Unter dem
Kommando von Ryba haben sich die Engel auf dem Hochplateau von
Westwind so langsam eingelebt, und nachdem (im letzten Band) die
ärgsten Feinde besiegt wurden, kann jetzt etwas Ruhe einkehren.
Davon ist Rybas ehemaliger Gefährte Nylan jedoch ausgenommen.
Immer weiter muß er an Waffen für die Garde arbeiten, und
immer mehr spitzt sich der Konflikt zwischen ihm und Ryba zu - bis er
eines Tages einen Entschluß faßt. Gemeinsam mit seinem
Sohn Weryl und der Heilerin Ayrlyn verläßt er Westwind,
den Zufluchtsort der Frauen, und zieht nach Lornth, das er bis vor
kurzem noch erbittert bekämpfen mußte.
Hier werden die drei Engel mit sehr viel Mißtrauen aufgenommen.
Dennoch hat man keine Skrupel, ihre Hilfe im Krieg gegen das
mächtige Cyador anzunehmen. Kaum aus dem einen Krieg entkommen,
sieht sich Nylan also schon in den nächsten verwickelt, doch
diesmal findet er eine Spur, die ihn endlich von den Konflikten der
Menschen wegbringen könnte: der geheimnisvolle Wald von
Naclos.
Nun ist der Recluce-Zyklus schon 7 dicke Bände alt, und noch
immer hat es keinen richtigen Aussetzer gegeben. Vielmehr bringt der
Autor es fertig, nicht nur Charaktere und Schauplätze
auszutauschen, sondern auch eine Wandlung in der Handlung zu
vollziehen. Jetzt sieht man auch erst, welche Grundlagen in Band 6
schon gelegt worden sind. Zunächst sah es nach einer doch recht
althergebrachten Sache aus. Der Schmied Nylan ist fleißig und
erfinderisch; auf diese Weise gelingt es ihm allein (vielleicht mit
nur ein wenig Hilfe), die Feinde zu vernichten.
O.k., vieles davon kommt hier auch wieder zum Tragen, aber diesmal
merkt man im Lauf des Romans, wie sich die Schwerpunkte verlagern.
Nun arbeitet Nylan nicht mehr einfach nur für das Notwendige,
sondern auch mit dem konkreten Ziel, sich und seine liebsten
Mitmenschen endlich aus dem Kreis der nicht endenden Gewalt
herauszulösen (worunter er sehr leidet).
Um das zu schildern, präsentiert der Autor dem Leser eine
Fülle von unterschiedlichen Wertemustern. Zum einen die Menschen
aus Lornth. Sie werden von einem unglaublichen Ehrgefühl
angetrieben, das sie lieber in den bewußten Tod gehen
läßt, als unehrenhaft zu kämpfen. Das bringt sie in
Konflikt mit den Engeln aus Westwind. Nylan tut das, was getan werden
muß. Und wenn dies nun einmal heißt, grausam zu sein,
dann ist er einfach grausam.
Allerdings wird das nicht einfach nur so in den Raum gestellt,
sondern Nylan beschäftigt sich konsequent und ständig mit
diesem Thema, wenn er auch keinen richtigen Ausweg findet.
Dadurch wird der Roman aber auch mit einigen interessanten Gedanken
zum Thema Krieg gefüllt, die in dieser Form bisher eher selten
zu lesen waren. Die meisten Darstellungen beschränken sich
darauf, einfach auszusagen, daß Krieg ja wirklich unglaublich
grausam ist - und dann wird drauflosgekillt, daß man sich
fragt: "Und was war eben mit den negativen Seiten des Krieges?" Diese
Frage stellt sich bei Modesitt jr. nicht. Gewalt und Krieg sind zwar
zentrale Elemente des Romans, aber am Ende stehen Ruhe und
Frieden.
Fazit:
Ein schöner Roman, der sich manchmal ein wenig intensiv mit
Gewalt und Grausamkeit befaßt. Allerdings bleiben diese Dinge
immer der Phantasie des Lesers vorbehalten und werden nicht zu
deutlich geschildert. Hinzu kommen zwei sehr interessante
Protagonisten und ein Roman, der gut in die bisherige Reihe
paßt.
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