Band 2063: "Zikanders Körper"

Autor: Ernst Vlcek

Sig'Zikander entstammt dem Volk der Omraben. Er ist ein Simulationsspieler. Während eines bedeutenden Kampfes gegen seinen größten Gegner bricht auf seiner Heimatwelt Dyffro VII die mysteriöse Seuche aus, eine Art explosive Zelldeformation. Der Planet wird sofort von der Legion unter Quarantäne gestellt; trotzdem sterben fast alle dort befindlichen Intelligenzen eines grauenvollen Todes.
Sig'Zikander ist einer der wenigen Überlebenden. Er wird an Bord eines Schiffes der Legion gebracht und zu einem unbekannten Planeten transportiert. Die nachfolgende Zeit verbringt er in einem Regenerationstank. Nachdem er diesen verlassen kann, wird er von dem Druiden Dolmor Sing Me'Karolni soweit wie möglich wiederhergestellt. Doch der Omrabe ist immer noch schrecklich entstellt; sein bisher makelloser Körper besteht nur noch aus einer deformierten Mischung aus Fleisch und Knochen. Daher denkt er lange Zeit an Selbstmord.
Die Welt, auf der er sich befindet, ist Annuze I, der Stützpunktplanet der Legion. Der Druide Dolmor steht wie viele andere Angehörige seines Volkes im Dienst der Legion. Sie versuchen, die Seuche zu ergründen, von der niemand weiß, wodurch sie ausgelöst wird. Selbst die Ritter von Dommrath mit ihrer überlegenen Technik kennen kein Heilmittel gegen die Seuche; sie können sie lediglich eindämmen. Nur die Druiden mit ihren intuitiven Fähigkeiten können die Überlebenden dieser Epidemie wenigstens soweit wiederherstellen, daß diese nicht mehr vor sich hinvegetieren.
Der Druide rekrutiert Sig'Zikander für die Legion. Alle Legionäre, von denen es insgesamt 300.000 aus den verschiedensten Völkern Dommraths gibt, sind überlebende Opfer der Seuche, die körperlich so schlimm geschädigt sind, daß man ihre Herkunft teilweise nicht mehr erkennen kann. Das Gewebe dieser Seuchenopfer ist derart deformiert, daß selbst Organimplantate nicht mehr möglich sind. Viele Legionäre sind daher mit künstlichen Gliedmaßen ausgestattet.
Sig'Zikander beginnt seine Ausbildung auf einem der 100.000 Schiffe der Legion, die mit einer beeindruckenden Technik ausgestattet sind. Dort trifft er zum erstenmal auf andere Legionäre. In der Folgezeit ist er an mehreren Einsätzen beteiligt. So verstößt ein Volk in der Westside Dommraths gegen das Verbot der Raumfahrt. Die Legion vernichtet alle Raumschiffswerften und Industrieanlagen, schont aber jedes Leben. Auf der Welt Sono'Olghain bricht die Seuche aus, und Sig'Zikander nimmt an einer Hilfsmission teil. Da sich immer nur ein Teil der Legionsschiffe im Einsatz befindet, verbringen die Legionäre den Rest ihrer Zeit in Myh'Jahorian, ihrer eigenen Stadt auf Annuze I.
Als seine Vorgesetzte, die Caranesin Yorommos, zur Legientin, d. h. zur Oberbefehlshaberin der Legion, befördert wird, nimmt Sig'Zikander ihren Platz als Raumschiffskommandant ein.
Jahrzehnte vergehen.
Das aus Milliarden von Ortungssatelliten bestehende Frühwarnsystem, das ganz Dommrath umspannt, meldet das Eindringen außergalaktischer Raumschiffe. Eine der Aufgaben der Legion besteht darin, genau dies zu verhindern. Die Legientin bricht mit 1.000 Raumschiffen auf, um die Eindringlinge abzufangen und zum Abflug aus Dommrath zu bewegen, gerät dabei jedoch in einen Hinterhalt und wird getötet. Ihr Verband wird aufgerieben.
Sig'Zikander wird in das Kontrollzentrum der Legion bestellt und dort zum Legienten ernannt. Mit einer Flotte von 99.000 Einheiten gelingt es ihm schließlich, die aus 90.000 Schiffen bestehende Flotte der Invasoren zu vernichten, nachdem diese seine Aufforderung zum Abzug ignoriert haben. Die Legion verliert dabei 44.000 Kampfraumer.
Die auf mehreren Planeten gelandeten Außergalaktiker werden von den Suggestoren der Ritter beeinflußt und verlieren nach und nach jede Erinnerung an ihre Herkunft. Danach werden sie in die Völkergemeinschaft Dommraths eingegliedert.
Sig'Zikander erhält die Nachricht, daß sich Unbefugte auf Annuze I eingeschlichen haben. Der Planet wird in Alarmzustand versetzt. Alle Raumschiffe der Legion schalten daraufhin ihre Schutzschirme ein, starten von der Planetenoberfläche und beziehen im Orbit eine neue Parkposition. Nach aufwendiger Suche werden Startac Schroeder, Trim Marath, Keifan und Ruben Caldrogyn gefangengenommen, die sich vorher längere Zeit mit Hilfe von Schroeders Teleporter-Fähigkeit vor ihren Verfolgern in Sicherheit gebracht hatten. Bevor die vier einem Verhör unterzogen werden können, wird die Legion in Alarmbereitschaft versetzt. 80.000 Schiffe fliegen in den Cluster 1571 ab. Die Ritter von Dommrath verkünden den "Krisenfall Heliot".

