Die
Raumstation Elysium, die um den Planeten Zughmar II kreist, ist ein
Paradies für Vergnügungssüchtige, Touristen und
allerlei zwielichtige Gestalten. Zu letzteren gehört der freie
Händler Jason Knight, der zusammen mit seiner Partnerin Shilla
auf der Station weilt. Als er gerade eines seiner Geschäfte
abwickeln will, wird Elysium von irgendetwas gerammt. Später
wird sich herausstellen, daß es eine Privatjacht war, die einen
"Unfall" erleiden sollte. Die geplante Explosion ereignete sich
jedoch nicht draußen im All, sondern genau zu dem Zeitpunkt,
als die Jacht außer Kurs geriet und auf die Station
prallte.
Der Notruf erreicht die Ikarus. Diese macht sich natürlich
sofort auf den Weg. Allerdings hat das Konsortium, das die Station
leitet, eher die Rettung der eigenen Leute als die der Zivilisten und
Raumfahrer im Sinn. Erst nachdem ein geheimnisvoller Fremder
zugunsten der Zivilisten interveniert, startet die Ikarus die
Rettungsmission.
Währenddessen schlägt sich Jason zusammen mit einer jungen
Wenxi und Shilla durch die Raumstation zu seinem Schiff durch. Da
Shilla Telepathin ist, können sie quasi nebenbei noch einige
Leute retten.
Allmählich stellt sich heraus, daß der Platz in den
Raumschiffen, die Sentenza zusätzlich zur Rettung der Zivilisten
akquiriert hat, nicht für alle ausreichen wird.
Glücklicherweise befindet sich ein Hospitalschiff in der
Nähe, dessen Besatzung bei der Kollision auf der Raumstation
getötet wurde. Unglücklicherweise verweigert der
Zentralcomputer den Zugriff auf das Schiff. So macht sich Wenderveen
auf, um den Code zu knacken.
Kurz zuvor stößt Sonja diMersi auf das Trio um Jason
Knight. Als Jason vom Vorstoß Wenderveens erfährt (der
mittlerweile doch leichte Probleme hat), zögert er keine Sekunde
und eilt diesem zu Hilfe.
Unterdessen versucht Sentenza, zwei Außerirdischen
klarzumachen, daß die Station bald auf den Planeten krachen
wird, doch diese sind so in ihr Spiel vertieft, daß sie
Sentenza ignorieren. Erst als Shilla auf telepathischer Ebene Kontakt
aufnimmt und das Spiel als dritter Spieler gewinnt, gehen die
Außerirdischen. Als Belohnung für das gewonnene Spiel
geben sie Sentenza ein silbernes Plättchen.
Unterdessen haben Wenderveen und Jason das Hospitalschiff betreten
und den Zentralcomputer lahmgelegt. Somit ist genug Platz für
die Besucher der Station, und alle können gerettet werden. Was
es jedoch mit dem rätselhaften Plättchen auf sich hat,
bleibt ein Geheimnis.
Mit einiger Verspätung ist endlich Band 4 der Serie
"Rettungskreuzer Ikarus" erschienen. Äußerlich
unverändert, hat das Innere doch zwei Neuerungen zu bieten: Es
gibt einen Kasten mit kurzen Angaben zur Besatzung des Kreuzers, und
das Papier ist irgendwie dünner geworden. Nichts Weltbewegendes,
aber es fällt doch auf.
Der Plot dieses Romanes ist nicht weiter spannend: Wir haben eine
Raumstation mit der aus Deep Space Nine und Babylon 5 bekannten
gemischten Gesellschaft aus Aliens und Menschen. Diese wird also
durch die Kollision beschädigt, und die Ikarus bricht halt zur
Rettungsmission auf. Wenn man viel SF liest, hat man das so oder
ähnlich schon mal gelesen und weiß in etwa, was einen
erwarten wird. Diese Erwartungen werden dann auch erfüllt. Irene
Salzmann hat einen soliden, fast schon zu routinierten Roman
geschrieben, der leider ab und an doch leichte Durchhänger hat.
Dazu zählen nicht die Szenen mit Lear und dem "dicken Mann" -
hmm, die geklonten und mit einem Grundstock an Erinnerungen
versehenen Wenxis, die der "dicke Mann" kaltherzig vernichten
läßt, wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllt haben,
sind offensichtlich Deep Space Nine entlehnt; wir erinnern uns an die
Vorta. Diese Szenen wirken zwar etwas fehlplaziert, sind aber
nötig, um den roten Faden der Serie weiterzuspinnen. Vielmehr
sind es meist die Szenen, die in der Ikarus spielen, und teilweise
die Ereignisse um Jason. Da plätschert dann die Handlung sehr
beschaulich vor sich hin; gut, es passiert zwar was, aber so richtig
fesselnd ist es dann nicht. Der Anflug auf das Hospitalschiff zum
Beispiel ähnelt eher einer gemütlichen Butterfahrt als
einer gefährlichen Mission. Wenderveen tuckelt gemächlich
vor sich hin; ab und an sind da zwar irgendwelche Sonden, aber die
sind nicht sehr interessant. Und daß Jasons Schiff mit einem
besonderen Abwehrschirm umgeben ist, klingt zwar logisch, doch er
wirkt hier wie der deus ex machina.
Das könnte am Schreibstil der Autorin liegen, der dem
Rezensenten zuweilen recht monoton vorkommt. Allerdings streut Irene
Salzmann ab und an eine Prise Humor und Ironie in den Roman - und
gerade das sind die Szenen, die dem Rezensenten sehr gefallen haben.
Schade, daß es nicht mehr davon gibt.
Auch die Charaktere überzeugen nicht so recht. Die Besatzung der
Ikarus verhält sich oft holzschnittartig und sehr stereotyp. Zum
Beispiel wird immer wieder betont, wie Sonja diMersi ihre Besatzung
verloren hat. Nach der dritten Wiederholung nervt es erheblich. Und
das ist nicht nur bei diMersi so, sondern auch bei Wenderveen und
Jason Knight. (Jason Knight? Irre ich mich, oder war das der Fahrer
von K.I.T.T.? ;-) (* Der hieß doch 'Michael', oder? Ich
mußte da eigentlich eher sofort an einen gewissen Nicholas
Knight denken, bzw. an einen unserer Bekannten, der diesen netten
Vampir so gern mochte. (Falls Du das liest: Hi Nick! Hast Du auch
noch genug 'Rotwein' im Kühlschrank? ;-))) ) Heike))
Da bringt das Lesen kein rechtes Vergnügen - schließlich
haben Dirk van den Boom und Sylke Brandt bewiesen, daß es auch
anders geht.
Fazit:
Wer großartige Überraschungen erwartet, wird
enttäuscht sein. Der Plot ist sehr vorausschaubar; die
Charaktere vermögen nicht zu überzeugen. Nur der Humor und
die Ironie Irene Salzmanns verhelfen dem Roman zu der untenstehenden
Note.
4 Punkte