"Asterix und Latraviata"

OT: Astérix et Latraviata
Ü: Michael F. Walz
Lettering: Yannick Fallek
(48 Seiten, DIN A4 Broschur, Egmont Ehapa Verlag, DM 7,80)
- erschienen: 14. März 2001 -

Nun ist es ja doch schon ein paar Jährchen her, daß der letzte Band der Asterix-Reihe unter das Volk geworfen wurde, und fan hat gehofft, daß Albert Uderzo nach sechs Anläufen endlich verstanden hat, daß er einfach keine wirklich guten Stories entwickeln kann. Doch jetzt ist der siebte Alleingang der noch lebenden Hälfte des Asterix-Teams am Kiosk erhältlich. "Na, vielleicht wird's ja doch mal was", wird sich so mancher gedacht und mit gemischten Gefühlen zum Album gegriffen haben.
Bei der Lektüre wird dem Leser jedoch schnell klar, daß er jetzt schon zum 6,5. Mal ("Asterix im Morgenland" war wenigstens noch recht annehmbar) eine Enttäuschung erlebt. Der recht einfach gestrickten Geschichte fehlen Biß, Pep und vor allem Witz.
Uderzo versucht, die Elternpaare von Asterix und Obelix einzuführen, die in Condate gemeinsam eine Art Andenkenladen leiten. Die beiden Mütter kommen zum Geburtstag ihrer Söhne (jaja, Asterix und Obelix sind am gleichen Tag geboren - wurde zu diesem Thema in einem der frühen Bände nicht auch schon das Gegenteil behauptet?) (* ...was nicht einmal mit Bezug auf Zeichnerisch-Technische so ganz stimmen dürfte... Heike) in das gallische Dorf. Es folgen eher peinliche denn lustige Bemutterungsszenen, in denen die Mütter versuchen, ihre Söhne unter die Haube zu bringen. Das Ganze entpuppt sich als reines Füllmaterial, das wohl in die Geschichte aufgenommen wurde, um die geforderte Seitenzahl zu erreichen - denn einen tieferen Sinn für den weiteren Verlauf der Story sucht der Leser dort vergeblich.
Einzig und allein die beiden Geschenke, die die Mütter mitbringen, haben eine weiterführende Bedeutung. Denn dieses Schwert und den Helm möchten die Römer gerne wiederhaben, und so schicken sie eine als Falbala verkleidete Mimin ins Dorf, auf daß diese die verräterischen Stücke (die Pompejus gehören, der eine Armee zum Angriff auf Caesar aufstellen will) wiederbesorgen kann. Die Motivation, die hinter dieser Aktion steckt, wird mir jedoch nicht ganz klar. Pompejus will geheimhalten, daß er sich in Gallien befindet - schön und gut. Doch warum gibt man sich dann nicht damit zufrieden, daß die Sachen in dem wohlbekannten gallischen Dorf sind? Die Gefahr, daß irgendein Römer diese dort entdecken könnte, ist ja wohl so ziemlich auszuschließen (* ...denn kaum ein Römer wird freiwillig in "das Dorf der Verrückten" wollen... Heike), zumal man Asterix und Obelix zu kennen scheint. (* Was ja auch eigentlich kein Wunder ist: Die jeweiligen Eltern - denen in Condate ja wohl ständig Römer über den Weg laufen - sind ihren Söhnen wie aus dem Gesicht geschnitten... fast, als hätten sich da enge Verwandte geheiratet... Beinahe will es einen wundern, daß Uderzo nicht auf die Idee gekommen ist, den beiden gallischen Superhelden wenigstens je eine Schwester an die Seite zu stellen, damit die nächste Generation Asterix und Obelix auch noch gleich gesichert ist... Heike) Daß der Versuch, das Zeugs zurückzubekommen, sicherlich mehr Aufsehen erregen wird, als die ganze Sache einfach abzuhaken, müßte sich jeder Römer, der die Gallier halbwegs kennt, schon an den Fingern einer Hand ausrechnen können.
Aber egal, hier beginnt dann wenigstens die Geschichte, in die Uderzo jedoch leider auch ein paar bisherige "Einmal-Charaktere" einbaut. Neben Falbala und Tragicomix ("Asterix als Legionär") taucht auch Keinentschlus ("Das Geschenk Cäsars") wieder auf, der (natürlich) derjenige ist, der den Helm und das Schwert Pompejus' bei den Eltern der beiden Helden gegen ein Faß Vinum eingetauscht hat. Dies ist nur ein weiterer Hinweis darauf, daß Uderzo die Ideen auszugehen scheinen, denn immerhin spielen diese Charaktere nicht unbedeutende Rollen - eine Funktion, für die man sich früher immer wieder neue Charaktere ausgedacht hat. Hier ist eindeutig ein Mangel an Kreativität festzustellen. Eine Vermutung, die vom Rest der Story durchaus gestützt wird.
