Band 2065: "Mission Hundersonnenwelt"

Autor: Horst Hoffmann

Das LFT-Schlachtschiff PAPERMOON landet auf der Hundertsonnenwelt. An Bord befindet sich die Kosmopsychologin Bré Tsinga. Sie soll die Posbis offiziell für Terra um Hilfe für den Kampf gegen Arkon bitten. Doch das bisher so umgängliche Zentralplasma hat sich auf seltsame Weise zu verändern begonnen. Es hat dem Schiff lediglich Landeerlaubnis erteilt und schweigt seither. Schon die übliche Begrüßung ist unterblieben.
Die Posbis und ihre Schiffe sind komplett mit Syntroniken ausgestattet und deshalb anfällig gegen KorraVir. Die Umrüstung der Fragmentraumer - von denen es schätzungsweise zwischen 150.000 und 300.000 gibt (so genau wissen das auch die Terraner nicht) - auf Positronik-Betrieb läuft jedoch.
Auch die Matten-Willys verhalten sich seltsam: Sie leiden unter der Veränderung des Zentralplasmas, und einer von ihnen war derart verzweifelt, daß er sich kurz zuvor von einem Gebäude der terranischen Niederlassung in den Tod gestürzt hat. Soweit sich die Terraner erinnern, war dies der erste Selbstmord, den man je bei einem Matten-Willy erlebt hat.
Da das Zentralplasma sich deutlich Zeit läßt, Bré Tsinga anzuhören, beschließt diese, sich zunächst um die Matten-Willys zu kümmern, um den Grund für deren Verzweiflung zu erfahren. Doch dies ist zunächst erfolglos. Die Willys zeigen Resignation, sind desinteressiert - und schweigsam.
Die Kosmopsychologin erinnert sich an ein altes Rezept Reginald Bulls, um die Willys zum Reden zu bringen. Sie organisiert auf der PAPERMOON Alkohol und kehrt zurück. Bré Tsinga trifft auf den Willy Bruno, der bei seinem Volk als "Technopionier" gilt, denn er ist der einzige Matten-Willy, der etwas (!) von Technik versteht.
Bruno hat sein eigenes Mittel, um seinen Artgenossen aus ihrer Depression zu helfen, und schließlich vertraut er Bré Tsinga unter dem Siegel der Verschwiegenheit seinen Plan an. Er will "hochwirksame Psychopharmaka" für die Willys herstellen: Er beabsichtigt, terranischen Vurguzz zu brennen. Eine Fabrik dafür hat er bereits eingerichtet, und das Rezept hat er aus uralten Überlieferungen seines Volkes, die wiederum auf Reginald Bull zurückgehen. Um die Anlage zum Laufen zu bekommen, fehlt dem Willy noch ein wichtiges Bauteil, eine Pumpe, die er aber schließlich von den Posbis stehlen kann. Die Maschinerie funktioniert allerdings immer noch nicht, denn ihr fehlt der Strom. Es ist Bré Tsinga zu verdanken, daß Bruno dies schließlich merkt.
Inzwischen nimmt die Terranerin ihren Termin beim Zentralplasma wahr. Das Plasma erklärt, daß es zur Unterstützung der LFT bereit sei, vertröstet die Terranerin jedoch noch um zwei weitere Tage. Es stellt Bré Tsinga bis dahin einen Posbi als Führer zur Verfügung. Auf sein seltsames Verhalten angesprochen, weist das Plasma auf umfangreiche Umbauarbeiten an der Zentralsyntronik hin, die dazu dienen sollen, das Gehirn auf hyperinpotronischen Betrieb zurückzurüsten. Diese Arbeiten blockierten das Plasma immer wieder, weshalb die Kommunikation mit Außen nicht mehr richtig funktioniere.
Von ihrem Posbi-Führer erfährt Bré, daß die achtzig Plasma-Kuppeln von den Posbis mit gigantischen PsIso-Netzen überzogen wurden, um das Zentralplasma vor dem Einfluß SEELENQUELLs zu schützen.
Währenddessen feiern die Matten-Willys mit dem von Bruno gebrannten Vurguzz eine Orgie. Bré Tsinga gerät kurzzeitig zwischen die feiernden Willys, bevor sie entnervt die Flucht ergreift. Am nächsten Tag stellt Bruno nach dem Aufwachen fest, daß seine Vurguzz-"Fabrik" von Unbekannten zerstört wurde. Es stellt sich jedoch heraus, daß er selbst im Vollrausch die Anlage verwüstet hat. Eine neue Einspritzpumpe muß her. Auf der Suche danach dringt der Technopionier in die Zentralsyntronik ein. Dort entdeckt er einen unbekannten Humanoiden. Bruno verfolgt ihn und stellt fest, daß es sich um einen Arkoniden handelt. Ein Kommando der Eliteeinheit des Arkon-Geheimdienstes, der Kralasenen, ist auf der Hundertsonnenwelt gelandet. Die Arkoniden führen seltsame Gespräche über PsIso- und KrIso-Netze, die Bruno nicht versteht.
Der Willy wird entdeckt. Die Kralasenen drohen, ihn zu töten. Später kann Bruno sich an diesen Vorfall nicht mehr erinnern, da er eimerweise mit Vurguzz übergossen wurde.
Bei einem abschließenden Gespräch mit dem Zentralplasma erfährt Bré Tsinga, daß mittlerweile 40.000 Fragmentraumer, 10.000 mit 3.000 Metern und 30.000 mit je 2.000 Metern Kantenlänge, wieder komplett auf positronischen Betrieb umgestellt wurden. Das Plasma stellt den Terranern diese Schiffe zur Verfügung. Die Flotte bedarf jedoch noch einiger letzter Programmierungen, die das Zentralplasma in den nächsten Stunden durchführen will. Danach sollen die Schiffe die PAPERMOON nach Terra begleiten.
Nach der Verabschiedung machen sich die PAPERMOON und die 40.000 Fragmentraumer auf den Flug nach Sol.

