Frank MacLachlan

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Band 31: "Die andere Seite"

Autor: Steve Byron

Ein Hüter der Macht namens Bernhard Roosevelt fährt das Team mit unbekanntem Ziel durch die Bostoner Innenstadt. Ziel der Fahrt ist eine offizielle Vorstellung - das Team soll endlich dem Obersten Hüter der Macht persönlich begegnen. Diese Hals-über-Kopf-Aktion ist dem Team zwar alles andere als angenehm, aber es nutzt die Chance.
Zur gleichen Zeit geht Raniel Morar der Meldung eines Poltergeist-Phänomens nach. Er findet zwar, daß das reine Zeitverschwendung ist, aber Dienst ist Dienst. Seine Verfolgung durch Gestaltlose bemerkt er erst, als es schon längst zu spät ist.
Roosevelt und das Team erreichen eine Lagerhalle im Bostoner Hafen. Nachdem sie zwei Wächter passiert und eine Stahltür durchschritten haben, befindet sich das Team in der Wohnstatt der Hüter. Sie werden von D'Arroyo empfangen. Das Treffen dient tatsächlich dazu, das Team mit den Hütern vertraut zu machen. Die Hüter bewohnen ein Schloß, das den Augen der Welt verborgen ist.
Am nächsten Morgen durchstreifen Jane und Donna die Räumlichkeiten und gelangen schließlich in einen kirchenähnlichen Raum. Dort werden sie von einem Feuerball angegriffen. Es gelingt Jane, den Angriff mit ihren hexerischen Fähigkeiten zu stoppen. Sie und Donna kommen mit leichten Verletzungen und dem Schrecken davon.
Als D'Arroyo von den Vorfällen hört, ist er sehr bestürzt. Er vermutet, daß jemand durch das Tor in Boston in die Residenz der Hüter eingedrungen ist. Das Team jedoch meint, daß einer der Hüter selbst hinter den Angriffen steckt. Es gibt eine Methode, die fremde Magie zurückzuverfolgen. Da die Wächter des Tores bestätigen, daß niemand das Tor durchquert hat, kann sich der Angreifer nur in der Burg selbst befinden. Jane findet den Verräter, der sie augenblicklich auf der Terrasse des Schlosses angreift. Frank gelingt es, Jane aus der Schußlinie des Attentäters zu bringen, während ein Hüter mit dem Verräter ringt. Während des Zweikampfes fallen beide über die Terrasse in einen tiefen Abgrund.
Bedrückt verabschiedet D'Arroyo das Team. Er ahnt nicht, daß der Angriff des Attentäters nur eine Finte von MacDonald war, der damit vom echten Maulwurf Morar ablenken wollte.
Jack Claim entdeckt in Boston, daß die Lagerhalle, durch die das Team in die Residenz der Hüter gelangt ist, durch einen Vorfahr von ihm erbaut worden war - mit Namen Jack Claim.

Steve Byrons Erstlingsroman liest sich über weite Strecken ganz gut und sehr flüssig - auch wenn sein Stil sich wohl noch etwas entwickeln muß, aber dazu später. Das ist schon mal ein Pluspunkt. Kommen wir zu den weniger schönen Stellen des Romans...
Endlich lernt das Team also D'Arroyo selber kennen. Nun, von den Hütern sind sie ja schon einiges gewohnt - der Rezensent würde sich jedenfalls nicht so ohne weiteres einem vollkommen Fremden anvertrauen. Auch wenn er behauptet, einer der Hüter zu sein. Kann ja sein, daß Roosevelt sich irgendwie ausgewiesen hat, aber da es nicht explizit im Roman steht - wie gesagt, der Rezensent wäre da doch sehr, sehr mißtrauisch.
Die Helden kommen also an dieses Bostoner Tor, das von zwei Wachen kontrolliert wird. Merkwürdig, daß diese von der geplanten Begegnung nichts wissen. Das spricht doch nicht sehr für eine gut organisierte Gemeinschaft, wenn die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. (* He, da könnte doch jeder kommen und behaupten, durch das Tor zu dürfen... Was also tut ein guter Wächter? Er mißtraut - und zwar jedem. Heike) Möglich wäre ja, daß D'Arroyo wirklich nur Roosevelt von seinem Wunsch erzählt hat. Möglich auch, daß die Wachen nicht zu den Hütern gehören. Das scheint einige Seiten später bestätigt zu werden. Nun ja... Okay, schlechte Lichtverhältnisse führen des öfteren dazu, daß man den eigenen Mann nicht erkennt. (* Oh ja. Auf diese Weise sind leider schon häufig Verbündete um ihr Leben gekommen… Heike) Und das mit dem Codewort ist ja einige Sätze später noch geschickt hineingemogelt worden. Dennoch - hmmm.
Kommen wir zu D'Arroyo selbst. Wie alt ist der Mensch eigentlich? In früheren Romanen tritt er eigentlich sehr selbstbewußt auf. In diesem Roman jedoch wirkt er eher wie ein verschüchtertes Kleinkind denn wie der Führer eines Ordens. Mag sein, er hat die Möglichkeit eines internen Verrats nicht vorhergesehen - aber gerade er als Oberster Hüter sollte dann nicht bedrückt und betrübt danebenstehen, sondern handeln. Aber weitestgehend überläßt er dem Team die Initiative. In der Szene nach dem Angriff auf Jane ist es zum Beispiel Jack, der vorschlägt, doch mal nachzusehen, ob wirklich keiner durch das Tor gekommen ist. Jack ist es auch, der in der Bibliothek nachsieht. Da sollte sich D'Arroyo doch besser auskennen, oder?
Nun ja, es wäre nett, wenn sich die Autoren mal auf ein stimmiges Bild einigen könnten. Abgesehen davon, daß D'Arroyo sich hier etwas seltsam verhält, schwafelt er auch noch… "Mir wurde auferlegt, der Oberste Hüter der Macht zu sein, ein Begriff, der Ihnen, nach all dem Schrecken, der über Sie hereinbrach in der letzten Zeit, nicht mehr fremd sein dürfte." Sätze wie dieser sollen zwar pathetisch wirken, sind aber leider nur Geschwafel und wirken sehr lächerlich. Abgesehen davon, daß Bandwurmsätze dem Leser nicht gerade entgegenkommen - es sei denn, man heißt Kleist oder Thomas Mann, dann darf man sowas. ;-) Da muß Steve Byron doch noch ein bißchen an seinem Stil feilen.