Ernst Vlcek hat mal wieder einen ausgesprochen schönen Roman abgeliefert. Stimmig, packend erzählt und voller Informationen.
Dabei elektrisiert ein Begriff den Leser besonders: KRISENFALL HELIOT.
Spätestens jetzt weiß es jeder: Mit Dommrath wird wieder eine Brücke zu vergangenen Ereignissen geschlagen. Das war eigentlich schon zu vermuten, aber jetzt hat man es schwarz auf weiß.
Der Thoregon-Komplex sollte nach Ankündigung diverser PR-Macher nicht vergessen sein, wurde aber nach Heft 2000 doch stark in den Hintergrund gedrängt. Nun greift man dieses Thema - und nach den bisherigen Andeutungen muß man sagen, durchaus gekonnt - wieder auf. Manchmal dauert eben alles etwas länger.
Worum es sich bei diesem mysteriösen Krisenfall handelt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls hat es etwas mit den Helioten zu tun; oder aber mit einem Planeten "Heliot" oder etwas ähnlichem. Helioten, Thoregon - zwar sind die Zusammenhänge noch nicht klar, aber irgendwo sollte es da einen Mega-Pilzdom geben. Ein solcher befindet sich womöglich in einem der verbotenen Cluster Dommraths?!? Die SOL ist bekanntlich in Heft 2047 in einem Mega-Dom verschwunden und nicht an ihrem Ziel im PULS von DaGlausch aufgetaucht. Befindet sich die SOL jetzt in Dommrath??? Nach beinahe zwanzig Heften sollte sie langsam wieder erscheinen. Und ausgerechnet hier, das wäre wünschenswert. Dann hätte man keine dritte Handlungsebene und verzettelt sich nicht.
Doch auch wenn das nicht der Fall sein sollte: Dieser Krisenfall wird seit langer Zeit erwartet, und die Ritter setzen ohne großes Zaudern auch gleich 80.000 Schiffe in Marsch. Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Offenbar hat man mit einem Begriff wie "Heliot" nur wenig Angenehmes zu verbinden...
Aber auch sonst bietet der Roman einige Höhepunkte.
Die Monochrom-Mutanten und ihre beiden Gefährten dürften bald den Rittern von Dommrath gegenüberstehen. Da werden dann etliche Rätsel aufgelöst. Schon jetzt ist sicher: Zunächst geht es vier Bände in die Milchstraße (auch dort kommen die Ereignisse plötzlich in Fahrt, denn die Arkoniden bereiten einen Angriff auf Terra vor), und danach wird wieder nach Dommrath umgeblendet. Die Titelvorschau (PR 2069: Die Ritter von Dommrath, PR 2070: In der Sternenkammer, PR 2071: Der siebte Ritter) spricht Bände.
Es gibt sie also tatsächlich, die Ritter von Dommrath - auch wenn das zunächst nicht so aussah (geschickte Täuschung seitens des Teams). Und sie haben offenbar mächtige Feinde.
Denn daß die Seuche erst auf diesem, dann auf jenem Planeten spontan ausbricht, ohne daß es einen dafür Verantwortlichen gibt, dürfte im PR-Kosmos eigentlich nicht vorkommen. Man darf sich also getrost darauf einstellen, daß auch in Dommrath in nächster Zukunft einiges geschieht. Zwar wurde gemutmaßt, die Seuche könne von den Rittern selber stammen. Das Ziel wäre klar: Man bereitet sich auf einen Einsatzfall vor, in dem man nur solche Soldaten einsetzen kann, die gegen die Seuche resistent sind. Aber da die Ritter um beinahe jeden Preis intelligentes Leben schützen, dürfte das nicht so recht zu ihrem Charakterprofil passen.
Zudem haben die Ritter ein beachtliches Industriepotential. Ihre Technik ist ziemlich fortschrittlich, denn immerhin besitzen die Schiffe der Legion Energieschirme, die ihnen den Aufenthalt im Zentrum einer Sonne erlauben. Und die Offensivwaffen der Legionsschiffe (Transitionsschleudern) hätten die Terraner in ihrer jetzigen Situation wohl auch gerne... Nicht ganz erklärbar ist, daß die außergalaktischen Invasoren gleich die halbe Flotte der Legion ins Jenseits schicken (aber vielleicht handelt es sich hier schon um die Vorhut der Ritter-Gegner?). Aber selbst solche Verluste werden in kurzer Zeit ausgeglichen (solche Werftanlagen hätte die LFT wohl ebenfalls dringend nötig).
Auch die Charakterisierung sowie der Lebensweg Sig'Zikanders wurde von Ernst Vlcek recht ansprechend in Szene gesetzt. Dieser Omrabe ist schon ziemlich bemitleidenswert, und doch mausert er sich im Lauf der Zeit ganz erheblich (er bringt es immerhin zum Kommandanten der Legion). Seltsam an Sig'Zikander ist nur, daß er sich anfangs sein Geld gerade mit Raumkampfsimulationen verdiente... (* Mit einem kleinen bißchen Phantasiebereitschaft gar nicht soooo abwegig, finde ich... ;-) Wie hieß noch gleich dieser Film, in dem so ein junger Mann zuerst den absoluten Highscore in einem Computerspiel lieferte, dies aber nur ein Test war und er anschließend in einem echten Raumschiff gleichermaßen echte Feindraumschiffe abschießen mußte, um die Welt zu retten? "Star Kid" oder so? Heike)

