Manfred Weinland & Martin Kay:

"Landru"

(Das Volk der Nacht 5)
     D 2000
     (341 Seiten, Hardcover, Zaubermond, ISBN 3-931407-31-4, DM 34,80)
     - erschienen: Dezember 2000 -

Im Spätherbst 2001 erwacht Landru aus seiner magischen Starre, von Nona und Jadon - dem Zwillingsbruder Jesu - geweckt. In einer Art magischem Kino läßt er Nona die Geschehnisse miterleben, die seit seinem Verschwinden passiert sind.
     Vergangenheit: Zusammen mit Seth erreicht Landru den Ararat - und stellt erstaunt fest, daß jemand den alten Dom wiedererschaffen hat. Selbst die Plätze, die ehemals die Hüter ausgefüllt haben, sind belegt. Als Seth gegen das Kraftfeld anrennt, das eine der Gestalten umgibt, übernimmt deren Geist den Körper des Neovampirs. Kurze Zeit später, als Seth wieder Herr seiner selbst ist, vernichtet er die Körper der Gestalten und erklärt dem verdutzten Landru, daß dies Engel seien. Landru glaubt ihm nicht. Die Vernichtung der Engel löst allerdings eine Reaktion des Doms aus. Seth und Landru werden in die Vergangenheit geschleudert.
     Dort angekommen enthüllt Seth Landru, daß Gott einen Plan hatte, in dem die Engel eine besondere Rolle spielten. Offenbar sollten diese in die Vergangenheit gehen, um den Zwillingsbruder Jesu an dessen Stelle kreuzigen zu lassen. Im Gegenzug sollte Jesus in die Gegenwart gebracht werden, um die Finsternis aufzuhalten, die Australien bedroht. Nach diesem Bericht bricht Landru Seth das Genick, denn die Geister der Engel sind noch in dessen Körper, und Landru will kein Risiko eingehen.
     In dieser Zeit ist Ischtar die Kelchhüterin. Landru ist ihr schon einmal begegnet, aber das liegt in Ischtars Zukunft. Von ihr hat er das Amt des Kelchhüters übernommen. So wendet sich Landru mit einem gekaperten Schiff nach Palästina, wo Ischtar im Palast des Herodes residiert.
     Auf dem Schiff hat sich jedoch ein weiblicher Dämon eingenistet, der gleich erkennt, daß Landru etwas Besonderes ist. Der Dämon nimmt Landrus Energie in sich auf, schwächt ihn derart, daß dieser nicht entkommen kann, und verschleppt ihn nach Alexandria. Es sieht nicht so aus, als würde er diesmal entkommen können...
    
     Nachdem sein Erscheinen schon mehrmals angekündigt und immer wieder nach hinten verschoben wurde, was natürlich die Neugier und die Erwartung auf den Roman deutlich in die Höhe treibt, ist der Roman endlich ausgeliefert worden.
     Das ist natürlich nicht sehr optimal; schließlich ist der Abstand zum vorherigen Band mittlerweile so groß, daß sich wohl kaum jemand an dessen Handlung erinnern wird. Wer also diesen Band lesen möchte, sollte zumindest die letzten Kapitel von Band 4 nochmals nachlesen.
     Und damit haben wir schon ein wesentliches Dilemma des Romans. Denn aus den letzten Kapiteln des vorherigen Bandes weiß der Leser schon, daß Landru unversehrt wieder auftauchen wird. Sprich: Wie im epischen Theater liegt die Spannung diesmal nicht auf der Handlung selbst, sondern eher auf den Gang der Handlung. Das mag ja ganz nett sein, aber so richtig vermag der Roman auf diese Weise nicht zu unterhalten. Wie eben beim epischen Theater. (Nichts gegen Brecht und Konsorten. ;-))
     Martin Kay hat nun die schwere Aufgabe, Timothy Stahl zu vertreten - schon seit längerem war klar, daß dieser aus dem Team aussteigen würde. Es lag nahe, einen erfahrenen Autor heranzuziehen; schließlich ist Martin ja beim "Dämonenkiller" dabei. Daß er Timothy nicht ersetzen kann, ist klar.
     Aber die Lücke, die Stahl hinterläßt, ist doch sehr deutlich. Obwohl die Handlung des Romans durchaus spannend und solide erzählt wird, fehlt eindeutig das Flair, das Landru bisher umgeben hat. War der ehemalige Kelchhüter bisher eine Gestalt, die nicht so leicht zu durchschauen war, ist er diesmal sehr blaß und kaum greifbar. Seine Absichten sind diesmal zu schnell zu erahnen.
     Man fragt sich, warum die Episode mit der Dämonin eingeflochten wurde. So wichtig für den roten Faden erscheint einem diese nicht. Der Alt-Leser fühlt sich an einen Roman erinnert, in dem das Haus in der Paddington Street schon mal von schwarzen Fäden durchdrungen worden war. (Leider ist mir der Titel jetzt entfallen, es war aber noch in der Heftromanserie.) Ich glaube nicht, daß da bewußt an alte Themen angeknüpft wurde. Diese Handlungsebene scheint eher auf das Konto von Martin Kay zu gehen.
     Gut, es gibt zwischendurch dann doch einige Überraschungen. Dazu gehört der Gral, der durch Landrus Bestrebungen wieder eine Art Lilien-Kelch geworden ist, und der Plan Gottes, Jesus in die Gegenwart zu bringen. Hier wagt sich die Serie wie schon des öfteren auf den heiligen Boden der Bibel. Religiöse Fundamentalisten würden die Serie deswegen in Grund und Boden verdammen. Es macht allerdings schon ein wahnwitziges Vergnügen, diese Stellen zu lesen. Leider ist dieses nur von kurzer Dauer.
     Was nach dem Lesen bleibt, ist ein merkwürdiges Gefühl. Einerseits hat man zwar nicht gerade viel Neues erfahren - wenn man mal von den letzten Romankapiteln absieht - aber andererseits hat man nicht das Empfinden, seine Zeit verschwendet zu haben. Landru wird sich jetzt verstärkt gegen die Neo-Vampire wenden. Die Frage ist nur, ob Jadon sich ihm willig unterwerfen wird. So ganz glaube ich das nämlich nicht. Nun ja, abwarten und Vampira lesen. ;-)
    
