Band 2061: "Wächter des Portals"

Autor: Uwe Anton

Startac Schroeder und Ruben Caldrogyn teleportieren in die unter dem Transmitterportal von Yezzikan-Rimba gelegenen Anlagen. Diese sind ansonsten völlig unzugänglich.
Dort begegnen sie der Portal-Rangeurin Leikene aus dem Volk der Tayrobo. Die Tayrobo, wurmartige Wesen mit zahlreichen Fühlern, steuern die Portale des Dommrathischen Transmitter-Netzes. Quasi parallel zu den Transmitterstrecken existiert ein zweites Transportnetz, der Portale Äther. Dieser dient den Tayrobo als Reisemedium. Die Heimat der Tayrobo befindet sich auf dem Planeten Crozeiro; dort befindet sich ihr Zentralbau, der "Catterstock". Hierbei handelt es sich um eine in sich abgeschlossene Sektion in der Sternenkammer der Ritter von Dommrath.
Auf der Flucht vor der Portal-Wächterin, die die Eindringlinge festnehmen will, gelangen Startac Schroeder und Ruben Caldrogyn durch das Äther-Tor von Yezzikan-Rimba schließlich nach Crozeiro und in den Catterstock. Dort werden sie von den Tayrobo als Feinde eingestuft und gejagt. Es gelingt ihnen, in das Äther-Herz einzudringen, von dem aus sich das gesamte Dommrathische Netz kontrollieren läßt. Ruben Caldrogyn erkennt, daß er hier die Möglichkeit hat, das Netz zu zerstören oder doch mindestens lahmzulegen. Er tut es jedoch nicht, weil ihm klar wird, daß die Portale den Frieden und Wohlstand der Völker Dommraths sichern und daß ihre Zerstörung unendlich viel Not und Leid zur Folge hätte. Schließlich gelingen ihm und Startac Schroeder mit knapper Not die Flucht und die Rückkehr nach Yezzikan-Rimba.

Manchmal möchte man wirklich wissen, wer für diese Untertitel verantwortlich ist... Der in diesem Band ist peinlich und zudem völlig irreführend, hat er doch mit der Handlung so gut wie nichts zu tun. Aber das nur nebenbei.
Uwe Anton ist ein interessanter und abwechslungsreicher Roman gelungen, in dem zum erstenmal wirklich auf das zentrale Thema der Dommrath-Galaxis eingegangen wird: das Transmitter-Netz. Es gelingt dem Autor immer wieder, Stimmungen exakt einzufangen. Startac Schroeder und Ruben Caldrogyn materialisieren in völliger Dunkelheit; die beklemmende Atmosphäre dieser Situation wird sofort deutlich. Auch die Schilderung der Hauptpersonen ist gelungen: Dies gilt sowohl für Schroeder/Caldrogyn als auch (in besonderem Maße) für die Tayrobo Leikene.
Die Lebensgeschichte Leikenes wird recht kurz abgehandelt. Zum Glück, muß man schon fast sagen, denn hier haben wir schon den dritten Werdegang eines Wesens aus dieser Galaxis, und das innerhalb von sechs Heften. Nichts gegen bewährte Konzepte, aber man kann es auch übertreiben.
Mit den Tayrobo haben wir dann die Nakken von Dommrath vor uns. Ein Nakk! Das war der erste Gedanke nach dem Lesen des Prologs. Das äußere Erscheinungsbild beider Völker ist vergleichbar; beide haben ähnliche Sinnesorgane, fast identische Aufgaben, und ihre Wahrnehmung reicht jeweils bis in das hyperphysikalische Spektrum hinein. Nicht schlecht, aber irgendwie hat man bei Rhodan als langjähriger Leser mittlerweile das Gefühl: Alles war schon einmal da... Wieder ein Déja-vu.
Die Bestimmung der Tayrobo ist eine multikulturelle Galaxis des Friedens, die durch ihre Dienste reibungslos funktioniert. Auch eine Aussage, seit wann das Netz existiert, wird gebracht (mit dem Aufbau wurde danach vor etwa 23.350 Domm begonnen; das kann man leicht umrechnen).
Nebenbei haben die Tayrobo noch eine weitere, nicht weniger wichtige Funktion: Sie überwachen die Planeten und Völker Dommraths für die Ritter. Es wird zwar ausgesagt, dieses Volk werde weniger als Spitzel denn als Statistiker eingesetzt (Seite 29), doch das ist die Aussage einer Tayrobo, die auch nicht viel über die eigentlichen Mächtigen dieser Galaxis weiß. Die Tayrobo sind denn auch (wie die Nakken in Estartu) nicht viel mehr als kritiklose Werkzeuge, denn "Die Ritter würden schon wissen, was zu tun war." (Seite 30).
Winy hatte es in seiner Rezension zu PR 2059 schon von sich gegeben: Irgendwie klingt das alles nach einem Thoregon. Dazu würde auch der Portale Äther passen: Demnach wären die Äther-Tore so etwas wie die Verankerungspunkte einer Superintelligenz im Standard-Raum. Das Äther-Herz ist leer (die Superintelligenz wäre dann nicht mehr da; Parallelen zu Segafrendo tun sich auf). Lassen wir uns überraschen.
Der erste Teil des Romans verläuft eher gemächlich, aber dann dreht die Handlung voll auf. Ruben Caldrogyn und Startac Schroeder machen quasi einen Ausflug ins Machtzentrum Dommraths (ohne allerdings viel zu erfahren, denn eigentlich bleibt alles im Dunkeln). Ruben Caldrogyn hat dann an dem Wissen, das ihm abrupt vermittelt wird, einiges zu knabbern. Jedenfalls muß der Revolutionsführer seine Überzeugung zu vielen Dingen noch einmal grundsätzlich überdenken.
Der Roman vermag auch wegen seiner diversen humorigen Momente zu gefallen. So kennen auch die Tayrobo Murphys Gesetz. Bei denen heißt es zwar anders, aber letztlich bleibt es Murphys Gesetz (Seite 28). Und wer sich im PR-Forum im Internet tummelt, wird feststellen, daß Uwe Anton hier noch so nebenbei ein halbes Dutzend Forums-Teilnehmer mit ihren Pseudonymen im Roman verewigt hat.
Raum für weitere Spekulationen bleibt auch ansonsten recht viel: Die Bewegung im Portalen Äther erinnert stark an diejenige im Psionischen Netz, z. B. das bewußte Verfolgen von Verbindungssträngen usw. Es gab in der Mächtigkeitsballung von ESTARTU eine auf dem Psionischen Netz beruhende Transmittertechnik: die Heraldischen Tore. Damit sind wir wieder bei den Nakken... Zufall oder Absicht? Zudem fällt Startac Schroeder eine starke Ähnlichkeit von Portaltechnik und Cappintechnik auf. Cappins in Dommrath? Aber das wäre wohl zu viel verlangt. (* Oh, Cappins! Warum nicht? Her mit den Cappins! (Werbeton: Iiiiich wiiiiill Cappins!) ;-) Naja, wer weiß schon, wo die überall hingekommen sein könnten? Heike)

