Als Matt
seine Augen aufschlägt, kann er es zuerst gar nicht fassen: Er
befindet sich in einem Krankenhaus. Genauer: In einem Krankenhaus auf
seiner Basis in Berlin-Köpenick. Der Arzt, der ihn untersucht,
erklärt ihm, daß er seit dem 8. Februar 2012 im Koma
gelegen habe und somit rund 14 Monate verschlafen habe.
Ungläubig hört Matt ihm zu.
Seine Verwirrung steigert sich noch, als er vom Arzt erzählt
bekommt, daß die Welt den Einschlag Christopher-Floyds
überlebt hat. War all das, was er bisher erlebt hat, wirklich
nur ein Traum? Um seine Fluglizenz so schnell wie möglich
wiederzubekommen, begibt er sich in die Behandlung des Psychiaters
Sirwig. Dieser kann für all das, was Matt ihm bei den Sitzungen
erzählt, überzeugende psychologische Gründe benennen.
Dennoch, Matt lassen die Erinnerungen an die Zeit mit Aruula nicht
los. Und irgendwie weiß er auch, daß seine Erlebnisse
real waren.
Als Matt sich eines Abends heimlich aus der Basis schleicht, nimmt
ein Mann namens Mike mit ihm Kontakt auf. Er erzählt Matt,
daß er Beweise dafür hat, daß seine Erlebnisse
wirklich waren. Unvermittelt verschwindet er und drückt Matt ein
Paket in die Hand - ein Taratzenzahn, in dem Mikes Telefonnummer
eingraviert ist. Matts Zweifel werden immer größer; so
vereinbart er ein Treffen mit Mike und stiehlt sich nochmals aus der
Basis weg. Doch auch Mike trägt eher noch zu Matts steigender
Paranoia bei. Er wird erwischt und landet in der Arrestzelle. Schon
wieder taucht Mike wie aus dem Nichts auf. Seine geheimnisvollen
Andeutungen machen Matt nur noch konfuser, als er es schon ist.
Als schließlich Doktor Smythe auftaucht und Matt eine
glaubhafte Theorie für seine Erlebnisse bietet, ist Matts
Verwirrung nur noch größer. Wem soll er trauen?
Smythe bietet Matt eine Fluchtmöglichkeit, die dieser zuerst
auch wahrnimmt. Aber nach und nach kommen ihm Zweifel an Smythes
Absichten - er sagt ihm auf den Kopf zu, daß Smythe seine
Informationen von Sirwig hat. Dieser gibt es zu. Daraufhin setzt sich
Matt aus dem fahrenden Jeep ab und landet mal wieder bei Mike, der
mit einem Ferrari zur Stelle ist. Es folgt eine wilde Verfolgungsjagd
wie aus einem Action-Roman. Mike erklärt Matt, daß diese
ganze Szene tatsächlich viel mit einem Roman zu tun hat. Sie sei
nicht real, und er, Mike, sei ein Piratenprogramm, das Matt
darüber aufklären soll. Mike ist erstaunt über die
Tatsache, daß der Weltrat dahintersteckt.
Schließlich können beide nicht weiter, und es kommt zu
einem Showdown auf der Straße. Sowohl Smythe als auch Sirwig
kommen mit Verstärkung auf Matt zu, der mit gezückter Waffe
und Mike dasteht. Sie versuchen, ihn auf ihre Seite zu ziehen. Doch
Matt richtet seine Waffe gegen sich selbst - und damit wird die
zweite Realität zerstört.
Matt kommt in Waashton zu sich. Das alles war nur eine Szenerie, die
der Weltrat aufgebaut hat, um seine Loyalität zu testen und
zudem einiges über seine Vergangenheit zu erfahren. Die
großen Hoffnungen, die Matt bisher in den Weltrat gesetzt hat,
sind damit zerschlagen...
Die Idee, Mad Mike persönlich in einem Roman auftreten zu
lassen, stammte vom MJP selbst. Daß Mike sich zuerst dagegen
gewehrt hat, ist irgendwie verständlich - denn so nett diese
Szenen um ihn zu lesen sind, und ja, für die Handlung sind sie
auch nicht unwichtig, aber ob sie unbedingt sein mußten - hmmm.
