L.E. Modesitt Jr.:

"Der Chaos Pakt"

(Recluce-Zyklus Band 7)
OT: The Chaos Balance
Ü: Jürgen Langowski
USA 1997
(798 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9056, ISBN 3-459-172225-6, DM 24,90)
- erschienen: Januar 2001 -

Unter dem Kommando von Ryba haben sich die Engel auf dem Hochplateau von Westwind so langsam eingelebt, und nachdem (im letzten Band) die ärgsten Feinde besiegt wurden, kann jetzt etwas Ruhe einkehren. Davon ist Rybas ehemaliger Gefährte Nylan jedoch ausgenommen. Immer weiter muß er an Waffen für die Garde arbeiten, und immer mehr spitzt sich der Konflikt zwischen ihm und Ryba zu - bis er eines Tages einen Entschluß faßt. Gemeinsam mit seinem Sohn Weryl und der Heilerin Ayrlyn verläßt er Westwind, den Zufluchtsort der Frauen, und zieht nach Lornth, das er bis vor kurzem noch erbittert bekämpfen mußte.
Hier werden die drei Engel mit sehr viel Mißtrauen aufgenommen. Dennoch hat man keine Skrupel, ihre Hilfe im Krieg gegen das mächtige Cyador anzunehmen. Kaum aus dem einen Krieg entkommen, sieht sich Nylan also schon in den nächsten verwickelt, doch diesmal findet er eine Spur, die ihn endlich von den Konflikten der Menschen wegbringen könnte: der geheimnisvolle Wald von Naclos.

Nun ist der Recluce-Zyklus schon 7 dicke Bände alt, und noch immer hat es keinen richtigen Aussetzer gegeben. Vielmehr bringt der Autor es fertig, nicht nur Charaktere und Schauplätze auszutauschen, sondern auch eine Wandlung in der Handlung zu vollziehen. Jetzt sieht man auch erst, welche Grundlagen in Band 6 schon gelegt worden sind. Zunächst sah es nach einer doch recht althergebrachten Sache aus. Der Schmied Nylan ist fleißig und erfinderisch; auf diese Weise gelingt es ihm allein (vielleicht mit nur ein wenig Hilfe), die Feinde zu vernichten.
O.k., vieles davon kommt hier auch wieder zum Tragen, aber diesmal merkt man im Lauf des Romans, wie sich die Schwerpunkte verlagern. Nun arbeitet Nylan nicht mehr einfach nur für das Notwendige, sondern auch mit dem konkreten Ziel, sich und seine liebsten Mitmenschen endlich aus dem Kreis der nicht endenden Gewalt herauszulösen (worunter er sehr leidet).
Um das zu schildern, präsentiert der Autor dem Leser eine Fülle von unterschiedlichen Wertemustern. Zum einen die Menschen aus Lornth. Sie werden von einem unglaublichen Ehrgefühl angetrieben, das sie lieber in den bewußten Tod gehen läßt, als unehrenhaft zu kämpfen. Das bringt sie in Konflikt mit den Engeln aus Westwind. Nylan tut das, was getan werden muß. Und wenn dies nun einmal heißt, grausam zu sein, dann ist er einfach grausam.
Allerdings wird das nicht einfach nur so in den Raum gestellt, sondern Nylan beschäftigt sich konsequent und ständig mit diesem Thema, wenn er auch keinen richtigen Ausweg findet.
Dadurch wird der Roman aber auch mit einigen interessanten Gedanken zum Thema Krieg gefüllt, die in dieser Form bisher eher selten zu lesen waren. Die meisten Darstellungen beschränken sich darauf, einfach auszusagen, daß Krieg ja wirklich unglaublich grausam ist - und dann wird drauflosgekillt, daß man sich fragt: "Und was war eben mit den negativen Seiten des Krieges?" Diese Frage stellt sich bei Modesitt jr. nicht. Gewalt und Krieg sind zwar zentrale Elemente des Romans, aber am Ende stehen Ruhe und Frieden.

Fazit:
Ein schöner Roman, der sich manchmal ein wenig intensiv mit Gewalt und Grausamkeit befaßt. Allerdings bleiben diese Dinge immer der Phantasie des Lesers vorbehalten und werden nicht zu deutlich geschildert. Hinzu kommen zwei sehr interessante Protagonisten und ein Roman, der gut in die bisherige Reihe paßt.
12 Punkte

Alexander Haas


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