Melanie Rawn:

"Die Flammen des Himmels"

(Drachenprinz 5)
OT: Dragon Prince 3 - Sunrunner's Fire (Chapter 1 - 17)
Ü: Dagmar Hartmann
USA 1990
(348 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet 24560, ISBN 3-442-24560-5, DM 16,90)
- erschienen: Dezember 2000 -

Wieder einmal ist eine ganze Weile ins Land gegangen. Pol ist mittlerweile Herrscher im fast fertigen Drachenruh und hat immer noch keine Frau gefunden; statt dessen macht er fleißig mit den Hausangestellten rum. Rohan sitzt weiterhin fest und sicher in seiner Felsenburg und regiert von dort aus das Land, während überall die Sprosse seiner Politik heranwachsen.
Aber nicht alles läuft so glatt, wie er und sein Sohn das gerne hätten. Im weit entfernten Ossetia entfernt sich Andry - seines Zeichens Herr der Schule der Göttin - immer mehr von Rohan. Es scheint, daß er seine ungezügelte Art nicht ablegen wird, sondern statt dessen seine eigene Machtposition immer mehr ausbaut, indem er alte Traditionen beiseitefegt und neue installiert.
Zu allem Überfluß regt sich auch wieder jene geheime Macht, die schon vor geraumer Zeit versucht hat, die Oberhand zu gewinnen: die alten Sternenlicht-Zauberer. Unberechenbar sind sie auf mehrere Arten aktiv: Zum einen gehen sie sehr offen und aggressiv vor - und wieder einmal ist Pol das Ziel dieser Angriffe - zum anderen aber sind sie bereits weit und unauffällig in die Gesellschaft des Landes eingedrungen und machen sich daran, die alten Herrscher zu stürzen...

So, die (vorerst) letzte Runde vom Drachenprinzen beginnt, und wieder bedient sich Melanie Rawn derselben Elemente wie in den anderen Bänden. Das macht die Sache nicht schlechter, aber auch wirklich nicht besser. Vielmehr wird sich die Leserschaft weiter an diesem Roman spalten. Diejenigen, die bisher durchgehalten haben, werden sich weiterquälen, und die, die nach dem Nachfolger lechzen, werden auch weiterhin begeistert sein.
Was mich halt ein wenig am ganzen Zyklusaufbau stört, ist, daß hier nun schon zum zweiten Mal gegen denselben Feind - und auf dieselbe Art - gekämpft wird; und es wird auch auf dieselbe Weise erzählt, es ist also praktisch dieselbe Geschichte nochmal. Hier und da werden ein paar Fäden aus den letzten Romanen mit herübergenommen und so deren Entwicklung ein klein wenig vorangetrieben, aber diese Elemente sind im großen und ganzen eigentlich kaum der Rede wert und beziehen sich eher auf die Verhältnisse der anderen Seite. Diese wird sich wohl noch ein wenig zerstreiten, am Ende aber wohl schön artig wieder zusammenkommen, damit die grauenvollen Bösen auch ja keine Chance haben. Diese Lösung würde zumindest dem klischeehaftem Aufbau entsprechen. Aber zurück zum Thema: Im Prinzip haben wir tatsächlich fast den gleichen Aufbau wie in der letzten Geschichte. Der böse und niederträchtige Nachwuchs von Roelstra ist mal wieder zur Stelle und will den anderen an die Wäsche. Dazu wird auch nicht lange gefackelt; mit einem Paukenschlag meldet man sich schon recht früh offen an und verkündet so, daß man noch viel vorhat. Was bleibt den "Guten" übrig? Wenn man an die Vergangenheit denkt, dann werden die sich mit ihren eigenen Gesetzen in die Haare bekommen. Klingt recht verwickelt? Na, geht so; den großen Reiz hat dieser Zyklus auf jeden Fall schon verloren. Anstatt hier auf eine groß angelegte Handlung über mehrere Bände zu setzen, wird hier Band für Band (bzw. im Deutschen Doppelband für Doppelband) eine relativ für sich stehende Geschichte erzählt.
Zu guter Letzt gibt's dann - ebenfalls wie in der Vergangenheit - das für den Stil des Zyklus übliche ehrenhafte Getue der Hauptcharaktere, die mal wieder ein wenig zu intensiv auf ihrem Adelsgehabe herumreiten - und die Drachen dürfen auch nur mal wieder ganz am Rande zum Zuge kommen.

Fazit:
Viel hat sich nicht getan, weder zum Guten noch zum Schlechten, aber ein wenig langweiliger ist's dann schon noch geworden. Nur was für bestimmte Geschmäcker.
8 Punkte

Alexander Haas


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