Band 1: "Verflucht in alle Ewigkeit"

Autor: Michael J. Parrish

1999 führt Major Isaac Torn in Jugoslawien ein Kommando an, das das Ziel hat, albanische Geiseln und gefangengenommene NATO-Piloten aus der Hand der Serben zu befreien. Das Kommando läuft zuerst ganz nach Plan ab, aber Torn und seine Männer geraten in eine Falle. Sie werden von einem Zweimeter-Hünen gefangengeommen, und Isaac erlebt die Hölle auf Erden. Seine Männer werden der Reihe nach getötet. Nur er überlebt. Den Grund dafür weiß er allerdings nicht.
Zwei Jahre danach: Seit seiner Rückkehr hat Isaac sich von seiner Freundin Rebecca entfremdet; er fährt Taxi, um die Raten für das Haus aufzubringen. Er hat sein Leben nach dem Desaster niemals richtig in den Griff bekommen. Seine militärische Karriere ist ebenfalls gelaufen.
In der Vergangenheit machen sich mehrere Expeditionen auf, um merkwürdige metallene Artefakte zu bergen. Doch bevor sie die Gegenstände bergen können, werden sie von finsteren Mächten umgebracht. Dahinter scheint der Hüne mit der metallenen Maske zu stecken, der Torn damals gefoltert hat. Offenbar hat er etwas mit ihm vor.
Eines Abends erhält Torn Besuch von zwei Mitgliedern des Pentagon. Sie bieten ihm viel Geld an, wenn er sich für ein Experiment zur Verfügung stellt. Torn überlegt nicht lange; schließlich kann er sich (und Rebecca) nach Ablauf des Experiments mit diesem Geld ein würdevolles Leben leisten. Seltsamerweise wird er gewarnt, das Experiment nicht anzutreten. Torn glaubt den Warnungen jedoch nicht. Während seines Besuchs erhält Rebecca die Nachricht, daß sie schwanger ist. Als Torn ihr von dem Experiment erzählt, ist sie nicht einverstanden. Schließlich stimmt er ihr zu. Er wird das Experiment nicht antreten.
Aber der Hüne mit der Metallmaske ahnt, daß Rebecca für den Fortgang hinderlich sein wird. Sie muß sterben. Als Torn am anderen Morgen das Haus verläßt, um den Penatgon-Leuten seinen Entschluß mitzuteilen, überfallen Dämonen das Haus und töten Rebecca. Dieses Ereignis stimmt Torn um. Er wird das Experiment durchführen - zudem ist er dadurch vor den Nachstellungen der Polizei geschützt, die in ihm den Mörder seiner Frau sehen.
Isaac wird nach Area 51 gebracht. Dort steht er einer metallenen Konstruktion gegenüber: einer Zeitmaschine. Dadurch könnte er den Mord an Rebecca verhindern. Trotz einer erneuten Warnung durchschreitet Torn die Zeitmaschine und beginnt seine Reise.

Jetzt ist sie also endlich da, die neue Bastei-Serie. Diesmal hat sich der Verlag zum Start etwas einfallen lassen, das bei Heftromanen bisher nicht üblich ist: Der erste Band erscheint als Variant-Cover. Einerseits natürlich nett für die Sammler, andererseits hat der normale Leser dadurch zweifache Ausgaben. Na ja, der Rezensent hat es mal zähneknirschend in Kauf genommen. Ob die Cover den Preis wert waren, darüber muß der Leser ohnehin selbst entscheiden.
Über die Probleme, die der erste Band einer neuen Serie hat, ist schon etliches geschrieben worden: Darüber, daß man die Hauptpersonen - hier Torn - einzuführen hat, gleichzeitig jedoch eine spannende Handlung entwickelt werden muß, um den Leser bei der Stange zu halten. Schließlich soll ja auch der zweite Band verkauft werden.
Nun ja, die Handlung ist doch recht spannend. Jedenfalls sind die ersten Seiten sehr gelungen, haben Atmosphäre und machen neugierig auf die nächsten Seiten. Diese Qualitäten hat der Rest des Romans zwar nicht mehr aufzuweisen, aber offen gestanden: Der Rezensent hatte von Michael J. Parrish weitaus Schlechteres erwartet. Schließlich schreibt der Autor ja auch für Maddrax...
Der Plot an sich - nun ja, geben wir es zu: Er ist ganz nett, aber nichts, was man nicht irgendwo schon mal so oder ähnlich gelesen hat. Daß Torn nun "ein Held sei, wie es zuvor keinen gab", wie auf der LKS zu lesen ist - das konnte der Rezensent bisher noch nicht erkennen. Dafür orientiert sich MJP doch recht deutlich an schon vorhandenen Plots. Einsamer Held, hübsche Gefährtin - irgendwie war es klar, daß diese auf der Strecke bleibt, denn schließlich braucht man ja etwas, das den Helden antreibt (böser Endgegner etc.).
Die Charaktere sind gut gestaltet, wobei Torn doch beeindruckt. Allerdings: Ein zerrissener, gebrochener Held ist nun auch nicht gerade neu. Inwieweit da das Vorbild "Spawn" mit reinspielt, weiß der Rezensent nicht, da er die Comic-Reihe nicht kennt.
Warten wir ab, ob die Serie von den Lesern angenommen und nach Band 12 fortgesetzt wird. Aber dazu muß man die nächsten Romane kennen...

Fazit:
Ein netter Einstiegsroman, der zwar nichts Neues bietet, aber Gewohntes recht hübsch verpackt.
8 Punkte

Christian Spließ

Und wieder einmal hat eine neue Bastei-Serie das Licht der Welt erblickt. Mangelnden Mut zum Risiko kann man dem Verlag jedenfalls nicht vorwerfen, er versucht es immer wieder - wenn auch mit manchmal recht zwiespältigem Ergebnis. Trotzdem gebührt dem Verlag natürlich ein dickes Lob für diesen Mut.
Auch scheint die Anzeigenaustausch-Aktion mit Perry Rhodan der Maddrax-Serie einiges gebracht zu haben, denn entgegen den bisherigen Gewohnheiten des Verlags gab es zum Start der Serie gleich zwei Rückseiten-Werbungen bei Perry mit jeweils einem begleitenden Faltblatt. Sowas haben wir bisher noch nicht von Bastei gesehen.
Ebensowenig wie ein "Variant Cover" bei einem Heftroman. Diese - im Comic-Bereich durchaus übliche - Praktik ist mit Torn nun also auch zu den Heftromanen vorgedrungen. Es kann wohl davon ausgegangen werden, daß dieser erste Band der Serie sich durch diesen kleinen Trick sicherlich wesentlich besser verkauft hat, als wenn man ihn nur einfach so auf den Markt geworfen hätte. Eine nette Idee, die wahrscheinlich wohl bald Nachahmer finden wird <eg>. Die Titelbildoptik ist dem inzwischen etablierten Maddrax-Outfit angepaßt - glücklicherweise hat man auch hier zugunsten des Titelbildes auf die übergroße Bastei-Zinne verzichtet. (Allerdings: Für meinen Geschmack hätten die Titelbilder ruhig auch kleiner sein können, dann hätte man wenigstens weniger von ihnen gesehen - aber dies ist sicherlich reine Geschmackssache, und es gibt ja noch das Prinzip Hoffnung, was hierbei bedeutet: Vielleicht kommt ja später noch ein besseres Titelbild... <eg>)
Genug aber der Vorrede - kommen wir endlich zur Serie/zum Roman selber:
Michael J. Parrish hat das Konzept zu Torn entwickelt - und, mal ganz ehrlich, er hat wohl eine Comic-Serie namens "Spawn" dabei neben sich auf dem Schreibtisch liegen gehabt. Nun kenne ich den Comic nicht besonders gut - doch sind diverse Parallelen eindeutig nicht zu verhehlen. (* Gehst Du jetzt auch schon unter die Reimer? ;-) Heike) Auch wenn von Seiten des Verlags hier natürlich wieder anderes behauptet werden wird - die Frage ist doch, wer diese Schutzbehauptungen noch ernst nimmt. Die Versatzstück-Philosophie der neueren Heftserien des Bastei-Verlags ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Nach "Vampira" (Vorbild: "Vampirella") und "Maddrax" (Vorbild: "Mad Max") kommt jetzt "Torn" (Vorbild: "Spawn") - und man gibt sich noch nicht einmal besondere Mühe, sich zumindest namensmäßig von diesen Vorbildern zu unterscheiden, die massive Grundlagen der Serien liefern. (* In der Tat klingt das alles so ähnlich, als würde man die Fans ganz bewußt und absichtlich mit der Nase daraufstoßen wollen... Heike) Nun gut - würde man zugeben, daß man sich hier an Bestehendes angelehnt hat, wären wahrscheinlich recht schnell die Anwälte der jeweils anderen Serie vorstellig, die zumindest Lizenzgebühren einfordern. Von daher kann man die allergischen Reaktionen auf Verlagsseite verstehen, wenn wieder einmal von Leserseite diesbezügliche Fragen gestellt werden... <veg> Inhaltlich bietet Torn also recht wenig Neues - von einem "Helden, wie es noch keinen gab" kann hier wohl kaum die Rede sein, auch wenn die Werbung dem Leser dies einreden will.
Wie der Leser jedoch schon bei "Vampira" und "Maddrax" sehen konnte, ist eine gewisse Menge von Versatzstücken nicht unbedingt abträglich für eine Serie. Manchmal entwickelt sich daraus tatsächlich ein durchaus stimmiges Romanbild.
Michael J. Parrish jedenfalls hat hieraus einen recht vergnüglichen Roman gemixt, der den Leser zu unterhalten weiß. (Daß ich persönlich mit dem militärischen Anfangsteil des Romans nicht besonders viel anzufangen weiß, da mir dieses Genre nun überhaupt nicht zusagt, ist dann wieder reine Geschmackssache. Geschrieben ist es jedenfalls recht ordentlich.) Der Autor versucht natürlich in diesem ersten Band, vor allem seinen Helden zu charakterisieren, was ihm auch recht gut gelingt. Der zerrissene, gebrochene Major Torn ist zumindest recht eindringlich geschildert.
Die Story selber ist durchaus gefällig, jedoch auch in allen Punkten vorhersehbar. Wirklich Überraschendes passiert eigentlich nicht - dafür sorgen die Versatzstücke.
Problematisch ist natürlich, daß es sich hierbei um einen ersten Band handelt, der einerseits die Charakterisierungsarbeit zu leisten hat, andererseits jedoch auch den Leser zum Weiterlesen animieren soll. Hinzu kommt bei Torn, daß es sich hier um einen Einleitungs-Dreiteiler handelt - der erste Band also gerade mal die allerersten Handlungsanfänge bietet. Vieles bleibt naturgemäß offen bzw. wird bestenfalls kurz angerissen oder angedeutet; Fragen tun sich auf, die in den nächsten Bänden beantwortet werden. Gerade in der Handlungsvorschau des nächsten Bandes fühlt sich der Leser dann doch wieder stark an den Comic-Bereich erinnert: Wie heißt es hier: "Erlebt die unheimlichen Richter der Zeit- trefft zum ersten Mal den weisen Aeternos - erfahrt, wer TORNs wahre Gegner sind - erlebt, wie TORN seine magische Rüstung erhält - und erfahrt von TORNs Mission gegen die Horden des finsteren Dämons Mathrigo, Anführer der Grah'tak...!" Das klingt nach dem marktschreierischen Getue des Comic-Genres. Ob dies beim Leser ankommt, werden wohl die Verkaufszahlen zeigen.
Nun, ich muß gestehen, ich habe hier viel geschrieben - zum eigentlichen Roman jedoch recht wenig. Dies liegt wohl daran, daß die Handlung selber recht wenig hergibt und auch nichts wirklich Neues bietet. Statt dessen gibt es Fast Food-Lektüre, die unterhaltend daherkommt, jedoch auch nichts Besonderes vorzuweisen hat, an das man sich noch länger erinnern würde. Ideal für die Bahn- oder Busfahrt, kann der Roman problemlos auch zwischendurch an jeder Stelle unterbrochen werden, um die Lektüre später wieder aufzunehmen.

Fazit:
Vielleicht wird es ja mit den nächsten Bänden anders; für diesen ersten Roman gilt jedoch: Nett, unterhaltsam, Fast Food-Lektüre für zwischendurch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Entwickeln muß sich die Serie ab Band zwei - der erste Band kann jedoch als recht gelungener Appetizer gelten.
7 Punkte.

Winfried Brand