Was z.B. die Szene mit Asterix im "Energiedrink-Rausch" soll (außer rund sechs Seiten zu füllen), ist mir immer noch ein Rätsel. Ein versteckter Seitenhieb auf die "Red Bull"-Jugend? Vermutlich - immerhin gibt Asterix ein "Das verleiht Flüüüüüügel" von sich. Albern ist es dennoch.
Und damit kommen wird dann zum größten Manko dieses Asterix-Bandes: Die Sprache wurde modernisiert, die Dialoge stellenweise möglichst hip und flott gehalten. (* Und erst der blöde Name des Souvenirladens... Heike) Das kann man ja vielleicht noch verschmerzen, doch verwendet der Übersetzer hier auch aktuelle Werbesprüche en masse ("Ja, is' denn heut' schon Weihnachten?", "Rund um die Uhr nur ein Preis!", "Da weiß man, was man hat!", "Das gibts nur einmal, das kommt nie wieder!", "...und der Hunger ist gegessen", "...so nah, als wär man da" und andere...) oder zieht schon mal einen Song-Titel hinzu ("Manchmal, aber nur manchmal, haben Römer ein kleines bißchen Haue gern").
Das mag zwar vielleicht die aktuell jüngere Generation ansprechend (leider verstehe ich nicht genügend Französisch, um hier zu vergleichen, was da im Original stand), beraubt den Band jedoch der Zeitlosigkeit der früheren Comics. Während man die früheren Asterix-Bände noch problemlos nach 40 Jahren mit Genuß lesen und verstehen kann, dürfte es bei diesem Album bereits in fünf bis zehn Jahren zu einer gewissen Verständnislosigkeit bei jüngeren Lesern kommen, die diese Werbesprüche einfach nie kennengelernt haben, den Flachwitz dahinter also auch gar nicht erst begreifen können.
Alles in allem wird dieser Band natürlich bei jedem im Regal landen. Ob man ihn aber mehr als nur ein- oder zweimal lesen wird, bleibt eher fraglich. Nach dem ersten Lesen mag man den Band ja noch halbwegs gut finden, doch ist hier wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Die Schwachpunke werden jedoch bei jedem wiederholten Lesen immer offensichtlicher.
Vollkommen unverständlich ist mir allerdings, weshalb man das Lettering wieder einmal am Computer getätigt hat. Solches kann sich wohl nur der Ehapa-Verlag erlauben - aber vielleicht will man ja damit auch den Absatz der - sicherlich bald folgenden - Hardcover-Ausgabe des Comics fördern. Denn diese werden schon seit geraumer Zeit handgelettert...
Abschließend bleibt nur noch festzustellen, daß Uderzo die Asterix-Reihe wohl langsam aber sicher in den kontrollierten Selbstmord treiben will. (* Das "MIR"-Syndrom? Heike) Das Fehlen des kreativen Kopfs des Teams macht sich einmal mehr bemerkbar. Der Tod Rene Goscinnys wird vom Leser jedenfalls weiterhin betrauert; da hilft auch die gewaltige Präsenz in den Medien nicht weiter, die zum Erscheinen eines jeden neuen Asterix-Bandes immer wieder aufs Neue vorhanden ist. Ein Untergang mit Pauken und Trompeten - es bleibt nur zu hoffen, daß dies jetzt wirklich der letzte Band war und es nicht noch weiter abwärts geht...
Nun gut, es folgt das Positive: Die Zeichnungen sind von gewohnt guter Qualität...
Eine Frage bleibt jedoch offen: Leidet der Verlagsleiter eigentlich unter Arbeitsmangel - oder wieso fungiert er bei diesem Band laut Impressum auch als Übersetzer? Hat man hier vielleicht etwas verwechselt? Wer weiß...

Fazit:
Die flache Story, die praktisch keine Überraschungen bietet, wird überschattet von einer modernisierten Sprache und der Verwendung diverser aktueller Werbesprüche, die diesem Band das Zeitlose seiner 24+6 Vorgänger entziehen.
3 Punkte.

Winfried Brand