Zum
Inhalt:
Die "Stammheimer" und die Szinjoh (siehe die
Rezensionen zu Band eins "Sakota's
Paradise" und zwei "Rrixzieh =
Hoffnung" in Flash Nr. 100) sind auf dem Weg zum von innen
bedrohten Planeten der hilfesuchenden Szinjoh. Von ihnen unbemerkt
folgt ihnen ein weiteres Raumschiff mit dem skrupellosen
Geschäftsmann und Teufelsanbeter Benjamin Taylor.
Als sie aufgrund des wegen der menschlichen
Passagiere erhöhten Wasserverbrauchs einen Zwischenstop einlegen
müssen, kommt es zur Konfrontation zwischen beiden
Parteien...
Der dritte Band von Barbara Jungs "Lost
Planets"-Zyklus bietet leider eher wenig interessantes
Lesevergnügen. Wer gehofft hat, daß sich angesichts des
(im Vergleich zu den ersten zwei Bänden) halbierten Umfangs auch
die Handlung gestrafft hätte, sieht sich enttäuscht.
Stattdessen packt die Autorin eine Handlung hier hinein, die auch ein
sehr guter Autor nur noch mit viel gutem Willen auf die Länge
eines Heftromans gebracht hätte. Zwar ist auch dieses Ergebnis
der Jungschen Feder durchaus nett lesbar, doch schleicht sich mit
voranschreitender Seitenzahl auch eine gewisse Müdigkeit beim
Leser ein. Die Autorin bringt hier einfach zu viele - und vor allem
zu unwichtige - Teile ein, die sie in dem ihr eigenen Stil lang und
breit beschreibt.
Dies ist durchaus in dem Sinn gemeint,
daß Barbara Jung schlicht und ergreifend alles zwei- bis
dreifach schreibt, indem sie einen Vorgang einmal normal beschreibt,
diesen dann in eine Metapher packt und teilweise noch eine weitere
Metapher hinterherschiebt. Das liest sich dann zwar nett, ist
insgesamt jedoch von jedem weiteren Nährwert befreit.
Hinzu kommen zahlreiche Fehler in der
Handlungsführung, die teilweise innerhalb der Handlung liegen,
teilweise einfach nur wissenschaftlich unmöglich sind.
Eine kleine Auswahl:
Wir befinden uns im Jahr 2100 und ein paar
gequetschte, sind diverse hundert Lichtjahre vom Sonnensystem
entfernt (mit Entfernungsangaben hat es die Autorin sowieso nicht
so...) und empfangen irdische Signale. Zitat: "Eine Botschaft von
Menschen? In diesem Teil der Galaxis? Das war unmöglich! Bis
hierher hatten es allenfalls unbemannte Raumsonden geschafft." (S. 47
des RocketBooks - weitere Seitenangaben beziehen sich auf die gleiche
Quelle bei Standardeinstellung der Schrift und kleiner
Schriftgröße...) Naja - das könnten sie vielleicht,
wenn sie bei ihrer Reise irgendwo einen "Überlichtantrieb"
eingebaut bekommen hätten. Wir erinnern uns: Die ersten und
ältesten Sonden sind zur Zeit gerade mal dabei, unser
Sonnensystem zu verlassen - wie sie in einhundert Jahren viel mehr
als vielleicht ein Lichtjahr oder so zurückgelegt haben sollten
(reine Schätzung - ich habe die Geschwindigkeit jetzt nicht im
Kopf...) ist mir absolut unklar.
Und da sind Formulierungen wie: "Zum ersten
Mal betraten Menschen den Boden eines außerirdischen Volkes".
Hmmm, eines Planeten könnte ich ja noch verstehen (wenn
da nicht der Mars wäre, der eindeutig außerirdisch
ist...), jedoch den Boden eines Volkes??? Wenn wir stattdessen
annehmen, daß Jung das "Hoheitsgebiet" gemeint hat, ergibt dies
zwar Sinn; jedoch wurde dann das eindeutig außerirdische
Raumschiff vergessen, auf dem die Menschen sich schon eine ganze Zeit
lang aufhalten...
Was exploratorische Aspekte (S. 132) sind,
frage ich mich wahrscheinlich noch länger...
Wirklich witzig ist jedoch, daß die
Autorin keinerlei Plan zu haben scheint, welche
Überlicht-Technik denn nun zum Einsatz kommt. Da hätten wir
am Anfang die Transitionen (die die Menschen nicht besonders toll
vertragen), später diskutiert man über Warp-Technologie,
und schließlich braucht man Sprungpunkte (à la Babylon
5). Es wäre schön, wenn sich die Auorin hier mal
entscheiden könnte...
Auch mit Sprengstoffen scheint sie sich
nicht auszukennen - jedenfalls ist mir keine ätzende Säure
bekannt, die explosive Wirkung hat (S. 580 des eBook)...
Ein Säuresprengstoff in Form einer
"blaßgrünen Knetmasse" (S. 584) ist auch eher
unwahrscheinlich - solchartige Beschreibugen deuten doch eher auf
Plastiksprengstoff hin...
Da kann sich Taylor ein gefundenes Mittel
gegen die Sprungfolgen aus der Bordapotheke holen, wo vorher die
Aussage getroffen wurde, daß dieses Mittel dort nicht
hergestellt werden kann (wohlgemerkt: "hergestellt"), während er
sie sich einfach organisiert...