Hier hat man wieder einmal einen typischen Roman von Horst Hoffman vor sich.
Die Story dreht sich schwerpunktmäßig um die Matten-Willys und ihr seltsames Verhalten. Obwohl die Grundstimmung eher pessimistisch ist, brennt der Autor eine Reihe von Gags ab. Die schunkelnden und lallenden Plasma-Wesen in ihrer Einfalt und mit all ihren bizarren Problemen und Verhaltensweisen kennen wir schon aus der Frühzeit der Serie. Hier hat sich nichts geändert, der Autor hat die Matten-Willys exquisit geschildert. Etliche Lacher sind garantiert.
Doch bei allem vordergründigen Humor wird auch das eigentliche Thema nicht vernachlässigt. Die Posbis sind offensichtlich bereits unter SEELENQUELLs Einfluß geraten. Die negative Entität hat einen weiteren wichtigen Teilerfolg erreicht. Statt der - vorgeblichen (terranischen) - PsIso-Netze hat das Zentralplasma offensichtlich die arkonidische Variante installiert. Damit ist es aus mit dem Schutz vor SEELENQUELL; im Gegenteil kann man nun davon ausgehen, daß die Superintelligenz das Zentralplasma der Hundertsonnenwelt und damit auch die komplette Roboterzivilisation der Posbis voll unter seine Kontrolle gebracht hat.
Dabei haben die Terraner von alledem nichts mitbekommen. Horst Hoffmann benutzt schlauerweise einen Matten-Willy, um dem Leser diese so wichtigen Informationen zu vermitteln. Da Matten-Willys aber von alledem keine Ahnung haben, bleiben zunächst Zweifel zurück. Diese kann man aber im Hinblick auf die Serien-Dramaturgie getrost vergessen.
So sind die 40.000 Fragmentraumer, die nun in Richtung Sol starten, wohl kaum eine Hilfe für die LFT. Eine kampfstarke Flotte, schon mehr als eine fünfte Kolonne SEELENQUELLs, befindet sich auf direktem Weg zur Erde. Die Aagenfelt-Barriere, ein ohnehin schon löchriger Schutz, wird damit als Abwehrwaffe gegen die Arkoniden vollkommen unwirksam, denn sie kann nun bequem von innen her aufgerollt werden.
Das Ende der LFT wird immer gewisser. Und dazu braucht SEELENQUELL nun nicht einmal mehr die ebenfalls unter seiner Herrschaft stehenden Blues.

