Conrad Shepherd:

"SYNDIC - Geheimprojekt Exodus"

(Syndic - Band 1)
Internet-Fortsetzungs-Roman (Prolog und 12 Kapitel) unter www.syndic.de

Printausgabe:
(ca. 176 Seiten, HJB-Verlag exklusiv, Paperback, DM 19,80)
- erscheint: März 2001 -

...so nennt sich die SF-Romanserie, die unter der Schirmherrschaft des HJB-Shops von Conrad Shepherd verfaßt wird. Hinter dem bekannten Pseudonym verbirgt sich der Autor Konrad Schaef, der unter erstgenanntem Pseudonym für die Reihen Perry Rhodan und Atlan schrieb. Das Besondere an der Serie ist, daß sie im Netz erscheint und für den Leser kostenlos ist.
Auch inhaltlich wird einiges versprochen: "...kompromißlose Science Fiction ohne Zeitgeistheuchelei, wie sie heute nur noch selten geschrieben wird." Große Worte, doch schon auf der Titelseite drängt sich mir eine andere Deutung dieser Ankündigung auf, als die Macher vermutlich im Auge gehabt hatten. "Kompromißlose Science Fiction", nun, das mag sein, ist aber heutzutage sicher kein Ausdruck von Qualität mehr. Selbst der schlechteste B-Heuler ist kompromißloser als die altbackene Action-SF, die sich dem Leser beim Weiterlesen auftut. Was die Formulierung "ohne Zeitgeistheuchelei" angeht, kann man diese getrost als Griff ins WC betrachten, denn folgendes ist eindeutig: Syndic orientiert sich sehr stark an amerikanischen Vorbildern, die zu vertreten sicher nicht unter diese selbstgestellte Anforderung fällt. Außerdem geht der Zeitgeist durchaus in Richtung Endzeit, was die Serie noch weniger innovativ macht. Mich würde sehr interessieren, von was sich die Serie bitteschön abheben soll.
Auch an sonstigen Klischees wird nicht gespart: Der Held der Serie ist Morton Conroy, ein Ex-Sträfling (DAS hatten wir ja auch noch gar nicht!) und auch Ex-Soldat (Natürlich...). Erwähnte ich schon, daß er ein ganz harter Knochen ist? Ist er jedenfalls - und damit der richtige Mann für das neue Spezialkommando S.Y.N.D.I.C., was auch gleich den höchst kreativen Titel erklärt. Dieses Spezialkommando hat nun die löbliche Aufgabe, in einer Welt nach dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft und der Herrschaft von Kriegsherren und Kartellen (Klar, die gerade sind nach Wirtschaftskrisen immer massiv auf Zack...) das Licht der Zivilisation hochzuhalten. Dieses geht selbstverständlich von den "Free Staates of America" (Die "Staates" sind kein Schreibfehler meinerseits, ich zitiere wörtlich. Übrigens, Konrad Schaef studierte Wirtschaftsenglisch, vielleicht sollte er mal einen Blick auf die Webseite werfen.) aus, was uns spontan wieder zur angeblich abwesenden Zeitgeistheuchelei bringt.
Auch mit der Logik tut sich die Serie etwas schwer, wie ja bereits die Kartellherrschaft nach der Wirtschaftskrise beweist. Doch nicht nur das; da wird spontan mal ein Gefängnis auf dem Mond errichtet, was ja eine überaus ökonomische Lösung ist, bedenkt man die Kosten, die es verursacht, nur einen medizinballgroßen Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Andererseits hat der Gedanke etwas durchaus Verführerisches, da auch in mir zeitweise das Bedürfnis wächst, gewisse Leute auf den Mond zu schießen. (* ;-) Ja, nur zu verständlich - geht selbst mir ähnlich! Willkommen im Team übrigens. Heike) Möglicherweise in dem Bewußtsein, thematisch vielleicht doch auf dem falschen Dampfer zu sein, hat ein Profi wie Conrad Shepherd natürlich eine Lösung in Form von Zitaten bereit, von denen eines den Kopf des ersten Kapitels ziert und den inhaltlichen Anspruch ungemein erhöht. Ich kann mir auch vorstellen, daß er das Tao zuerst zitiert, um in geschickter Weise davon