Fazit:
Langsam, aber sicher, kommt Bewegung in die Handlung. Auf die Fortsetzung in Dommrath darf man sich freuen. Auch in der Milchstraße bahnen sich dramatische Ereignisse an. Die Serie macht langsam wieder Spaß. Darauf hat man gewartet.
13 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Oho, das ist doch mal was. Ernst Vlcek bietet mit "Zikanders Körper" wirklich gute Unterhaltung. Zwar bringt der Roman die Haupthandlung nicht besonders viel weiter, doch glänzt diese gelungene Lebensbeschreibung Zikanders mit vielen Hintergrundinfos und -rätseln, die zum Spekulieren einladen, und bietet zudem ein hohes Lesevergnügen.
Und gerade diese Lebensgeschichte macht den Reiz für den Leser aus. Ernst Vlcek füllt die Seiten hier mit einer flotten, gut zu lesenden Story, der auch der vielbeschworene sense of wonder nicht fehlt.
In der Haupthandlung passiert eigentlich gar nicht viel. Die beiden Terraner, der Sambarkin und der Druide mit seinem "Haustierchen" hüpfen auf der Flucht vor den Doppelstabrobotern über den Planeten Annuze I und müssen sich schließlich stellen. Klingt nicht besonders aufregend - und ist es eigentlich auch nicht - zumindest bis zu den letzten Zeilen. Doch glücklicherweise ist dies nur das Beiwerk zur Lebensgeschichte Sig'Zikanders.
Der Omrabe ist ein weiteres Opfer der Seuche, überlebt diese jedoch. Er wird von einem Legionsschiff an Bord genommen und auf Annuze gesundgepflegt, wobei der titelnde Körper reichlich verstümmelt wird. Er tritt in die Legion ein und steigt schließlich zu ihrem Befehlshaber auf, als der er sich später dem gefürchteten Krisenfall Heliot stellen muß, gerade als er den Terranern gegenübersteht.
Hierin verbergen sich gleich Massen von Fragen und Spekulationsgrundlagen. Aber fangen wir erst einmal "klein" an...
Da haben wir die Seuche, aus deren Überlebenden sich die rund 300.000 Legionäre rekrutieren. Zwar wird im Roman mehrfach erwähnt, daß die Legion nicht für die Seuche verantwortlich ist, und dies kann man wohl durchaus glauben, doch warum sollen nicht z.B. die Würmer in den Portalen dafür verantwortlich sein? Schließlich zieht die Legion ihren Nutzen aus den Überlebenden, denn nur mit diesen kann sie ihre "Sollstärke" halten. Und die Tatsache, daß nach dem Krieg gegen die Extragalaktiker, der hohe Verluste in der Legion gefordert hat, die Seuche verstärkt auftrat und die Legionäre in Rekordzeit wieder auf Stammbesetzung sind, läßt wohl her darauf schließen, das diese Seuche gesteuert wird. Kein gutes Zeugnis für die Ritter. Der "Goldene Käfig" ist wohl doch eher vergoldet... (* ...was ich inzwischen fast noch lieber mit "goldfarben angestrichen" übersetzen würde... Heike)
Die Frage stellt sich, weshalb die Ritter von Dommrath nun unbedingt überlebende Seuchenopfer in ihrer Legion haben wollen. An diesen muß also etwas Besonderes sein, das sie für den "Krisenfall Heliot" qualifiziert. Denn dieser scheint die eigentliche Hauptaufgabe der Legion zu sein, wenn man sich Zikanders Reaktion so ansieht...