Fazit:
Zwar ist dieser Roman ordentlich geschrieben, doch angesichts der Tatsache, daß D'Arroyo hier enorm schwafelt und es einige merkwürdige Stellen gibt, kommt es zu folgender Punktewertung:
5 Punkte

Christian Spließ

Frank, Jane, Jack und Donna werden von Bernhard Roosevelt, einem Hüter der Macht, über ein in einem Lagerhaus am Hafen verstecktes Portal in das geheime Domizil des Ordens gebracht, wo sie Damien D'Arroyo, den Obersten Hüter der Macht, kennenlernen. Dieser bietet ihnen langfristig Kooperation und für den Augenblick die Gastfreundschaft der Hüter an. Erstes muß noch bedacht werden; letztes wird angenommen. Noch während unsere Helden auf dem Weg sind, wird ein weiterer Hüter namens Raniel Morar bei einem Routineauftrag, der sich als Falle entpuppt, von Gestaltlosen überwältigt.
Am nächsten Morgen betätigen sich Jane und Donna als Frühaufsteher, während Frank und Jack noch schlafen. Mit Erlaubnis der Hüter erforschen sie das Schloß - und werden in einem Raum, den sie für eine Art Kirche halten, aus unbekannter Quelle magisch angegriffen. Obwohl den beiden hart zugesetzt wird, gelingt es Jane, den Angriff schlußendlich abzuwehren.
D'Arroyo wird zur Rede gestellt, erscheint aufrichtig überrascht und läßt der Sache sofort nachgehen. Dies bleibt ohne Ergebnis, so daß sich Jane daran macht, dem Mysterium auf magischen Weg auf die Schliche zu kommen. Während der Beschwörung zum Aufspüren des Attentäters wird sie von einem Gestaltlosen angegriffen, der sich unerkannt unter den Hütern aufhielt; allein durch Franks beherzten Einsatz und das zusätzliche Einspringen von Norbert Harvest, einem weiteren Hüter, kann Jane gerettet werden. Der Gestaltlose wird nach einem Handgemenge über einen Balkon in die Tiefe gestoßen, reißt jedoch Harvest mit in den Tod.
In der abschließenden Szene wird deutlich, daß der Angriff auf Jane durch den Gestaltlosen nur ein Ablenkungsmanöver war, um Raniel Morar, den wahren Verräter, zu decken. Dieser arbeitet nun, offenbar geistig umgekrempelt, für den Höllenfürsten MacDonald.
Jack hat unterdessen einige Nachforschungen angestellt und kommt zu dem überraschenden Ergebnis, daß die Lagerhalle im Auftrag eines Jack Claim gebaut wurde... Womit dieser Band doch noch mit einem Rätsel endet.

Es wäre deprimierend, wenn es nicht so schön wäre: Steve Byron liefert einen durchweg soliden und professionellen MacLachlan ab, an dem ich selbst mit schlechtestem Willen höchstens bemängeln könnte, daß es zuweilen etwas sehr ins Pathetische geht. Da fehlte mir tatsächlich jede Gelegenheit für kleine Gehässigkeiten. Ansonsten sollte eine Fanserie genau so aussehen... Nämlich nach Möglichkeit besser als einige der erklärten Vorbilder.
14 Punkte

Martin Hoyer