Zum
Inhalt:
Im Jahr 1916 wird das Schiff, auf dem sich der Amerikaner Bowen Tyler
befindet, kurz vor der französischen Küste von einem
deutschen U-Boot versenkt. Bowen und eine Frau namens Lys
überleben den Angriff und werden von einem englischen Schiff
aufgenommen. Als dieses später offensichtlich von dem gleichen
U-Boot angegriffen wird, gelingt es den Engländern, das U-Boot
zu kapern. Doch sie haben einen Verräter an Bord, der die
Instrumente sabotiert, so daß sie schließlich vor der
Küste Capronas landen, einer Insel, die bisher praktisch
unbekannt war. Sie ist von außen aufgrund steiler Klippen nicht
zugänglich. Da ihnen jedoch die Vorräte ausgehen, suchen
sie nach einem Zugang, den sie schließlich unter Wasser in Form
einer Höhle finden, die sie mit dem U-Boot gerade so durchqueren
können. Auf der Insel finden sie sich in einer phantastischen
Welt wieder, die teilweise von Dinosauriern beherrscht wird. Und ein
unglaubliches Abenteuer nimmt seinen Anfang...
So unglaublich es klingen mag: Dieser Roman ist beim Blitz-Verlag
erstmals in deutscher Sprache erschienen - und das, obwohl er, das
möchte ich gleich vorwegnehmen, sicherlich zu den besten Werken
von Edgar Rice Burroughs gehört.
Der hauptsächlich durch seine "Tarzan"-Romane bekanntgewordene
Autor hat hier einen sehr phantasievollen Fantasy-Roman geschaffen,
der sich mit dem Verlauf der Evolution befaßt - soweit die
Theorien hierzu im Jahr 1918 gediehen waren. Überhaupt ist das
Entstehungsdatum des dreigeteilten Romans für seine Beurteilung
sehr wichtig. Denn Burroughs baut (wie auch in seinen
"Tarzan"-Romanen) einige eindeutig rassistische Tendenzen ein; die
Auffassung, daß die weiße Hautfarbe der schwarzen
überlegen sei, ist zu dieser Zeit gang und gäbe gewesen.
Konsequenterweise haben die verschiedenen "Affen" auf Caprona je nach
ihrem jeweiligen Stand auf der Leiter der Evolution dann auch mehr
oder weniger "negroide" Züge. Zwar weicht Burroughs in seinem
Roman ein wenig von den rassistischen Tendenzen ab, wenn er
Liebesbeziehungen zwischen den Bewohnern Capronas und den
Eindringlingen zuläßt, doch müssen die "Capronier"
dann schon der höchsten dort möglichen Entwicklungsstufe
angehören, um sich mit einem Menschen paaren zu dürfen.
Wie gesagt, diesen unterschwelligen Rassismus muß man im
Zusammenhang mit der Entstehungszeit des Romans sehen. Vor bald schon
einem Jahrhundert war diese Geisteshaltung normal und allgemein
anerkannt. Man muß dies nicht billigen, jedoch sollte man es
aus historischer Sicht hinnehmen und sich lieber dem Inhalt des
Romans zuwenden.
Diesen Inhalt mag der eine oder andere vielleicht durch die
Verfilmungen zu kennen meinen, doch sollte man solche Gedanken
schnellstens verwerfen. Das unsägliche Werk von 1957, "Der Flug
zur Hölle", zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß es
mit dem Roman praktisch kaum etwas gemeinsam hat - und ist
glücklicherweise mehr oder weniger in der Versenkung
verschwunden, aus der es nur alle Jubeljahre einmal ein Privatsender
hervorholt. Bekannter und öfter zu sehen ist da schon der
Zweiteiler "Caprona - Das vergessene Land" und "Caprona II -
Verschollen im Eis". Zumindest der erste Teil lief wenige Wochen vor
dem Zeitpunkt, zu dem diese Rezension entstanden ist, wieder einmal
im Fernsehen. Dabei ist dieser erste Teil gar nicht mal so schlecht,
bleibt er doch relativ nah am Roman, wovon der zweite Teil dann
wieder meilenweit entfernt ist.
Doch zurück zum Roman.
Im Gegensatz zu den Filmen bietet die Trilogie eine recht
interessante und abenteuerliche Handlung, die sich mit dem Verlauf
der Evolution beschäftigt. Der Lebenszyklus auf Caprona weist
einige interessante Aspekte auf und wird mit einer durchaus
spannenden Handlung garniert. Sicherlich, man muß ein gewisses
bibliophiles Interesse mitbringen, um sich mit diesem Roman zu
beschäftigen, doch ist das Ergebnis dieser Beschäftigung
dann durchaus befriedigend.
Abgerundet wird diese deutsche Erstveröffentlichung mit einem
Sekundärartikel von Kurt S. Denkena über ERB im Allgemeinen
und "Caprona" im Besonderen. Eine schöne Beigabe, die man sich
manchmal auch bei anderen Romanen wünschen würde.
Fazit:
"Caprona" bietet dem Leser zwar stilistisch natürlich etwas
altbacken anmutende, nichtsdestotrotz jedoch gute Abenteuer-Fantasy.
Diese Trilogie stellt sicherlich eines der besten Werke des
"Tarzan"-Autors Edgar Rice Burroughs dar. ERB setzt hier das
Darwinsche Evolutionsmodell zwar etwas eigenwillig, jedoch konsequent
und phantasievoll um.
10 Punkte.
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