Edgar Rice Burroughs:

"Caprona - Im Reich der Dinosaurier"

OT: The Land that Time Forgot
Ü: Christopher Weber
USA 1918
(258 Seiten, Paperback, Blitz-Verlag 2119, ISBN 3-89840-000-X, DM 24,80)
- erschienen: Dezember 2000 -
eBook:
(353 kB, Blitz-Verlag, ISBN 3-89856-162-3, DM 13,80)
- erschienen: Februar 2001 -

Zum Inhalt:
Im Jahr 1916 wird das Schiff, auf dem sich der Amerikaner Bowen Tyler befindet, kurz vor der französischen Küste von einem deutschen U-Boot versenkt. Bowen und eine Frau namens Lys überleben den Angriff und werden von einem englischen Schiff aufgenommen. Als dieses später offensichtlich von dem gleichen U-Boot angegriffen wird, gelingt es den Engländern, das U-Boot zu kapern. Doch sie haben einen Verräter an Bord, der die Instrumente sabotiert, so daß sie schließlich vor der Küste Capronas landen, einer Insel, die bisher praktisch unbekannt war. Sie ist von außen aufgrund steiler Klippen nicht zugänglich. Da ihnen jedoch die Vorräte ausgehen, suchen sie nach einem Zugang, den sie schließlich unter Wasser in Form einer Höhle finden, die sie mit dem U-Boot gerade so durchqueren können. Auf der Insel finden sie sich in einer phantastischen Welt wieder, die teilweise von Dinosauriern beherrscht wird. Und ein unglaubliches Abenteuer nimmt seinen Anfang...

So unglaublich es klingen mag: Dieser Roman ist beim Blitz-Verlag erstmals in deutscher Sprache erschienen - und das, obwohl er, das möchte ich gleich vorwegnehmen, sicherlich zu den besten Werken von Edgar Rice Burroughs gehört.
Der hauptsächlich durch seine "Tarzan"-Romane bekanntgewordene Autor hat hier einen sehr phantasievollen Fantasy-Roman geschaffen, der sich mit dem Verlauf der Evolution befaßt - soweit die Theorien hierzu im Jahr 1918 gediehen waren. Überhaupt ist das Entstehungsdatum des dreigeteilten Romans für seine Beurteilung sehr wichtig. Denn Burroughs baut (wie auch in seinen "Tarzan"-Romanen) einige eindeutig rassistische Tendenzen ein; die Auffassung, daß die weiße Hautfarbe der schwarzen überlegen sei, ist zu dieser Zeit gang und gäbe gewesen. Konsequenterweise haben die verschiedenen "Affen" auf Caprona je nach ihrem jeweiligen Stand auf der Leiter der Evolution dann auch mehr oder weniger "negroide" Züge. Zwar weicht Burroughs in seinem Roman ein wenig von den rassistischen Tendenzen ab, wenn er Liebesbeziehungen zwischen den Bewohnern Capronas und den Eindringlingen zuläßt, doch müssen die "Capronier" dann schon der höchsten dort möglichen Entwicklungsstufe angehören, um sich mit einem Menschen paaren zu dürfen.
Wie gesagt, diesen unterschwelligen Rassismus muß man im Zusammenhang mit der Entstehungszeit des Romans sehen. Vor bald schon einem Jahrhundert war diese Geisteshaltung normal und allgemein anerkannt. Man muß dies nicht billigen, jedoch sollte man es aus historischer Sicht hinnehmen und sich lieber dem Inhalt des Romans zuwenden.
Diesen Inhalt mag der eine oder andere vielleicht durch die Verfilmungen zu kennen meinen, doch sollte man solche Gedanken schnellstens verwerfen. Das unsägliche Werk von 1957, "Der Flug zur Hölle", zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß es mit dem Roman praktisch kaum etwas gemeinsam hat - und ist glücklicherweise mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden, aus der es nur alle Jubeljahre einmal ein Privatsender hervorholt. Bekannter und öfter zu sehen ist da schon der Zweiteiler "Caprona - Das vergessene Land" und "Caprona II - Verschollen im Eis". Zumindest der erste Teil lief wenige Wochen vor dem Zeitpunkt, zu dem diese Rezension entstanden ist, wieder einmal im Fernsehen. Dabei ist dieser erste Teil gar nicht mal so schlecht, bleibt er doch relativ nah am Roman, wovon der zweite Teil dann wieder meilenweit entfernt ist.
Doch zurück zum Roman.
Im Gegensatz zu den Filmen bietet die Trilogie eine recht interessante und abenteuerliche Handlung, die sich mit dem Verlauf der Evolution beschäftigt. Der Lebenszyklus auf Caprona weist einige interessante Aspekte auf und wird mit einer durchaus spannenden Handlung garniert. Sicherlich, man muß ein gewisses bibliophiles Interesse mitbringen, um sich mit diesem Roman zu beschäftigen, doch ist das Ergebnis dieser Beschäftigung dann durchaus befriedigend.
Abgerundet wird diese deutsche Erstveröffentlichung mit einem Sekundärartikel von Kurt S. Denkena über ERB im Allgemeinen und "Caprona" im Besonderen. Eine schöne Beigabe, die man sich manchmal auch bei anderen Romanen wünschen würde.

Fazit:
"Caprona" bietet dem Leser zwar stilistisch natürlich etwas altbacken anmutende, nichtsdestotrotz jedoch gute Abenteuer-Fantasy. Diese Trilogie stellt sicherlich eines der besten Werke des "Tarzan"-Autors Edgar Rice Burroughs dar. ERB setzt hier das Darwinsche Evolutionsmodell zwar etwas eigenwillig, jedoch konsequent und phantasievoll um.
10 Punkte.

Winfried Brand


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