Irene Salzmann:

"Die Spielhölle"

(Rettungskreuzer Ikarus - Band 4)
D 2001
(96 Seiten, Paperback, Arkham Press, DM 12,90)
- erschienen: Januar 2001 -

Die Raumstation Elysium, die um den Planeten Zughmar II kreist, ist ein Paradies für Vergnügungssüchtige, Touristen und allerlei zwielichtige Gestalten. Zu letzteren gehört der freie Händler Jason Knight, der zusammen mit seiner Partnerin Shilla auf der Station weilt. Als er gerade eines seiner Geschäfte abwickeln will, wird Elysium von irgendetwas gerammt. Später wird sich herausstellen, daß es eine Privatjacht war, die einen "Unfall" erleiden sollte. Die geplante Explosion ereignete sich jedoch nicht draußen im All, sondern genau zu dem Zeitpunkt, als die Jacht außer Kurs geriet und auf die Station prallte.
Der Notruf erreicht die Ikarus. Diese macht sich natürlich sofort auf den Weg. Allerdings hat das Konsortium, das die Station leitet, eher die Rettung der eigenen Leute als die der Zivilisten und Raumfahrer im Sinn. Erst nachdem ein geheimnisvoller Fremder zugunsten der Zivilisten interveniert, startet die Ikarus die Rettungsmission.
Währenddessen schlägt sich Jason zusammen mit einer jungen Wenxi und Shilla durch die Raumstation zu seinem Schiff durch. Da Shilla Telepathin ist, können sie quasi nebenbei noch einige Leute retten.
Allmählich stellt sich heraus, daß der Platz in den Raumschiffen, die Sentenza zusätzlich zur Rettung der Zivilisten akquiriert hat, nicht für alle ausreichen wird. Glücklicherweise befindet sich ein Hospitalschiff in der Nähe, dessen Besatzung bei der Kollision auf der Raumstation getötet wurde. Unglücklicherweise verweigert der Zentralcomputer den Zugriff auf das Schiff. So macht sich Wenderveen auf, um den Code zu knacken.
Kurz zuvor stößt Sonja diMersi auf das Trio um Jason Knight. Als Jason vom Vorstoß Wenderveens erfährt (der mittlerweile doch leichte Probleme hat), zögert er keine Sekunde und eilt diesem zu Hilfe.
Unterdessen versucht Sentenza, zwei Außerirdischen klarzumachen, daß die Station bald auf den Planeten krachen wird, doch diese sind so in ihr Spiel vertieft, daß sie Sentenza ignorieren. Erst als Shilla auf telepathischer Ebene Kontakt aufnimmt und das Spiel als dritter Spieler gewinnt, gehen die Außerirdischen. Als Belohnung für das gewonnene Spiel geben sie Sentenza ein silbernes Plättchen.
Unterdessen haben Wenderveen und Jason das Hospitalschiff betreten und den Zentralcomputer lahmgelegt. Somit ist genug Platz für die Besucher der Station, und alle können gerettet werden. Was es jedoch mit dem rätselhaften Plättchen auf sich hat, bleibt ein Geheimnis.

Mit einiger Verspätung ist endlich Band 4 der Serie "Rettungskreuzer Ikarus" erschienen. Äußerlich unverändert, hat das Innere doch zwei Neuerungen zu bieten: Es gibt einen Kasten mit kurzen Angaben zur Besatzung des Kreuzers, und das Papier ist irgendwie dünner geworden. Nichts Weltbewegendes, aber es fällt doch auf.
Der Plot dieses Romanes ist nicht weiter spannend: Wir haben eine Raumstation mit der aus Deep Space Nine und Babylon 5 bekannten gemischten Gesellschaft aus Aliens und Menschen. Diese wird also durch die Kollision beschädigt, und die Ikarus bricht halt zur Rettungsmission auf. Wenn man viel SF liest, hat man das so oder ähnlich schon mal gelesen und weiß in etwa, was einen erwarten wird. Diese Erwartungen werden dann auch erfüllt. Irene Salzmann hat einen soliden, fast schon zu routinierten Roman geschrieben, der leider ab und an doch leichte Durchhänger hat. Dazu zählen nicht die Szenen mit Lear und dem "dicken Mann" - hmm, die geklonten und mit einem Grundstock an Erinnerungen versehenen Wenxis, die der "dicke Mann" kaltherzig vernichten läßt, wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllt haben, sind offensichtlich Deep Space Nine entlehnt; wir erinnern uns an die Vorta. Diese Szenen wirken zwar etwas fehlplaziert, sind aber nötig, um den roten Faden der Serie weiterzuspinnen. Vielmehr sind es meist die Szenen, die in der Ikarus spielen, und teilweise die Ereignisse um Jason. Da plätschert dann die Handlung sehr beschaulich vor sich hin; gut, es passiert zwar was, aber so richtig fesselnd ist es dann nicht. Der Anflug auf das Hospitalschiff zum Beispiel ähnelt eher einer gemütlichen Butterfahrt als einer gefährlichen Mission. Wenderveen tuckelt gemächlich vor sich hin; ab und an sind da zwar irgendwelche Sonden, aber die sind nicht sehr interessant. Und daß Jasons Schiff mit einem besonderen Abwehrschirm umgeben ist, klingt zwar logisch, doch er wirkt hier wie der deus ex machina.
Das könnte am Schreibstil der Autorin liegen, der dem Rezensenten zuweilen recht monoton vorkommt. Allerdings streut Irene Salzmann ab und an eine Prise Humor und Ironie in den Roman - und gerade das sind die Szenen, die dem Rezensenten sehr gefallen haben. Schade, daß es nicht mehr davon gibt.
Auch die Charaktere überzeugen nicht so recht. Die Besatzung der Ikarus verhält sich oft holzschnittartig und sehr stereotyp. Zum Beispiel wird immer wieder betont, wie Sonja diMersi ihre Besatzung verloren hat. Nach der dritten Wiederholung nervt es erheblich. Und das ist nicht nur bei diMersi so, sondern auch bei Wenderveen und Jason Knight. (Jason Knight? Irre ich mich, oder war das der Fahrer von K.I.T.T.? ;-) (* Der hieß doch 'Michael', oder? Ich mußte da eigentlich eher sofort an einen gewissen Nicholas Knight denken, bzw. an einen unserer Bekannten, der diesen netten Vampir so gern mochte. (Falls Du das liest: Hi Nick! Hast Du auch noch genug 'Rotwein' im Kühlschrank? ;-))) ) Heike))
Da bringt das Lesen kein rechtes Vergnügen - schließlich haben Dirk van den Boom und Sylke Brandt bewiesen, daß es auch anders geht.

Fazit:
Wer großartige Überraschungen erwartet, wird enttäuscht sein. Der Plot ist sehr vorausschaubar; die Charaktere vermögen nicht zu überzeugen. Nur der Humor und die Ironie Irene Salzmanns verhelfen dem Roman zu der untenstehenden Note.
4 Punkte

Christian Spließ