     Fazit:
     Ein eher durchwachsener Roman, der durchaus seine guten Stellen hat, aber so ganz vermag er nicht zu überzeugen.
     8 Punkte

Christian Spließ

Nach diversen Verschiebungen ist nun endlich auch der nächste Band der Reihe "Das Volk der Nacht" erschienen - und Martin Kay hat Timothy Stahl als Co-Autor ersetzt.
     Um es direkt vorweg zu sagen: Kay stellt sicherlich keinen vollwertigen Ersatz für Stahl dar. Zwar arbeiten die beiden Autoren recht gut zusammen, und die Übergänge zwischen ihnen sind nicht auf den ersten Blick erkennbar, doch bleibt die Beschreibung der Charaktere an sich recht farblos und austauschbar. Gerade Landru verliert in diesem Roman einiges von seiner Faszination.
     Dies mag allerdings auch daran liegen (und damit kommen wir zum Inhalt des Romans), daß der Leser das Ziel der Handlung bereits kennt - und nicht nur das Ziel, ihm ist auch bekannt, was einzelne Aktionen Landrus bewirken sollen. In dieser Hinsicht kann so natürlich keine Spannung aufkommen, und die Lektüre des Romans beschränkt sich rein auf die Frage: "Wie kam es denn dazu?" Sowas kann sehr gut klappen - aber auch grandios in die Hose gehen.
     Immerhin, letzteres haben die beiden Autoren hier noch einmal abwenden können. Der Leser wird die Lektüre des Romans sicherlich nicht als reine Zeitverschwendung abtun - eine wirkliche Faszination vermag der Roman jedoch auch nicht zu verströmen.
     Was bekommt der Leser also geboten?
     Landru werkelt zu Zeiten Christi in der Gegend herum, und am Ende nimmt Lilith den falschen Zwilling mit in die Gegenwart. Soweit, so gut - und altbekannt. Doch gibt es noch mehr in diesem Roman?
     Nun ja, gegen Ende gibt es schon noch eine Sache, die den Leser aufhorchen läßt: Landru "entführt" den "Heiligen Gral", den Abendmahlsbecher Jesu, und macht ihn zu einer Art neuem Lilienkelch. Immerhin, das ist dann doch eine Information, die der Leser bisher noch nicht hatte - und durchaus überraschend.
     Aber dieser eine Teil rettet den Roman dann auch nicht mehr. Was bleibt, ist ein Roman, der einen recht zwiespältigen Leser zurückläßt. Sicherlich, schlecht ist das Buch auf keinen Fall, jedoch auch nicht unbedingt spannend. Am ehesten ist es noch interessant - in der Art "ja, ich hab's gelesen, und es ist ja ganz nett - aber mehr ist leider nicht..."
    
     Fazit:
     Dadurch, daß das Ende des Romans dem Stammleser bereits im Voraus bekannt war, kann "Landru" leider kein besonderes Interesse hervorrufen. Einzelne Überraschungen rechtfertigen nun mal keine 340 Seiten. Auch bleiben die Charaktere seltsam blaß - allen voran der titelgebende "Landru" - hier muß man wohl weitere Bände abwarten, bis Martin Kay sich wirklich in die Serie eingefunden hat. Was am Ende bleibt, ist ein Roman, der zwar gut unterhält, die Spannung jedoch ein wenig vermissen läßt. Zwar nicht schlecht, jedoch auch nicht gut - halt "nett", zwar keine "Zeitverschwendung", aber auch kein "muß-man-gelesen-haben".
     6 Punkte.

Winfried Brand


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