Endlich ist
Matt in Washington angekommen. Als er aber durch die Stadttore in die
Stadt gehen will, wird er von den Wächtern abgewiesen. Er gibt
so schnell nicht auf. Ein Schlepper bietet ihm seine Dienste an, und
Matt gelangt tatsächlich bis in die Nähe der Stadtmauer.
Allerdings erweist sich der Schlepper als Ganove, der zusammen mit
seinem Kumpanen arglose Männer ausraubt. Matt kann sich gegen
ihn zur Wehr setzen, und es gelingt ihm sogar, einige Meter in
Richtung Stadtmauer zurückzulegen, bevor er einbricht und mitten
in eine Gruppe Illegaler gerät. Nicht gerade eine ideale
Situation - aber Matt nutzt die Überwachungskamera, die er bald
darauf entdeckt, um die Aufmerksamkeit der Washingtoner Community auf
sich zu lenken. Das gelingt ihm auch.
Die Community in Washington versteht sich als eine Art Weltrat.
Nachdem Matt dekontaminiert und zudem mit einer Art elektronischer ID
versehen wurde, folgt er Dayna, einer jungen Techno, zum
Präsidenten Victor Hymes. (Dieser sieht laut Cover irgendwie wie
Sean Connery aus. ;-)) Er ahnt nicht, daß seine Ankunft die
Fronten zwischen den Bewahrern und den Forschern innerhalb des Senats
verhärtet.
Unterdessen hat Dayna persönliche Probleme. Malcolm, ihr Freund,
ist nicht nur rasend eifersüchtig, sondern auch in höchstem
Maß psychotisch. Als Dayna einer Auseinandersetzung mit ihm
mittels einer Lüge aus dem Weg geht, rastet er endgültig
aus.
Nach dem Gespräch mit dem Präsidenten - der wegen des
Serums, das den Technos den Aufenthalt an der Oberfläche
ermöglicht, keine Zusagen macht - fühlt sich Matt
merkwürdig benommen. Zurück in seiner Zelle wird er immer
öfter das Opfer von Halluzinationen - er kann nicht mehr
unterscheiden, was real und was nicht. Diesen Zustand nutzt Malcolm
aus, indem er Matt, der ohnehin schon wegen einem Ausraster in
Schwierigkeiten ist, einen Mord anhängt. Das bringt den Senat
endgültig auf die Seite der Bewahrer. Matt wird unter die
Militärgerichtsbarkeit gestellt . das könnte die
Todesstrafe nach sich ziehen.
Als Dayna Matt besucht, erfährt sie von ihm, daß er kurz
zuvor von Malcolm medizinisch durchgecheckt worden sei. Sie
weiß jetzt, was all die merkwürdigen Vorfälle in der
letzten Zeit zu bedeuten haben. Sie befreit Matt - doch Malcolm kommt
ihr in die Quere. Er bringt Dayna auf die Gleise der Subway, die
unterhalb Washingtons verläuft, um sie dort zu ermorden. Matt,
der von Halluzinationen und den Technos gejagt wird, hat die Lok der
Subway gefunden und rast nun auf Dayna zu. Er stoppt die Lok jedoch
noch rechtzeitig und läßt sie explodieren. Dayna ruft den
ihm nachsetzenden Verfolgern hinterher, daß sie Beweise
für Malcolms Schuld hat. Matt flüchtet weiter in den
Tunnel, wird jedoch von den Technos gefaßt - oder doch nicht?
Das Gesicht seines Verfolgers verschwimmt; ein neues, unbekanntes
taucht vor Matt auf, und dann senkt sich Dunkelheit über
ihn.
Ist Matt nun tatsächlich in Washington? Oder ist der Roman schon
von Anfang an nur eine einzige Hallzination Matts, sind Dayna und
Hymes nur Ausgeburten seines allmählichen einsetzenden
Wahns?
Das fragt sich der Leser nach dem Ende dieses hervorragenden Romans.
Claudia Kern widmet sich einfühlsam dem Innenleben ihrer
Charaktere, und es gelingt ihr, die Zwangslage, in der Matt steckt,
eindringlich darzustellen. Einerseits ist er als Botschafter der
Londoner Community in Washington; andererseits ist ein Botschafter,
der laufend die Orientierung verliert, nicht gerade glaubwürdig.
Daß er zudem in die schon lange geführte
Auseinandersetzung zwischen Forschern und Bewahrern gerät, macht
es nicht gerade leichter.
Die Nebenhandlung ist im Vergleich mit Matts Visionen geradezu
unspektakulär. Aber Claudia gelingt es auch hier durchaus, die
etwas abgegriffene Story von einem psychisch gestörten Partner,
der Amok läuft und seine Frau/Freundin umbringen will, glaubhaft
zu schildern.
Das Ende des Romans zieht dem Leser dann endgültig den Boden
unter den Füßen weg. Ist es real, was Matt erlebt hat?
Oder liegt er irgendwo in der Eiswüste und phantasiert?
Andererseits wirken solche Gestalten wie der Präsident und Dayna
sehr glaubwürdig.
Nebenbei, das Serum, das die Technos in Washington immer bei sich
tragen, um an die Oberfläche gehen zu können, erinnert den
Star-Trek-Kenner doch an etwas. Wie hieß das Zeug doch noch
gleich - Tetracell White? ;-)
Fazit:
Ein sehr ungewöhnlicher Roman, der mehr auf Atmosphäre und
das Innenleben der Protagonisten setzt als auf die auch vorhandene
Action-Handlung. Erstklassig.
14 Punkte