkommen. (Hmm, wo Claudia wohl
die Inspiration dafür herhat? ;-))
Die Charaktere bleiben diesmal ein wenig auf der Strecke. Vielleicht
liegt das daran, daß sie den Leser schon einige Zeit begleiten
und er mittlerweile weiß, wie sie reagieren. Und
allzugroße Überraschungen gibt es da auch nicht. Die
Feindschaft zwischen Matt und Jochim vertieft sich halt mehr und
mehr.
Tja, Jochim - da er von den Parasiten befallen ist, scheint es fast
so, als würde er im zweiten Teil abserviert werden. Das
wäre sehr schade, hat die Figur an sich doch noch enormes
Konfliktpotential, wie es so schön auf neudeutsch heißt.
Andererseits gibt es ja eine Heilung für die Befallenen. Und
wenn Claudia das so nett am Ende des Romans beschreibt, besteht doch
noch Hoffnung.
Fazit:
Der Auftakt des Meeraka-Zyklus ist vielversprechend. Die Handlung
vermag wohl an einigen Stellen nicht so ganz zu überzeugen, ist
aber spannend und gekonnt erzählt.
10 Punkte