Harald Evers:

"Die Bruderschaft von Yoor"

(1. Roman der Höhlenwelt-Saga)
D 2001
(797 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9127, ISBN 3-453-17897-1, DM 19,90)
- erschienen: Februar 2001 -

Leandra ist eine junge Magie-Schülerin in dem abgelegenen kleinen Dorf Angadoor. In der Nacht vor ihrer Aufnahmeprüfung in den Rang einer Adeptin beobachtet sie einen grauenvollen Mord, der sich in einer uralten verbotenen Magischen Stätte ereignet.
Unter Schock berichtet sie ihrem Lehrer Munuel davon. Dieser war vor 30 Jahren in einen großen Krieg verwickelt, in dem er gegen einen schrecklichen Dämon gekämpft hat, und auch das unheimliche Ereignis von letzter Nacht scheint mit damals in Verbindung zu stehen. Er nimmt Leandra mit in die Hauptstadt Savalgor, wo er sich mit den Oberen seiner Gilde berät.
Als die Zeichen immer deutlicher werden, daß hinter alledem die mysteriöse Bruderschaft von Yoor stecken muß, die bereits vor 2000 die Welt ins Verderben stürzen wollte, werden Munuel und Leandra mit den zwei stygischen Artefakten ausgesandt, um in einer uralten Stadt nach dem dritten Teil einer Waffe zu suchen. Verbunden mit ihren Artefakten sollen sie damit die Welt vor dem Untergang retten...

Also, was haben wir denn hier?
Zunächst einmal geht's ganz klassisch los. Irgendein Dorf in der Wildnis, in dem ein einsamer alter Magier eine einsame junge Novizin unterrichtet. Als der große Tag der Prüfung kommt, will diese natürlich ganz besonders vorbereitet sein - und stolpert dabei in ihr Verderben. Wie gesagt, beginnt diese Geschichte sehr klassisch, ja, schon fast kitschig. Aber warum muß sie unbedingt so weitergehen? Leandra ist natürlich keine gewöhnliche Adeptin, und Munuel ist auch kein Magier vom Lande. Während Leandra immer mehr magische Artefakte in die Hände fallen, von denen eins mächtiger als das andere ist, zeigt sie auch immer mehr magische Talente. Auf der anderen Seite stellt sich Munuel als großer und mächtiger Magier heraus, der sich auch noch bestens mit den neu aufkommenden Feinden auskennt.
Es kommen im Lauf der Geschichte noch einige Charaktere hinzu, von denen keiner überzeugender ist als die beiden Hauptcharaktere. Erwähnenswert ist vielleicht noch Viktor. Dieser schlägt sich als Stallbursche und Barde gerade so durchs Leben, ist noch recht jung und hat irgendwann früher mit Büchern gehandelt, die er restauriert und verkauft hat. Da er dabei ja die Bücher lesen mußte, ist er so ganz nebenbei auch noch zum wandelnden Lexikon für alte magische Geheimnisse geworden, die dann so ganz zufällig mehr als einmal einen wichtigen Hinweis enthalten.
Dies zeigt hoffentlich, daß "die Bruderschaft von Yoor" nicht durch die Charaktere überzeugt, von denen einer unglaubwürdiger und kitschiger als der andere ist. Sicher, es verlangt niemand vom Autor, die Fantasy neu zu erfinden, aber ob es dann so der alte Käse sein mußte? Oder wenn doch, warum dann in dieser Konzentration? Man muß nicht zum hundertsten Male aufwärmen, daß die großen mächtigen Magier ausschließlich auf dem Land leben und dort junge Adepten ausbilden. So langsam weiß man das als Leser.
Aber auch auf den anderen Gebieten gibt der Autor sich wirklich Mühe, den Roman an seine Charaktere anzupassen. Wieder einmal haben wir einen alten Gegner, der vor langer Zeit nicht endgültig besiegt wurde und nun erneut versucht, die Welt in ein dunkles Zeitalter zu stürzen. Wieder einmal haben wir eine kleine Gruppen von Auserwählten, die um die Dinge wissen und ein paar der Ihren aussenden, um dem Feind ins Auge zu sehen.
Da die Charaktere also nicht besser sind als die Geschichte, die um sie herumgesponnen wird, bleibt nicht viel, was diesen Roman lesbar macht.
Immerhin bleibt der Roman noch irgendwie recht schnell und vor allem einfach zu lesen, auch wenn man sich später nicht wirklich besonders gut daran erinnern will. Nachteilig wirkt sich jedoch noch aus, daß es immer wieder zu einer Vermischung zwischen verschiedenen sprachlichen Elementen kommt. Da haben wir auf der einen Seite hin und wieder eine recht alte und konservative Sprache und auch derartige Verhaltensweisen zwischen den Charakteren, während es auf der nächsten Seite doch eher salopp und modern zugeht. Ich finde, hier wäre eine konsequentere Umsetzung eher angebracht gewesen.
Immerhin war der Autor bemüht, eine eigene Umgebung für seine Handlung zu schaffen, aber warum erklärt und beschreibt er sie dann nicht umfangreich? Immerhin ist der Roman doch gut 800 Seiten lang. Man möchte meinen, daß da doch etwas Platz für derlei Dinge gewesen wäre, aber tatsächlich dürfen wir uns unter Begriffen wie Sonnenfenstern und Stützpfeilern vorstellen, was wir wollen.
Bei aller Kritik gibt es aber doch ein paar Punkte, die es mir sehr angetan haben. Harald Evers führt tatsächlich im Lauf der Handlung eine Gruppe von Drachen ein, die mit den Reisenden kooperieren, und gerade die ersten Szenen waren wirklich wunderbar beschrieben. Schade, daß nicht der ganze Roman so war.

Fazit:
Ein Roman der Marke: "Alter Zauberer vom Land und junge Magierin retten die Welt mit einem Haufen magischer Artefakte." Sehr kitschig und weder spannend noch mitreißend. Es gibt lediglich ein paar wirklich gute Szenen, und so mag man sich auf die Fortsetzung nicht hundertprozentig freuen.
5 Punkte 

Alexander Haas


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