Allerdings müßte man natürlich zuallererst einmal wissen, was denn dieser "Krisenfall Heliot" eigentlich darstellt. Hier sind eigentlich nur zwei Modelle denkbar:
1) "Heliot" liegt in Dommrath und ist der Heimatplanet der Helioten, der im Krisenfall irgendwie bedroht wird. Ich schätze mal, das können wir getrost ausschließen, denn die bisherige Handlung spricht deutlich dagegen. Dies würde nämlich implizieren, daß die Helioten zumindest mit den Rittern unter einer Decke stecken oder gar mit ihnen identisch sind. Dagegen spricht jedoch, daß Crozeiro die Hauptwelt Dommraths sein soll (Beweise hierfür gibt es noch nicht) und damit auch Torr Samaho irgendwie mit den Helioten zusammenhängen würde. Angesichts Thoregons ein ziemlich erschreckender Gedanke und irgendwie nicht passend.
2) Mit "Krisenfall Heliot" wird die Ankunft eines Helioten in Dommrath bezeichnet. Dies impliziert wiederum, daß die Helioten in diesem "Land" bekannt und, da es sich um einen Krisenfall handelt, gefürchtet sind. Dies ist mit Sicherheit wahrscheinlicher als die erste Möglichkeit.
Da stellt sich dann einerseits die Frage, weshalb man die Helioten fürchtet, und andererseits, wie diese denn nach Dommrath gelangen könnten.
Zu ersterem läßt sich vermuten, daß die Helioten wegen ihres Thoregon-Gedankens nicht gern gesehen sind. Nur: Warum? Die Spekulation in dieser Hinsicht führt direkt zum zweiten Teil der Frage. Denn daß hier diverse Ähnlichkeiten zum "terranischen" Thoregon (bzw. der Art, wie die Völker der Galaxis friedlich gehalten werden) durchaus vorhanden sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Könnte es sich beim Land Dommrath vielleicht um ein weiteres Thoregon bzw. eine Galaxis handeln, die zu einem solchen gehört? Und angesichts der Vorgehensweise der Ritter (gesteuerte Seuche zur Aufrechterhaltung der Sollstärke der Legion u.ä.) evtl. eine Art Anti-Thoregon? Immerhin: Bei Völkern, SI's, Materiequellen/-senken und Kosmokraten sowie Chaotarchen sind stets eine "positive" wie auch eine "negative" Kraft vorhanden. Warum also nicht auch bei einem Thoregon? Der Krisenfall Heliot deutet jedenfalls darauf hin, daß man den Helioten (und damit wohl auch ihrem Thoregon) nicht besonders wohlgesonnen ist. Warum wohl?
Hinzu kommt: Wie reisen Helioten eigentlich? Einfach durch den Raum, oder eben über die Brücke in die Unendlichkeit. Genaues ist hierzu m.E. noch nicht ausgesagt worden; jedoch liegt die Vermutung nahe, daß sie über die Brücke kommen (ansonsten hätte sicherlich nichts dagegengesprochen, nicht nur über Terra, sondern auch über Olymp oder Ertrus oder sonstwo zu erscheinen - die wichtigen Planeten der Menschheit halt), womit wir bei der Vermutung sind, daß sich in Dommrath ein Pilzdom finden wird - bei einem Wie-auch-immer-Thoregon evt. auch ein Mega-Dom.
