Zum
Inhalt:
Salvatore Carlomagno wird in einem Abbruchviertel, in dem sich auch
sein Antiquitätenladen befindet, von einer Motorradgang
umgebracht. Moreno durchsucht zusammen mit seinem Vater und einem
seiner Brüder das Geschäft seines Onkels nach Wertsachen,
und da er diesen früher einmal an einem Geldversteck beobachtet
hat, wird er auch recht schnell fündig. Von den gefundenen
540.000 Dollar übergibt er seinem saufenden und herumhurenden
Vater jedoch nur 30.000 - denn 10.000$ braucht er für sich
selbst, und die restlichen 500.000$ sind für seine Schwester
bestimmt, damit diese sich aus dem Edelbordell herauskaufen kann, in
dem sie festhängt.
Aber er findet auch ein Buch mit Zeichnungen antiker Waffen sowie
einen Dolch bei dem Geld. Der Dolch landet bei seinem Vater, das Buch
bei ihm, da er hier hervorragende Vorlagen für sein
Tätowierstudio sieht.
Sein Vater verspielt die 30.000$ Dollar noch am selben Tag, und kurz
darauf beschließt Morenos Mutter, ihren Mann zu verlassen, was
ihr letztendlich auch gelingt. Morenos Vater kommt jedoch kurz darauf
auf unerklärliche Weise durch das Messer, das ein Eigenleben
entwickelt zu haben scheint, ums Leben.
Die Motorradgang, die Morenos Onkel umgebracht hat, hat nebenbei auch
dessen Laden nach Wertgegenständen untersucht. Viel ist dabei
jedoch nicht herausgekommen - bis auf einen alten Spiegel, dessen
Rahmen mit vier Silbermünzen verziert ist. Und dieser Spiegel
hat es im wahrsten Sinn des Wortes in sich...
Ein weiterer "Horror"-Roman aus der Feder Barbara Jungs - und in der
ersten Hälfte vielleicht sogar der bisher beste.
Zwar pflegt sie weiterhin ihren ausschweifenden Stil mitsamt ihrer
Adjektivverliebtheit, doch gelingt es ihr hier, eine wirklich
atmosphärische Handlung zu Papier zu bringen. Zwar hat diese
erste Hälfte nicht besonders viel mit dem Bereich "Horror" zu
tun, doch bietet sie ein recht unterhaltsames Lesevergnügen, bei
dem zeitweise wirklich Spannung aufkommt.
Zwar krankt der Roman auch hier an eher schablonenhaften
Charakterisierungen, bei denen die Guten jedoch ausnahmsweise einmal
nicht unbedingt so strahlende Vorbilder sind (dafür sind sie
moralisch bis ins äußerste gefestigt, und wenn sie etwas
Unmoralisches unternehmen, ist dies entweder durch moralisch
unangreifbare Gründe gerechtfertigt, oder sie wurden durch
äußere Umstände hierzu gezwungen...). Doch die
Bösen sind immer noch die abgrundtief Bösen - und auch
hierbei gelingt es der Autorin wieder, sie sogar noch relativ
sympathisch zu schildern. Barbara Jung kann halt nicht anders.
Die Faszination bezieht die erste Hälfte des Romans dann auch
nicht aus den gelungenen Charakterschilderungen(die jedoch weitaus
besser sind als in ihren anderen Romanen und ein durchaus annehmbares
Niveau erreichen), sondern durch das unheimliche Element, das mit dem
Spiegel und den daraus hervorkommenden Waffen bzw. den fast schon
lebendig werdenden Tattoos in die Handlung kommt.
Das Ganze hält den Leser dann bis etwa zur Hälfte des
Romans durchaus in einer erwartungsvollen Stimmung - und dann beginnt
die Autorin, das aufgebaute Rätsel zu lösen. Dies
hätte sie wohl besser nicht getan, denn die angebotene
Lösung erweist sich wahrlich als haarsträubend.
"Wahrlich ich sage Euch...": Die Heiligen Drei Könige (ähm,
sorry, hier sind's "Magier") werden im Auftrag des Einen durch die
Zeit reisen und dem Verbleib der 30 Silberlinge nachspüren, die
Judas für den Verrat an Jesus Christus bekommen sollte, denn
diese seien verflucht bis in alle Ewigkeit und werden vom Unterteufel
persönlich auf die Menschheit losgelassen, um diese zu verderben
und Seelen für die Hölle zu sammeln...
Nun, ich weiß nicht - vielleicht liegt es daran, daß ich
als Konfessionsloser (Ex-Katholik) meine Probleme mit derart
übertriebenen Szenarien der Liebenswürdigkeit (gemischt mit
dem Unterteufel...) schlechthin habe, aber das ist doch mehr als nur
dick aufgetragen. Das wirkt eher lächerlich...
Barbara Jung verfügt anscheinend über die seltene
Fähigkeit, sich selbst um Kopf und Kragen zu schreiben.
Während die erste Hälfte des Romans durchaus
überzeugen kann und eine gewisse Atmosphäre vorzuweisen in
der Lage ist, bietet die zweite Hälfte mit der Lösung des
Ganzen eher einen Lacheffekt. Hier wird die Autorin dann
stockreligiös, versucht zwar, diese religiöse Handlung in
eine modernen Rahmen zu retten, scheitert dabei jedoch schon dadurch,
daß sie die alten Bilder teilweise einfach nur in die Neuzeit
überführt, jedoch jegliches Hinterfragen außen vor
läßt.
Da sind die Heiligen Drei Könige nun Magier, die durch die Zeit
reisen, die Nettigkeit in Person darstellen und den Protagonisten aus
der Patsche zu helfen versuchen. Da gibt es einen Unterteufel, der
sich in der Menschenwelt nebenbei als Zuhälter betätigt,
ansonsten aber für die verderblichen Einflüsse der 30
Silberlinge verantwortlich ist...
Es tut mir wirklich leid, aber das lockt nun wahrhaftig keinen toten
Hund mehr hinterm Ofen hervor. Diese Pseudo-Religiosität bricht
Frau Jung hier das Genick. So ziemlich jede andere Lösung der
Handlung wäre sicherlich besser gewesen als diese.
Dabei ist es schade darum, denn die Einführung der Handlung ist
Barbara Jung wirklich gut gelungen. Doch dann wird das Ganze einfach
wieder zu zuckersüß, als daß es auch nur im
Geringsten einen Bezug zur Realität haben könnte.
Und diese Realitätsferne ist weiterhin Barbara Jungs Problem.
Sie schildert ihre Protagonisten als absolute Idealvorstellung - und
wird dadurch unglaubwürdig bis teilweise gar lächerlich. In
der zweiten Hälfte des Romans hebelt sie praktisch alles aus,
was sie zu Anfang aufgebaut hat, verweist den Leser in den diffusen
Zwischenraum, in dem er nicht mehr entscheiden kann, ob das, was er
gelesen hat, nun Schwachsinn oder einfach nur egal ist.
Gut, es mag sein, daß ich in Sachen religiöser Themen
nicht unbedingt der richtige Ansprechpartner bin - doch wage ich zu
bezweifeln, daß selbst die katholische Kirche sich zu mehr als
einem "ist in Ordnung" durchringen könnte.
Fazit:
In der ersten Hälfte recht gut, verflacht die Story in ihrer
Auflösung umso mehr. Ein liebenswürdiger Stil prägt
die Romane Barbara Jungs, doch bleibt außer einem idealisierten
Protagonistenbild nichts übrig. Es ist vergnüglich zu lesen
(wenn man nicht weiter darüber nachdenkt), aber mehr mit
Sicherheit nicht.
5 Punkte.