Band 2055: "13 gegen Arkon"

Autor: Andreas Findig

Pünktlich zum Besuch des Imperators ist auch das geheime USO-Kommando in der Hauptstadt Baretus angekommen. Nur mit Mühe konnte der ertrusische Untergrund dazu bewogen werden, während des Besuches stillzuhalten, um die USO-Aktivitäten nicht zu stören.
Aber nicht nur der Untergrund hat schlechte Laune. Dem arkonidischen Tato Subeat dom Cyllken obliegt die Organisation der Veranstaltung. Keine einfache Sache bei einem Planeten, auf dem die Anzahl der Kollaborateure exakt 0 ist. Also beschließt er, eine jubelnde Masse einfach per Holo herzuzaubern.
Unterdessen haben die beiden von der USO mitgebrachten Katsugo-Roboter abgekoppelt und machen sich nun auf den Weg. "Normal" sind die Roboter allerdings nicht. Sie werden von einem siganesischen Einsatzkommando gesteuert, das Oberstleutnant Caar Cassquo kommandiert. Dieser hat bei seinen Leuten nicht den besten Ruf, da er einst ein Mitglied der legendären Abteilung Null des TLD war. An ihm liegt es nun, das Unternehmen zu führen und gleichzeitig seine Leute vor Übereifer zu bewahren, z.B. seinen etwas überaktiven und vorschnellen Waffenoffizier Alexander Woodi.
Zunächst greifen sich die Siganesen zwei Original-Katsugos, deren Stelle sie nun einnehmen und darauf warten, Julian Tifflor aus den Händen der Arkoniden zu befreien.
Als Bostich dann endlich auf der Bühne erscheint, kommt er - wie es sich für ihn gehört - mit einem ziemlich großen Bahnhof an. Es dauert auch nicht lange, bis der Tato seinen Trick mit den jubelnden Ertrusern enttarnt glaubt, und schon sieht er sich auf dem Gefängnisplaneten Celkar. Bostich jedoch überspielt die Situation und hält indes eine triumphale Rede.
Auf diesen Moment haben die Siganesen sehnsüchtig gewartet. Die Stimmung an Bord der Katsugos ist mittlerweile unerträglich. Als Strafarbeit darf Woodi die Schirmfrequenz von Bostich analysieren - was für eine Schmach, denn Tifflor ist ja schließlich das Ziel, nicht Bostich.
Doch dann geht es endlich los, und für den Oberstleutnant ist es nun an der Zeit, seiner Crew ein paar überraschende Informationen zu enthüllen: Julian Tifflor ist überhaupt nicht das Ziel der Aktion, sondern Bostich selbst. Inmitten eines Ablenkungsmanövers gelingt es ihnen, sich an den Imperator anzuschleichen und ihn in die Kammer eines der Katsugos zu verfrachten. Dann heißt es Fersengeld geben, was das Zeug hält.
Aber die Sorgen sind umsonst, denn die Flucht gelingt, und so dockt man bald wieder sicher an den U-Booten an, die schon sehnsüchtig auf das Kommando warten. Nun geht's wieder in Richtung Terra - mit dem mächtigsten Mann der Galaxis an Bord.