Fazit:
Kurzweilig, interessant und mit vielen Andeutungen versehen.
12 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Schon der Name des Autors läßt den Leser hoffen - nicht zu unrecht, wie sich bei der Lektüre des Romans herausstellt.
Uwe Anton ist hier zwar sicherlich nicht sein bester, jedoch wieder ein sehr guter Beitrag zur PR-Serie gelungen. Nun mag dies zwar auch am Expo liegen (je besser das Expo, desto besser der Roman), doch zeigt Uwe hier wieder einmal, daß er vor allem in seinen Beschreibungen dem Leser die Atmosphäre nahebringen kann. Ob Startac und Ruben nun im Portalen Äther unterwegs sind oder sich in dunklen, unbekannten Portalgefilden bewegen: Der Leser kann ihre Gefühle nachvollziehen, wird förmlich selber in die Atmosphäre des Roman hineingesogen. Solches Miterleben des Romans hat dann auch nichts mehr mit dem Expo zu tun...
Aber kommen wir zu Handlung:
Schroeder und Caldrogyn erkunden das Herz der dommrathischen Zivilisation - die Portale. Und diese erwecken dann doch einige Assoziationen beim Leser.
Da haben wir zum einen die Tayrobo. Wer die Serie schon länger liest, dürfte sich hier wohl durchaus an die Nakken aus früheren Zeiten erinnert fühlen. Und auch der Portale Äther erinnert in mancher Hinsicht an das Psionische Netz oder auch die Heraldischen Tore in der MB ESTARTU. Da bleibt einiges für Spekulationen. DORIFER hat dichtgemacht, woraufhin das Psionische Netz zusammengebrochen ist - aber: Hat das jetzt was mit dem "Portalen Äther" zu tun? Und wenn hier Zusammenhänge bestehen: Liegt Dommrath vielleicht im Bereich eines anderen Kosmonukleotids, das eben nicht dichtgemacht hat (aus welchen Gründen auch immer)?
Aber dies ist zur Zeit sicherlich bestenfalls ein Gedankenspiel...
Etwas greifbarer sind wohl die Gedanken zum Thema Startac Schroeder: Angesichts seiner andauernden "Teleportier-Schwäche" ("Nee, das war jetzt wirklich das letzte Mal, ich kann nicht mehr!") bleibt so langsam die Frage, was denn die Mutantenschulen auf Terra überhaupt gebracht haben, welchen Sinn sie hatten. Beim ersten Auftreten Schroeders ist dieser als absolut unausgebildeter(!) Teleporter recht heftig mit Perry durch die Gegend gehüpft, eine Aktion, die mit diesem Roman vergleichbar ist. Zwischendurch hat er eine jahrelange "Weiterbildung" erhalten - anscheinend hat dies seinen Fähigkeiten dabei jedoch keinen Vorteil gebracht. Da fragt man sich dann doch unwillkürlich, ob die anderen Mutanten ähnliche nicht vorhandene Vorteile aus diesen Internierungslagern gezogen haben. Aber dies ist wohl eher wieder ein Expo-Problem...
Zur aktuellen Handlung erfährt man in diesem Roman jedenfalls so ziemlich alles - und gleichzeitig auch nichts. Die "Transmitter-Technik" in Dommrath wird entschlüsselt, das Netzwerk dargestellt, doch trotz aller Möglichkeiten, auf alle Welten zuzugreifen (incl. der geheimnisvollen verbotenen Cluster), wird über Dommrath selber nichts ausgesagt. Hier wird gekonnt ein Geheimnis gelöst (Transmitter), und gleichzeitig kaum etwas über die großen Zusammenhänge ausgesagt bzw. teilweise noch mehr Geheimnisse aufgebaut. Das macht dann doch wirklich Laune, da macht das Lesen wirklich Spaß.

Fazit:
Eine sehr mitreißende Atmosphäre zeichnet diesen Roman ebenso aus wie die inhaltliche Qualität der Handlung. Hier werden Teillösungen geboten und gleichzeitig in weitere Fragen verpackt, die zu Spekulationen reizen. Dazu ist der Roman sehr gut lesbar und macht Spaß - was ihn in die Riege der wirklich guten Romane dieses Zyklus befördert.
13 Punkte.

Winfried Brand

Co-Rezensenten zu den PR-Romanen gesucht

Da Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy.