Nun ist
es ja doch schon ein paar Jährchen her, daß der letzte
Band der Asterix-Reihe unter das Volk geworfen wurde, und fan hat
gehofft, daß Albert Uderzo nach sechs Anläufen endlich
verstanden hat, daß er einfach keine wirklich guten Stories
entwickeln kann. Doch jetzt ist der siebte Alleingang der noch
lebenden Hälfte des Asterix-Teams am Kiosk erhältlich. "Na,
vielleicht wird's ja doch mal was", wird sich so mancher gedacht und
mit gemischten Gefühlen zum Album gegriffen haben.
Bei der Lektüre wird dem Leser jedoch schnell klar, daß er
jetzt schon zum 6,5. Mal ("Asterix im Morgenland" war wenigstens noch
recht annehmbar) eine Enttäuschung erlebt. Der recht einfach
gestrickten Geschichte fehlen Biß, Pep und vor allem Witz.
Uderzo versucht, die Elternpaare von Asterix und Obelix
einzuführen, die in Condate gemeinsam eine Art Andenkenladen
leiten. Die beiden Mütter kommen zum Geburtstag ihrer Söhne
(jaja, Asterix und Obelix sind am gleichen Tag geboren - wurde zu
diesem Thema in einem der frühen Bände nicht auch schon das
Gegenteil behauptet?) (* ...was nicht einmal mit Bezug auf
Zeichnerisch-Technische so ganz stimmen dürfte... Heike) in
das gallische Dorf. Es folgen eher peinliche denn lustige
Bemutterungsszenen, in denen die Mütter versuchen, ihre
Söhne unter die Haube zu bringen. Das Ganze entpuppt sich als
reines Füllmaterial, das wohl in die Geschichte aufgenommen
wurde, um die geforderte Seitenzahl zu erreichen - denn einen
tieferen Sinn für den weiteren Verlauf der Story sucht der Leser
dort vergeblich.
Einzig und allein die beiden Geschenke, die die Mütter
mitbringen, haben eine weiterführende Bedeutung. Denn dieses
Schwert und den Helm möchten die Römer gerne wiederhaben,
und so schicken sie eine als Falbala verkleidete Mimin ins Dorf, auf
daß diese die verräterischen Stücke (die Pompejus
gehören, der eine Armee zum Angriff auf Caesar aufstellen will)
wiederbesorgen kann. Die Motivation, die hinter dieser Aktion steckt,
wird mir jedoch nicht ganz klar. Pompejus will geheimhalten,
daß er sich in Gallien befindet - schön und gut. Doch
warum gibt man sich dann nicht damit zufrieden, daß die Sachen
in dem wohlbekannten gallischen Dorf sind? Die Gefahr, daß
irgendein Römer diese dort entdecken könnte, ist ja wohl so
ziemlich auszuschließen (* ...denn kaum ein Römer wird
freiwillig in "das Dorf der Verrückten" wollen... Heike),
zumal man Asterix und Obelix zu kennen scheint. (* Was ja auch
eigentlich kein Wunder ist: Die jeweiligen Eltern - denen in Condate
ja wohl ständig Römer über den Weg laufen - sind ihren
Söhnen wie aus dem Gesicht geschnitten... fast, als hätten
sich da enge Verwandte geheiratet... Beinahe will es einen wundern,
daß Uderzo nicht auf die Idee gekommen ist, den beiden
gallischen Superhelden wenigstens je eine Schwester an die Seite zu
stellen, damit die nächste Generation Asterix und Obelix auch
noch gleich gesichert ist... Heike) Daß der Versuch, das
Zeugs zurückzubekommen, sicherlich mehr Aufsehen erregen wird,
als die ganze Sache einfach abzuhaken, müßte sich jeder
Römer, der die Gallier halbwegs kennt, schon an den Fingern
einer Hand ausrechnen können.
Aber egal, hier beginnt dann wenigstens die Geschichte, in die Uderzo
jedoch leider auch ein paar bisherige "Einmal-Charaktere" einbaut.
Neben Falbala und Tragicomix ("Asterix als Legionär") taucht
auch Keinentschlus ("Das Geschenk Cäsars") wieder auf, der
(natürlich) derjenige ist, der den Helm und das Schwert
Pompejus' bei den Eltern der beiden Helden gegen ein Faß Vinum
eingetauscht hat. Dies ist nur ein weiterer Hinweis darauf, daß
Uderzo die Ideen auszugehen scheinen, denn immerhin spielen diese
Charaktere nicht unbedeutende Rollen - eine Funktion, für die
man sich früher immer wieder neue Charaktere ausgedacht hat.
Hier ist eindeutig ein Mangel an Kreativität festzustellen. Eine
Vermutung, die vom Rest der Story durchaus gestützt wird.
Was z.B. die Szene mit Asterix im "Energiedrink-Rausch" soll
(außer rund sechs Seiten zu füllen), ist mir immer noch
ein Rätsel. Ein versteckter Seitenhieb auf die "Red
Bull"-Jugend? Vermutlich - immerhin gibt Asterix ein "Das verleiht
Flüüüüüügel" von sich. Albern ist es
dennoch.
Und damit kommen wird dann zum größten Manko dieses
Asterix-Bandes: Die Sprache wurde modernisiert, die Dialoge
stellenweise möglichst hip und flott gehalten. (* Und erst
der blöde Name des Souvenirladens... Heike) Das kann man ja
vielleicht noch verschmerzen, doch verwendet der Übersetzer hier
auch aktuelle Werbesprüche en masse ("Ja, is' denn heut' schon
Weihnachten?", "Rund um die Uhr nur ein Preis!", "Da weiß man,
was man hat!", "Das gibts nur einmal, das kommt nie wieder!", "...und
der Hunger ist gegessen", "...so nah, als wär man da" und
andere...) oder zieht schon mal einen Song-Titel hinzu ("Manchmal,
aber nur manchmal, haben Römer ein kleines bißchen Haue
gern").
Das mag zwar vielleicht die aktuell jüngere Generation
ansprechend (leider verstehe ich nicht genügend
Französisch, um hier zu vergleichen, was da im Original stand),
beraubt den Band jedoch der Zeitlosigkeit der früheren Comics.
Während man die früheren Asterix-Bände noch problemlos
nach 40 Jahren mit Genuß lesen und verstehen kann, dürfte
es bei diesem Album bereits in fünf bis zehn Jahren zu einer
gewissen Verständnislosigkeit bei jüngeren Lesern kommen,
die diese Werbesprüche einfach nie kennengelernt haben, den
Flachwitz dahinter also auch gar nicht erst begreifen
können.
Alles in allem wird dieser Band natürlich bei jedem im Regal
landen. Ob man ihn aber mehr als nur ein- oder zweimal lesen wird,
bleibt eher fraglich. Nach dem ersten Lesen mag man den Band ja noch
halbwegs gut finden, doch ist hier wohl eher der Wunsch der Vater des
Gedankens. Die Schwachpunke werden jedoch bei jedem wiederholten
Lesen immer offensichtlicher.
Vollkommen unverständlich ist mir allerdings, weshalb man das
Lettering wieder einmal am Computer getätigt hat. Solches kann
sich wohl nur der Ehapa-Verlag erlauben - aber vielleicht will man ja
damit auch den Absatz der - sicherlich bald folgenden -
Hardcover-Ausgabe des Comics fördern. Denn diese werden schon
seit geraumer Zeit handgelettert...
Abschließend bleibt nur noch festzustellen, daß Uderzo
die Asterix-Reihe wohl langsam aber sicher in den kontrollierten
Selbstmord treiben will. (* Das "MIR"-Syndrom? Heike) Das
Fehlen des kreativen Kopfs des Teams macht sich einmal mehr
bemerkbar. Der Tod Rene Goscinnys wird vom Leser jedenfalls weiterhin
betrauert; da hilft auch die gewaltige Präsenz in den Medien
nicht weiter, die zum Erscheinen eines jeden neuen Asterix-Bandes
immer wieder aufs Neue vorhanden ist. Ein Untergang mit Pauken und
Trompeten - es bleibt nur zu hoffen, daß dies jetzt wirklich
der letzte Band war und es nicht noch weiter abwärts geht...
Nun gut, es folgt das Positive: Die Zeichnungen sind von gewohnt
guter Qualität...
Eine Frage bleibt jedoch offen: Leidet der Verlagsleiter eigentlich
unter Arbeitsmangel - oder wieso fungiert er bei diesem Band laut
Impressum auch als Übersetzer? Hat man hier vielleicht etwas
verwechselt? Wer weiß...
Fazit:
Die flache Story, die praktisch keine Überraschungen bietet,
wird überschattet von einer modernisierten Sprache und der
Verwendung diverser aktueller Werbesprüche, die diesem Band das
Zeitlose seiner 24+6 Vorgänger entziehen.
3 Punkte.