Na, was für ein Knall! Hier läßt man den alten Helden Julian Tifflor einfach so links liegen und krallt sich Imperator Bostich I., der gerade vor der ganzen Galaxis sein Göttliches Imperium ausgerufen und Terra geschickt in die politische Isolation getrieben hat.
Öffentlich kann man damit nicht arbeiten, denn nach der aktuellen Situation hätte man nicht weniger als eine ganze Galaxis gegen sich, und derzeit ist Terra nun wirklich nicht in der Lage, sich durch so etwas durchzubeißen - Aagenfelt-Barriere hin oder her.
Aber ein Knall war's auf jeden Fall. Ebenso wie die Besatzung der Katsugo ging ich bis zur letzten Sekunde davon aus, daß es hier nicht auf Bostich, sondern auf Tifflor ankommen würde.
Ganz am Rande möchte ich an dieser Stelle anmerken, daß ich auch von dem "2.Befehl" Monkeys recht angetan war, der besagte, in einer hoffnungslosen Situation beide Roboter zu überlasten und Bostich damit komplett aus dem Verkehr zu ziehen. Auf diese Weise kommt hinter den Begriff der Abteilung Null endlich etwas Aussagekraft. Seit ihrer Einführung fehlte hier doch die eigentlich Konsequenz, auch wenn Monkey schon immer etwas radikal war. Nun aber haben wir ein wenig mehr Gesicht und vor allem Konsequenz von einem bisher doch recht schwammigen Begriff.
Doch zurück zu Bostich. War es wirklich so klug, sich den Imperator zu schnappen? Seit der Entstehung von Seelenquell ist der doch gar nicht mehr Herr im eigenen Haus, sondern nur noch eine Puppe der neuen Superintelligenz. Will man ihn etwa mit terransischer Technik zurückbringen? Wenn ja - mit welchem Erfolg? Will man Bostich als Botschafter in eigener Sache promoten? Das kann ich nicht glauben, denn wer würde in so einer Situation dem Imperator glauben? Vielmehr würde man davon ausgehen, daß die Terraner den Arkoniden einer Gehirnwäsche unterzogen hätten, und somit hätte er jeglichen Wert verloren.
Ich schätze mal, daß man an seine Geheimnisse heranwill. Selbst wenn Seelenquell merkt, daß er seine wichtigste "Hand" verloren hat, dürften noch ein paar Dinge übrigbleiben, die der TLD und die USO verwenden können (ich gehe mal davon aus, daß die wichtigsten Sicherheitssysteme und Codes schnell eine Veränderung erleben werden). Vielleicht will man aber auch Seelenquell zu einer Reaktion zwingen. Hieraus könnten sich allerdings eine Menge interessanter Dinge entwickeln.
Ansonsten bleibt zum Roman zu sagen, daß hier eigentlich gar nicht viel passiert, aber das fällt durch den geschickten Aufbau kaum so richtig auf.
Die Hauptebene mit den Siganesen wird immer wieder durch verschiedene andere unterbrochen, z.B. durch einen Ausblick des ertrusischen Untergrundes oder die Vorbereitungen des arkonidischen Tato. Gerade durch das zweite werden die Umgebung für das spätere Geschehen beschrieben und die Grundlagen gelegt, die - als es dann endlich losgeht - nicht mehr aufgearbeitet werden müssen (z.B. die Angelegenheit mit den Holo-Ertrusern).
Im Gegensatz zum Vorgänger gibt es in diesem Roman auch ein paar interessante Charaktere. An Bord der Katsugos herrscht eben jene Spannung zwischen den Besatzungsmitgliedern, die ich mir eigentlich schon an Bord der U-Boote gewünscht hätte. Dadurch werden Spannung und Faszination des Romans ganz wesentlich erhöht.

Fazit:
Die Geschichte ist einfach gestrickt, aber unglaublich effektiv. Ein Roman von großer Spannung und Lesefreude mit einem gewaltigen Knall am Ende! Mehr davon!
13 Punkte

Alexander Haas

Die Co-Rezension wird mit dem nächsten Flash nachgeliefert.