Fazit:
Kein wirklich spektakulärer Roman, aber PR-Unterhaltung auf hohem Niveau. Die Willys machen Spaß.
12 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Und weiter geht's - diesmal sind die Posbis gefragt, sich auf die Seite Terras zu stellen. Diese sind dazu natürlich auch bereit, auch wenn sie gerade wieder zurück auf Positroniken umstellen und einen Schutz vor der Einflußnahme durch SEELENQUELL aufbauen.
Der Leser ahnt recht schnell, daß hier etwas im Argen liegt, wenn irgendein Humanoider in der Nähe des Zentralplasmas herumwuselt - und richtig, gegen Ende erfährt er dann auch Näheres. Der Weg zur Spekulation wird bereitet, schließlich weiß er weit mehr als die Terraner, die froh sind, daß sie 40.000 Posbi-Raumer mit zur Erde nehmen.
Aus dieser Geschichte macht Horst Hoffmann nun einen Roman, der unterhaltsam zu lesen ist und kaum Schwachpunke aufweist.
Langsam wird der Leser an die Lösung herangeführt, und die Anwesenheit von Kralasenen auf der Hundertsonnenwelt verspricht nichts Gutes für die wohl bevorstehende Schlacht um das Solsystem. Es kann wohl als sicher angenommen werden, daß das Zentralplasma bereits SEELENQUELLs Einfluß erlegen ist - und daß die Zusatzprogrammierung der 40.000 Posbi-Schiffe sicherlich nicht die Zustimmung der Terraner finden wird, denen diese eigentlich zur Seite stehen sollten. Mit dieser Infiltration der eigenen Reihen dürfte es wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das Solsystem zum Einflußbereich der Arkoniden gehört. Wie gut, daß die Solare Residenz flugfähig ist - hier deutet sich so langsam die Erfüllung von Robert Feldhoffs kryptischer Vorschau an, die dieser auf dem Weltcon in Mainz von sich gegeben hat.
Zurück zum Roman.
Trotz aller positiven Schilderungen, die das Lesen an sich zu einem Vergnügen machen, bleibt hier ein leicht schaler Nachgeschmack, wenn man sich den Ge- und Verbrauch von Alkohol hier näher ansieht. Bré Tsinga wirkt schon ein wenig schizophren, wenn sie auf der einen Seite die absolute Enthaltsamkeit für die Posbis predigt, diese aber gleich beim ersten Treffen mit einer Alkoholdusche zum Reden bringen will. Da predigt sie über die schädlichen Seiten des Alkohols (auch unter Terranern) und fordert Abstinenz, und in der nächsten Szene prostet sie aufgrund des Erfolgs fröhlich mit Sekt durch die Gegend. Ja - was denn nun? Sekt oder Selters? Bré Tsinga jedenfalls kann sich wohl nicht entscheiden, pendelt durchgehend zwischen zwei Extremen.
Dies soll jetzt sicherlich kein Angriff gegen Alkohol an sich sein (wie der eine oder andere Leser wissen dürfte, bin ich selber dieser "Droge" sicherlich nicht abgeneigt - zudem sitze ich gerade beim Verfassen dieser Rezension seit knapp einer Sunde in meiner Stammkneipe, und ein gepflegtes Guinness steht neben dem Tastatur-PDA) - doch was die Kosmopsychologin hier abliefert (bzw. das, was HoHo sie abliefern läßt) ist schon mehr als nur schizophren. Den Goldenen Mittelweg "Alkohol in Maßen statt in Massen" propagiert sie zwar in ihren Handlungen, wenn es sie selber betrifft, doch nach außen hin schwankt sie von einem Extrem ins andere. Hier muß man Horst Hoffmann doch eine ziemlich seltsame Charakterisierung bescheinigen. Angesichts der Qualität des restlichen Romans wirklich schade.
Denn dieser Roman ist wirklich lesenswert - und wenn man nicht weiter darüber nachdenkt, wird das schizophrene Verhalten Bré Tsingas vielleicht gar nicht auffallen. Denn HoHo versteckt dies in einer gekonnten Tragikomödie um die Matten-Willys, die zu lesen wirklich Spaß macht.
Schon wieder ein guter Rhodan-Roman - so langsam kann man sich daran gewöhnen. Das Niveau der Serie ist z.Zt. jedenfalls auf einem neuen Höhepunkt angelangt, und der hervorragende Gesamtplot bekommt endlich die Romane, die er verdient.

Fazit:
Auch Horst Hoffmann zeigt zur Zeit nur kleine Schwächen. Mit "Mission Hundertsonnenwelt" legt er einen Roman vor, der sehr gut unterhält und erst bei näherem Hinsehen eine gewisse Inkonsistenz des Charakters Bré Tsinga vorweisen kann. Insgesamt macht der Roman jedoch eindeutig Spaß.
10 Punke.

Winfried Brand

Es ist ja eigentlich nicht die Aufgabe des Rezensenten, etwas zum Cover zu sagen, aber in diesem Falle kann ich einfach nicht widerstehen: Das sind eindeutig die häßlichsten Matten-Willys, die ich je gesehen habe. (* Zugegeben, ich hatte mir Matten-Willys ja auch ein wenig anders vorgestellt... vor allen Dingen meine ich, sie eher als transparent-rosa in Erinnerung zu haben... Heike) Sorry, Ralph Voltz, aber das mußte mal gesagt werden. Abgesehen davon, daß auch Bré irgendwie merkwürdig aussieht - na ja, Schwamm drüber.
Kommen wir zum Roman selber. Es freut den Rezensenten, daß Bré mal wieder in der Handlung auftaucht. Die Kosmopsychologin war ja so gut wie gar nicht mehr vertreten; nun ist sie also wieder da und in Perrys Auftrag zur Hundertsonnenwelt unterwegs. Allerdings wirkt sie doch ein wenig blaß. Irgendwie hatte ich sie, als sie noch zusammen mit Atlan arbeitete, lebhafter in Erinnerung. Wie dem auch sei, jedenfalls ist es ein geschickter Griff, sie als Botschafterin zur Hundersonnenwelt zu schicken, damit sie dort um Hilfe bittet. Damit hätten wir dann auch schon die Haupthandlung zusammengefaßt: Bré kommt, sieht, versteht wenig und verschwindet wieder mit der Zusage, daß die Posbis den Terranern mit einer Flotte zur Hilfe kommen. Nicht besonders spannend. Da nützt dann auch das pikante Detail nichts, daß die Arkoniden im Inneren des Zentralplasmas herumwerkeln. Man könnte jetzt natürlich vermuten, daß das Zentralplasma anstelle eines PsIso-Netzes ein KrIso-Netz um die Kuppel gespannt hat - damit würde dann die plötzlich auftauchende Flotte doch nicht auf der Seite der Terraner stehen. Unter dem Aspekt betrachtet könnte der Roman doch noch seinen Sinn haben, sonst wäre er halt nur ein Füllroman...
Ein richtiges Schmunzeln ruft da dann die Nebenhandlung mit den Matten-Willys hervor. Es ist irgendwie niedlich, wie Bruno versucht, sein Volk mit Vurguzz - oder sowas ähnlichem - aufzuheitern. Der Riesenkater am anderen Morgen läßt darauf schließen, daß der Autor hier wohl aus eigener Erfahrung spricht... ;-) Wie gesagt, die Nebenhandlung ist recht hübsch und nett, so richtig wichtig ist sie jedoch nicht.
In dieser Ebene tritt zwar Bré etwas mehr in den Vordergrund, aber überzeugen kann der Charakter auch hier nicht. Der Versuch, ihr mit der Beziehung zu Kallo Morx (* Zu WEM??? :-))) Heike) Gefühlstiefe zu verleihen, funktioniert nicht recht. Mal sehen, vielleicht wird das ja noch was.

Fazit:
Ein durchschnittlicher Roman, dessen Haupthandlung nicht so richtig überzeugen kann. Allein die Matten-Willys retten den Roman auf die untenstehende Punktzahl.
6 Punkte

Christian Spließ

Co-Rezensenten zu den PR-Romanen gesucht

Da Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy.