Das Leben,
das Tessa Morgan führt, ist keines, das man als ausgefüllt
und glücklich bezeichnen könnte. Aufgewachsen unter einem
reichen, aber an ihr kaum interessierten Vater schleppt sie sich
jeden Tag zu ihrem Job in einer Mission. Doch die Leere, die sie
eigentlich mit diesem Job ausfüllen wollte, bleibt
ungestillt.
Eines Abends tritt aus einem der zahlreichen
Spiegel ein Mann in ihre Wohnung. Er bittet sie, mit ihm zu kommen
und Mordant zu retten. Terisa überlegt nicht lange;
kurzentschlossen läßt sie sich von Geraden durch den
Spiegel ziehen.
Terisa landet im Schloß Orison. Kaum
angekommen, erfährt sie, daß die Zunft eigentlich jemand
anderen nach Mordant rufen wollte. Dieser jemand ist ein Kämpe
mit überragenden Waffen. Von ihm erhoffen die Magier Mordants,
Imagomanten genannt, die Rettung des Reiches. Den Magiern ist es
möglich, mit Spiegeln in andere Welten zu blicken und deren
Bewohner nach Mordant zu bringen.
Geraden scheint, wie so oft, einen Fehlgriff
getan zu haben. Erst nach und nach wird Terisa klar, wie nah das
Reich am Rand des Abgrund steht. Ein mächtiger Imagomant
läßt herbeigerufene Ungeheuer auf die Bevölkerung
los. Joyse, der König, scheint sich jedoch nicht sonderlich
dafür zu interessieren, sondern spielt lieber mit Havelock, dem
die meiste Zeit über sehr verwirrtem Großmeister der
Imagomanten, Dame.
Terisa möchte zwar liebend gern helfen,
weiß aber nicht wie. Zudem scheint man es auf ihr Leben
abgesehen zu haben. Sie entgeht nur äußerst knapp
zahlreichen Mordanschlägen. Während das Reich
allmählich in einen kaum vermeidbaren Krieg mit den
Nachbarländern schlittert, zahlreiche innere Intrigen gesponnen
werden und Terisa sich lange nicht Zeit entscheiden kann, auf welcher
Seite sie steht, fragt sie sich, ob Geradens Fehlgriff
tatsächlich einer war...
Die ersten Kapitel des Romans versprechen
eigentlich eine vergnügliche Lektüre. Sicher, daß
Spiegel als Tore in andere Welten benutzt werden, ist nicht neu. Aber
die Mischung aus Terisas Naivität und Geradens Tolpatschigkeit
läßt einiges erwarten.
Leider werden diese Erwartungen im weiteren
Verlauf des Romans nicht erfüllt. Sicher, Schloß Orison
ist sehr detailreich und bildhaft geschildert, und unwillkürlich
fragt man sich beim Lesen öfters, ob es im Mittelalter
tatsächlich so ausgesehen haben könnte. Aber diese
Detailfreudigkeit geht eindeutig zu Lasten der Handlung. Sie kommt
einfach nicht in die Gänge.
Ein Beispiel: Die Zunft der Imagomanten
versammelt sich, um nach der Ankunft Terisas zu entscheiden, was
weiter geschehen soll. Nun gut, solche Zusammenkünfte brauchen
natürlich ihre Zeit. Aber wenn die Meister knapp fünf
Seiten brauchen, um zu entscheiden, ob Terisa berechtigt ist, an der
Sitzung teilzunehmen, danach seitenlange Reden der einzelnen Meister
für und wider diesen Entschluß folgen und auf der
zwanzigsten Seite dann endlich eine Entscheidung gefällt wird -
das ist dann doch des Guten eindeutig zu viel. Man ahnt schon, wie
der Rest des Romans aussieht. Wie meinte Winfried Brand noch bei
einer Hohlbein-Rezension: Man hätte den Roman auf die
Hälfte schrumpfen können, ohne daß er an Potential
verloren hätte. Nun, in dieser Hinsicht steht Donaldson Hohlbein
um nichts nach.
Und dabei hat die Handlung durchaus
Potential. An den Intrigen, die innerhalb der Mauern des Schlosses
gesponnen werden, kann man seine Freude haben. Zudem gibt es unter
den Meistern die eine oder andere zwielichtige Gestalt, die man so
richtig schön hassen könnte. Leider kann man das nicht. Der
Grund: Donaldsons sehr umständlicher Schreibstil läßt
das einfach nicht zu. Umständlich ist dabei noch milde
ausgedrückt. Er wirkt derart gekünstelt, daß der
Leser sich oftmals fragt, was die Protagonisten eigentlich aussagen
wollen. Und ob sie im wirklichen Leben tatsächlich so sprechen
würden. Wohl kaum.
Das ist das Hauptmanko des Romans: Es
gelingt Donaldson nicht, seinen Charakteren Leben einzuhauchen. Ab
und an blinkt mal kurz etwas auf, das erahnen läßt, wie
stark oder schwach die Figuren wirklich sind. Das war es dann aber
auch.
Selbst Terisa entwickelt kein Profil.
Sicher, sie ist nicht gerade mit Selbstvertrauen gesegnet, aber man
könnte doch denken, sie würde es im Lauf der Handlung
entwickeln. Und Geradens Tolpatschigkeit vermag anfangs noch zu
amüsieren; nach und nach wirkt sie jedoch abgedroschen und
langweilig.
Dieser Roman sei "seit langem erwartet"
worden, sagt der Klappentext. Das mag wohl sein. Der Rezensent
hätte es jedoch begrüßt, wenn der Roman noch etwas
länger auf sich hätte warten lassen.
Fazit:
Finger weg! Dieser Fantasy-Roman hat alles,
was einen Verriß rechtfertigt: Schlecht gezeichnete Charaktere,
eine langweilige Handlung, die kaum in die Gänge kommt, und
zudem einen derart aufgeblasenen Stil, daß man dem Autor gerne
mal auf die Finger klopfen würde.
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