Melanie Rawn:

"Der Schatten des Bruders"

(Drachenprinz 4)
OT: Dragonprince 2 - The Star Scroll (Chapter 15 - 31)
Ü: Imke Brodersen
USA 1989
(416 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet 24559, ISBN 3-442-24559-1, DM 16,90)
- erschienen: Dezember 2000 -

Wieder einmal gibt es Rialla - das große Treffen aller Prinzen des Landes, um Grenzen festzulegen, Gesetze zu bestimmen und Verträge auszuhandeln. Zunächst scheint auch alles ganz nach Rohans Plan zu laufen, der langsam aber sicher seinen Sohn als seinen Nachfolger in der Prinzenmark etablieren will. Doch mit der Ruhe ist es schnell vorbei, als der finstere Masul auftaucht. Er behauptet, der rechtmäßige Sohn des lange verstorbenen Roelstra zu sein - und somit auch Erbe der Prinzenmark.
Vor einem Moment noch sicherer Herrscher, befindet sich Hoheprinz Rohan nun auf einmal in einer äußerst unangenehmen Situation, denn es gibt nicht wenige, die Masul glauben - oder ihm glauben wollen...

In Band vier überschlagen sich die Ereignisse. Ging es in Band 3 (aufgrund der Büchertrennung) eher etwas gemächlicher zur Sache, so ist es nun Zeit, die Handlung voranschreiten zu lassen. Dabei spielen vor allem die Elemente eine Rolle, die sich auch schon im letzten Band angedeutet haben. Krieg ist weniger das zentrale Mittel; statt dessen geht es verstärkt um Intrigen, Täuschung und Magie. Sehr zu meinem Leidwesen nimmt dabei aber wieder genau das Spiel der Charaktere verstärkt zu, das mir schon in der Vergangenheit nicht besonders zugesagt hat. Es geht um Adel, Ehre und darum, was die Herren Ritter, Prinzen, Knappen etc. so alles treiben. Zeitweise hat man eher das Gefühl, einen mittelalterlichen Roman zu lesen, wären da nicht andauernd die Lichtläufer mit ihrer Magie.
Für mich haben viele dieser Elemente in der hier gebrauchten Darstellung einen zu extrem kitschigen Geschmack, und das hat mir sehr oft den Spaß am Lesen genommen. Auf der anderen Seite geht die Autorin in ihren Schilderungen (also auch auf der kitschigen Ebene) ihren gradlinigen und konsequenten Weg durch, und das ist schon wieder imponierend. Ich weiß, daß es eine Menge Menschen gibt, denen diese Schilderungen gefallen werden, und so werden sie besonders an diesem Roman ihre wahre Freude haben.
Ansonsten habe ich schon fast das Gefühl, die Rezi vom letzten Mal abschreiben zu können.
Die Handlung ist ein bißchen wirr und hat für meinen Teil zu viele Charaktere, von denen nicht wenige auch immer unwichtig bleiben und so für den Leser nur recht belanglose Details am Rande sind. Der Roman an sich ist im großen und ganzen recht gut geschrieben, wenn er auch am Ende doch ein wenig zu stark auf ein Happy End getrimmt wurde. Während die Handlung die ganze Zeit über recht gemächlich vor sich hinfließt, wird nun nicht nur das Erzähltempo rapide angehoben; es passieren auch (endlich) mal ein paar Überraschungen. Die aber steuern nur noch konsequent auf das Ende zu und geben der Geschichte keine großen Impulse mehr.

Fazit:
Der Kitsch nimmt zu, die Drachen sind fast gar nicht mehr dabei. Ansonsten ist dieser Roman die konsequente Fortführung seines Vorgängers.
9 Punkte

Alexander Haas


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