Winfried Brand

Das Einsatzkommando um Perry Rhodan und Monkey hat endlich (!) sein Ziel erreicht. Jetzt beginnt die eigentliche Operation. Das Ziel wird bis gegen Ende des Einsatzes verschwiegen. Und daher ist die Überraschung wirklich gelungen: Der Arkon-Imperator Bostich I. höchstpersönlich wird entführt. Weshalb sollte man sich dann mit irgendwelchen Untergebenen wie z. B. Julian Tifflor aufhalten?
Endlich gehen die Terraner wieder einmal in die Offensive. Der Einsatz basiert auf einem von der Grundstruktur her einfachen Plan. Das Ganze ist zwar höchst risikoreich, aber wie üblich von der Neuen USO bestens durchgeplant.
Die Hauptrolle spielen die beiden mit Siganesen bemannten KATSUGO-Roboter. Die beiden Tauchboote und ihre Besatzungen bleiben im Hintergrund.
Die siganesischen Crews sind ziemlich exzentrisch: Da haben wir beispielsweise den Kommandanten Caar Vasquo, einen siganesischen Killer, der bei seinen eigenen Leuten eher unbeliebt ist, sowie Alexander Woodi, einen schießwütigen Waffen-Offizier. Diese Charaktere werden von Andreas Findig lebendig beschrieben; und man muß schon fast bedauernd anmerken: Derartige Individualisten hat es in der letzten Zeit bei PR viel zu selten gegeben. Von diesen Siganesen hört man hoffentlich im Verlauf des Zyklus noch einiges mehr...
Auch die Arkoniden können sich in diesem Roman durchaus sehen lassen. Subeat dom Cyllken, dem Tato von Ertrus, steht ständig der Schweiß auf der Stirn. Er tut alles, damit der Auftritt des Imperators auf Ertrus glatt abläuft. Seine Bemühungen, dem Imperator eine funktionierende Besatzungsmacht vorzuführen, sind wirklich lesenswert. Etwas stereotyp ist zwar die immer wiederkehrende Aussage, daß die Arkoniden keine ertrusischen Kollaborateure finden: Nicht einmal ein einziger Ertruser will dem Imperator zujubeln. Aber das tut der Klasse des Romans keinen Abbruch.
Die Arkoniden installieren mehrere tausend Hologramme von jubelnden Ertrusern, damit Bostich und auch die galaktische Öffentlichkeit nicht merken, was auf Ertrus wirklich abläuft. Damit diese Scharade auch von den arkonidischen Besatzungs-Soldaten nicht enttarnt werden kann, verbietet Subeat dom Cyllken kurzerhand den Einsatz von Individual IV-Tastern. Das spielt dem siganesischen Kommando natürlich voll in die Hände.
Ein Auftritt des von den Arkoniden kreierten "virtuellen" ertrusischen Präsidenten fehlt leider. Eine solche Person müßte bei einem Ereignis dieser Bedeutung zum Empfang des Imperators eigentlich unbedingt auftreten. Doch das ist nur eine Marginalie, die dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut.
Bostichs Auftritt ist, wie zu erwarten, pompös und martialisch. Auch hier zeigt sich Andreas Findig detailreich und wortgewandt in den Beschreibungen. Die Stimmung wird in jeder Szene exakt eingefangen. Auch eine Portion Humor fehlt nicht: So läßt der Autor Bostich I. sagen: "Keinen Imbiß heute. Mir liegen zwei verdorbene Gurken noch immer im Magen." (Seite 33). Solche Kleinigkeiten am Rande lockern die Atmosphäre nett auf.
Die eigentliche Entführung des Imperators spielt sich dann innerhalb weniger Minuten ab. Zudem werden die Arkoniden vor der galaktischen Öffentlichkeit quasi nebenher noch als völlige Deppen vorgeführt. Maximale Wirkung mit begrenzten Mitteln. Besser kann man es kaum machen.
Nur die Flucht der KATSUGOs verläuft seltsam glatt. Die Arkoniden sind zu einer konsequenten Reaktion anscheinend nicht imstande. Einige 5-D-Blendgranaten, die jede Ortung verhindern, sorgen hier für maximale Verwirrung. Die NUSO ist ihren Gegnern technisch wieder einmal einen halben Schritt voraus.

Fazit:
Dieser Agentenroman macht richtig Spaß. Der Band ist schnell, actionreich und mit einer Prise Humor gewürzt. Die Charaktere werden gut vermittelt. Zweifellos ein Highlight der laufenden Handlung.
14 Punkte

Hans-Joachim Kleimann