Zusätzlich haben wir hier ja auch die verbotenen Cluster. Eine Gruppe davon befindet sich rund um die Hauptwelt - die zweite bezieht sich auf die Checkalurs 1520 bis 1880, die angeblich unbewohnt sind. Dieser Aussage ist sowieso zu mißtrauen - warum sollte ein solches Gebiet unbewohnt sein, während die anderen Cluster gleich hunderte von bewohnten Planeten beherbergen? Hier wird eindeutig etwas vor der Bevölkerung dieser Galaxis versteckt. Ein Pilzdom? Dies kann man wohl als wahrscheinlich ansehen. Ich vermute mal, daß dieser eventuelle Pilzdom in der Mitte eines rund sieben Cluster pro Seite umfassenden Würfels liegt (das kommt den 360 angeblich unbewohnten Clustern ziemlich nahe). Und schließlich bricht man nach Bekanntwerden des Krisenfalls nach Cluster 1571 auf, der zu diesen "unbewohnten" Clustern zählt.
Die Frage ist m.E. jetzt eigentlich nur noch, wer oder was denn nun in dieser Galaxis aufgetaucht ist - und das auch noch über einen vermuteten Pilzdom. Und weshalb ist nur die Legion in der Lage, diese Gefahr für das Land Dommrath abzuwehren...?
Womit wir wieder bei einem früheren Teil dieser Spekulation angekommen wären. Es dürfte wohl als sicher gelten, daß die Legionäre von den Rittern (bzw. deren Helfern) "herangezüchtet" werden. Irgendetwas in ihren Genen scheint den Rittern wichtig zu sein, etwas, das auch dafür verantwortlich ist, daß sie die Seuche überleben. Diese genetische Besonderheit verschafft ihnen wohl einen Vorteil, eine Möglichkeit, die die anderen Bewohner des Landes Dommrath nicht haben und wahrscheinlich einzig und allein auf den "Krisenfall Heliot" ausgerichtet ist. Ein willkommener Nebeneffekt der ganzen Sache ist natürlich, daß die Legionäre recht emotionslos agieren und leicht zu lenken sind. Wenn man sich diesen Hintergrund einmal näher zu Gemüte führt, kann einem wirklich schlecht werden.
Aber all dies sind nur reine Spekulationen - ob sich etwas davon in der "Realität" der Serie bewahrheiten wird, muß sich erst noch herausstellen.
Ganz und gar keine Spekulation ist jedoch die Feststellung, daß Ernst Vlcek in diesem Roman zur Hochform aufläuft. Die Schilderungen sind durchweg hervorragend gelungen, und die Charaktere erscheinen plastisch vor dem Leser, so daß dieser sich sehr gut in sie hineindenken kann. Sicherlich beeinflußt auch das gute und ergiebige Expo (siehe die Menge der Hintergrundinformationen und die Ergiebigkeit in Sachen Spekulantentum) diesen Roman, doch Ernst versteht es, dieser Vorgabe noch eine weitere Komponente abzugewinnen, die einen wirklich guten Roman ausmacht: eine interessante Handlungsbeschreibung, die den Leser fesselt. Solche Romane wünsche ich mir öfter von Ernst, der wieder einmal gezeigt hat, daß er wirklich gute Romane schreiben kann, nachdem er in letzter Zeit eher mäßig bewertet wurde. Da bleibt nur eins zu sagen: Weiter so! Der Weg ist goldrichtig.

