Chris Bunch:

"Der Stein der Macht"

OT: The Empire Stone
     Ü: Bernhard Schmid
     USA 2000
     (381 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet 24965, ISBN 3-442-24965-1, DM 17,90)
     - erschienen: Dezember 2000 -

Peirol ist eine Mißgeburt. Schon von Geburt an war er kleiner als andere Kinder, und früh hat er zu wachsen aufgehört. Doch genau das hat ihn mit der Zeit stark gemacht. Immer muß er sich gegen den Spott anderer durchsetzten, und so hat er gelernt, nie aufzugeben.
     Auf seinen Reisen durch die Welt trifft er eines Tages den mächtigen Magier Abbas, der ihn auf die Suche nach dem Stein der Macht schickt.
     Peirols Reise führt ihn ans Ende der Zivilisation, mitten durch barbarische Kriege, zu religiösen Fanatikern und hinterlistigen Intriganten. Schneller als es dem Reisenden lieb ist, steckt er mittendrin in einer Kette von Ereignissen, die ihn zum Rudersklaven, Kanonier und Flüchtling machen, bis er schließlich am Ende seiner Reise und am Beginn der schwierigsten Aufgabe seines Lebens steht...
    
     Chris Bunch scheint mir der Mann für die klassische Fantasy zu sein. "Der Stein der Macht" ist eine Geschichte, wie sie entweder einem Rollenspiel-Abenteuer entsprungen sein oder aber eine sehr gute Vorlage für ein ebensolches abgeben könnte. Allerdings sind auch ein paar Ähnlichkeiten zum Wilden Westen nicht zu verkennen:
     Der einsame Held zieht von Stadt zu Stadt, und nie verweilt er lange an einem Platz. (* "Incredible Hulk"? ;-)))) Heike) Schließlich ereilt ihn der Ruf nach einem Abenteuer, dem er sich nicht entziehen kann, und ehe er es sich versieht, befindet er sich auf einer Reise ins Unbekannte, während der er ständig irgendwelchen Gefahren trotzen muß.
     Leider hat die Geschichte nicht nur einen sehr klassischen Touch, sondern sie bleibt auch vollkommen unspektakulär. Zu sehr hat man das Gefühl, das Geschehen bereits zu kennen bzw. es irgendwo schon einmal gelesen zu haben. Dabei ist der Roman noch nicht einmal besonders schlecht geschrieben. Es ist einfach nicht genug Substanz da, die ihn zu etwas Besonderem macht. Einfach nur den Helden von einem Chaos ins nächste stolpern zu lassen, ist doch ein bißchen wenig. Hinzu kommt dann noch das - für mich - doch sehr unbefriedigende Ende, über das ich jetzt nicht viel verraten will, aber wer diesen Roman liest, sollten am Ende einmal über meine Worte zu den Western-Anleihen nachdenken.
     Das einzige, was so ein wenig über das normale Maß der Dinge hinausgeht, ist der Protagonist. Es ist durchaus beeindruckend, wie der "Kleine" sich durch sein Leben schlägt und Spott und Häme meistert, die ihn aufgrund seiner Gestalt überallhin verfolgen. Er ist durchweg anschaulich beschrieben und führt die Leser aus seiner Sicht der Welt durch die Geschichte.
     Abschließend muß ich einen Hinweis in Richtung all jener geben, die den "Magier von Numantia" gelesen haben. Zwar geht es auch im "Stein der Macht" wieder um viel Sex, doch hat der Roman längst nicht die pornographischen Züge des "Numantia"-Zyklus. Vielmehr bleibt es lediglich bei der Erwähnung des Aktes und artet nicht wieder in eine extrem ausführliche Beschreibung aus.
    
     Fazit:
     Ein recht klischeehafter Roman, der den absoluten Durchschnittsroman verkörpert und somit auch die absolute Durchschnittsnote bekommt.
     8 Punkte

Alexander Haas


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