Robert N. Charrette:

"Das Schlangenauge"

(Zweite Chronik von Aelwyn)
(461 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9114, ISBN 3-453-17888-2, DM 16,90)
- erschienen: Januar 2001 -

Yan Tanafres wollte eigentlich nach der uralten Stadt Ur-Schuttariat suchen. Zusammen mit Peyto und Teletha wird er allerdings unfreiwillig in einen Krieg hineingezogen. Die Bregil, affenähnliche Wesen, überrennen mit ihren Horden das Land des Königs Shain. Teletha stellt sich in die Dienste des Königs und arbeitet unter dem Kommando des Hauptmanns Janden. Bald stellt sie fest, daß ihre anfängliche Antipathie gegen ihren Chef nicht ganz unbegründet ist.
Als vom Hof des Kaisers ein Kampfmagier eintrifft, um Shain zu unterstützen, hofft Yan, von diesem Magier zu lernen und etliches über die Ursachen der Kämpfe von ihm zu erfahren. Doch die Zusammenarbeit läuft nicht so, wie Yan es sich vorgestellt hat. Zudem scheinen die Bregil nicht aus eigenen Stücken anzugreifen. Als riesige Echsen gesichtet werden, scheint der alte Feind, die Drakkenree, aus der Vergangenheit einzugreifen.
Teletha genießt das Leben als Soldat, kann sie doch so eine Ruhepause von Yan einlegen und sich fragen, warum sie ihn die ganze Zeit begleitet. Ist es Liebe oder nur reine Freundschaft, die sie für ihn empfindet?
Unterdessen kann Yan es nicht lassen - er muß herausfinden, ob die Bücher und die Symbole in den Ruinen, die in der Nähe des Schlachtfeldes sind, sich gleichen. So zieht er mitten in die benachbarten Wälder und wird auch prompt von den Drakkenree gefangengenommen. Endlich erfährt er, worum es diesen eigentlich geht - sie suchen das Schlangenauge, ein Artefakt mit unendlicher Macht...

Die Ereignisse des zweiten Bandes der Chronik von Aelwyn passieren etliche Jahre nach dem ersten Band. Charrette hat die Hauptpersonen wieder versammelt und schickt sie in ein neues Abenteuer.
Leider haben sich seine Helden gegenüber dem ersten Band überhaupt nicht entwickelt. Im Grunde ist Yan immer noch ein eher tolpatschiger Vertreter seiner Kunst, und Teletha ist immer noch die loyale Soldatin. Man würde doch meinen, die Zeit hätte die Hauptpersonen reifen lassen, aber davon ist keine Spur zu sehen. Das ist nicht gerade die ideale Basis für eine Identifikation des Lesers mit Charrettes Figuren.
Hinzu kommt noch eine sehr voraussehbare Handlung. Der Rezensent hat ja nichts gegen Schlachtenbeschreibungen, aber derart gehäuft und immer wieder gleich erzählt - nein, das ist definitiv kein Lesegenuß. Zudem kommt die Handlung einfach nicht in die Gänge. Die Personen reden zwar stundenlang miteinander, tun dann mal was, reden dann wieder unendlich lange - man läuft Gefahr, die interessanten Szenen wegen dieser doch arg langgestreckten und zudem noch sehr unnatürlich wirkenden Dialoge zu verpassen. Und der Schluß rettet den Roman nun auch nicht, obwohl dieser noch einigermaßen passabel ist.

Fazit:
Wer beim Lesen nicht unnötig nachdenken möchte und zudem über die schwachen Hauptfiguren hinwegsehen kann, wird diesen Roman mögen. Bus- und Bahnlektüre halt.
8 Punkte

Christian Spließ


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