Fazit:
Ernst Vlcek ist ein hervorragender Roman gelungen. "Zikanders Körper" bietet neben einigen Hintergrundinformationen und Spekulationsgrundlagen eine gut durchstrukturierte Handlung, die interessant und wirklich lesenswert erzählt wird. Einer der besten "Vlceks" der letzten Zeit!
13 Punkte.

Winfried Brand

Das ist doch wieder typisch. Da passiert endlich mal was Spannendes, und als Belohnung wird dann auch gleich die Handlungsebene gewechselt. Als Leser möchte man dann natürlich schreien, aber so funktioniert das Spiel halt, und so gut wie in diesem Roman hier wurde es auch schon länger nicht mehr praktiziert.
Eigentlich hatte ich das so auch nicht erwartet, und so war ich doch sehr überrascht über die wahre Informationsflut, die hier auf den Leser einströmt.
Ort der Handlung ist zunächst Annuze I, der Stationierungsplanet der Legion. Die Handlung hier ist recht knapp und kurz. Die vier Eindringlinge (Trim, Startac, Keifan und Ruben) sind mehr oder weniger immer auf der Flucht, bis sie am Ende die Waffen strecken müssen, da sie gestellt und gefangengenommen werden. Jedoch möchte ich hier an dieser Stelle vermuten, daß sie gute Chancen haben werden, sich wieder aus ihrer derzeit unangenehmen Lage zu befreien, weil ja die Legion vor ihren großen Alptraum gestellt wird: vor den Krisenfall Heliot.
Wer sich hinter der Legion versteckte, war bisher unbekannt. Ernst Vlcek schildert hier ein paar Hintergründe auf sehr eindringliche und dramatische Weise. Anhand des Omraben Sig'Zikander wird deutlich, welches Schicksal die "Legionäre" hinter sich haben. Sie sind die Aussätzigen dieser Galaxis, die Überlebenden der Seuche, die grausam und scheinbar planlos auf einem Planeten nach dem anderen zuschlägt und ihn als leblosen Ort zurückläßt. Scheinbar planlos? Alles, nur das nicht. Ich bin mir absolut sicher, daß am Ende herauskommen wird, daß die Seuche ein genauestens gesteuertes Instrument der Ritter ist. Die Legion will nichts davon wissen. Sie wird lediglich von Planet zu Planet geschickt, um die Überlebenden aufzusammeln, die auf Annuze I wieder aufgepäppelt werden, um dann in der Legion zu dienen. Ich bin ja mal gespannt, welche Eigenschaften die Seuchen-Opfer haben, die sie für den Dienst in der Legion qualifizieren (mal davon abgesehen, daß sie die Seuche überlebt haben). Vermutlich hat es etwas mit dem Krisenfall Heliot zu tun. Das wiederum verknüpft Dommrath nun mit der bisherigen Handlung. Wenn die Ritter also das Auftauchen eines Helioten fürchten, dann wird es ja auch irgendwo in der Gegend einen Pilzdom geben - oder etwa nicht? Auf der anderen Seite hat sich die Ritter-Technik bisher dermaßen hochentwickelt gezeigt, daß sie doch eigentlich mit einem Objekt wie einem Pilzdom fertigwerden müßte. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Heißt das also, daß hinter den Rittern doch nicht die großen kosmischen Mächte sitzen, die bisher dort vermutet wurden (zumindest von mir)?
Auf alle Fälle haben die Ritter vor den Helioten dermaßen viel Angst, daß sie Millionen und Abermillionen von Lebewesen in den Tod schicken, "nur" um eine Armee von 300.000 Wesen aufzubauen, damit sie gegen den Feind gewappnet sind. Oder steckt hinter diesem Helioten etwa etwas ganz anderes?
Ich mag es kaum glauben; und diese grausame und gnadenlose Handlungsweise würde gut und gern in das bisherige Handlungsschema der Ordnungsmächte dieses Universums passen.

Fazit:
Es bleibt ein Roman, der mir sehr viel Spaß gemacht hat. Das Schicksal von Sig'Zikander war sehr eindringlich und vor allem extrem dramatisch. Sein Aufstieg ging dann allerdings etwas fix und paßte nicht mehr ganz so gut ins Bild.
Auf alle Fälle hat dieser Roman dafür gesorgt, daß man mit Spannung die weiteren Romane dieser Ebene erwartet, und etwas Derartiges hatten wir schon eine ganze Weile nicht mehr.
11 Punkte

Alexander Haas

Co-Rezensenten zu den PR-Romanen gesucht

Da Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy.