Zum
Inhalt:
Die Rrixsieh erreicht den Heimatplaneten der Szinjoh, deren
Königinnen bereits von Benjamin Taylor vorgewarnt wurden.
Trotzdem gelingt eine unbemerkte Landung, und so macht man sich an
die Aufgabe, die Königinnen zu stürzen und den Planeten
bzw. die Szinjoh-Zivilisation vor der Vernichtung zu retten...
Immerhin, gegenüber dem dritten Teil des Zyklus geht die
Handlung inzwischen doch nennenswert weiter. Allerdings besticht auch
dieser Roman wieder durch den liebenswert-süßen Stil der
Autorin, die ihre Adjektiv-Verliebtheit einfach nicht ablegen kann
und zudem alles bis ins kleinste beschreibt, bis der Leser es
förmlich herunterbeten kann.
Dabei ist die Handlung an sich durchaus unterhaltend gestaltet,
jedoch (typisch für die Autorin) mit reichlich viel Pathos
durchsetzt, der stellenweise fast lächerlich wirkt.
Hinzu kommt, daß die Autorin weiterhin diverse handlungsinterne
Fehler und Ungereimtheiten einbaut, die allerdings für Books on
Demand typisch sind. Immerhin wird hier kein Lekor eingesetzt, der
den Text überprüft, sondern der Autor selber ist
normalerweise die letzte Kontrollinstanz. Hinsichtlich der allgemein
anerkannten Regel, die eigenen Werke niemals selber korrekturzulesen,
sondern einen möglichst Unbeteiligten diese Arbeit erledigen zu
lassen, damit Fehler überhaupt gefunden werden, kann dies
natürlich erst gar nicht gutgehen.
Und so fragt sich der Leser angesichts der Meldung, daß die
Erde mehr oder weniger zerstört sei (wobei die indoktrinierte
Ahnung, daß hier ein gewisser malerischer Planet zur
Ansiedelung gewisser Terraner bestimmt war, vgl. hierzu die Rezension
zum dritten Band des Zyklus,
jetzt zur Gewißheit wird), wie man denn diese Nachricht
überhaupt hat bekommen können. Hier muß wohl eine
Funktechnik eingesetzt werden, die offensichtlich problemlos
intergalaktische Entfernungen überbrückt - für eine
Hin- und Rückreise per Raumschiff kann die Zeit jedenfalls nicht
ausgereicht haben, wenn man die Reisedauer von Band drei der Serie in
die Betrachtung einbezieht. Wieder ein Beispiel für die
größte Schwäche der Autorin: die Technik.
Aber auch sonst bietet die Autorin diverse eher weltfremde
Standpunkte. Da sind u.a. die Szinjoh, die die Menschen dazu
überreden wollen, doch nicht mit ihnen zusammenzuarbeiten, denn
sie können nicht für ihre Sicherheit garantieren. (Ja, war
das nicht von vornherein klar? Man plant eine Revolution, einen
Umsturz des bestehenden Systems. Da ist "Sicherheit" gewiß das
Letzte, wofür man garantieren kann...) Zudem ist es mehr als nur
unwahrscheinlich, daß die Bewohner eines Planeten nicht wissen,
welche Früchte auf eben diesem Planeten eßbar sind. Selbst
wenn man sich naturfern in drei Städte zurückgezogen und
die Umgebung nicht weiter beachtet hat (für eine raumfahrende
Nation sehr, sehr unwahrscheinlich...), sollte man doch zumindest
halbwegs wissen, was man zu sich nehmen kann und was nicht...
Auch die unbemerkte Landung der Revolutionäre ist schon recht
merkwürdig. Zwar bietet die Autorin hier eine Erklärung an,
doch wage ich einfach einmal zu behaupten, daß dies so gar
nicht klappen kann. Eine raumfahrende Spezies, die zudem noch
Eroberungsfeldzüge plant, sollte gefälligst die eigene
Umgebung besser im Auge haben. Ansonsten dürfte man sowieso
leichte Probleme damit haben, irgendeinen Planeten zu erobern, der
von einer intelligenten Spezies bevölkert wird. Oder sollte ich
hier übersehen haben, daß das Jungsche Universum von
friedliebenden, absolut mißtrauenslosen Wesen bevölkert
wird, die alle immer nur das Beste von ihrem Gegenüber annehmen
und sich nur absolute Ausnahmen einer egoistischen, gar "bösen"
Gesinnung bemächtigen? Manchmal hat man bei ihren Romanen diesen
Eindruck und fragt sich, weshalb denn trotz dieser Einzelfälle
keiner daran denkt, sich abzusichern? Sind die bisher beschriebenen
"Bösen" die einzigen, die es im Universum gibt? Wohl kaum...
Noch eine Bemerkung: Es fällt auf, daß die Autorin die
einzelnen Kapitel diesmal mit Cliffhangern enden läßt. An
sich eine gute Maßnahme, um die Spannung zu steigern. Bei
diesem Roman stellt sie den Leser jedoch vor das Problem, daß
die Szinjoh-Namen für ihn eigentlich gar nicht zu merken sind.
Zu ähnlich sind sich diese - und zudem prasseln sie massiert auf
ihn nieder. Dementsprechend hat der Leser ein Problem damit, der
Handlung wirklich zu folgen - zumal die meisten der Szinjoh aus
charakterlicher Sicht eher allgemein austauschbar sind. Es bieten
sich ihm kaum Charakterisierungsmerkmale, an denen er die Szinjoh
auseinanderhalten könnte. Zweifelsfrei erkennen kann er
eigentlich nur die, die mit terranischen Spitznamen belegt wurden
(wobei allerdings - und dies zieht sich seit Band zwei der Serie
durch die Handlung) diese Spitznamen eher Kosenamen sind -
größtenteils verniedlichend und vor allem möglichst
nett. Aber dies zieht sich auch durch die anderen Spezies...
Doch diese Verniedlichung und Verharmlosung zieht sich bis hin zu der
"Spitzbubenleiter", die der allgemein bekannten "Räuberleiter"
entspricht. Auch hier wird wieder verharmlost - ein Spitzbube ist
schließlich etwas anderes als ein gemeiner Räuber. Was
bleibt, ist die Vermutung, daß Barbara Jung wahrscheinlich in
sehr wohlbehüteten Verhältnissen aufgewachsen ist, die
rauhe Wirklichkeit eigentlich gar nicht kennt und in einer absolut
idealisierten Welt lebt. "Get a Life!" würde ein Engländer
oder Amerikaner hier wohl sagen, ein Ausdruck, der die Sache ziemlich
genau trifft, für den es im Deutschen jedoch leider kein
direktes Gegenstück gibt. Am ehesten trifft hier noch die
Aufforderung zu, "auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen" -
etwas, das man der Autorin anscheinend dringend raten muß. So
lobenswert diese idealistische Einstellung auch sein mag, die
Wirklichkeit ist anders. Und daran ändern auch keine Romane
etwas, sosehr man sich auch darum bemüht.
Ich möchte jetzt nicht weiter auf die anderen
Merkwürdigkeiten und Unstimmigkeiten eingehen, denn dies
würde den Rahmen dieser Rezension deutlich sprengen.
Der vierte Band des Zyklus liest sich jedenfalls wesentlich besser
als sein Vorgänger und bietet dazu auch noch ein wenig Handlung.
Insgesamt nichts Berauschendes, dafür aber eine nette, wenn auch
vollkommen weltfremde Utopie.
Fazit:
"Planets of No Return" bietet wieder ein unterhaltsames, aber auch
eher flaches Lesevergnügen. Die Detail- und auch
Adjektiv-Verliebtheit der Autorin füllt die Seiten, doch bleibt
der Anspruch leider auf den mittelbar bemerkbaren Zeigefinger
beschränkt. Für eine wirklich gute Handlung fehlen der
Autorin die Technik-Kenntnisse. Nette und sympathische Unterhaltung
auf Serien-SF-Niveau.
7 Punkte.