Leandra ist
eine junge Magie-Schülerin in dem abgelegenen kleinen Dorf
Angadoor. In der Nacht vor ihrer Aufnahmeprüfung in den Rang
einer Adeptin beobachtet sie einen grauenvollen Mord, der sich in
einer uralten verbotenen Magischen Stätte ereignet.
Unter Schock berichtet sie ihrem Lehrer Munuel davon. Dieser war vor
30 Jahren in einen großen Krieg verwickelt, in dem er gegen
einen schrecklichen Dämon gekämpft hat, und auch das
unheimliche Ereignis von letzter Nacht scheint mit damals in
Verbindung zu stehen. Er nimmt Leandra mit in die Hauptstadt
Savalgor, wo er sich mit den Oberen seiner Gilde berät.
Als die Zeichen immer deutlicher werden, daß hinter alledem die
mysteriöse Bruderschaft von Yoor stecken muß, die bereits
vor 2000 die Welt ins Verderben stürzen wollte, werden Munuel
und Leandra mit den zwei stygischen Artefakten ausgesandt, um in
einer uralten Stadt nach dem dritten Teil einer Waffe zu suchen.
Verbunden mit ihren Artefakten sollen sie damit die Welt vor dem
Untergang retten...
Also, was haben wir denn hier?
Zunächst einmal geht's ganz klassisch los. Irgendein Dorf in der
Wildnis, in dem ein einsamer alter Magier eine einsame junge Novizin
unterrichtet. Als der große Tag der Prüfung kommt, will
diese natürlich ganz besonders vorbereitet sein - und stolpert
dabei in ihr Verderben. Wie gesagt, beginnt diese Geschichte sehr
klassisch, ja, schon fast kitschig. Aber warum muß sie
unbedingt so weitergehen? Leandra ist natürlich keine
gewöhnliche Adeptin, und Munuel ist auch kein Magier vom Lande.
Während Leandra immer mehr magische Artefakte in die Hände
fallen, von denen eins mächtiger als das andere ist, zeigt sie
auch immer mehr magische Talente. Auf der anderen Seite stellt sich
Munuel als großer und mächtiger Magier heraus, der sich
auch noch bestens mit den neu aufkommenden Feinden auskennt.
Es kommen im Lauf der Geschichte noch einige Charaktere hinzu, von
denen keiner überzeugender ist als die beiden Hauptcharaktere.
Erwähnenswert ist vielleicht noch Viktor. Dieser schlägt
sich als Stallbursche und Barde gerade so durchs Leben, ist noch
recht jung und hat irgendwann früher mit Büchern gehandelt,
die er restauriert und verkauft hat. Da er dabei ja die Bücher
lesen mußte, ist er so ganz nebenbei auch noch zum wandelnden
Lexikon für alte magische Geheimnisse geworden, die dann so ganz
zufällig mehr als einmal einen wichtigen Hinweis enthalten.
Dies zeigt hoffentlich, daß "die Bruderschaft von Yoor" nicht
durch die Charaktere überzeugt, von denen einer
unglaubwürdiger und kitschiger als der andere ist. Sicher, es
verlangt niemand vom Autor, die Fantasy neu zu erfinden, aber ob es
dann so der alte Käse sein mußte? Oder wenn doch, warum
dann in dieser Konzentration? Man muß nicht zum hundertsten
Male aufwärmen, daß die großen mächtigen Magier
ausschließlich auf dem Land leben und dort junge Adepten
ausbilden. So langsam weiß man das als Leser.
Aber auch auf den anderen Gebieten gibt der Autor sich wirklich
Mühe, den Roman an seine Charaktere anzupassen. Wieder einmal
haben wir einen alten Gegner, der vor langer Zeit nicht
endgültig besiegt wurde und nun erneut versucht, die Welt in ein
dunkles Zeitalter zu stürzen. Wieder einmal haben wir eine
kleine Gruppen von Auserwählten, die um die Dinge wissen und ein
paar der Ihren aussenden, um dem Feind ins Auge zu sehen.
Da die Charaktere also nicht besser sind als die Geschichte, die um
sie herumgesponnen wird, bleibt nicht viel, was diesen Roman lesbar
macht.
Immerhin bleibt der Roman noch irgendwie recht schnell und vor allem
einfach zu lesen, auch wenn man sich später nicht wirklich
besonders gut daran erinnern will. Nachteilig wirkt sich jedoch noch
aus, daß es immer wieder zu einer Vermischung zwischen
verschiedenen sprachlichen Elementen kommt. Da haben wir auf der
einen Seite hin und wieder eine recht alte und konservative Sprache
und auch derartige Verhaltensweisen zwischen den Charakteren,
während es auf der nächsten Seite doch eher salopp und
modern zugeht. Ich finde, hier wäre eine konsequentere Umsetzung
eher angebracht gewesen.
Immerhin war der Autor bemüht, eine eigene Umgebung für
seine Handlung zu schaffen, aber warum erklärt und beschreibt er
sie dann nicht umfangreich? Immerhin ist der Roman doch gut 800
Seiten lang. Man möchte meinen, daß da doch etwas Platz
für derlei Dinge gewesen wäre, aber tatsächlich
dürfen wir uns unter Begriffen wie Sonnenfenstern und
Stützpfeilern vorstellen, was wir wollen.
Bei aller Kritik gibt es aber doch ein paar Punkte, die es mir sehr
angetan haben. Harald Evers führt tatsächlich im Lauf der
Handlung eine Gruppe von Drachen ein, die mit den Reisenden
kooperieren, und gerade die ersten Szenen waren wirklich wunderbar
beschrieben. Schade, daß nicht der ganze Roman so war.
Fazit:
Ein Roman der Marke: "Alter Zauberer vom Land und junge Magierin
retten die Welt mit einem Haufen magischer Artefakte." Sehr kitschig
und weder spannend noch mitreißend. Es gibt lediglich ein paar
wirklich gute Szenen, und so mag man sich auf die Fortsetzung nicht
hundertprozentig freuen.
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