Barbara Jung:

"Planets of no Return"

(Lost Planets - Band 4)
D 2000
(386 Seiten, Paperback, BeJot-Verlag, IBN 3-934582-10-9, DM 37,50)
- erschienen: Dezember 2000 -
eBook:
(513 kB, BeJot-Verlag, ISBN 3-89856-157-7, DM 12,90)
- erschienen: Dezember 2001 -

Zum Inhalt:
Die Rrixsieh erreicht den Heimatplaneten der Szinjoh, deren Königinnen bereits von Benjamin Taylor vorgewarnt wurden. Trotzdem gelingt eine unbemerkte Landung, und so macht man sich an die Aufgabe, die Königinnen zu stürzen und den Planeten bzw. die Szinjoh-Zivilisation vor der Vernichtung zu retten...

Immerhin, gegenüber dem dritten Teil des Zyklus geht die Handlung inzwischen doch nennenswert weiter. Allerdings besticht auch dieser Roman wieder durch den liebenswert-süßen Stil der Autorin, die ihre Adjektiv-Verliebtheit einfach nicht ablegen kann und zudem alles bis ins kleinste beschreibt, bis der Leser es förmlich herunterbeten kann.
Dabei ist die Handlung an sich durchaus unterhaltend gestaltet, jedoch (typisch für die Autorin) mit reichlich viel Pathos durchsetzt, der stellenweise fast lächerlich wirkt.
Hinzu kommt, daß die Autorin weiterhin diverse handlungsinterne Fehler und Ungereimtheiten einbaut, die allerdings für Books on Demand typisch sind. Immerhin wird hier kein Lekor eingesetzt, der den Text überprüft, sondern der Autor selber ist normalerweise die letzte Kontrollinstanz. Hinsichtlich der allgemein anerkannten Regel, die eigenen Werke niemals selber korrekturzulesen, sondern einen möglichst Unbeteiligten diese Arbeit erledigen zu lassen, damit Fehler überhaupt gefunden werden, kann dies natürlich erst gar nicht gutgehen.
Und so fragt sich der Leser angesichts der Meldung, daß die Erde mehr oder weniger zerstört sei (wobei die indoktrinierte Ahnung, daß hier ein gewisser malerischer Planet zur Ansiedelung gewisser Terraner bestimmt war, vgl. hierzu die Rezension zum dritten Band des Zyklus, jetzt zur Gewißheit wird), wie man denn diese Nachricht überhaupt hat bekommen können. Hier muß wohl eine Funktechnik eingesetzt werden, die offensichtlich problemlos intergalaktische Entfernungen überbrückt - für eine Hin- und Rückreise per Raumschiff kann die Zeit jedenfalls nicht ausgereicht haben, wenn man die Reisedauer von Band drei der Serie in die Betrachtung einbezieht. Wieder ein Beispiel für die größte Schwäche der Autorin: die Technik.
Aber auch sonst bietet die Autorin diverse eher weltfremde Standpunkte. Da sind u.a. die Szinjoh, die die Menschen dazu überreden wollen, doch nicht mit ihnen zusammenzuarbeiten, denn sie können nicht für ihre Sicherheit garantieren. (Ja, war das nicht von vornherein klar? Man plant eine Revolution, einen Umsturz des bestehenden Systems. Da ist "Sicherheit" gewiß das Letzte, wofür man garantieren kann...) Zudem ist es mehr als nur unwahrscheinlich, daß die Bewohner eines Planeten nicht wissen, welche Früchte auf eben diesem Planeten eßbar sind. Selbst wenn man sich naturfern in drei Städte zurückgezogen und die Umgebung nicht weiter beachtet hat (für eine raumfahrende Nation sehr, sehr unwahrscheinlich...), sollte man doch zumindest halbwegs wissen, was man zu sich nehmen kann und was nicht...
Auch die unbemerkte Landung der Revolutionäre ist schon recht merkwürdig. Zwar bietet die Autorin hier eine Erklärung an, doch wage ich einfach einmal zu behaupten, daß dies so gar nicht klappen kann. Eine raumfahrende Spezies, die zudem noch Eroberungsfeldzüge plant, sollte gefälligst die eigene Umgebung besser im Auge haben. Ansonsten dürfte man sowieso leichte Probleme damit haben, irgendeinen Planeten zu erobern, der von einer intelligenten Spezies bevölkert wird. Oder sollte ich hier übersehen haben, daß das Jungsche Universum von friedliebenden, absolut mißtrauenslosen Wesen bevölkert wird, die alle immer nur das Beste von ihrem Gegenüber annehmen und sich nur absolute Ausnahmen einer egoistischen, gar "bösen" Gesinnung bemächtigen? Manchmal hat man bei ihren Romanen diesen Eindruck und fragt sich, weshalb denn trotz dieser Einzelfälle keiner daran denkt, sich abzusichern? Sind die bisher beschriebenen "Bösen" die einzigen, die es im Universum gibt? Wohl kaum...
Noch eine Bemerkung: Es fällt auf, daß die Autorin die einzelnen Kapitel diesmal mit Cliffhangern enden läßt. An sich eine gute Maßnahme, um die Spannung zu steigern. Bei diesem Roman stellt sie den Leser jedoch vor das Problem, daß die Szinjoh-Namen für ihn eigentlich gar nicht zu merken sind. Zu ähnlich sind sich diese - und zudem prasseln sie massiert auf ihn nieder. Dementsprechend hat der Leser ein Problem damit, der Handlung wirklich zu folgen - zumal die meisten der Szinjoh aus charakterlicher Sicht eher allgemein austauschbar sind. Es bieten sich ihm kaum Charakterisierungsmerkmale, an denen er die Szinjoh auseinanderhalten könnte. Zweifelsfrei erkennen kann er eigentlich nur die, die mit terranischen Spitznamen belegt wurden (wobei allerdings - und dies zieht sich seit Band zwei der Serie durch die Handlung) diese Spitznamen eher Kosenamen sind - größtenteils verniedlichend und vor allem möglichst nett. Aber dies zieht sich auch durch die anderen Spezies...
Doch diese Verniedlichung und Verharmlosung zieht sich bis hin zu der "Spitzbubenleiter", die der allgemein bekannten "Räuberleiter" entspricht. Auch hier wird wieder verharmlost - ein Spitzbube ist schließlich etwas anderes als ein gemeiner Räuber. Was bleibt, ist die Vermutung, daß Barbara Jung wahrscheinlich in sehr wohlbehüteten Verhältnissen aufgewachsen ist, die rauhe Wirklichkeit eigentlich gar nicht kennt und in einer absolut idealisierten Welt lebt. "Get a Life!" würde ein Engländer oder Amerikaner hier wohl sagen, ein Ausdruck, der die Sache ziemlich genau trifft, für den es im Deutschen jedoch leider kein direktes Gegenstück gibt. Am ehesten trifft hier noch die Aufforderung zu, "auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen" - etwas, das man der Autorin anscheinend dringend raten muß. So lobenswert diese idealistische Einstellung auch sein mag, die Wirklichkeit ist anders. Und daran ändern auch keine Romane etwas, sosehr man sich auch darum bemüht.
Ich möchte jetzt nicht weiter auf die anderen Merkwürdigkeiten und Unstimmigkeiten eingehen, denn dies würde den Rahmen dieser Rezension deutlich sprengen.
Der vierte Band des Zyklus liest sich jedenfalls wesentlich besser als sein Vorgänger und bietet dazu auch noch ein wenig Handlung. Insgesamt nichts Berauschendes, dafür aber eine nette, wenn auch vollkommen weltfremde Utopie.

Fazit:
"Planets of No Return" bietet wieder ein unterhaltsames, aber auch eher flaches Lesevergnügen. Die Detail- und auch Adjektiv-Verliebtheit der Autorin füllt die Seiten, doch bleibt der Anspruch leider auf den mittelbar bemerkbaren Zeigefinger beschränkt. Für eine wirklich gute Handlung fehlen der Autorin die Technik-Kenntnisse. Nette und sympathische Unterhaltung auf Serien-SF-Niveau.
7 Punkte.

Winfried Brand


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