Das ist wohl Geschmackssache.
Tja, da ist nun der Roman, der die große Wende ankündigen
sollte. Sollte, wohlgemerkt. Die ersten Szenen lesen sich ja auch
noch ganz nett. Der Rezensent wurde, wie viele Leser wohl auch, an
den Bobby-Ewing-Effekt erinnert - juhu, er steht trällernd unter
der Dusche, und das ist alles nur geträumt, ist alles gar nicht
passiert. Lalala... (* Neinnein, Du mußt das so singen: "Das
war alles nur geträumt - heeee-o heeee-o - und in Wirklichkeit
war's anders..." ;-) Heike) *bg*
Die Anspielungen auf den "Zauberer von Oz" - nein, damit ist nicht
Willows Freund aus Buffy gemeint - sind ja auch noch recht
ordentlich. Gesichter, die Matt scheinbar kennt, entpuppen sich als
Fremde, wie am Ende der Verfilmung des "Zauberers" Dorothy die
Gesichter ihrer Gefährten, Löwe, Volgelscheuche, Blechmann,
auf ihrer Farm in Kansas wiederentdeckt und es halt die Gesichter der
besorgten Farmarbeiter sind. Im Roman zählen dazu die Szenen,
als "Pieroo" ins Krankenzimmer kommt, sowie Matts Begegnung mit der
Schwester Ruler.
Je mehr der Roman allerdings voranschreitet, desto mehr hat man das
Gefühl, daß man das schon irgendwo mal gesehen oder
gelesen hat. Hmm, ein Telefon, mit dem Matt Mike anruft, und die
Telefonnummer, die nachher wohl nicht mehr funktioniert? Mike taucht
auf, wie es ihm gefällt, und er verschwindet auch spurlos
wieder? Hmm, was war denn da nochmal mit dem Telefon? Und diese
Andeutungen, daß diese Welt gar nicht wirklich ist? Irgendwie
habe ich das Gefühl, daß mich die Matrix gepackt
hat...
Stimmt - Vorbild für diesen Roman war eindeutig "Die Matrix".
Das wäre ja an sich nicht weiter schlimm, da sich die Serie
bisher ja munter aus dem Fundus von SF und Horror bedient hat. Aber
was MJP aus diesem Thema gemacht hat - weia.
Nach der Hälfte des Romans weiß man ungefähr, was
abläuft. Über weite Strecken hinweg versucht MJP zwar, den
Leser zu verwirren, aber es gelingt ihm nicht. Zu durchsichtig ist
die Vorlage, die durch den Roman durchschimmert. Zudem kann MJP Matts
Ängste nicht deutlich machen; Claudia Kern konnte das im vorigen
Roman eindeutig besser. Selbst Smythe ist blaß, farblos und
langweilig.
Tja, da der Roman überhaupt nicht in der wirklichen Wirklichkeit
spielt, braucht sich der Autor natürlich um Logikfehler und
eventuelle Handlungsbrüche nicht zu kümmern: Das
funktioniert zwar nicht im wirklichen Leben, aber das ist ja eine
virtuelle Realität... Juhu.
Der Schluß ist dann auch nicht gerade der Bringer. Sorry, aber
wenn Matts Erlebnisse in der VR damit begründet werden,
daß der "wahre Charakter zutage tritt", daß Matts
Loyalität geprüft werden soll - diese Begründungen
sind sehr fadenscheinig. Mag ja sein, daß der Weltrat nicht das
ist, was er zu sein scheint. Doch diese Argumente rücken ihn
eindeutig in eine sehr - nun, sagen wir - zwielichtige Ecke.
Fazit:
Der Roman ist ein wirklich mieser Abklatsch der "Matrix". Weder
spannend noch besonders originell, und die Hauptfiguren vermögen
nicht zu überzeugen.
Die Anfangsszenen heben den Roman gerade noch auf die untenstehende
Wertung.
3 Punkte