Fraglich ist auch, wie man irgendwelche
Sprungdaten berechnen soll, wenn man die zurückgelegte
Entfernung nicht kennt (S. 665). Jeder Navigator dürfte an einer
solchen Aufgabe verzweifeln...
Auf S. 704 sollten es eigentlich drei statt
der erwähnten zwei Szinjoh sein, und die Erwähnung von
"rund einer Stunde" auf S. 709 reduziert sich bei näherer
Betrachtung des Textes auf maximal 10 Minuten...
Weshalb auf S. 742 ein "Sprung durch Zeit
und Raum" vollzogen wurde, entzieht sich zumindest dem
Begriffsvermögen des Rezensenten, der im ganzen Roman keinen
Zeitsprung ausmachen konnte...
Immerhin hat man es offensichtlich
geschafft, innerhalb einer Woche tatsächlich einen von diversen
Wassertanks aufzufüllen (S. 752) - das dürfte dann etwa
einer Tankleistung von einem Liter Benzin täglich entsprechen,
um ein Auto zu betanken...
Gänzlich seltsam wird es, wenn die
Autorin oben auf S. 767 ankündigt, daß ein Roboter in
einer Sprache redet und am Ende der Seite die Leute erstaunt
darüber sind, daß er in der angekündigten Sprache
redet. Ja was denn nu?!?
Ich muß zugeben, daß ich keine
großartige Lust habe, die weiteren Handlungsfehler auch nur
beispielhaft zu beleuchten. Dies würde den Rahmen der Rezension
doch bei weitem sprengen, auch wenn ich mich nur um die
auffallendsten Probleme kümmere. Es ist einfach zuviel...
Gerade bei diesem Roman scheint Barbara Jung
nun überhaupt nicht auf die Konsistenz geachtet zu haben. Sie
kann es besser - und das hat sie auch schon bewiesen.
Und bei den physikalischen Größen
liegen Barbara Jungs größte Schwächen. In diesem
Roman ist es vollkommen unklar, ob sie nun "Sonnensystem", "Galaxis"
oder "Universum" meint - ich glaube zwar, daß ich hier so
langsam durchblicke, doch verwendet die Autorin die Begriffe in einem
wilden Durcheinander, das diverse Hinweise darauf liefert, daß
sie mit solchen Entfernungen einfach nicht zurechtkommt (nicht nur
die früher erwähnte Sonde ist hier ein Indiz, sondern auch
die folgenden Beispiele).
Da haben wir einen unbewohnten Planeten, der
von einem nebenan wohnenden Volk zur Besiedlung freigegeben wird, da
die Jungs und Mädels sich einen Nachbarn wünschen.
Abgesehen davon, daß so etwas vollkommen wirklichkeitsfremd
ist, ist es auch einfach nur dämlich und beweist die absolute
Unkenntnis der Autorin hinsichtlich des Kosmos - und nebenbei bewirkt
es weitere Verwirrungen des Lesers hinsichtlich der Entfernungen.
Einerseits soll nicht nur der Planet der Orogher zig Tagesreisen von
anderen bewohnten Planeten entfernt sein (da sollten sie eher froh
sein, daß es nur so wenig ist), andererseits liegt sein Nachbar
in stabiler zwei-Stunden-Reiseentfernung von ihm. Ähem - die
beiden Planeten haben also offensichtlich absolut identische
Umlaufzeiten??? Anders ist dies jedenfalls nicht erklärbar - und
weshalb die Dingensbumens dann unbedingt ihre Nachbarn haben wollen
(laßt mich raten: Die versprengten Terraner werden im Lauf des
Zyklus diese bildschöne, zuckersüße Welt
übernehmen...) ist auch nicht so ganz klar - ebensowenig wie die
Tatsache, daß kein anderes Volk diesen Planeten besiedeln will.
Angesichts der Tatsache, daß die Jungs und Mädels den
Planeten extra zur Besiedelung hergerichtet haben, ist das mit
realistischen Augen nur schwer zu glauben - und ein wenig
Weltfremdheit muß sich die Autorin hier sicherlich auch
vorwerfen lassen.
Hinzu kommt die seltsame Formulierung,
welche Völker denn kein Interesse an diesem Planeten haben. Hier
gewinnt der Leser den Einruck, es würden sich vier intelligente
Populationen in einem Sonnensystem herumtreiben (in dem auch der
besagte unbewohnte Planet sein Unwesen treibt...). Dummerweise sind
drei von ihnen zu überlichtschneller Raumfahrt in der Lage - da
stellt sich die Frage: Warum nicht die vierte??? Und überhaupt:
Warum ist das "Sprungtor" auf einen solch engen Bereich begrenzt???
Und die nächste Frage ist fast schon peinlich: Wie kommt es
dazu, daß offensichtlich drei von vier raumfahrenden
Planetenbevölkerungen keinerlei Interesse daran haben, einen
unbewohnten Planeten in ihrem eigenen Heimatsystem zu besiedeln (S.
919)? Hier wird die Autorin doch stark pathetisch - eine Eigenschaft,
die sie eigentlich im ganzen Roman noch weiterzieht...
Fazit:
Barbara Jung verstrickt sich in diesem Teil
des "Lost Planets"-Zyklus in unendliche Wiederholungen und teilweise
sehr widersprüchliche Angaben. Als Heftroman wäre dies ein
kristallklarer Füllroman ohne weitere Bedeutung. Als
Taschenbuch/Paperback ist es eher eine Frechheit.
2 Punkte