abzulenken, daß Rußland und China als Gegenspieler, auch wenn er netterweise und fiktiv-politisch Europa beifügt, ein Überbleibsel des Kalten Krieges sein dürften. Wenn mit Vermeidung von Zeitgeistheuchelei gemeint sein sollte, daß die politischen Veränderungen der letzten Jahre mal eben unter den Tisch gekehrt werden, dann heuchele ich für meinen Teil lieber noch ein bißchen weiter. Damit es allerdings nicht zu kompliziert wird, wird aus dem Nahen Osten und Nordafrika mal eben eine radioaktive Wüste gemacht, der Rest von Afrika scheint ohnehin zu vernachlässigen zu sein. Auch technisch wird ganz heftig vom Leder gezogen. So dürfen zum Beispiel schon im ersten Kapitel die allseits beliebten Kraftfelder nicht fehlen, für deren Entwicklung man in den zehn Jahren nach dem Kollaps sicher unheimlich viel Zeit, Mittel und Grund hatte.
Der aufmerksame Leser glaubt nun möglicherweise, im stilistischen Bereich Satisfaktion zu erlangen, und die ersten Zeilen deuten durchaus darauf hin; man gewinnt sofort den Eindruck, daß hier jemand schrieb, der dieses Handwerk gründlich gelernt hat. Leider endet dieser Eindruck bereits bei den ersten tiefgründigen Dialogen, die sich auf dem Niveau einer schlechteren Vorabendserie bewegen. Auch inhaltlich tun sich Abgründe auf. Da wird offenkundig jemand mit großem Aufwand betäubt und entführt, um kurz nach dem Erwachen in mysteriöser Umgebung von einem Söldner getötet zu werden, was ja eine sehr durchdachte Handlungsweise darstellt. Der Söldner ist übrigens eine genetische Züchtung (Siehe "ohne Zeitgeistheuchelei"...), ein sogenannter Hybrid, wobei offen bleibt: Ein Hybrid aus was? Biologische Aspekte scheinen ohnehin nicht die Stärke der Serie zu sein, gönnt sie sich doch auch Charaktere, die nach einem Tritt in den Solarplexus noch kreuchen können. Damit der Leser nun auch nicht vergißt, daß er sich in einer SF-Serie und nicht in einer Agentenparodie befindet, wird durch dezente Hinweise wie "futuristische Kuppel" und den exzessiven Gebrauch von SF-Schlagwörtern wie "Shuttleport" daran erinnert.
Der erste Charakter, der eingeführt wird und nicht gleich darauf stirbt, nennt sich Julee Camara, und alsbald werden einem auch die höchst wichtigen Informationen zuteil, daß das Mädel über ein "wohlgeformtes Näschen" verfügen darf und sich mit schwingenden Hüften bewegt. Dem anspruchsvollem Leser fällt messerscharf auf, daß damit der Charakterisierung niemals Genüge getan worden sein kann, weshalb gleich darauf eine etwas ausführlichere Beschreibung folgt, die jedem Katalog einer osteuropäischen Frauenschlepperbande zur Ehre gereichen würde. Beruhigenderweise wird der Leser mit so vielen optischen Informationen nicht allzulange belastet, denn auch hier hat die bereits um kontinentale Bevölkerungen reduzierte Menschheit prompt einen weiteren Todesfall zu beklagen, eingeschlossen noch ein paar hundert Randopfer, die allerdings auch keine größere Rolle als die Trägerin des wohlgeformten Näschens spielen. Langsam glaubt auch der Skeptiker, daß die Bösen wirklich verdammt böse sind.
Wohl wissend, daß diese Rezension durch allzugroßen Umfang genauso ermüdend und frustrierend wäre wie ihr Anlaß, möchte ich nun auch zum Ende kommen. Dies kann ich guten Gewissens tun, denn auch im Folgenden wurden mir keine Innovationen, wohl aber weitere inhaltliche, stilistische und thematische Peinlichkeiten zuteil. Wer die Serie nicht kennt, hat nicht wirklich etwas verpaßt und braucht um keine Zeile betrübt sein. Traurig ist nur, daß ein derartiges Machwerk einem Serien-Profi wie Conrad Shepherd unterlaufen muß.
2 Punkte

Martin Hoyer

SYNDIC ist ein Abklatsch von ZBV, und dazu noch ein relativ schlechter.
Eigentlich müßte SYNDIC (ich schenke mir einmal die Punkte hinter den einzelnen Großbuchstaben) mir sehr liegen. Ich bin seit jeher ein Fan von K. H. Scheer. Doch dieses Machwerk mit ZBV auf eine Stufe zu stellen, hieße den seligen KHS zu verunglimpfen.
Nicht jeder SF-Roman, der auf einem Wüstenplaneten spielt, ist qualitativ gleich "DUNE".
Dabei ist die Story nicht einmal schlecht geschrieben. Doch sie besteht leider ausnahmslos aus Versatzstücken, die noch nicht einmal gut zusammengefügt sind. Mehrfach drängt sich der Eindruck auf, als hätte der gute Konrad Schaef noch irgendwo ein Uralt-Manuskript ausgebuddelt, das er jetzt noch einmal im Internet unter das Volk, sprich: an die Leser bringen will.
Die Aufteilung der Erde in diverse Machtblöcke: Man nehme die Kontinente Amerika auf der einen Seite, Europa und Rußland (Eurasisches Commonwealth) auf der anderen und als Gegner wieder einmal die ach so bösen Chinesen. Gähn. Das hatten wir doch schon diverse Male. Der Mond dient wieder einmal als Gefängnis. Auch nicht neu. Der strahlende Held ist dort inhaftiert - und selbstverständlich wird er dringend für einen Einsatz benötigt, den sonst niemand erfolgreich durchstehen kann.
Morton Conroy ist der Prototyp des Helden. Er kann alles, ist aber leider völlig undiszipliniert. Leutnant Blueberry (aus den ZACK-Comics) hat mich schon als Kind mehr beeindruckt, der hatte wenigstens noch Humor (zugegeben, man wird älter...). Conroy ist einfach nur knallhart und brutal. Diverse Szenen hätte man sich denn auch schenken können: Bereits auf dem Mond wird der Held von mehreren Mitgefangenen fast totgeprügelt, doch das macht ihm kaum etwas aus. Auch später hat er kaum Probleme mit ganzen Trupps von Syndikats-Gangstern: Stereotypen sind Trumpf. Der Geheimagent ist dem Gegner halt unendlich überlegen. Morton Conroy ist eine Ein-Mann-Armee. Die Frauen, soweit sie als Handlungsträger vorkommen, passen sich in ihre geschlechtsspezifischen Rollen ein. Wäre es Kintopp, so hätte es sich spätestens seit den James Bond-Filmen der 80er-Jahre überlebt.
SYNDIC ist Kalter Krieg um fünfzig Jahre zu spät. Es handelt sich um eine nicht gerade innovative ZBV-Imitation. Dazu muß bemerkt werden: Die Original-Manuskripte der ersten ZBV-Romane stammen aus eben dieser Epoche, d. h. aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Sie spiegeln die damalige Gesellschaft ebenso wie die SF jener Zeit eben wider.
SYNDIC dagegen ist nur eine Kopie: Wir trauern der GWA nach. An SYNDIC sind die letzten Jahrzehnte auf seltsame Art und Weise spurlos vorübergegangen. Zu Beginn des 3. Jahrtausends sollte SF intelligenter gemacht sein.

Fazit:
Schematisch, ideenlos, stereotype Charaktere. Der Slogan "Keine Kompromisse" gilt leider auch qualitativ uneingeschränkt. Etwas Positives hat das Projekt dennoch: Man kann die Vorabdrucke umsonst im Internet lesen und spart damit den Kaufpreis für das gedruckte Buch.
0 Punkte

Hans-Joachim Kleimann