Wieder
einmal ist eine ganze Weile ins Land gegangen. Pol ist mittlerweile
Herrscher im fast fertigen Drachenruh und hat immer noch keine Frau
gefunden; statt dessen macht er fleißig mit den
Hausangestellten rum. Rohan sitzt weiterhin fest und sicher in seiner
Felsenburg und regiert von dort aus das Land, während
überall die Sprosse seiner Politik heranwachsen.
Aber nicht alles läuft so glatt, wie er und sein Sohn das gerne
hätten. Im weit entfernten Ossetia entfernt sich Andry - seines
Zeichens Herr der Schule der Göttin - immer mehr von Rohan. Es
scheint, daß er seine ungezügelte Art nicht ablegen wird,
sondern statt dessen seine eigene Machtposition immer mehr ausbaut,
indem er alte Traditionen beiseitefegt und neue installiert.
Zu allem Überfluß regt sich auch wieder jene geheime
Macht, die schon vor geraumer Zeit versucht hat, die Oberhand zu
gewinnen: die alten Sternenlicht-Zauberer. Unberechenbar sind sie auf
mehrere Arten aktiv: Zum einen gehen sie sehr offen und aggressiv vor
- und wieder einmal ist Pol das Ziel dieser Angriffe - zum anderen
aber sind sie bereits weit und unauffällig in die Gesellschaft
des Landes eingedrungen und machen sich daran, die alten Herrscher zu
stürzen...
So, die (vorerst) letzte Runde vom Drachenprinzen beginnt, und wieder
bedient sich Melanie Rawn derselben Elemente wie in den anderen
Bänden. Das macht die Sache nicht schlechter, aber auch wirklich
nicht besser. Vielmehr wird sich die Leserschaft weiter an diesem
Roman spalten. Diejenigen, die bisher durchgehalten haben, werden
sich weiterquälen, und die, die nach dem Nachfolger lechzen,
werden auch weiterhin begeistert sein.
Was mich halt ein wenig am ganzen Zyklusaufbau stört, ist,
daß hier nun schon zum zweiten Mal gegen denselben Feind - und
auf dieselbe Art - gekämpft wird; und es wird auch auf dieselbe
Weise erzählt, es ist also praktisch dieselbe Geschichte
nochmal. Hier und da werden ein paar Fäden aus den letzten
Romanen mit herübergenommen und so deren Entwicklung ein klein
wenig vorangetrieben, aber diese Elemente sind im großen und
ganzen eigentlich kaum der Rede wert und beziehen sich eher auf die
Verhältnisse der anderen Seite. Diese wird sich wohl noch ein
wenig zerstreiten, am Ende aber wohl schön artig wieder
zusammenkommen, damit die grauenvollen Bösen auch ja keine
Chance haben. Diese Lösung würde zumindest dem
klischeehaftem Aufbau entsprechen. Aber zurück zum Thema: Im
Prinzip haben wir tatsächlich fast den gleichen Aufbau wie in
der letzten Geschichte. Der böse und niederträchtige
Nachwuchs von Roelstra ist mal wieder zur Stelle und will den anderen
an die Wäsche. Dazu wird auch nicht lange gefackelt; mit einem
Paukenschlag meldet man sich schon recht früh offen an und
verkündet so, daß man noch viel vorhat. Was bleibt den
"Guten" übrig? Wenn man an die Vergangenheit denkt, dann werden
die sich mit ihren eigenen Gesetzen in die Haare bekommen. Klingt
recht verwickelt? Na, geht so; den großen Reiz hat dieser
Zyklus auf jeden Fall schon verloren. Anstatt hier auf eine
groß angelegte Handlung über mehrere Bände zu setzen,
wird hier Band für Band (bzw. im Deutschen Doppelband für
Doppelband) eine relativ für sich stehende Geschichte
erzählt.
Zu guter Letzt gibt's dann - ebenfalls wie in der Vergangenheit - das
für den Stil des Zyklus übliche ehrenhafte Getue der
Hauptcharaktere, die mal wieder ein wenig zu intensiv auf ihrem
Adelsgehabe herumreiten - und die Drachen dürfen auch nur mal
wieder ganz am Rande zum Zuge kommen.
Fazit:
Viel hat sich nicht getan, weder zum Guten noch zum Schlechten, aber
ein wenig langweiliger ist's dann schon noch geworden. Nur was
für bestimmte Geschmäcker.
8 Punkte
